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/Aug/2010

Flow

Von: minraise @ 10:47 (CEST) / 4239 / Kommentar ( 6 )

Ich glaube, jeder weiss in etwa, was ich meine, wenn ich vom "Flow" spreche. Den Begriff gibt es sicher auch für verschiedene Sportarten oder andere Bereiche, in denen es um Leistungsoptimierung des Menschen geht. Gemeint ist ein Zustand, in dem man gute Entscheidungen in einer Millisekunde, auch rein intuitiv, trifft. Man kann geradezu in die Köpfe der Villains hineinsehen und weiss genau, welchen Köder man diesmal verwenden kann, um sein Monster ausgezahlt zu bekommen. Schön klein betten, und schon snapshipped Villain mit seinem Gutshot oben drüber. Ein kurzes Schmunzeln kann man sich nicht verkniefen, die Confidence steigt. In der nächsten Hand foldet man schön ruhig und entspannt Top Pair Top Kicker, weil der andere Villain mal wieder seine 0815 Value Stack-a-Donk Line auspackt (Definition Stack-a-Donk Line: Bet Flop, check/raise am Turn gegen einen aggressiveren Gegner, der den Check als Schwäche interpretiert).

Flow = A-Game?

Die Frage ist: Wie komme ich in diesen Zustand überhaupt erst hinein? Und beschreibt Flow einfach nur A-Game oder noch etwas anderes?

Als ich neulich wie immer früh morgens um 5 meine Session für die Grinding up through the Micros Challenge begonnen hatte, merkte ich nach ca. 20 Minuten Spiel, dass mir die Entscheidungen und Mausclicks mit Leichtigkeit von der Hand gingen. Hauchdünne River Valuebets, Semibluffs und Bluffs mit dem absolut richtigen Timing, und sogar Folds, die ich vor allem selten mache, wenn ich Gewinnbrand habe, waren wie selbstverständlich. Ich konnte sogar noch 2 zusätzliche Tische öffnen, und war somit entgegen meiner Prinzipien an 8 Tischen gleichzeitig beschäftigt, Entscheidungen zu treffen. Doch selbst die Zahl der Tische konnte mein Potential in diesem Flow Zustand auch nicht mindern. Nachdem ich die Session dann mit einem satten Gewinn beendet hatte, fing ich an, mir Gedanken zu machen, wie ich in diesen Zustand gelangen konnte.

Es ist sehr wohl möglich, dass dieser "Flow" einfach nur eine Konsequenz eines sowieso schon guten Laufs der Karten ist - das wage ich nicht anzuzweifeln. Wenn man gut läuft, fallen einem ja vor allen Dingen knappe Entscheidungen leichter. Man ist eh schon gut vor, also kann man auch mal folden:

In diesem Spot würde ich mir wohl je nach Gemütszustand sagen: "Meeeensch, ich hab Asse, und der Typ könnte ja auch mit dem oder Top Pair raisen. Vielleicht ist er auch auf Tilt und...was soll's, ich hab doch Aaaaaaassseeeee!". In Wahrheit sprechen hier einfach zwei extrem starke Indikatoren gegen einen Call:

  • Der Gegner pusht über eine starke Continuation Bet und einen Call von zwei verschiedenen Spielern, die beide auch etwas starkes haben könnten
  • Das Board enthält drei Kreuz, und ich könnte bereits drawing semi-dead sein (bis auf Runner Runner oder 2 Outs gegen ein Set)
Wenn ich mich gerade im Flow befinde, dann fällt mir so ein Fold extrem leicht - er kommt mir fast schon trivial vor. Und genau so würde man diese Hand in der Nachbereitung einer Session auch bewerten. Würde ich diese Hand ohne weitere Reads und Infos im IntelliPoker NL Cashgame Forum gepostet sehen, würde ich dem Poster zu 100% raten, seine Asse zu folden. Und weil man gerade in diesem Moment eh schon gut drauf ist oder besonders gute Hand Reading Fähigkeiten an den Tag legen kann, ist auch das dünne Valuebetten am River fast selbstverständlich:

Der Gegner in dieser Hand hat mir durch sein Betsizing in etwa die Stärke seiner Hand am Turn verraten, und ich konnte ihn sehr genau einschätzen auf ein schwaches Midpair  oder einen Draw. Da ein All-In am River sicher nicht mehr von einer schlechteren Hand bezahlt würde, habe ich mich instinktiv für eine dünne, kleine Valuebet entschieden. Auch das Betsizing kommt oft im Flow wie von selbst.

Can't control the cards
, but everything else!

Man kann die Karten nicht kontrollieren, aber man kann immer versuchen, die Karten so optimal wie möglich zu spielen. Wenn es gut läuft, lautet das Ziel maximaler Profit - wenn nicht, eben nur minimaler Verlust. Im Flow sollte beides möglich sein. Neben dem möglichst fehlerfreien Spiel der Hände hat man zudem ja auch noch die Umstände, unter denen man grindet, unter Kontrolle. Ich nach der besagten Session also mal geforscht, was ich getan haben könnte, um in den Flow zu gelangen, und bin auf drei besondere Punkte gestoßen, die eine positive Wirkung auf mich vor und beim Spielen haben:

  • Möglichst viel Ruhe während einer Session. Das ist auch der Grund, weshalb ich am liebsten früh morgens spiele. Ich werde einfach nicht gestört durch lästige Telefonanrufe, den Postboten, zu viele Skype Nachrichten usw.
  • Entspannende und motivierende Musik. Besonders motivierend für den nächsten Trip nach Vegas gibt es da einen Song, den ich unten mal verlinkt habe.
  • 4 Tische zu Beginn der Session. Es klingt schon fast wie eine Predigt, aber ich kann nicht oft genug betonen, wie viel besser man spielen kann, wenn man sich ausreichend Zeit nimmt und Reads sammelt auf seine Gegner
Nicht jede Session schaffe ich es, in den Flow zu kommen. Dieser Zustand ist immer noch etwas ganz besonderes, und beschreibt für mich eher eine Metaebene sogar noch oberhalb des A-Games. Umgekehrt habe ich aber auch schon sehr viele Sessions beendet, einfach aus dem Gefühl heraus, nicht im Flow zu sein. Eine kurze Pause, und dann noch einmal versuchen. Es klappt nicht immer, und oftmals ist man auch darauf angewiesen, einen sehr guten Kartenlauf zu haben, um in den Flow zu gelangen. 

Ich denke man sollte sich seine Sessions einfach generell immer zeitlich optimal und mit den besten Rahmenbedingungen gestalten, dann sollte der Flow-Zustand irgendwann von alleine kommen. Vielleicht habt Ihr ja auch schon Eure persönlichen Rahmenbedingungen festgestellt, unter denen Ihr die besten Pokerentscheidungen treffen könnt - schreibt doch einfach Eure Erfahrungen in die Kommentare, dann können sich die anderen User und ich auch ein wenig davon inspirieren lassen!

Und wie versprochen noch der Insirationssong:



In diesem Sinne,
Euer Flix


 

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