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minraise blog

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/Jan/2009

Induktion (1)

Von: minraise @ 21:33 (CET) / 5 / Kommentar ( 101 )

Mein Studium liegt nun schon ein gutes Jahr hinter mir, und deshalb: Nein, die Überschrift hat nichts mit der mathematischen (vollständigen) Induktion zu tun. Auch wenn das Konzept, über dass ich heute schreiben möchte etwas mit "induzieren" zu tun hat, geht das nicht von n nach (n+1) sondern eher von mir zu meinem Gegner: Es geht um das Konzept des "Bluffs induzieren". 

Ich habe für den heutigen und den nächsten Blogeintrag mal ein paar Beispiele zusammengetragen mit Situationen, in denen ich in der vergangengen Woche einen Bluff induzieren wollte. Augenmerk liegt dabei auf den Gründen, den Umständen, und natürlich auch den Konsquenzen (ob es geklappt hat oder nicht, bleibt abzuwarten :) ) dieser Spielweise. Zum Abschluss des ersten Teils gibt es noch ein kleines Hold Em or Fold Em, ebenfalls zur Thematik. Auflösung + Erklärung und weitere Beispiele folgen dann in Teil 2.

***

Poker ist ein Spiel mit unvollständigen Informationen, und wir können mit Hilfe von Chips bzw. unserem Setzverhalten versuchen, Informationen oder Signale zu versenden. Wenn wir setzen, soll das zumeist unserem Gegner bedeuten, dass wir eine legitime Hand halten, die aktuell die beste sein könnte. Wenn wir checken, signalisieren wir Schwäche. Ein Check gefolgt von einem Raise kann dem Gegner vermitteln, dass wir überaus stark sind. Das ganze Vermitteln von solchen Informationen (gegeben, dass wir genau diese mit einer Setz-, Check- oder Raise-Aktion vermitteln möchten) funktioniert aber nur, sofern unser Gegner sich auf der selben Ebene des Denkens bewegt, wie wir!

Drücken wir Stärke mit (+) und Schwäche mit (-) aus sieht das Muster für die ersten paar möglichen Denkebenen unserer Gegner wie folgt aus:

Ebene 1

Bet = +

Check (bzw. Call) = -

Rein theoretisch betrachtet: Setzen heisst Stärke, Checken bedeutet Schwäche. Bewegt sich unser Gegner gedanklich nun auf Ebene 2, so könnte seine Einschätzung unserer wahren Stärke wie folgt aussehen :

Ebene 2

Bet = -

Check (bzw. Call) = +

Nehmen wir nun noch die Größe eines Bets hinzu, um unsere Informationen noch ein wenig zu gewichten. Angenommen, wir setzen jedesmal viele Chips, wenn wir etwas haben, und weniger wenn unsere Hand schwächer ist oder wir bluffen.

Ebene 1:

Bet Viel = +

Bet Wenig = -

Weiterhin nehmen wir an, wir haben unsere starken Hände bisher immer nach diesem Muster gespielt, unser Gegner hat uns einmal ausbezahlt, aber die folgenden Male gefoldet. Dann denken wir natürlich auch darüber nach, dass wir zukünftig auf profitable Weise einen Bluff auch auf die gleiche Weise spielen könnten. Beim nächsten Mal bezahlt unser Gegner aber überraschender Weise und deckt unseren Bluff auf! Damit hätten wir ihm quasi die Tore zur Ebene 2 geöffnet; nun könnte der Gegner auf den Trichter kommen, dass wir in Zukunft viel setzen, wenn wir bluffen, und dann auch umgekehrt wenig wenn wir stark sind.

Ebene 2:

Bet Viel = -

Bet Wenig = +

Alles fürchterlich theoretisch, ich weiss, aber ich hoffe Ihr seht es mir nach. Ich möchte nämlich nun zu meinen Handbeispielen kommen, und das beschriebene Denken in Ebenen trifft hier ganz gut zu, wie ich finde:

Beispiel 1: Der Preflop Bluff Induce

Normalerweise spiele ich ja selten Turniere, aber während ich einem guten Freund über die Schulter schaute beim Cashgame Grinden, habe ich mir mal ein 22$ Turnier zum Spass aufgemacht. Ich bitte daher auch dringend darum, mich zu kritisieren, da ich wenig Ahnung vom Turnierspiel habe :).

