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minraise blog

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/Mär/2010

I put you on AK!

Von: minraise @ 14:27 (CET) / 5362 / Kommentar ( 3 )

Ich habe einen Kollegen, der seine Pokerkarriere im Casino bei lukrativen Cashgame Runden begonnen hat. Vor einiger Zeit hat er dann angefangen, Online Poker zu spielen. Ich habe ihm öfter beim Spielen zugeschaut und mit ihm über die gespielten Hände diskutiert. Wenn er eine Hand gegen einen Gegner spielt, und es kommt beispielsweise zu einer brenzligen Entscheidung am River, dann habe ich immer wieder eine grundlegende Neigung bei ihm festgestellt:

Er hatte (und hat teilweise immer noch) immer den Hang dazu oder eher das Bestreben danach, seinen Gegner auf eine ganz bestimmte Hand festzunageln. Das ist eine Angewohnheit, die er sich wahrscheinlich bei den Live Cashgames im Casino angeeignet hat. Es ist ganz sicher so, dass man bestimmte Spieler, sofern man ihnen in die Augen sehen und Reads oder Tells verwenden kann, wirklich auf eine oder zwei ganz bestimmte Hände setzen kann. Manche Menschen machen Aktion X eben auch immer nur mit einer ganz bestimmten Hand - das deckt sich absolut mit meiner Live Cashgame Erfahrung.

I put you on AK! Das Problem mit den "Ranges"

Online verhält sich das um einiges schwieriger. Man hat eine ständig wechselnde Laufkundschaft, und es ist zumeist schwer, wirklich konkrete Reads auf einzelne Spieler zu sammeln, ohne über mehrere 1000 Hände mit ihnen gespielt zu haben. Denn: Wenn Spieler A Aktion X nur gegen Spieler B machen würde, aber gegen Spieler C in der gleichen Situation Aktion Y vorzieht, dann sind alle Versuche, den Gegner auf "genau" eine Hand zu setzen, vergebens.

Viele Anfänger und besonders loose Spieler hört man oft sagen (oder im Chat schreiben) "I put you on AK!", wenn sie mal wieder mit Middle Pair No Kicker von einem Lowcard Flop bis zum River runter gecallt haben, sofern keine Highcard aufgetaucht ist, und auch richtig lagen. Das ist, so denke ich, menschlich - anstatt eine ganze Palette von möglichen Händen im Kopf durchzugehen, mit denen der Gegner in einer solchen Situation Aktion X machen könnte, versucht man sich die Sache so einfach wie möglich zu gestalten, und da kommt einem eben die Hand in den Sinn, die oft geraist wird, "schön aussieht aber selten gewinnt" (was im Übrigen mehr als subjektive Wahrnehmung ist, wenn ich mir meine Datenbank anschaue und sehe, wieviel Profit ich mit AK im Durchschnitt mache).

Das widersprüchliche im Denkprozeß tritt dann ein, wenn man seine Meinung urplötzlich an einem Wendepunkt in der Hand ändert. Dazu ein Beispiel zum Thema aus meiner eigenen Datenbank.

Viele Spieler würden sowohl am Flop, als auch am Turn sicherlich den Call machen. Einige haben vielleicht auch das Bild vom Gegner als einen mit Steinen werfenden, tiltenden Affen im Kopf, der einfach aus purer Verzweiflung zweimal mit ballert. Der River verbessert nun genau die Hand, auf die man den Gegner bisher gesetzt hat. Trotzdem ein Call?

Ja. Denn man kann den Gegner schon von Anfang an nicht einfach nur auf setzen. Dazu würde er ganz sicher viel zu viele Hände von Flop bis Turn genau gleich spielen. Jeden Flushdraw, jede Zehn, jedes Overpair, vielleicht sogar eine und einen Straightdraw wie . Der kritische Punkt ist seine Riverbet. Natürlich macht er sie mit . Und ich bin mir sicher, dass mein Kollege, während er mir zuschaut, als ich diese Hand spiele, so etwas in der Art sagen und mir zum Fold raten würde. Manchmal zahle ich hier sein auch aus. Aber am River setzt er ganz sicher nicht nur sein nochmal, sondern auch geplatzte Flush- und Straightdraws, sowie Hände, die sich einfach gar nicht mehr verbessert haben und das Ass nur als perfekte Bluffkarte nutzen. Zudem würde er womöglich keine und auch kein Overpair mehr ansetzen, weil das Ass gefallen ist.

Und voila: Schon haben wir eine sinnvolle Range von Händen in Gedanken konstruiert, die am River betten, nachdem sie sowohl am Flop als auch am Turn gebetted haben.

Ranges in der Praxis - Dünne Valuebets


Wenn man einmal angefangen hat, mit Handranges zu arbeiten, anstatt Leute immer auf ganz bestimmte Hände setzen zu wollen, dann wird man verstehen, dass es im Poker manchmal noch mehr Geld zu holen gibt, als man für möglich gehalten hat. Viele Leute höre ich oft am River auf die Frage: "Wieso hast du am River nicht nochmal gesetzt? Du hattest doch Asse!" so etwas antworten wie: "Ich war zufrieden mit dem Pot, so wie er war. Er hätte ja auch XY (Two Pair, Trips, den Flush etc.) haben können!". Dabei verpasst man, ohne es zu bemerken, ganz klar Value. Der Spieler hat während der Hand nicht in Handranges gedacht, sondern am River einfach das Monster unter sein eigenes Bett gelegt, um zu vermeiden, enttäuscht zu sein, wenn er einen größeren Pot verliert.

Eine dünne Valuebet bewirkt manchmal leider genau das. Per definitonem nimmt man beim "dünnen valuebetten" in Kauf, dass der Gegner ab und an mit einer besseren Hand callen wird (und man einen größeren Pot verliert), aber macht dafür mehr als genug Profit in den häufiger auftretenden Fällen, in denen der Gegner mit einer schlechteren Hand bezahlt.

Am River ist der Pot üblicherweise am größten. Die dünne Valuebet ist es damit auch, die im Schnitt den dicksten Profit abwirft, und nicht der Pot selbst. Ein, wie ich finde, recht gutes Beispiel für eine dünne Valuebet:


Der River bringt den offensichtlichen Flush an, und man kann hier als genügsamer, vorsichtiger Spieler hinterher checken, aus Angst davor, den Pot gegen einen Flush oder Two Pair zu verlieren. Aber hier ist die gute News für alle Behind Checker: Ihr verliert den Pot eh, wenn der Gegner einen Flush oder Two Pair hat! Also schaut lieber zu, dass ihr den Rest des Gegners auch noch gewinnt, falls der nur ein kleineres Paar hält.

Im Zweifelsfall callt der Gegner mit Händen, an die wir im Traum nicht gedacht hätten, weil er sich eben denkt: "I put him on AK!"

In diesem SInne,
Euer Flix

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