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/Okt/2009

Double the limits, double the fun

Von: minraise @ 11:53 (CEST) / 192 / Kommentar ( 6 )

Als ich diese und letzte Woche Dienstag im 6-Max Training Prep School 1+2 darüber sprach, welche Punkte es beim Aufstieg auf ein neues, höheres Limit zu beachten gibt und welche Faktoren einen maßgeblich beeinflussen, wenn man einen "Shot" (also eine Stippvisite auf dem höheren Limit mit ein wenig beiseite gelegtem Geld) wagt, stieg auch in mir selbst die Lust aufzusteigen. Gedacht, gesagt, getan. Gestern fand ich mich also auf NL400 ($2/$4) wieder, um frischen Mutes das zu versuchen, was ich ein bis zwei Jahre lang vor mir hergeschoben hatte. Die Bankroll für 400NL hatte ich schon Ende 2007 zusammen, habe es aber in dieser Zeit aber nur ein paar mal versucht. Warum? Aus Gründen.

NL200 lief seit jeher so gut und ergiebig, ich fühlte mich wohl, spielte jeden Tag in meiner Komfortzone und war mit den Ergebnissen mehr als zufrieden.Warum also etwas ändern? Klar schlummerte da derTraum von den Mid und High Stakes irgendwo in mir, aber warum sich Risiken, Stress und starkenGegnern aussetzen, wenn man es auch anders haben kann? Das ist wohl auch eine sehr grundsätzliche Fragestellung für jeden Pokerspieler, die ich schoneinmal in diesem Blogeintrag versucht habe, zu erschliessen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was einem gut tut und was ihm wichtig ist.

How to achieve...

...when moving up.

Auf jedenfall erzähle ich Euch nun ein bisschen was von meinen Erfahrungen mit Aufstiegsversuchen und den damit verbundenen Fehlern, die ich dabei begangen habe. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen von Euch Fehler für Euren eigenen, nächsten Aufstiegsversuch oder Shot zu vermeiden.

Ich erinnere mich noch an eine Nacht vor ca. 2 Jahren, in der ich von einem Live Game heim kam, beflügelt von einem sehr guten ertragreichen Cashgame Abend und meinen Gewinnen, Zack, direkt an die Tische, die erstbesten 2/4 Games aus der Lobby herausgesucht und hingesetzt. Zugeschaut hat mir ein guter Kumpel aus meinem Homegame. An eine meiner ersten Hände, und die Umstände, unter denen ich sie spielte, kann ich mich am besten erinnern - ganz einfach weil sie smyptomatisch für all das ist, was einem beim Aufstieg auf ein höheres Limit durch den Kopf geht, und was man nicht beachtet:

  • Ich öffne meinen Account und werfe einen kurzen Blick auf meine Bankroll, bevor ich übereifrig die $2/$4 Tische aufrufe. Es sind genau 40 Stacks für NL200 vorhanden, ich habe also mein bisheriges Bankroll Management anständig gehegt und gepflegt. Ich setze mich an die erstbesten freien Plätze an acht verschiedenen $2/$4 NL Tischen. An allen Tischen spiele ich 6-handed mit effektiven Stacks von $400. An einem konkreten Tisch sitzt direkt hinter mir ein dicker Fisch und dahinter 2 aggressive, kompetente Regulars. Ich eröffne auf $14 aus Under the Gun. Alle folden zu einem mir bekannten, aggressiven und starken Regular dieser Stakes im Big Blind. Er bezahlt. Wir sehen den Flop: . Er checkt zu mir, ich setze $20, er check/raist in einer Millisekunde auf $58. Ich reraise auf $168, er pusht All-In. Ich calle. Turn , River - Der Pot shippt zu ihm, er zeigt für sein geflopptes Set.

Wieviel Fehler seht Ihr in dieser Hand? Besser gefragt: Wieviel fehlerhafte Annahmen habe ich in dieser Hand gemacht? Ich nenne sie alle beim Namen, und damit haben wir dann auch eine schöne Liste von Punkten begonnen, auf die man beim Limitaufstieg achten sollte:

1. Bankroll Management: 40 Stacks für ein 6-Max Limit waren und sind ein recht solider Standard für ein gutes Bankrollmanagement. Ich steige trotzdem auf. Warum?

