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/Okt/2010

Die Hamstertaktik

Von: minraise @ 07:24 (CEST) / 4000 / Kommentar ( 1 )

Seit geraumer Zeit habe ich einen running Gag mit einem Pokerbuddy von mir am laufen. Jedesmal wenn wir uns über Poker unterhalten und ich ihn frage, wie seine letzte Session verlaufen ist, erzählt er mir beispielsweise "Jo, habe so 700 Hände gespielt, dann war ich 2 Stacks up und habe gequitted.". Spasseshalber kriegt er dann immer den gleichen Spruch zu hören (den er mir natürlich auch drückt, wenn die Gelegenheit passt): "Schnell die Backen voll gemacht und dann ab in den Hamsterbau, ne?" Ich fand den Spruch recht passend. Könnte unter anderem auch unter gewissen Kriterien als Antwort auf eine der Kernfragen, die mir während der IntelliPoker Trainings immer und immer wieder gestellt werden, genügen:

  • "Wann sollte ich den Cashgame Tisch spätestens verlassen?"
Ich kann inzwischen kaum noch zählen, wie oft ich auf genau diese Frage im Training Stellung beziehen sollte - inzwischen ist sie schon ein absoluter Klassiker. Wenn ihr das nächste mal in eines meiner Trainings reinschaut, dann vergesst bloss nicht, mich mit dieser Frage zu konfrontieren - als Antwort wird es dann ab jetzt einen ganz klaren Verweis auf diesen Blogeintrag geben. Ich möchte heute nämlich ich ein wenig auf die einzelnen Kriterien und Aspekte eingehen, welche ein mögliches, vorzeitiges Beenden der Session oder zumindest eines spezifischen Tisches erfordern könnten.

Effektive Stacksize

Die grösste Angst bei vielen besteht an einem speziellen Tisch darin, dass sie alle Chips, die sie bisher in der Session gewonnen haben, wieder verlieren könnten. Man gewinnt einen Stack, vielleicht noch einen und sitzt auf einmal mit 200, 300 oder sogar noch mehr Big Blinds am Tisch. Eine ungewohnte Situation an einem Tisch, bei dem man sich womöglich nur mit 100 oder weniger BBs einkaufen konnte. Deepstack Poker ist komplex, hab ich gehört - schwer, knifflig und riskant, weil man theoretisch viel verlieren kann. Bevor ich aber weiter auf die Kehrseite dieser Punkte eingehe, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass viele dabei vergessen:
  • Stacksize =/= Effektive Stacksize
Sofern nicht mindestens ein anderer Spieler am Tisch einen eben so großen Stack besitzt wie man selbst, spielt man nicht "deep". Einen Schritt weiter gedacht: Selbst wenn ein Spieler am Tisch sitzt, der effektiv an die eigene Stacksize kommt, muss man auch zuerst einmal in eine Hand mit genau diesem Spieler in einer Heads Up Situation verwickelt sein, um effektiv um den gesamten Stack zu spielen. Vorher braucht man keine Angst zu haben um seinen Stack. Die anderen Spieler am Tisch haben immer noch genausoviele Chips wie zuvor, und man spielt effektiv immer nur um den kleineren Betrag.

Got Edge?

Entpuppt sich der zweite Deepstack am Tisch allerdings nun irgendwann als loose/aggressives Monster, der euch 3-Bets, Check/Raises und Rivershoves um die Ohren prügelt, bis ihr vergessen habt, wie man Poker spielt - dann ist es wohl allerhöchste Eisenbahn, den TIsch zu verlassen. Sobald ihr merkt, dass euch die effektive Stacksize in ungewohnte Situationen drückt, die ihr entweder aus theoretischer Sicht nicht wirklich lösen könnt, oder weil die Gegner euch andauernd mit Fragen konfrontieren, auf die ihr keine Anrworten habt, dann steckt den dicken Stack in eure Backen und nix wie weg in den Hamsterbau. Allerdings sollte der schlaue Hamster sich dann auch nach der Session mit dem Thema Deepstack Poker auseinandersetzen, wenn er sein Spiel und seine Möglichkeiten im Poker weiterentwickeln will.

Ist der Tisch umgekehrt voll von grossen und kleinen Fischen, deep oder shallow, aggressiv oder passiv, und ihr seht nach wie vor einen hohen Erwartungswert für euch im laufenden Spiel - dann solltet ihr diese Position auch niemals vorzeitig verlassen. Softe Tische sind in der heutigen Zeit nicht die Regel, und wenn ihr die Möglichkeit habt, einen schwachen Spieler an einem Tisch für mehr Chips zu stacken, als ihr es gewohnt seid, dann lernt euch dran zu gewöhnen!

Scared Money

Auch wenn manche Leute es vielleicht nicht gern offen zugeben würden, die Psyche suggeriert doch oft noch, dass um echtes Geld gespielt wird, und die Beträge zum Teil womöglich nicht unerheblich sind. Auf scared money zu spielen drückt für viele Spieler mit Sicherheit den EV nach unten - ich will nicht bestreiten, dass das Gegenteil ebenfalls den EV drücken kann, wenn derjenige nur noch mit Chips um sich wirft. Sobald man realisiert, dass man  Entscheidungen unter einem gewissen betraglichen Druck trifft, und nicht mehr nach dem Kriterium max {EV} wäre dies ebenfalls ein guter Zeitpunkt, den Tisch zu verlassen. Gerade, wenn sich der Stack verdoppelt (vervielfacht) hat und man unter einem scared money Effekt leidet, sollte man genau abwägen, ob der EV selbst eines fischigen Tisches im aktuellen Mindset noch lohnenswert genug ist. Das ganze Phänomen hat unter Umständen wohl noch auch mit dem folgenden Punkt zu tun:

Bankroll Management

Ein Spieler mit einem soliden Bankroll Management und genügend Stacks für sein aktuelles Limit sollte eigentlich niemals unter scared money Einfluss stehen. Er sollte auch niemals um seinen dicken Stack an einem fischigen Tisch fürchten, denn den großen Stack hat er ja bereits einem Aufdoppler zu verdanken - somit freerollt er am Tisch meist, und die Größe der Bankroll hat sich nicht negativ verändert. Er kann sich voll und ganz darauf konzentrieren, ein paar potentiell große Gewinne einzufahren. Sollte er den dicken Stack verlieren, hat er ja immer noch genug Bankroll in der Hinterhand. Wenn allerdings ein Deepstack, den man an einem Tisch akkumuliert hat, einen gewissen Prozentanteil der eigenen Bankroll darstellt, und man effektiv auch mit den anderen Spielern am Tisch um diesen Betrag spielt, dann wird es gefährlich.

Das gilt beispielsweise besonders, wenn man gerade einen Shot auf einem höheren Limit versucht. Je stärker ein Stack bei Verlust die eigene Bankroll bedroht, desto schneller sollte man sich zurückziehen, oder besser noch ein anständiges Bankroll Management pflegen. Das durch Varianz bedingte Risk of Ruin kann unter diesen Umständen nämlich so gross werden, dass selbst ein fischiger Deepstack-Tisch sich nicht mehr zu spielen lohnt.

Zu guter letzt geht es beim Pokern auch oft einzig und allein um den Wohlfühleffekt bzw. die sogenannte Komfort-Zone. Wenn euch Deepstack Poker nicht zusagt, ihr keine Edge mehr findet, auf scared money sitzt oder die Bankroll in Gefahr seht, beendet die Session.

xflixx


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