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/Mai/2009

Momentum (2)

Von: minraise @ 13:25 (CEST) / 161 / Kommentar ( 90 )

Letzte Woche lief es ja mit Momentum (1) ziemlich gut für mich, und ich konnte die beschriebene NL Heads Up Session mit einem ordentlichen Plus beenden. Eure Resonanten waren auch in den Kommentaren sehr positiv - entsprechend der toll gelaufenen Hände. Wie es so häufig im Poker ist, beginnt ein Kreis von positiver Verstärkung, wenn es gut läuft: Man trifft, trifft, trifft und die Hände halten - Also fühlt man sich auch, als könne man es mit der ganzen Welt Heads Up aufnehmen. Man trifft nicht nur die Flops, sondern auch noch immer bessere Entscheidungen. Man foldet, wenn man sollte, weil man keinen Verlusten hinterher laufen muss, und spielt durchweg oder zumindest annähernd sein A-Game. Im heutigen Blogeintrag könnt ihr mich Hand für Hand dabei erleben, wie es laufen kann, wenn man das Momentum verloren hat und in den Teufelskreis negativer Verstärkung gerät. Viel Spass dabei, und wir schaun dann bis nächste Woche, ob eure Kommentare so positiv bleiben, wie beim letzten Mal ;)

***

Einer meiner sehr guten Pokerkollegen, mit dem ich regelmäßig live Poker spielen gehe (Homegames) oder fahre (Casino), gab mir, als wir uns über strategische und psychologische Aspekte des NL Heads Up unterhielten, einen sehr weisen Ratschlag - ich zitiere:

"Wenn du 3 Stacks, und damit meist schon das Momentum, an deinen Gegner verloren hast, quittiere das Match."

Als ich mit HU NL anfing, gab ich zunächst nicht besonders viel Acht auf diesen Ratschlag. Ich spielte einfach gegen jeden Gegner, der mir schwächer erschien. Ich spielte ihn auch weiter, nachdem ich bereits 3 oder 4 Stacks gegen ihn verloren hatte. Es gibt dabei besonders einen Umstand, der einem unterbewußt zu schaffen machen kann: Der Gegner sitzt einem mit dem eigenen Geld gegenüber. Je mehr er anhäuft, umso schlimmer wird man daran erinnert, wie viel man eigentlich zurück gewinnen muss, um erst einmal Break Even zu sein. Der Effekt dieses Faktors wird oft auch nicht mit einberechnet. Und deshalb ist der Ratschlag meines Freundes auch so wertvoll. Wenn der Gegner nämlich mit 3 der eigenen Stacks vor einem sitzt, ist man nicht mehr in der Lage, sein A-Game zu spielen. Zu viele Dinge schleichen sich unterbewusst ein, die das eigene Spiel beeinflussen - Gewinnbrand, Tilt, Angst vor weiteren Verlusten, die Blöße dem Gegner gegenüber. Zudem spielt der Gegner, nachdem er sich das Momentum einverleibt hat, nun aber weiterhin sein A-Game, zahlt uns womöglich nicht mehr so gut aus, macht gute Moves, trifft besser usw., so dass es für einen doppelt schwer wird, wieder ein Bein auf die Erde zu bekommen. So war es auch im folgenden Match mit einem Gegner, der sich zu Beginn mit gerade einmal $40 an den Tisch setzte.

***

Zunächst war mein Gedanke: "Dem nehme ich ganz kurz und schmerzlos seine $40 ab, und dann Ende der Session". Zu dem Zeitpunkt war ich schon auf diverse HU Gegner gut im Plus, so dass ich mit oder ohne diese extra $40 einen guten Tag einen guten Tag hätte sein lassen können. Auch dieser Gegner war ein Fan von Preflop Reraises aller meiner Eröffnungen, daher meine Minraises Preflop (der Blog hat seinen Namen ja nicht von ungefähr :D ). Nach ein paar Händen war aber klar, dass dieser Spieler extrem schwach war und es schien, er wolle mir sein Geld zunächst hinterher schmeissen:

[replayer hand=123682]

Also wollte ich mir mein verdientes Geld natürlich bei seinem Gamble Modus direkt zurückholen. Man merkt schon, dass hinter dieser Hand eine regelrechte Anstrengung liegt, unbedingt gewinnen zu wollen. Mein "Semi" Bluff am Flop ist natürlich gegen so einen Gegner rausgecshmissenes Geld und ein gefundenes Fressen für ihn. Am Turn bin ich mir allerdings sicher, dass er die meisten Pairs folden wird, und ich habe zusätzliche Equity mit dem Flushdraw. Eine oder eine ist sicherlich auch oft noch ein verstecktes Out, mit dem ich den Showdown gewinnen kann. Ich mache meine Hand, und er zahlt mit einer Hand, die ich hier niemals erwartet hätte (nach der Flop Action):