  • "Ich will es jetzt wissen. Bin ich gut genug? Schlage ich die Leute da oben genauso wie die Leute hier unten? Ich habe eine große Roll, so weh kann der Verlust von ein paar Stacks nicht tun."

Man sollte niemals die Auswirkungen einer Losing Session auf die Bankroll unterschätzen. Verdoppelte Stacks, verdopppelte Betsizes, verdoppelte Pötte = verdoppelter Verlust, wenn es schief läuft. Je mehr Stacks, desto weniger Pleite-Risiko, desto weniger Druck, desto weniger Scared Money, desto weniger Angst vor einem Fehlversuch und einem Abstieg. Es kommt natürlich immer auf den eigenen Bezug oder die Abhängigkeit des einzelnen zu diesem "virtuellen Pokergeld" an, wie stark sich letztendlich die Größe der Bankroll auf das Spiel auswirkt. Aber eins kann ich festhalten: Scared Money, verdoppelte Beträge, größere Pötte können einen enormen Druck ausüben und einen dazu bringen, nicht mehr sein A-Game zu spielen:

  • ein Call zu wenig - "Wow, das ist eine so große Bet, der muss es haben!"
  • ein Raise zu wenig - "Nee, soviel investier ich doch nicht in einen Bluff!"
  • eine Hand zu wenig - "Ich finde bessere Spots, um mein Geld zu investieren!"

...und schon ist die Winrate auf dem neuen Limit versaut. Wenn man aufsteigt, sollte man entweder eine Shot Bankroll (wer mehr zum Thema wissen will) beiseite legen und das Geld damit komplett als "bereits investiertes Geld" betrachten, oder eine entsprechend große 40 Stack Roll aufgebaut haben. In meinem Fall wären das zumindest 48 200er Stacks für eine Shotroll (4 Stacks für NL400) oder eben eine 80 Stack 200er Roll gewesen. Mehr ist hier auch mehr.

2. Tischzahl: Acht Tische. Hallo? Geht's noch? Ich habe das Limit noch nie gespielt und setze mich gleich an 8 Tische gleichzeitig. Warum?

  • "Ich will möglichst viel gewinnen, und das kann ich an vielen Tischen bestimmt besser."

Die pure Gier. Damit ist eine Losing Session schon vorprogrammiert. Je mehr Tische, desto mehr komplexe Entscheidungen, desto mehr Chancen, sich zu verclicken, desto schlechter die Konzentration, desto schlechter die Fähigkeit, sich durch Aufmerksamkeit an Gegner individuell anzupassen. Im Grunde sollte man wohl eher gerade einmal die Hälfte der Tische spielen, die man gewinnbringend auf einem bereits geschlagenen Level darunter spielen konnte. Und selbst das kann noch zu viel sein. Hier ist einfach weniger mehr.

3. Tableselection: Ich sitze an einem Tisch mit einem dicken Fisch. Das ist toll. Allerdings ohne direkte Position auf ihn. Der wird, ausser ich bin am Button, immer Position auf mich haben! Jetzt ist mein Vorteil, den Fisch am Tisch zu haben, gar nicht mehr so viel wert. Genau so verhält es sich mit den beiden anderen aggressiven Regulars. Ich bleibe dennoch sitzen. Warum?

  • "Ich gebe meinen Platz nicht auf. Hier sitzt ein dicker Fisch am Tisch, und ich lasse mir doch nicht von ein paar aggressiven Jungs diktieren, wo ich zu sitzen habe."

Je höher ich aufsteige, desto dünner wird die Luft in Sachen Schwächen der Gegner. Umso mehr Gedanken muss ich mir darum machen, wo denn meine Gewinne hauptsächlich herkommen sollen. Sicher nicht, indem ich direkt zu Beginn meines Aufstiegsunterfangens direkt die Konfrontation suche mit den besten und aggressivsten Spielern des Levels. Das ist, als würde ich freiwillig in den Löwenkäfig steigen, anstatt mit kleinen Kätzchen zu spielen. Und das auch noch am besten in einer Position, in der mich der Löwe direkt angreifen und ich auch ja nicht weglaufen kann.

