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/Sep/2010

Mach doch einfach mal 'ne Pause!

Von: minraise @ 15:40 (CEST) / 11 / Kommentar ( 5 )

"Mach doch einfach mal 'ne Pause. [Morgen/Übermorgen/Nächste Woche/Nächsten Monat/...] sieht die Welt schon wieder ganz anders aus!"

Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Es handelt sich dabei meist natürlich einfach nur um einen gut gemeinte Ratschlag von einem Bekannten, einem guten Freund, oder einem Sparring Partner aus dem hiesigen Forum. Klingt abgedroschen und wenig hilfreich - im ersten Moment vor allen Dingen. Jemand, der tief im Brand steckt und der gerade erst eine frustrierende Losing Session hinter sich gebracht hat, steckt mit seinem gesamten Mindset Apparat immer noch tief in dieser Session - selbst wenn diese schon Stunden zurückliegen mag. Seine Gedanken schwirren um viele Dinge:

  • "Wie ungerecht, dass ich heute alle Favoritenhände verloren habe, obwohl das Geld immer gut reinging!"
  • "Hätte ich in der AK Hand eventuell auch preflop nur callen sollen, anstatt zu 3-betten?"
  • "Oh mann, mein Triple Barrel Bluff mit 8 high war total sinnlos gegen diese Callingstation!"
  • "Als ich mit gegen die 4-Bet von dem Nit All-In gepusht habe, war ich schon auf Monkeytilt - der Rechner hätte schon längst aus sein müssen!"
  • "Und dann der Calldown mit second Pair...der Typ blufft doch da nieeeeeemals!"
  • "Man, jetzt bin ich X Stacks down...so viel verdienen andere Leute in einem Monat."
  • "Was, wenn es in den nächsten Sessions wieder so bescheiden läuft?"

Es wird ihm also bei weitem nicht so leicht fallen, von jetzt auf gleich eine Pause einzulegen. Ich sage meinen Schülern jedesmal "Weg vom Tisch!", wenn ich eins der folgenden Statements höre/lese:
  • "ZOMFG, zum dritten mal suckt mich der Fisch aus, der hat mir jetzt schon X$ abgenommen - das kann nicht wahr sein!"
  • "Jetzt check/raist mich der Typ schon zum X-ten mal - es reicht!"
  • "Bin schon wieder X$ down, und davon Y$ unter EV. Wie ist das möglich? So unreal!"
  • usw. usf.
Das sind sie. Die typischen Anzeichen, dass schlechte Session-Resultate (obwohl sie nicht zwangsläufig durch schlechte Entscheidungen herbeigeführt worden sind) das Mindset negativ verstärkt haben. In einer solchen Verfassung kann man selten noch sein A-Game wahren. Obwohl ich jedes einzelne Mal in guter CAPSLOCK MANIER SCHREIBE: "WEG VOM TISCH!!!!!", hilft das nicht immer. Die Entscheidung für oder gegen eine Pause muss eher ganz von innen kommen, denn sonst denkt der Betroffene auch nach 3 Stunden, Tagen oder Wochen noch an seinen für ihn "sinnlosen Calldown mit second Pair". Womöglich war der Calldown sogar rangetechnisch und strategisch vollkommen in Ordnung, doch das zählt in diesen Momenten nicht. Die schlechte Session ist gelaufen, das Geld ist verloren und zurück bleibt nichts als der negative Verstärkungseffekt.

Dem sollte man natürlich irgendwie aktiv entgegenwirken. Einfach mal "abzuschalten" ist wie gesagt oft leichter vorgeschlagen als umgesetzt. Vor und auch nach einer auferlegten Pause können sich nämlich zwei ganz konkrete Fragestellungen ergeben, die es noch zu abklären gilt:

1. Wie nutze ich die Pause?
2. Wie steige ich nach einer Pause wieder ins Geschäft ein?

Wie nutze ich die Pause?

Eine Pause vom Pokern kann ganz sicher hilfreich sein, wenn sie sinnvoll genutzt wird. Sinnvoll kann in diesem Zusammenhang aber wieder völlig individuell ausgelegt werden.Grundsätzlich sollte man alles erdenkliche tun, um sein Selbstbewusstsein - vor allem das am oder für den Tisch - zu stärken. Wie erreicht man das am besten?

