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minraise blog

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/Mär/2010

Gute Paare, schlechte Paare

Von: minraise @ 12:03 (CET) / 5074 / Kommentar ( 13 )

Diese Woche habe ich mich für meinen Blogeintrag von IntelliPoker User Fuchz inspirieren lassen. Fuchz hat im IntelliPoker No Limit Hold'Em Cashgame Forum eine generelle, strategische 6-Max No Limit Frage gestellt zu einer Situation, die sich einem Grinder in den heutigen Games sehr häufig stellt, und zwar diese hier:

[NLHE 6-max] NL25 What to do pre?


Der Gegner in dieser Hand ist ein typischer TAG. Er spielt 24% seiner Hände, raist 18% und hat bis dato zu 50% versucht, die Blinds zu steheln, wenn zu ihm am Cutoff oder Button gefoldet wurde.

Button ($32.11)
Hero (SB) ($25.46)
BB ($60.37)
UTG ($26.13)

Preflop: Hero is SB with ,
1 fold, Button bets $0.85, Hero ???

Da ich Euch aber noch die Auflösung der Live-Game Hand vom letzten Blogeintrag schuldig bleibe, löse ich diese erstmal auf, während ihr Euch in der Zwischenzeit schon einmal Eure Aktion in Fuchz' Hand ausdenken könnt:

Auflösung von letzter Woche:

Da die tighte Spielerin von vorne in den Pot gebetted hat, gehen erst einmal bei allen Leuten am Tisch die Alarmglocken an. Ein Raise macht also in meinen Augen in dieser Situation wenig Sinn, da ich alle schwächeren Draws (Straight- und schlechtere Flushdraws) vertreibe und mich letztendlich nur in die Gefahr begebe, gegen die tighte "Donkerin" meinen Stack mit ein paar Flushouts in die Mitte stelle. Der Spieler aus dem Big Blind hat zwar schon vorher einmal gezeigt, dass er in der Lage ist, Draws zu check/raisen, allerdings war das in einer Heads Up Situation gegen einen loosen Gegner. Nun check/raist er gegen die donkenden Rocky Mountains höchstpersönlich, und gegen mich (ok, zugegeben, gegen mich alleine wäre seine Range hier sicherlich looser), und auch noch auf einen committenden Betrag von €50.

Als waschechter Mathenerd habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, nachzurechnen, ob ein Push von meiner Seite +EV gewesen wäre. Mein Ergebnis war: Ich muss noch €104 bringen, um insgesamt €157 zu gewinnen. Das sind in etwa Odds von 1:1.5, und damit benötige ich um die 40% Pot Equity, um langfristig mit einem Push Profit zu erwirtschaften. Da ich davon ausgehe, dass dieser Spieler in haargenau dieser Situation so gut wie immer Two Pair, eine gefloppte Straße, ein Set oder maximal einen starken Combodraw (z.B. ,   oder ) check/raist, bleiben mir aber nur 32% Equity - das ganze kann man mit dem IntelliPoker Chancenrechner nachrechnen.

Mein Read war korrekt, ich folde und er zeigt . In jedem Fall ein ekliger Spot. Hätte ich die tighte Spielerin bereits am Flop geraist, so wäre eventuell genügend Dead Money im Pot gewesen. Aber genau das kann mich wieder in die Bredouille gegen sie bringen, ich sitze also quasi in der Klemme und muss ein so schönes Blatt einfach das Klo herunterspülen.

