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minraise blog

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/Feb/2009

Induktion (3)

Von: minraise @ 19:35 (CET) / 7023 / Kommentar ( 91 )

Einen letzten Teil hatte ich Euch ja versprochen, und hier ist er. Bei dem ganzen Ebenendenken kann einem schon ab und an mal ganz schön schwindelig werden, und das ist dem ein oder anderen wohl irgendwie in den bisherigen Teilen (Teil 1, Teil 2) passiert, mir inklusive :). Und so ist es auch nach wie vor, wenn ich an die Hand zurpückdenke, um die es sich heute drehen soll. Diese Hand entstammt wieder einmal einer unserer geliebten Homegame Runden, und sie zeigt eine Sache ganz gut; und zwar, dass man sich im Poker, gerade unter Berücksichtigung des ganzen Ebenen-Denkens, oft selbst aufs Glatteis führen kann! So kann man also mit dem Ziel, beim Gegner eine bestimmte Reaktion zu induzieren, in der Ausführung oft einen viel gröberen Patzer in der eigenen Spielweise induzieren. Viele von Euch hatten das bereits in den Kommentaren bemerkt, und genau den Punkt möchte ich abschliessend zur Induktions-Serie noch einmal aufgreifen.

***

Bevor ich aber diesmal die Hand und deren Verlauf beschreibe, möchte ich Euch ein bisschen genauer die Atmosphäre, die Umstände und die Bedingungen, unter denen so manche Hand bei unserem Live Game abläuft, beschreiben. Das hilft vielleicht, ein besseres Gefühl für die Situation zu bekommen. Dienstag Abend, ein paar Kölsch, Weizen, Pokerchips, Karten und ein Pokertisch. Ich würde fast sagen, man könnte unser Homegame in 3 verschiedene Phasen einteilen, quasi wie im Turnier:

1. Frühe Phase - Es trudeln 4-6 Spieler ein, die sich lautstark gestikulierend an den Tisch setzen und zunächst einmal gemäßigt mit einem 100-200 Big Blinds Stack starten. Das ist die laue Phase, in der keine grossartige Action stattfindet, es sei denn es treffen tatsächlich zwei dicke Hände aufeinander.

2. Mittlere Phase - Langsam treffen die Nachzügler ein und starten dann eher mit dem Average bis Maximalen Stack. Wenn es bei einigen gut lief, kann das schon einmal über die 400 Big Blind Marke hinaus gehen. Jetzt werden auch die ersten Kölsch oder Weizen geöffnet und angestoßen.

3. Späte Phase - Crazy Action. Dicke Pötte, extrem tiefe Stacks, starke Bluffs und auch das ein oder andere Set Up. Jeder Pot ist entweder gestraddelt, geraist und/oder gereraist vor dem Flop.

Wir befinden uns also in Phase 3, haben ein paar ansehnliche Pötte gewonnen, unter anderem auch die Hand gegen Thomas...und bekommen nun auf die Hand. Vor uns erhöht einer der wilden Spieler aus unserer Runde, und mit wild meine ich auch Furchtlosigkeit und, nennen wir es, "waghalsige Kreativität". Ich sitze in Position auf ihn, und möchte ihn natürlich gern in einer Heads Up Situation spielen. Da die Stacks aber extrem tief sind, ist das sicherlich schwer, ihn von den anderen zu "isolieren" - jeder spielt gern mit ihm und es steigt für die relativ günstigen Odds (Implied Odds sind ja bei den tiefen Stacks von über 400 BB extrem gut) die Wahrscheinlichkeit für weitere Caller hinter mir. Mit dem Risiko erhöhe ich also noch einmal, und bekomme nun einen kalten Call von meinem Lieblings-Villain Thomas, der im Big Blind sitzt. 

Nun weiss ich, dass Thomas normalerweise sehr überlegt spielt, und an einer solchen Stelle nicht unüberlegterweise mit einer allzu spekulativen Hand einsteigen wird. Allerdings muss ich auch berücksichtigen, dass er vorhin erst einen Pot an mich abgedrückt hat. Ich setze ihn hier zu diesem Zeitpunkt, auch aufgrund seiner ungünstigen Position, auf einen Haufen Pocket Pairs (klein bis mittel), eine Hand wie oder bzw. oder ähnlich gut spielbaren Handkombos. Der wilde Mann bezahlt ebenfalls, und wir sehen also zu dritt den Flop. Schaut Euch selbst an, was anschliessend passiert - ich habe versucht, diese Hand im Replayer nachzugestalten:

 [replayer hand=108017]

Nachdem ich den Flop sehe, ist mir bewusst, dass ich hier sehr oft die Nuts halte. Unschön, wenn hier jemand mit oder Two Pair hat, oder ein Set - aber diese Gelegenheit, mit einem äußerst kreativen und einem weiteren sehr aggressiven Spieler, gegen den ich bereits einen Pot gewonnen habe, in der Hand, während ich auf beide auch noch Position habe, lasse ich mir nicht entgehen - höre ich mich innerlich sagen.  Also überlege ich, wie ich am besten einen möglichst großen, aber kontrollierten Pot gewinnen kann...

