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/Aug/2010

Implied EV

Von: minraise @ 07:54 (CEST) / 15 / Kommentar ( 2 )

Pot Odds kann man berechnen. Implied Odds kann man zumindest einschätzen, wenn man dem Gegner eine Range von Händen gibt. Das sollte eigentlich ausreichen, um den jeweiligen EV (expected value) einer Entscheidung am Pokertisch zumindest in einen positiven oder negativen Bereich zu schieben. Es gibt aber sowohl am Tisch als auch weg vom Tisch enorm viele Entscheidungen, die man treffen (oder nicht treffen) kann, welche einen versteckten EV haben können. Was ich damit meine ist, diese Entscheidungen wirken sich nicht direkt auf den Erwartungswert einer Aktion wie "Jetzt shove ich hier AK über seine 4-Bet, weil ich genug Foldquity hab." aus. Sie haben vielmehr eine sehr langfristige Wirkung und können den EV ganz vieler in-game Entscheidungen positiv beeinflussen.

Ich werde mal ein Beispiel bringen, mit der Erlaubnis eines Schülers, um den es geht, um das ganze besser zu veranschaulichen:

Das Problem

Ich coache zur Zeit einen Schüler, der sich früher andauernd davon hat tilten lassen, wenn andere Spieler (vor allem Regulars) ihm eine 3-Bet vor dem Flop verpasst haben. Allein die Tatsache, dass jemand ihm mit Gegenaggression vor dem Flop begegnete, nahm ihm oft die Möglichkeit, rational über die Situation nachzudenken und die EV-maximale Entscheidung zu treffen. Auch ohne Reads oder jegliche History callte er viel zu viele 3-Bets mit den falschen Händen, in der falschen Position oder bei ungünstigen Stacksizes. Durch das ständige Verteidigen gegen die 3-Bets mit marginalen Händen wurden seine Postflop Entscheidungen immer marginaler und schwieriger. Herocall mit Top Pair no Kicker gegen 2 oder 3 Barrels? Bluffshove am Flop? Vielleicht doch nur ein Minraise und dann noch folden? Die Hände, die ich gemeinsam mit ihm analysierte waren einfach gezeichnet von einer Art "pre"-3-Bet Tilt - also eine Form von Tilt, die einzig und allein durch die Tatsache hervorgerufen wurde, dass ihn jemand gereraist hatte.

In ungefähr jedem zweiten reraised Pot machte er dadurch so viele bzw. große Fehler, dass es ihn immer mindestens einen Stack kostete. Eine Winning Session, in der er sich 2 Stacks erarbeitet hatte, wurde durch zwei solcher Hände zunichte gemacht. Genau darüber hatte ich ja bereits in meinem Blogpost über Tilt etwas geschrieben - Tilt zerstört ganz einfach eine positive Winrate.

Die Lösung

Man könnte einfach hingehen und sagen: "Arbeite an deinem Mindset.". Das muss er auch, keine Frage. Aber er möchte ja auch weiter Poker spielen. So schnell wird man bestimmte psychologische Muster auch nicht los. Er kann sich jetzt auch hinsetzen (mit seinem Coach oder allein) und sein Spiel in 3-Bet Pots verbessern. Dadurch stärkt er automatisch sein Selbstbewusstsein, kann besser rational differenzieren, wann es sich lohnt zu callen und wann nicht usw. Wohlgemerkt hilft dieser Lösungsansatz nicht wirklich, wenn bei der nächsten 3-Bet der rationale Teil des Gehirns wieder aussetzt. Es gibt derweil aber auch andere Möglichkeiten:

