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minraise blog

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/Sep/2009

Poker Memory

Von: minraise @ 09:56 (CEST) / 177 / Kommentar ( 11 )

Das Telefon klingelt: 

  • "Hey Flix, hör dir das mal an und sag mir wie du das gespielt hättest. Es ist echt die sickeste Hand, die ich die letzten Tage gespielt habe und ich weiss nicht was man da macht."
  • "Ok, leg los."
  • "Also, ich hab Könige, der Flop ist irgendwie nur Gemüse, so 'ne Zwei, 'ne Fünf, sowas."
  • "Moment..."
  • "...naja auf jedenfall raist der Typ mich am Flop, ich geh drüber, er callt nur."
  • "Momeeeeent...."
  • "...und der River war, glaube ich, Ass. Achnee, Queen."
  • "So, nochmal ganz von vorn bitte, und ein bisschen geordnet wenn es geht."
  • "Wie geordnet, ich hab doch gesagt ich hab Könige und der raist mich am Flop."
  • "Ja, und der River war Ass, ach nee Queen? Was denn nun?"
  • "Haha, ok. Also...mmh...ich glaube ich war in Early Position, UTG? Achja ne genau ich war am Cutoff, und zwei hatten reingelimpt in den Pot."
  • "Und dein Gegner?"
  • "Ääh...glaube das war ein Limper. Achnee...der hat im Big Blind nur gecallt! Aber was ist denn mit dem Flopraise jetzt? War der gut? Callst du das nur?"

So, oder so ähnlich, bekomme ich regelmässig Hände von Freunden erzählt. Meistens sind es einfache Bad Beat Erzählungen, wie sie jeder tausendfach gehört hat oder spektakuläre Hände, die gewonnen wurden. Manchmal sind es aber auch Hände, bei denen der Erzähler auch gern die Meinung seines Rezipienten erfahren würde, ob er die Hand gut gepielt hat. Früher habe ich mich darüber ein wenig aufgeregt. Heute nicht mehr so, ich finde es vielmehr interessant, wie unterschiedlich das Gedächtnis von Menschen sein kann, welche Informtationen oder Details genau es für wichtig hält und im Langzeitgedächtnis speichert, und welche nicht.

Warum ich mich aufgeregt habe, war aber auch eher der Umstand, dass ich zu einer erzählten Hand meine Meinung nicht abgeben konnte, wenn ich nicht alle notwendigen Informationen hatte. Zu "notwendigen Informationen" zählt bei einer Pokerhand immer:

  • 1. Stackgröße - Um wieviel Geld wird überhaupt gespielt? Wenn der Gegner der o.g. Hand am Flop für ein paar Flusen raist, wird der Call womöglich Pflicht oder trivial.
  • 2. Positionen - Wo sitze ich? Wo sitzen meine Gegner? Wo sitzt der spezielle Gegner, gegen den ich dann eine schwere Entscheidung zu treffen habe? Wenn der Gegner oben aus den Blinds nur bezahlt, kann er z.B. oft ein kleines Paar halten und bei Action lässt das ggfs. auf ein Set zurückschließen. Wenn selbiger Gegner hingegen in Position am Button callt, kann er ja unter Umständen Suited Connectors oder schwächere Hände halten, die er nur aggressiv spielt.
  • 3. Das Board - Wenn man sagt "Der Flop war irgendwie nur Gemüse, ne Fünf, ne Zwei, sowas." ist das genau dasselbe, als würde man sagen "Das Auto, das den Unfall verursacht hat, war irgendwie blau, grün, rot, oder sowas.". Die Polizei kann mit der Information nichts anfangen, weil sie einfach obsolet ist. Sie bringt demjenigen, der seine Meinung zur Hand abgeben soll nichts.
  • 4. Aktionen in Reihenfolge - "Ich raise, er reraist." Da fehlen womöglich noch Calls und oder Folds von anderen Spielern. Oder es fehlt, ob der Spieler check/raise spielt, oder einfach nur in Position raist. Das kann unter Umständen einen riesigen Unterschied machen. Nehmen wir als Beispiel: Wir sitzen bei 100BB effektive in UTG und raisen auf 3BB mit . MP2, der BU und der SB callen unseren Raise. Der SB checkt den Flop, und wir spielen mit 10BB in den 14BB Pot an. MP2 foldet, der Button bezahlt, und nun raist der SB auf 30BB. Stellen wir dem gegenüber einen anderen Postflop Verlauf der Hand: Der SB checkt, wir spielen mit 10BB in den 14BB an, MP2 foldet, aber der Button raist nun auf 30BB und der SB foldet. In Szenario 1 ist der SB in der Regel enorm stark, weil er ein Feld von 3 Gegnern check/raist. Da er keine Position hat und den Check/Raise geplant haben muss, kann man von einer starken Hand ausgehen. Nicht so im zweiten Szenario, in dem der Button eventuell nur seinen positionellen Vorteil ausnutzt, aber gar nicht so stark ist.
  • 5. Reads - Ein schwacher, loose-aggressiver Spieler und ein solider, tight-passiver Spieler möchten gegen unsere Asse auf einem Flop um Stacks spielen. Gegen wen spielen wir lieber? Genau dieses letzte I-Tüpfelchen auf den Informationspool kann eine Entscheidung zur Hand in eine bestimmte Richtung tippen. Oftmals hat sich bei vielen Händen, die ich erzählt bekommen habe, herausgestellt, dass einer der Gegner extrem tight und passiv war. In diesem Fall hätte die Entscheidung in dieser Hand in jedem Fall Fold lauten müssen, aufgrund dieser einen, zusätzlichen Information im Zusammenspiel mit den anderen Punkten. 