...und da setzt Thomas auch schon direkt hart mit $4 in uns beide an.

Sein "Donkbet" bedeutet in einem Multiway Pot - mit sowohl dem wilden Mann in der Mitte und mir dahinter - häufig Stärke. Das Board habe ich als Preflop Reraiser oft mit einem Ass getroffen, und so kann er gezielt mit starken Händen von mir einen Raise provozieren. Sollte der Middle Position Spieler auch noch zwischen uns callen, kann er durch das "Donken" einen immensen Pot basteln. Und hier setzt schon das Ebenen-Denken bei mir an: 

Ich weiss nun, dass Thomas weiss, dass ich weiss, dass sein Setzen hier oft ein starkes Ass ( , ), ein Set oder Two Pair bedeutet, welches ganz gezielt ein Ass stacken möchte. Ich weiss nun also, dass Thomas diese Strategie mit einem Bluff oder Draw gegen mich verwenden kann, um mich mit marginalen Händen entweder zum Fold, oder nur zum Call zu bewegen. Da kein Draw möglich ist, kann er also entweder nur einen Bluff oder die absoluten Nuts halten - , , oder Two Pair. Alles recht unwahrscheinliche Combos (ein Set hat man eben nicht so oft, und gerade nicht in einem Live Game).

ACHTUNG Kopfzerbrechen...

Wenn Thomas nun aber weiss, dass ich weiss, dass er weiss, dass ich weiss, dass (siehe oben), dann kann er diesen Spielzug auch mit schwächeren Assen machen, weil er vielleicht denkt, ich bezahle ihn umgekehrt ebenfalls schwächer aus (z.B.: er hält und ich habe ). Das würde auch gut zur Action bisher passen, da ich ja den relativ "wilden" Spieler ursprünglich isolieren wollte - das tue ich oftmals auch mit marginalen Händen. Und genau hier dachte ich zum Zeitpunkt der Hand, dass ich Thomas durchschaut und sein Spiel "geknackt" hatte. Ich habe Thomas entweder auf einen puren Bluff oder auf eine schwache Value Hand wie oder gesetzt. Öfter sehe ich hier auch den puren Bluff, weil er eben schon einen Pot an mich abgegeben hat, das ist immer auch zu berücksichtigen. Nun war es nur noch an mir, aus dieser Situation den maximalen Nutzen zu ziehen.

Und genau hier habe ich mich dann selbst aufs Glatteis geführt:

Thomas checkt den Turn zu mir, also überlege ich mir, wie ich aus seinem "Bluff" bzw. seiner vermeintlichen Value Spielweise mit schwächeren Assen den maximalen Nutzen ziehe. Thomas spielt in der Regel eher vorsichtig wenn das grosse Geld in die Mitte geht, daher entscheide ich mich für einen kleinen Bet - der würde auf der einen Seite bezahlt von schwächeren Assen, und auf der anderen Seite könnte ich einen grossen Check/Raise induzieren. So kommt es dann auch: Thomas check/raist auf $24.

Dann nehme ich einen kurzen Blick auf Thomas' Reststack, und sehe, dass der Check/Raise quasi meinen eigenen Stack bedroht, da mir danach nur noch eine Pot-sized Bet übrig bleibt, wenn ich bezahle. Ich schlucke kurz, schau nochmal meine Hand an, und entscheide mich dann auf einmal doch dafür, dass Thomas das Set oder eben hat. In einer Millisekunde falle ich von den ganzen bisher schön säuberlich aus-konstruierten Ebenen herunter wie von einem zusammengebrochenen Jenga-Turn und mucke mein in Ekel und Thomas zeigt frech sein

Solide etwas induziert, entsprechende Reaktion bekommen, und dann in der Ausführung...versagt

An die Wand gespielt...von mir selber, würde ich sagen? Was meint Ihr?

So, dass wars erstmal mit Induktion, ich hoffe der Themenblock hat Euch gefallen. Wir sehen uns beim Induz...Training :)

Viel Glück an den Tischen,

Euer Flix

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