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/Mai/2009

Momentum (1)

Von: minraise @ 13:19 (CEST) / 12 / Kommentar ( 68 )

Wer von Euch schon mal Heads Up gespielt hat, wird sich mit diesem zweiteiligen Post sicherlich identifizieren können. Es ist eine Hassliebe. Seit Anfang Mai habe ich mich nun mit Heads Up Cashgame NL beschäftigt, um ein bisschen Urlaub von dem mir etwas dröge gewordenen täglichen 6 Max Geschäft zu machen. Ich habe mir Tipps von ein paar erfahrenen Heads Up Spezialisten, die teilweise sehr hohe Limits spielen, eingeholt, und versucht, an verschiedenen Strategien ein bisschen zu arbeiten. Nur gegen eine Sache hilft die allerbeste Strategie im Poker ja leider bekanntlich nicht: Die Varianz. Sie macht uns an einem Tag zum König, und wirft uns am nächsten von Thron. Vielleicht gab es ja mal im alten Griechenland, Rom oder Ägypten einen Gott oder eine Göttin mit diesem Namen, der bzw. die willkürlich und chaotisch den einen reich und den anderen arm gemacht hat, nur aus Spaß an der Freude.

Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Heads Up Cashgame ist das Momentum. Momentum ist schwer zu erklären, aber ich versuchs mal. Momentum ist der Punkt in einem Match, an dem einer der Spieler von der Dynamik, Technik und Spielweise her nur noch sehr gute Entscheidungen treffen kann, weil sein Gegner bereits zu viele Fehler begangen hat bzw. weil es schlecht für ihn lief. Die Varianz ist hier natürlich auch zu einem sehr großen Maße beteiligt. Der Gegner steht unter enormem Stress, sein Geld zurückzugewinnen, und kann unter Druck im Normalfall nicht mehr optimal weiterspielen. Im Gegensatz dazu entspannt sich der Spieler, der das Momentum inne hat, und dieser kann dann in Ruhe sehr gute Entscheidungen treffen, es sei denn die Varianz schlägt sich wieder zu 100% auf seine Seite. Sobald man das Momentum verliert, sollte man in der Regel das Match quittieren, wenn man sich nicht ausreichend unter Kontrolle hat. Schleichender Tilt kann hier verheerende Auswirkungen auf die Bankroll haben. Ich berichte Euch in diesen beiden Teilen über zwei Heads Up Matche, eins, in dem mein Gegner das Momentum an mich verliert und das Match besser quittiert hätte, und im zweiten Teil eins, in dem ich selbst das Momentum verliere und das Match nicht rechtzeitig beende. Ihr werdet mich also in Teil 2 richtig tilten "lesen" ;).

***

Das erste Heads Up Match bestritt ich Sonntag spät abends, als das Sunday Million noch im Gange war. Zu dieser Zeit gesellen sich extrem viele Heads Up Cashgame Spieler an die Tische, die aus den Major Turnieren rausgeflogen sind. So auch an diesem Abend. Mein Gegner in diesem Match war relativ aggressiv vor dem Flop und ging in Phasen dazu über, fast jeden Eröffnungsraise von mir zu reraisen vor dem Flop. Daher musste ich mich an ihn ein bisschen anpassen, indem ich nur noch auf 2 BB (also $4) eröffnete. So konnte ich effektiv seine Reraises noch profitabel bezahlen, und einen Flop in Position sehen. Da mein Gegner jeden einzelnen Button selbst eröffnete, wollte ich zudem out of Position ein paar mehr Hände spielen als üblich, sprich einige starke Asse, Connectors usw. Auf Reraises reagierte er allergisch, das konnte ich bereits zu Beginn des Matches austesten. Entweder ging er sofort All-In, oder callte und versuchte auf Teufel komm raus jeden reraised Pot zu gewinnen. Das Match ging so ein wenig ereignislos mit Raises und Reraises vor dem Flop voran, und es gab wenig interessante Pötte. Die erste interessante Hand war diese:

[replayer hand=122887]

Besonders schön war in dieser Hand, dass ich ja wusste, mein Gegner würde gegen jeden Reraise verteidigen. Also konnte ich auch meine Könige preflop aggressiv spielen. Am Flop sehe ich mich weit vorne gegen alle Paare, und das Board hat nur einen Draw bzw. ein paar Gutshots. Daher muss ich aufpassen, dass ich nicht zu stark erscheine, und ihm genug Freiraum geben, den Pot gewinnen zu wollen bzw. mich zu bluffen. Ich mache also meinen Standard Continuation Bet, den er von meinen bisherigen Reraises ebenfalls gewohnt ist, und checke nach seinem Call aber den Turn, um seinen Bet All-in zu raisen. Eine tpyische "Stack-a-Donk" Spielweise, wie man sie auch nennt - auch wenn es ein bisschen unhöflich und respektlos klingt, aber viele Spieler begehen eben den Fehler, Turns zu betten, die sie nicht betten sollten.