Soviel zur Technik. Warum ich auf dieses Thema gekommen bin und darüber nachgedacht habe, hat einen anderen Grund. Darau gebracht hat mich nämlich ein anderer Pokerbuddy, mit dem ich vor nicht allzu langer Zeit ins Casino gefahren bin, um Cashgame zu spielen. Auf den Fahrten zu Casinos tun Pokerspieler natürlich das, was man von ihnen erwartet: Sie reden über Pokerhände. Ich erzählte von einer Hand, die in Vegas gespielt wurde. Ich hielt mich entsprechend meiner eigenen Richtlinien an die wichtigsten Informationen zur Hand, die eine auch eine Stellungnahme ermöglichen.

Jetzt fragte mich mein Pokerbuddy:

  • "Wie kannst du dir diese Hand denn so genau merken? Du kennst ja noch jedes Detail. Ich könnte mir das alles nicht merken.".

Und da dachte ich dann wirklich bewusst zum ersten mal darüber nach, wie das Gedächtnis bei verschiedenen Menschen auch unterschiedliche Wertigkeiten vergeben zu scheint und nach diesen Vorgaben Informationen und Details abspeichert. Mein Pokerbuddy ist zwar auch sehr pokerbegeistert, allerdings ist Poker nicht sein "Beruf". Da ich mich tagtäglich mit Poker beschäftige, über Poker schreibe, Poker Trainings gebe und Pokerhände im Forum bewerte, scheint mein Gedächtnis schon dahingehend geschult zu sein. Das allein kann es aber nicht sein. Ich lege zwar viel Wert auf die richtige Vermittlung von Informationen zu einer Hand, aber mein Buddy tut das ebenso - er möchte auch genau diese Informationen übermittelt bekommen, bevor er eine Meinung zu einer Hand abgibt. Dann habe ich noch einmal darüber nachgedacht, wie sich das Gedächtnis bei Bad Beats verhält. Wenn der Mensch eine negative Erfahrung macht, speichert das Gehirn diese ab, und möchte ihn womöglich damit daran hindern, dass er eine solche noch einmal erleben muss. Negative Erfahrungen sind oft mit Einbußen verbunden - entweder Einbußen am Wohlbefinden, an guter Laune, oder wie im Poker: an Geld. Die Natur des Pokerns verbindet Bad Beats noch mit einem zusätzlichen, ekligen Nachgeschmack: Man hat alles richtig gemacht, und bekommt dennoch eine gewischt. Daher können Spieler wohl ihre Bad Beat Geschichten auch immer und zu jederzeit abrufen.

Bei Händen, in denen man Fehler begeht, sollte das aber ebenso der Fall sein. Wichtig wird es, wenn man sein Spiel analysieren und sich verbessern möchte. Denn dann ist das Abrufen von allen relevanten Informationen zu einer gegebenen Hand, in der man eine zweifelhafte oder diskussionswürdige Entscheidung trifft, enorm wichtig. Ich denke, man fängt dann automatisch an, Details abzuspeichern, wenn man aus einer Hand lernen möchte, oder die Meinungen anderer Spieler wichtig werden für das eigene Vorwärtskommen - vielleicht weil man selbst nicht immer sofort auf die Lösung kommt. So ist es bei mir. Sobald ich beim Pokern (besonders Live) über eine Entscheidung länger nachdenke oder mir unsicher bin, was der beste Spielzug ist, speichere ich diese Situation ab und überlege mir, wie ich das Ganze jemandem am besten erzähle bzw. wie ich sie auch hier im Blog oder hier im Blog aufbereite, damit ich möglichst viele Meinungen einholen kann, die mich weiterbringen.

Zum Glück muss ich nun nicht mein Poker Memory anrufen, um mich daran zu erinnern, welche Hände ich für die heutige Trainingsstunde noch mit dazu packe. Dazu gibt es ja die Pokerstars Funktion, Hand Histories zu speichern, und auch noch den Holdem Manager. Bis heute abend im Training, und bis nächste Woche!

Euer Flix

   

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