[replayer hand=123683]

Immerhin habe ich somit das Monemtum wieder auf meiner Seite, weil er durch meinen "lucky" Runner Runner Flush auch sicherlich ein wenig innerlich hochkocht. Weiter geht es also mit dieser Hand:

[replayer hand=123684]

Am Turn habe ich schon die $$$ Zeichen in den Augen, und bin mir sicher, dass er hier locker Hände wie oder schlechtere Two Pair hat. Die zwei gefloppten Straights und Sets sind relativ unwahrscheinlich, und wenn, ist es ein Cooler. Ups, es ist ein Cooler. Naja. Momentum habe ich also soeben wieder verloren, und ich höre mich schon zu mir sagen: "Der Typ kann nur mit einem Setup gegen mich gewinnen, das war ja klar.". Nachdem er nun einige meiner wohlverdienten Dollars vor sich hat, reloade ich und spiele weiter. Ein einzelnes Setup ist noch kein Grund, das Match zu quittieren, denn in vielen Händen hat er bereits gezeigt, was er (nicht) drauf hat. Meine Edge sehe ich weiterhin noch als vorhanden.

[replayer hand=123685]

Aber hier merkt man schon an meinem Preflop Call, dass ich im Brand bin, und versuche, mein Geld zurück zu gewinnen, auf Teufel komm raus. Preflop ist ein Fold. Und so auch der River. Mehr als deutlich hat er hier so gut wie immer gesplowplayt, und wenn nicht, den Flush gemacht. Nach diesem schelchten Rivercall hätte ich das Match beenden sollen. Denn es ist klar, dass er nun nur noch besser gegen mich spielen kann, und ich nur noch schlechtere Entscheidungen treffen werde. Ich bin ein wenig angetiltet. Er ist über 3 Stacks up auf mich - Zeit zu gehen. Aber ich begehe weitere Fehler in meiner Rage:

[replayer hand=123686]

Selbst wenn ich die Nuts floppe (oder fast die Nuts :) ), halten diese nicht mehr, und darüber ärgere ich mich natürlich doppelt gegen diesen Gegner. Der River ist eigentlich ein check behind, aber ich wollte partout keine Valuebet verpassen. Glücklicherweise finde ich noch einen Fold nach seinem Raise. Und hat man mal kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu:

[replayer hand=123687]

Standard. Aber der Tiltfaktor ist nun extrem hoch. Zeit aufzuhören, Felix...ach komm, eine Hand noch:

[replayer hand=123688]

Den Coinflip in dieser Hand gehe ich gegen so gut wie jeden Gegner standardmäßig ein, also kein Fehler in dieser Hand. Leider läuft es halt einfach nicht in meine Richtung, und im Momentum liegt auch häufig die positive Seite der Varianz versteckt. Und das hatte ich ja bereits schon ein paar Hände zuvor verloren.

***

Und die Moral von der Geschicht? Mein Freund hat es mit seiner Richtlinie absolut auf den Punkt gebracht. Unser Gegner mag noch so schlecht spielen, noch so viel gamblen, und unsere Edge mag noch so gross sein. Im Endeffekt können wir nichts dagegen tun, wenn wir a) die Varianz nicht auf unserer Seite und b) das Momentum abgegeben haben. Unser Spiel wird sekündlich schwächer, wir treffen suboptimale Entscheidungen, weil wir schlecht laufen und dem Geld hitnerher rennen, weil wir tilten, und dem Gegner den satten Gewinn nicht gönnen. Unser Gegner hingegen hat nur noch Vorteile und das Beste von uns: Er spielt zunehmend besser, so schlecht er grundsätzlich oder pokertheoretisch spielen mag, gegen uns wird er rationaler, bedachter. Und läuft womöglich auch noch wie ein junger Gott. Unsere Edge liegt nun exklusiv darin, zu erkennen, wann wir die Session beenden!

Das war es erstmal mit meinen zwei kurzen Umrissen von 2 Heads Up NL Matches über das Momentum. Ich habe jetzt wieder die Energie und Kraft gefunden, mich auf mein 6 Max Spiel zu konzentrieren und ein paar Hände einzuschmeissen. Supernova erspielt sich ja nicht von allein. Und Operation Phoenix ist ja auch noch offen. Ich halte Euch auf dem Laufenden, auch mit weiteren HU oder Live Eskapaden natürlich. Am 26. Juli geht es dann endlich nach Vegas, und ab da kann ich Euch von vor Ort auch über die Entwicklung meiner Live Bankroll berichten :).

In der Zwischzenzeit: Keep up the Momentum, and always knwo when to quit!

Viel Glück an den Tischen und bis nächste Woche,

Euer Flix

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