Mo' Strategy: Für manch einen macht es am meisten Sinn, wenn er sich in der Pausenzeit aktiv mit seinen möglichen Fehlern, seinem Mindset und dem Heben seiner Tiltschwelle beschäftigt. Mögliche Leaks aufdecken, Aktionen identifizieren, die ganz klar dem nakten Tilt entsprungen sind, oder mögliche Schwachstellen der Gegner besser ausleuchten. All das kann seine Confidence wieder auf das alte Level zurückbefördern. Sich sicher zu sein, dass man Aktion X in Zukunft nicht mehr wiederholen wird, weil sie entweder ein klares Leak darstellt, oder nur sich nur durch Tilt veräußerlichen will, stärkt die Zuversicht auf ein zukünftig solides Pokerspiel. Helfen können bei dieser Form der Pause besonders auch Theorie-Videos, Trainings (nächste Woche geht es wieder los mit 6-max Trainings *hint*), Handanalysen im Forum, oder Maßnahmen gegen den Tilt (Yoga, Autogenes Training, you name it...).

No Strategy:
Für andere wiederum mag eine komplette Auszeit allein von jeglichen Gedanken an oder über Poker wichtig sein. Das Gehirn einfach mal entlasten, und etwas entspannendes machen. Was immer Euch abseits der Tische wieder glücklich stimmt oder motivierend wirken kann. Wenn möglich: No strategy, no variance, no (or less) money involved.

Einfach weiter: Ich will nicht leugnen, dass dies auch mir schon untergekommen ist, obwohl es nicht immer und vor allem nicht für jeden die optimale Wahl darstellt. Ich habe oft auch einfach weiter gespielt. Wichtig dabei ist aber, zu identifizieren, ob man "noch" tiltet oder ob man klare, solide Entscheidungen treffen kann. In letzterem Fall wird sich auf kurz oder lang wieder das ein oder andere Erfolgserlebnis einstellen - und das sind dann meist die Einschnitte, die es braucht, um wieder auf dem Gewinnerkurs weiter steuern zu können. Trifft man gute, klare +EV Entscheidungen und wird darüber hinaus nur unwesentlich später dafür entlohnt mit dem ein oder anderen Pot, dann bedeutet das positive Verstärkung. Manchmal hat es bei mir auch nur einen kleinen "Enttilter" gebraucht, um meinen Kopf wieder klar zu bekommen und mit einem positiven Erwartungswert weiter spielen zu können. Mit einem Enttilter meine ich eine Hand, in der ein Play vortrefflich funktioniert, der Gegner genau das tut, wozu man ihn bewegen wollte, oder man einen Pot einstreichen kann, der größer als üblich ist. Die "Einfach weiter" Variante kann aber - und darauf möchte ich ausdrücklich hinweisen - unter anhaltendem Tilt bzw. schlechtem Mindset die Resultate ins Gegenteil verkehren. Vorsicht also!

Nächste Woche schliesse ich dann an diesen Eintrag an mit einem Post über den richtigen Wiedereinstieg nach einer Pause an - habe nämlich nach meinem Urlaub auch eine für meine Verhätlnisse lange Grind-Pause hinter mir. Jetzt gehe ich erstmal mein Jetlag auskurieren, denn ich muss für das WCOOP Event #01 (6-max NLHE) morgen abend ab 19:00 fit sein. Ich hoffe, ihr seid es dann auch, denn ihr könnt mir in lockerer Sunday Special Atmosphäre dabei zuschauen: Hier anmelden!

Zum Abschluss noch eine kurze nonpoker-bezogene Anekdote:

In den amerikansichen Starbucks Läden muss man bei der Bestellung immer seinen Namen nennen. Der wird dann auf den Becher geschrieben, und später zur Übergabe des Getränks aufgerufen. Lustigerweise spreche ich entweder zu undeutlich, oder die Amis bekommen meinen Namen einfach nicht richtig hin. Beim Starbucks im Mirage in LV hiess ich bereits "Phoenix", in Downtown Orlando bekam ich dann einen wirklich kreativen Namen:


Der erste Starbucks Mitarbeiter, der meinen Namen richtig geschrieben hatte, bekam in den Universal Studios dann extra Trinkgeld.

In diesem Sinne und bis morgen,
Euer Phillies




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