javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

minraise blog

minraise blog
Send PM
/Jan/2010

Heute schon in ein Set getreten?

Von: minraise @ 09:09 (CET) / 2 / Kommentar ( 14 )

Der Beginn eines wunderschönen Pokertags...

<hr />
 
  <hr />
Kann doch nicht sein. Ich meine, der Gegner kann ja einfach ein kleineres Paar halten, oder Flush- und Straightdraws. Aber nein, schon wieder reingetreten in den Haufen. So hab ich's mir gestern auch vor mich hin gedacht, als meine Sneaker ganz unversehen vor meiner Haustür die unangenehme Bekanntschaft mit einem solchen machten: "Mensch, schon wieder in ein Set getreten...". Vielleicht ist das auch eher nur ein Anzeichen dafür, dass ich zu viel Poker spiele oder darüber nachdenke. Aber den ganzen Dreck habe ich mir dann selbst in den Hausflur getragen, weil ich mein schönes Overpair mal wieder nicht rechtzeitig entsorgen konnte. Und das schmälert im übertragenen Sinne die Winrate. In der Internet-Pokersprache wird der Ausdruck "Setmining" dafür verwendet, die gängige und durchaus profitable Strategie zu beschreiben, mit kleinen und mittleren Paaren vor dem Flop zu raisen oder einen Raise zu bezahlen, um ein Set zu treffen. Und im Grunde ist das ja nichts anderes, als einen Haufen irgendwo hin zu machen in der Hoffnung, dass der nächste, unachtsame reintritt. Frechheit eigentlich.
Paare gehören der Kategorie nach zu den stärksten Händen in Hold'Em, weil sie ganz einfach, wenn sie treffen, einige der stärksten Nut-Hände machen können (Sets, Full Houses). Paare haben damit den sogenannten "Setvalue" - also das Potential für eine große Auszahlung. Theoretisch trifft man ein Set jedes "achteinhalbte" Mal - Die Odds, ein Set zu treffen liegen bei 1:7,5. Bevor man also erstmal in den Genuß kommen, die Setmine explodieren zu lassen, müssen wir sie 8,5 mal legen. 

<hr />

  <hr />
Was heisst eigentlich genau dieses "auf Setvalue callen"? Durch meine Trainings und Coachings hinweg zieht sich diese Frage, und viele haben den Terminus einfach übernommen, ohne wirklich genauer darüber nachzudenken, was er bedeutet. Vielleicht wird es klarer, wenn man sich die Gründe anschaut, die eigentlich dagegen sprechen, mit einem kleinen Paar einen Raise zu bezahlen:

  1. Zu schwache Preflop Equity: Man denkt, dass man in dieser Situation nicht die beste Hand hält - der UTG Spieler erhöht grundsätzlich zu oft größere Paare, gegen die man ein 20% Underdog ist, oder starke Hände wie oder , gegen die man auch nur rund 50% Equity hat.
  2. Keine Garantie für hohe Implied Odds: Man kann immer nur von starken Händen des Gegners eine hohe Auszahlung erwarten.
  3. Mangelndes Showdown Potential: Man sieht, dass man erfahrungsgemäß mit einem so kleinen Paar selten profitabel in den Showdown gehen kann. Overcards, Straights, Flushes...beim Versuch, in den Showdown zu kommen, zahlt man zu oft die bessere Hand aus.
Auf "Setvalue callen" heisst demnach nichts anderes, als wissentlich mit einer Hand zu bezahlen, die zu nichts anderem gut sein wird, als ihr Set zu treffen. Man verliert beim "Setminen" (oder "Häufchen" machen) jedesmal die preflop Investition. In diesem Fall sind das z.B. $2, die sich zu (8,5*$2) = $17 summieren. Wenn man das Set dann letztendlich trifft, muss der Gegner aber auch erstmal hineinlaufen. Sprich: Seine Hand muss gut genug sein, damit er auch das 8,5-te Mal zumindest die bisher investierten $17 zurückgibt. In diesem Fall spielt man mit einem Call preflop aber langfristig gerade einmal break-even. Nicht miteingerechnet sind da nun auch die folgenden Fälle:
  1. Der Gegner ist achtsam und smart genug, durchschaut den Plan, und gibt einfach seinen Stack nicht her (Unverschämtheit).
  2. Der Gegner macht eine stärkere Hand, entweder durch ein höheres Set, eine Straight oder einen Flush (er setzt einfach einen dickeren Haufen über unseren drüber).
Hier sieht sich, wie so oft beim Pokern, die Theorie mit der Praxis konfrontiert. Theoretisch optimal wäre es, mit einem Paar jedesmal vor dem Flop zu bezahlen, wenn der Gegner zumindest diese $17 noch übrig hat, um uns auszuzahlen. In der Praxis sieht das aber anders aus. Und deshalb wird die oft vermeintliche "Setvalue", die man in vielen Situationen sieht, weil man sich ungern von seinen kleinen bis mittleren Paaren trennen kann ohne einen Flop gesehen zu haben ("Och komm nur kurz gucken, wenn kein Set kommt bin ich ja auch schnell wieder raus..."). Auf diese Problematik wurde ich ganz oft schon in meinen öffentlichen 6-max NL Trainings (wir hatten schon zweimal ein Special zum Thema "Setvalue") von Usern angesprochen, und sehe es immer und immer wieder bei meinen privaten Schülern - Eine Angewohnheit, die sich zu einem sogenannten "Leak" entwickeln kann: Man verliert in sich stetig wiederholenden Situationen Geld, ohne es zu merken. Welche Situationen das sein können, und wie man diese Leaks stopfen kann, dazu schreibe ich nächste Woche noch einen zweiten Eintrag mit einigen Handbeispielen. Wenn man auf "Setvalue" callen möchte, müssen einige Rahmenbedingungen durchweg erfüllt sein. Der andere Weg, nämlich nach dem Flop ohne ein Set weiter zu spielen, kann genauso kostspielig werden, wie das ständige Bezahlen vor dem Flop und das anschließende Wegwerfen ohne Verbesserung zum Set.

Bis dahin, immer Augen offen halten!
Euer (Schuhe putzender) Flix



Ein wunderschönes Gemälde von User PillePalle63, das immer wieder Anwendung findet in den 6-max Trainings

In order to comment, you must login or register
Quiz
Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
Schon Mitglied? Melde dich hier an
javascriptNotEnabled
Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
Gewinne! Etabliere dich als Gewinner