Jetzt aber zum Thema von heute:

Small Pocket Pairs aus den Blinds
  Die Frage, die sich Fuchz gestellt hat, zielt hauptsächlich darauf ab, dass es sehr schwer und trickreich sein kann, mit kleinen Pocket Pairs gegen einen tight/aggressiven Gegner ohne Position seinen Blind zu verteidigen. Der TAG attackiert die Blinds vom Button besonders hartnäckig und nachhaltig mit allem möglichen Gemüse, und die Schwierigkeiten, die sich ergeben sind die folgenden:

  • Weite Range: Die Range des TAGs ist so weit, dass es schwer ist, die vermeintliche "Setvalue" - also das Callen in der Hoffnung, ein Set zu floppen - zu gering sein wird. Der TAG wird mit dem Großteil der Komposthände vom Button zu selten eine starke Hand machen, wenn Hero ein Set floppt, so dass auch wirklich die Möglichkeit besteht, seinen gesamten Stack zu gewinnen. Manchmal gewinnt Hero sogar nicht einmal mehr als die Continuation Bet, und häufig auch einfach nur den Preflop Pot.
  • Durchschaubare Strategie: Der TAG sieht und versteht, dass der Hero in diesen Situationen fast immer nur kleine Paare ohne Position callen wird. Er wird sich also hüten, auch nur noch einen Penny in die Mitte zu legen, wenn es Action gibt. Solange der Hero bisher nicht gezeigt hat, dass seine Range als Blind-Verteidiger nicht um einiges weiter als zwei gleiche Karten sein kann, wird er dem Strauchdieb aus dem Button das Leben nicht sonderlich schwer machen können. Beispiel:



 
  • Keine Position: Hero ist ohne Position, und es gibt keine wirklich eleganten Spielzüge ausser einem Check/Raise, die dem Button nicht noch zu viele Möglichkeiten lassen, von der Angel zu springen oder den Pot durch Checks oder Calls zu kontrollieren.
  • Kein Set, kein Geld: Hero floppt kein Set, aber ein Board, auf dem sein kleines Paar dennoch oft die beste Hand sein kann. Das ist auch noch eins der größten Probleme. Grund #2 kombiniert mit ungünstigen Turn und River Karten können den Button TAG dazu bringen, einfach gnadenlos bis zum River durchzuballern, ob er etwas hat oder nicht. Er kann Hero ganz leicht an die Wand spielen durch seine Position, und Hero zahlt letztendlich die bessere Hand aus oder foldet, obwohl er vorne war. Beispiel:


Zwei Lösungsvorschläge:

Diese Lösungsvorschläge beziehen sich nun wieder auf die von Fuchz beschriebene Situation vor dem Flop:
  1. Reraisen. Ein Reraise ist hier als Bluff gedacht. Der TAG muss im Grunde so viel von seinem Müll entsorgen und kann nur mit ein paar ausgewählten Händen weiterspielen. Der Vorteil, den man durch einen Reraise auch noch hat, ist die Einfachheit der Postflop Entscheidungen, die sich ergeben. Gerade kleine Paare sind ja so schöne Hold 'Em Hände, weil sie sich binär verhalten: Entweder man floppt ein Set (und ist damit so gut wie immer weit vorne) oder man floppt ein grausames Board voller Overcards (und ist entweder eh schon hinten oder hat wenig Equity).
  2. Folden! Folden ist manchmal die beste Waffe eines Pokerspielers. Folden spart Geld. Folden hat den Erwartungswert 0. Folden ist keine Schande. Was bringt es einem, wenn man sich nach dem Flop freiwillig in eine Situation bringt, in der man nicht weiss, wie man fehlerfrei weiterspielen soll?  Folden vermeidet weitere Fehler, und das spart Geld sowie Nerven. Neulich sagte ich mal zu einem Spieler, den ich coache, dass er ganz einfach alle Situationen im Poker meiden sollte, deren Folgen zu Tilt führen könnten. Das ist wahres +EV Poker. Der Kreislauf, der sich nämlich sonst ergibt, ist folgender: Hero spielt die Hand einfach trotzdem, obwohl er es besser weiss. Er macht einen Fehler, und der bringt ihn auf Tilt. In der Folge begeht er noch mehr teure Fehler auf Tilt, und Session ist gelaufen.
Geben wir dem TAG eben noch ein weiteres Mal die Blinds. Wenn das Fehler und Tilt meidet, machen wir selbst Profit Der Kölner sagt dazu: "Man möht och jünne künne". Danke an Fuchz für die Inspiration!


In diesem Sinne bis nächste Woche,
Euer Flix

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