4. Bewusste Veränderung von Spielweisen: Ich eröffne eine Hand, die nicht nur oft dominiert ist und in Trouble gerät, nein ich eröffne sie auch noch aus der wohl schlechtmöglichsten Position gegen einen loosen und drei aggressive Spieler hinter mir. Denkbar schlechte Vorraussetzungen. Warum?

  • "Ich bin ja jetzt auf einem neuen Limit, und da darf ich nicht zu tight spielen - je looser, desto besser. Die anderen sind ja auch alle loose und aggressiv. Wenn ich zu tight bin, nehmen die mich womöglich nach Strich und Faden aus."

So in etwa war mein Gedankengang zu der Zeit. Der völlig falsche Ansatz. Ich hätte diese Hand auf meinem Stammlimit nicht gespielt in dieser Konstellation, und ich sollte sie eben auch nicht spielen, nur weil ich mich dazu aus unerfindlichen Gründen genötigt fühle. Jetzt geht es aber noch weiter: Ich spiele mein Top Pair Good Kicker postflop auch noch für den gesamten Stack und habe damit meine Standards geändert. Warum? "Mein Gegner ist bestimmt hyper-aggressiv. Ich kenne ihn vom Namen her. Das hier ist 400NL, und die Leute spielen hier sicher aggressive Draws und Bluffs." Falsche Annahmen. Das Gehirn jubelt sie einem irgendwie unter. Man meint, aus Gründen wie diesen, sein Spiel umstellen und Poker komplett neu erfinden zu müssen. Aber ganz unter uns: Warum sollte jemand, der kompetent ist, und vor allem mich nicht kennt (spiele das Limit schliesslich zum ersten Mal), mit einem Draw oder einem Bluff direkt in der ersten Hand pleite gehen? Auf meinem alten Limit hätte ich die Hand womöglich gegen jemanden unter einer geeigneten Vorgeschichte so gespielt, nicht jedoch gegen einen kompetenten Gegner.

  • Never change a winning team.

Genau das ist auch meine Regel hier. Das hat auch mal mein Arzt zu mir gesagt, nachdem er mehrere Jahre eine chronische Magen-Darm Krankheit von mir erfolgreich behandelte, und es mir darum ging, ob neuere Methoden sinnvoller anzuwenden wären. Die waren es nicht, denn ich hatte nun schon seit Jahren keine Beschwerden mehr. 

Der Shot verlief natürlich katastrophal, wie nicht anders zu erwarten war. Ich verlor, glaube ich, 8 Stacks, erholte mich aber wieder schnell auf meinem Stammlimit in kürzester Zeit. Für den Anfang hatte ich so die Nase erstmal gestrichen voll, und war vor allem auch ein wenig sauer über meine eigenen Fehler.

 

Inzwischen ist Zeit vergangen, ich habe viel an meiner Einstellung zum Spiel gearbeitet und dazu gelernt und neues Selbstbewusstsein getankt. Das ist auch der einzige Punkt, in dem ich mental etwas gutes getan habe, als ich Shots wagte. Das Stichwort heisst Confidence (Dr. Denglisch, ich weiss). Um sein A-Game zu spielen braucht man viel davon. Ohne eine starke, positive Einstellung und einer gesunden Wertschätzung des eigenen Spiels wird man kaum Sicherheiten im Umgang mit bestimmten Situationen und vor allem den verdoppelten Einsätzen haben können. Seht auf jedenfall zu, dass Ihr Shots nur an Tagen wagt, an denen Ihr Euch sicher seid, gut und selbstbewusst spielen zu können. Angst und Ehrfurcht sind fehl am Platze - beides ist aber nicht gleichzusetzen mit Demut und Respekt. Ersteres sollte man vor allem dann an den Tag legen, wenn man im Nachhinein noch einmal seine Session analysiert und sich ggfs. auch eingesteht, dass man einige Hände nicht optimal gespielt hat. 

Ich wünsche Euch viel Erfolg und eine gesunde Einstellung zu Eurem nächsten Shot. Wer über meine Erfahrungen mit dem Aufstieg gern Details erfahren oder weitere Hände mitverfolgen möchte, kann mich entweder gern per PM kontaktieren oder in meinem User Blog: Der Flix-Max Supernova Blog stöbern bzw. posten. Dort dokumentiere ich regelmässig all meine aktuellen Pokergeschehnisse.

Viel Glück an den Tischen,

Euer Flix

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