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Als nächstes kam dann eine Hand, in der mir meine Instinkte dazu rieten, etwas zu tun, was vielleicht nicht ganz so toll aussehen mag auf den ersten Blick:

[replayer hand=122888]

Ich calle diesmal OOP nur, vielleicht wäre ein Reraise besser gewesen, da er zuvor ja bereits auch mit dominierten Händen (siehe oben ) Reraises gecallt hat. Nachdem ich sozusagen die Nuts floppe gegen seine meilenweite Range von Händen, check/raise ich den Flop für Value. Er callt in einer Millisekunde! Für mich war insitinktiv zu diesem Zeitpunkt klar, dass er nun auch eine Zehn, oder zumindest etwas relativ starkes wie oder hält. Fragt mich nicht wieso, es lag am Timing und an seinen relativ schnellen Reaktionen. Ich denke mit jedem kleineren Paar oder mit Luft hätte er hier zumindest ein paar Sekunden gebraucht, um sich einen Plan auszudenken. Daher pushe ich auf den Turn direkt All-In, um mit mein potentielles Payoff nicht zu vermiesen, wenn der Turn ist. Ich bin mir sicher, dass er hier mit genau den Händen jeden Betrag callt, die ich ihm intuitiv gegeben habe.

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Nach seinem Call und seinem weiteren Stackverlust geht das Momentum im Match absolut an mich über. Es folgten in diesem speziellen Match noch vier weitere Hände. Nun erstmal eine Hand, die meinem Gegner nur passiert ist, weil er das Momentum verloren und sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hatte:

[replayer hand=122889]

Ich pushe direkt über seinen Reraise All-In, und hoffe, dass er aufgrund der bisherigen Verluste und des verlorenen Momentums nun auch mit einer Masse an Händen bezahlt. Natürlich kommt hier dazu, dass ich von der Varianz in allen Händen geküsst bin - Hände halten entsrpechend ihrer prozentualen Gewinn-Wahrscheinlichkeiten, und die Flops bringen mir die bessere und meinem Gegner stets die schlechtere Hand. Von hier aus ist es nur noch eine Sache der Form, dass, sofern er das Match nicht beendet, oder sich die Varianz zu 100% auf seine Seite schlägt.

***

So kommt es also zu diesen Händen:

[replayer hand=122890]

Mein Flop Call ist hier natürlich sehr loose, aber ich denke, dass, sofern ich Two Pair, Trips oder einen Backdoor Draw mache, seinen Stack mit Leichtigkeit bekommen kann. Er begeht den kapitalen Turn Fehler, mich nicht zahlen zu lassen, und ich kann umsonst drawen. Mein Treffer ist sein Two Pair, und da ich ihn sowieso seit dem Flop auf eine starke Hand gesetzt habe (Top Pair Good Kicker, Overpair, Set, Two Pair), pushe ich erneut All-in und bekomme den Call.

[replayer hand=122891]

Direkt danach kann er dann schon nicht mal mehr von Middle Pair Top Kicker loslassen, und callt mich komplett herunter. Man sieht, dass der Tilt nun bei ihm die hauptsächlichen Entscheidungen trifft. Ein rechtzeitiges Quittieren des Matches hätte ihm die letzten Stackverluste erspart, und er hätte sich einen neuen Gegner und ein neues Momentum suchen sollen.

***

Zum Abschluss des Matches noch eine Hand, in der ich nun dazu neige, das Momentum wieder an ihn abzugeben:

[replayer hand=122892]

Ich calle zu loose ohne Position, und mache einen seeeeeehr sehr dünnen Check/Raise für Value. Ich bette weiterhin, und rieche am River allerdings schon, dass er stark sein könnte. Ich möchte aber meinen potentiellen Value nicht aufgeben und setze noch einmal an. Nachdem er non All-In pusht, bin ich zu 100% sicher, geschlagen zu sein, und folde auch. Was denkt Ihr über meinen Fold bzw. meine Spielweise der Hand? Ich denke, dass ich hier Gefahr laufe, durch meine riskante Linie das Monentum nun Hand für Hand an ihn abzutreten, da er sich durch den Pot Gewinn nun wieder ein bisschen gestärkt fühlt. Wenige Minuten und Hände später beende ich daher auch das Match mit der Zustimmung meines Gegners. Das ist mir besonders bei einem Heads Up Match, das schlecht für meine Gegner läuft, wichtig. Poker Etiquette gebietet es, seinen Gegnern immer lang genug die Chance zu gewähren, ihr Geld zurück zu gewinnen.

***

Ein Match, indem ich sowohl das Momentum als auch die Varianz auf meiner Seite hatte. Vielleicht kann man aus diesem Match und den Händen nicht allzu viel technischens lernen, aber es geht hier wirklich absolut nur um die psychologische Komponente des Tilts. Beendet Eure Matche, wenn sie schlecht laufen, quittiert die Sessions, wenn ihr Pot für Pot verliert - man spielt nicht mehr sein A-Game, trauert Verlusten hinterher, und will auf Teufel komm raus alles zurück gewinnen. Sobald man bemerkt, dass dies die einzigen Motive sind, noch weiter in einer Session zu spielen, sollte man schnellstmöglich Schluss machen. Ich selbst schaffe das auch viel zu selten, und wie mir genau das passiert,  erzähle ich im zweiten Teil: Dann könnt ihr über ein Heads Up Match lesen, in dem ich das Momentum an meinen Gegner abgetreten, und wie ich diesen Umstand sehr teuer bezahlt habe. Freut Euch also auf eine Menge Fehler, Tilt und schlecht gespielte Hände im zweiten Teil :)

Bis dahin wünsche ich Euch die Varianz und das Momentum auf Eurer Seite,

Euer Flix

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