[replayer hand=105671]

Ich war das ganze Turnier über nicht gerade überhäuft mit guten Karten, bekam dann aber in einer relativ späten Phase bei 50/100 Blinds und einem effektiven Stack von knapp 2700 Chips endlich und überlegte nun, wie ich mir mit dieser Hand zu maximalem Payoff verhelfen könnte. Da ich überaus tight war, und auch noch UTG, sah ich von einem Raise ab, denn das würde nur übermäßig stark aussehen und eher mein Payoff gefährden. Also wollte ich mir die Looseness und die Aggressivität meiner Gegner zu nutze machen und limpte nur, in der Hoffnung, auf Ebene 1 die entsrpechende Nachricht zu versenden (Check bzw. Call = -), um damit einen Raise aus den Late Positions zu provozieren. Oledad, der Spieler im CO, war zudem überaus loose und aggressiv. Er hatte bereits einige Chips akkumuliert, und auch ein Raise seinerseits kam wie bestellt. Nun reraiste der BU Spieler, den ich bis dato noch nicht auf dem Schirm hatte. Da Oledad hier any two cards klein raisen kann, liege ich mit meiner Hand sicherlich meilenweit vor seiner. Bei einer genaueren Betrachtung sah ich mich auch vorn gegen die Range des BU, da dieser ja ebenfalls nur Oledad isolieren wollte (denn auch er wusste, dass er hier womöglich mit einer Hand wie oder weit vorn lag gegen Oledad). Jetzt overcallt der BB ebenfalls, und ich stehe da mit meinem Damen: Wie weit vorne sehe ich mich denn nun überhaupt noch? Da bereits so viele Chips im Pot waren, Oledad beteiligt war, und ich immerhin ein Paar Damen, und damit die drittstärkste NLHE Hand hielt, ging ich gemäß meinem Plan All-In. Leider hätte mir die Action etwas andeuten sollen. Dennoch denke ich, dass das Play an dieser Stelle korrekt war, auch wenn das Ergebnis zu wünschen übrig lässt :). Was denkt Ihr?

Beispiel 2: Der Flop Bluff Induce

Dieses Beispiel ist nun als Hold Em or Fold Em konzipiert, Eure Meinung ist also gefragt :) 

Gestern abend war wieder einmal Homegame Time, wir spielten 6-Handed (mjam, immerhin das Format meiner Wahl :) ), und es war wie immer eine illustre, gemütliche Runde mit den üblichen Verdächtigen. Ich denke, je öfter man zusammen spielt, desto mehr und mehr Ebenen des Denkens können auf diesem Wege entstehen, die sowohl das eigene, als auch das gegnerische Pokerspiel in einem regelmäßigen Game beeinflussen können. Und so ist es auch bei uns nicht anders. Hero in dieser folgenden Hand bin also ich, und Villain ist der gute Thomas (jakomo) - Wie Ihr Euch sicherlich denken könnt, sind zwischen Thomas und mir, sofern wir denn gegeneinander spielen, schon etliche Faktoren zu berücksichtigen, wenn man eine Entscheidung treffen soll. Grundsätzlich empfinde ich keinerlei pokertheoretische Edge (Fachterminus - soll so viel bedeuten wie: Vorteil oder Vorsprung) gegenüber Thomas, und ich denke auch nicht, dass Thomas mir gegenüber eine solche sieht. Thomas bewahrt aber oftmals einen kühlen und klaren Kopf, während ich dazu neige, in vielen Situationen, gerade wenn viel Einsatz auf dem Spiel steht, von so mancher Emotion getrübte Entscheidung zu treffen. Wir beide sind aber trotzdem auch recht ehrgeizig, wenn es darum geht, den Pot vom anderen zu gewinnen. Und so kann es oft zu kniffligen Entscheidungen kommen, wie z.B. in der folgenden Hand:

Effektive Stacks sind 100 Big Blinds.

Hero sitzt also im Big Blind mit .

Keine schöne Hand, um out of position gespielt zu werden. So viel schon einmal vorweg. Nun folden alle 3 Spieler zu Thomas im Button, und dieser eröffnet für 3 BB.

Ein paar wichtige Infos vorweg:

Thomas' Range aus dem Button ist so weit, dass man mit einer Hand wie König Junge immer noch oft vorne liegt, oder, wenn nicht, immerhin nicht allzu weit hinten. Da Thomas in der letzten Phase des Spiels sehr loose gespielt hat (er kündigte vor dem Orbit an, dass er so viele Hände wie möglich spielen würde), sah ich mich mit meiner Hand definitiv gegen seine Range vorn, und konnte mir erlauben, einen Flop zu sehen. Außerdem weiss Thomas seine Position aggressiv auszunutzen. Wenn immer er die Möglichkeit bekommt, in Position zu spielen, wird er dies aggressiv tun.

 

Der SB foldet und Hero zahlt die restlichen 2 BB nach. Der Flop kommt:

Im Pot liegen nun 6.5 BB und wir halten Top Pair, 2nd Best Kicker.

Hero ...

Was könnte Hero's Plan nun sein? Wie bekommen wir diese Hand einerseits zu einer guten Auszahlung wenn wir vorn liegen, andererseits noch rechtzeitig gefoldet, falls wir geschlagen sein sollten? Wichtiger noch: Wie könnten wir das Konzept des Bluff Induces hier anwenden? Wie könnte der Plan darüber hinaus weitergehen, wenn die Flop Action erst einmal abgeschlossen ist, und wir zum Turn gelangen sollten? Wie denkt Ihr könnte man diese Hand nun profitabel gegen Thomas spielen? Eure Meinungen interessieren mich brennend, und im zweiten Teil von Induktion werde ich kurz meine Gedankengänge zur Hand und vor allem den Verlauf beschreiben. Bis nächste Woche,

Euer

Flix


 

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