  • Folden: Er könnte einfach auf jede 3-Bet per Default folden. Jetzt kommt natürlich die Exploitability-Fraktion und schreit: "Haha, dann 3-betten wir ihn einfach jede Hand und er muss fooooolden...und das kostet ihn auch mindestens 3BB/100!". Zugegeben, es ist nicht die eleganteste Lösung, weil diese Fraktion Recht hat - aber nur bedingt. Wenn er durch seine Tiltcalls gegen 3-Bets nämlich jedesmal -5BB/100 Miese macht (weil er einen Stack vertiltet), dann ist es für ihn WENIGER -EV gegen die 3-Bet zu folden. Da er NL25 bis NL50 spielt, kommen sowieso schonmal viel zu wenig Leute darauf, dass er häufiger gegen 3-Bets foldet, als andere. Noch weniger davon werden es dann tatsächlich exploiten. Und wenn doch, dann muss er eben den anderen Lösungsansatz nehmen:
  • Tisch wechseln: Er kann sich einfach durchgängig an Tische setzen, an denen er so wenig Preflop Aggression geboten bekommt, wie möglich. Passivere Competition bedeutet womöglich gleichzeitig auch mehr Gewinn und weniger schwierige Entscheidungen.
Der Implied EV für ihn liegt also vorläufig erstmal darin, die Situationen zu meiden, die letzten Endes dazu führen können, dass seine Winrate nach unten gezogen wird. Auch wenn dieser Implied EV evtl. bedeutet, dass er immer noch im negativen Bereich liegt - aber eben nicht mehr so stark negativ, wie es vorher der Fall war.


Andere Implied EV Faktoren

Es gibt natürlich neben diesem speziellen Fall auch viele andere Faktoren, die den Implied EV beeinflussen. Ein ganz typischer Punkt für mich persönlich ist das Spielen an Wochenenden. Ich kriege das nicht so ganz gebacken: Am Wochenende habe ich das Gefühl, dass ich entspannen und die freie Zeit mit meiner Frau oder meinen Freunden geniessen möchte - lecker essen gehen, Filme schauen, ausgehen - was auch immer es sein mag. Für solche Dinge möchte ich gern gut gelaunt sein und auch bleiben. Auch wenn die Tische teilweise am Wochenende extrem profitabel sind, weil viele Freizeitspieler aktiv werden, ist es für mich wohl weniger +EV am Wochenende zu spielen, weil ich nicht im richtigen Mindset bin. Einerseits denke ich nicht tiefgehend genug im Spiel nach (ist ja Wochenende, wer will da schon denken müssen?) , andererseits beeinflussen mich starke Verlustsessions viel mehr, als sie das unter der Woche tun. Das ist natürlich rein subjektiv, und auch hier sollte ich zu mir sagen: "eff this, arbeite an deinem Mindset!". Während dessen sollte ich aber einfach den PokerStars Klienten an Sonn- und Samstagen auslassen. Hat einen hohen implied EV auch auf meine zukünftigen Sessions unter der Woche - denn ich starte die dann mit einem frischen, erholten Kopf, der sich aufs Denken freut.

Ein anderer, von mir inzwischen strikt eingehaltener Vorsatz, um meinen Implied EV zu steigern, ist das Meiden ganz bestimmter Spieler. Jeder Pokerspieler hat einen individuellen Spielstil, und manche spielen auf eine Art, mit der ich einfach nicht klar komme. Sei es, dass sie zu aggressiv sind, oder auch andauernd ihre Nuts nur check/callen und auch am River zu mir checken. Solange diese Spieler nicht wirklich große Fehler begehen, aus denen ich Profit schlagen kann, meide ich sie. Jeden Dollar, den ich nicht investiere, um gegen diese Spieler zu spielen, ist dann für mich ein gewonnener Dollar und steigert meinen langfristigen EV. Der Implied EV für meine Sessions liegt dann darin, den Tisch mit diesen Spielern zu verlassen und mir einfach einen neuen Tisch zu suchen.

Welche Umstände und Faktoren den individuellen Implied EV steigern, muss jeder für sich selbst herausfinden. Macht es mal für Euch, ich kann es nur empfehlen.

Euer Flix
 

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