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/Jul/2010

Losing Your Market

Von: minraise @ 09:53 (CEST) / 4014 / Kommentar ( 2 )

Kennt Ihr auch diese Leute, die Euch immer genau zwei Arten von Pokerhänden erzählen? Einmal sind es die typischen Bad Beat Stories in millionenfach gehörter Ausführung (am besten noch: "Ich hatte AA, im Flop AKK, und rate mal, was der andere hatte!"), aber viel schlimmer finde ich die Hände, in denen sie sich darüber beschweren, dass ihre "Monster" mal wieder nicht ausgezahlt wurden. Das kann dann wiederum zwei Formen annehmen:

  1. "Ich floppe ein Monster, checke das natürlich erstmal schön an. Am River hab ich dann noch einmal klein angespielt, um wenigstens etwas zu bekommen."
  2. "Ich floppe ein Monster, checke das natürlich erstmal schön an. Am River hab ich dann All-In gestellt, vielleicht bezahlt ja jemand."
Beide Varianten haben einen elementaren Fehler gemeinsam, der dem jeweiligen Spieler nicht bewusst ist. Er verliert seinen Markt auf die Hand nicht immer nur, weil die Gegner "nichts" gehabt haben. Er verliert ihn vielmehr dadurch, dass er genau diese eine Hand nicht so spielt, wie er seine anderen Hände in diesen Situationen spielen würde.

In Version 1 kann man zumindest ab und an sagen, dass der Spieler wohl sowieso nicht viel mehr bekommen hätte. Der Gegner wird oft gar nichts gehabt haben, wenn bereits zum River durchgecheckt worden ist. Ein einfaches Beispiel:


Vor dem Flop reraise ich mit , um mehr Value aus meiner Hand zu schöpfen. Ich baue einen größeren Pot für den Fall, dass ich treffe, kann aber durch die gewonnene Initiative und eine Continuation Bet den Pot auch gewinnen, falls ich den Flop verfehle (und der Gegner ebenso). Der Flop gibt mir die gefühlten Nuts, und meine Aufgabe ist es nun, den maximal möglichen Value aus meinem Gegner zu extrahieren. Da das Board nur zwei Könige und eine 5 hergibt, bleibt für meinen Gegner nicht mehr allzu viel übrig, was ihm sein restlicher Stack wert wäre. Er könnte natürlich ein Medium Pair wie bis halten, genau eine oder den letzten König im Deck. Das sind sehr wenig mögliche Handkombinationen. Viel öfter wird er den Flop sogar komplett verfehlt haben mit zwei ungepaarten Karten. Ich könnte jetzt, wie in Version 1, erstmal hinterher checken und schauen, dass ich später noch ein "bisschen was bekomme".

Checken hat hier aber einige Nachteile:
  1. Ich würde nach meinem Reraise vor dem Flop ein solch schönes, unschuldig aussehendes Board fast immer mit allen ungepaarten Karten und auch mit vielen mittleren bis hohen Paaren anspielen - also mit fast meiner kompletten Range an Händen, mit denen ich vor dem Flop reraise. Der Grund ist: Ich habe massive Foldequity, weil mein Gegner nicht oft etwas getroffen haben wird. Ein aufmerksamer Gegner käme mir schneller auf den Trichter, und würde mich auch auf Turn oder River nicht mehr so leicht auszahlen.
  2. Ich verliere Value aus den mittleren bis hohen Paaren, die mir den König nicht glaube, und genauso denken wie ich ("Auf dem Board kann er ja nix haben!")
  3. Ich gebe freie Karten an alle Paare, schlechteren Könige oder Backdoor Draws, sich zu verbessern, und mich dann in jedem Fall stacken zu können, weil ich meine Trips in diesem Pot nicht mehr folden werde. Ein Freeroll für meinen Gegner quasi.
Ich verliere aber in der Hauptsache durch Checken ganz einfach den Marktwert meiner Hand, weil ich sie nicht mehr so spiele, wie ich alle anderen Hände in dieser Situation gespielt hätte.

In Version 2 ergibt sich das gleiche Problem: Durch zweimaliges Checken und eine All-In Bet am River gibt man einfach ganz deutlich zu verstehen, dass man die Nuts hält. In genau dieser Situation würde kein Pokerspieler, der bei Sinnen ist, jemals bluffen. Gut, ich will nicht ausschliessen, dass es Leute gibt, die für den puren Adrenalinrausch des All-In Moments auch mal gern mit Luft alles reinstellen, nachdem sie zweimal gecheckt haben. Wer daran aber Gefallen findet, der sollte sich überlegen, ob Poker das richtige Spiel für ihn ist. Der Knackpunkt liegt aber in einem ganz einfachen Konzept: Wenn immer man eine gegebene Situation so spielt, wie man sie niemals spielen würde, wenn man blufft, verliert man den potentiellen Marktwert. Frei nach dem kölschen Sprichwort: "Von nix kütt nix!"

Die einzige Ausnahme bilden Situationen, in denen man seinen Gegner auf eine ganz bestimmte Hand X festlegen kann, und genau weiss, dass er eben Hand X nicht folden wird. Wenn man tatsächlich gegen Hand X spielt, muss man nicht um seine Auszahlung fürchten - das Geld geht eh in die Mitte. Aber Poker ist leider kein Wunschkonzert. Durch den unbekannten Faktor "Hand des Gegners" kann man nur mit Handranges arbeiten, und muss schauen, dass man die bestmögliche Entscheidung gegen diese sucht, anstatt zu hoffen, dass Hand X sowieso zahlen wird.

Zu guter Letzt noch die Auflösung der Hand von oben:


Ich mache eine Continuation Bet in der Höhe, die ich auch für einen Bluff verwendet hätte. Mein Gegner steigt drauf ein, und sieht sich dazu veranlasst, einen Bluff gegen mich zu starten. Klar wird das nicht immer so sein. Oft genug werde ich sicher einen Fold kassieren und gar kein weiteres Geld mehr gewinnen. Aber das ist es mir im Schnitt immer noch wert, denn allein die Möglichkeit, dass mein Gegner mir ebenfalls keine Hand glaubt, einen großen Herocall oder einen dicken Bluff versucht, reicht mir aus, um meine gefühlten Nuts in solchen Situationen immer anzuspielen.

In diesem Sinne,
Euer Flix

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