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/Dez/2009

Quitten II

Von: minraise @ 23:52 (CET) / 14 / Kommentar ( 5 )

...sind in der Regel gelbe Früchte - wurde letzte Woche festgestellt. Aber nicht für uns Pokerspieler. Quitten sollte für uns viel eher eine Fähigkeit sein: Die Fähigkeit, zu erkennen, wann eine Poker Session beendet werden muß und sie letztendlich auch zu beenden. Inspiriert von IntelliPoker User Waltrad erwartet Euch heute und in den nächsten Wochen eine kleine Blogserie über die wichtigsten Merkmale einer Session, an denen man seine Quitting Skills hervor holen sollte oder trainieren kann. Waltrad hat mich letzte Woche unter meinem Blogeintrag über "Wenn's nicht läuft..." darauf hingewiesen, dass ich diese wichtigen Eckdaten und Ausführungen quasi ausgelassen habe. Man betrachte diesen Blogeintrag also als erstes Add-On oder Teil II zum Eintrag von letzter Woche.

A, B, C (Game) und rechtzeitiges Quitten

Diese Begriffe hat bestimmt jeder schoneinmal gehört. Es sind weitgefasste Oberbegriffe für die drei Zustände einer Spielphase, die ein Spieler durchleben kann. Ein A-Game spielender Spieler trifft (je nachdem wie man es definieren will) die guten Entscheidungen, macht die richtigen Folds oder Calls, nutzt so gut wie alle sich ihm bietenden Spots und stellt das Geld rein wenn es rein muss. Der B-Gamer neigt zu Gleichgültigkeit, ist unaufmerksam, verpasst Spots, macht hier und da einen schlechten Call oder Fold, und weicht von seinen natürlichen A-Game Stärken wie Aggressivität oder gutes Handreading ab.  C-Game wird damit auch direkt klar. Es beschreibt den Zustand, in dem wir kein Poker spielen sollten. Entscheidungen werden von subjektiven Aspekten wie Tilt, persönliche Fehden mit Gegnern, Ego, Wut usw. beeinflusst. Rationales Poker und gute Entscheidungen sind kaum noch möglich.

Anschaulich gesprochen: Sagen wir, ein Spieler erreicht mit seinem A-Game eine Winrate von 2 Big Binds pro 100 gespielte Hände. In seinem B-Game spielt er breakeven. In seinen C-Game Phasen verliert er bis zu 2 Big Blinds pro 100 Hände.

  • Beispiel: Nehmen wir eine 1000 Hände Session. Die ersten 300 Hände spielt ein Spieler sein A-Game und macht 6 Big Blinds. Dann passieren ein paar unglückliche Hände, bei denen der Spieler aber alle Entscheidungen richtig getroffen hat. Er ist angeschlagen und rutscht in sein B-Game für weitere 300 Hände ab - er verfällt in einen alten Habitus zurück, der ihn tighter und nutlastiger spielen lässt. Er spielt passiver und verpasst Spots aus Angst noch mehr Geld zu verlieren. Am Ende dieser Phase klingelt mehrfach das Telefon, und er wird an einen Termin, der gleich ansteht aber vergessen wurde, erinnert. Das bringt ihn nun in sein C-Game, denn er würde gerne seine Session konzentriert weiterspielen und nicht gezwungenermaßen abbrechen. Er tilted und verliert über die letzten 400 Hände 8 Big Blinds. Macht 2 Big Blinds Verlust. Der Spieler hätte nach den ersten 300 Händen quitten können, als er bemerkte, dass er passiver und tighter wurde, obwohl die Situation nicht danach verlangte. Da sein B-Game aber immer noch gut genug ist, um breakeven zu spielen, verschwendet er durch weiterspielen lediglich seine Zeit (Spieler mit einem bereits negativen B-Game sollten hier aber quitten). Jetzt kommt das C-Game, und verwandelt die Winning Session in eine Losing Session. Der Spieler hätte zu jedem Zeitpunkt dieser Phase quitten können, und umso mehr von seinem Gewinn gespart. Selbst 200 Hände vor Schluss wäre er noch 2 Big Blinds im Plus gewesen. Damit wird klar: Jede Zeit, die wir im C-Game verweilen, kostet uns Geld. Das B-Game kann unter Umständen ebenfalls kosten, wenn es auch nur Zeit ist, die man vielleicht besser investieren könnte (z.B. in Handanalysen, Videos schauen, Artikel lesen).

Unsere Sessions sollten in der Regel allesamt mit unserem A-Game beginnen. Und damit geht auch schon der erste Punkt einher, an dem man erkennen sollte, wann man eine Session quitten muss:

Einstieg in die Session im B- oder C-Game

  • Stress auf der Arbeit, Stress in der Familie, in der Beziehung, im sozialen Umfeld und andere Probleme sind alltägliche Dinge. Wenn einen solche DInge aber dermaßen belasten, dass man sobald der erste Big Blind gepostet werden soll immer noch daran denkt, was für Arbeit noch auf dem Tisch liegt oder sich darüber aufregt, dass der Telekom Techniker schon wieder 4 Stunden später als vereinbart auftaucht (Anm. d. Autors: letzteres Beispiel aus aktuellem, persönliche Anlass), dann sollte man den Big Blind besser sparen und einfach aufstehen. Der Kopf muss frei für Poker sein, sonst gibt's kein A-Game. Strategische Gedanken brauchen Fokus und vor allem auch gute Laune sowie Freude beim Spiel.
  • Zeitmangel/Termindruck: Das stelle ich bei mir selbst immer wieder fest: Ich steige in eine Session oft schon im B- oder C-Game ein, wenn ich weiss, dass ich nicht ausreichend Zeit für ein bestimmtes Pensum an Händen habe. Am schlimmsten sind auch kurze Sessions, die ich irgendwo "dazwischen schiebe", weil ich zu wenig Zeit habe, mich aber verpflichtet fühle, mein Pensum "irgendwie unterzubekommen". Störfaktoren von aussen wie Telefonanrufe oder Messenger Nachrichten (Skype, MSN, etc. you name it) zu Beginn der Session können ebenfalls bereits das B- oder C-Game hervorrufen. Zu diesem Thema hat mein Trainerkollege Thomas aka Eckesach einen schönen, strukturierten Artikel verfasst. Beachtung der von Thomas aufgelisteten Punkte sind schonmal gute Wege, seine Quitting Skills maßgeblich zu verbessern - oder besser gesagt, seine Session Starting Skills.
  • Müdigkeit, Krankheit, andere ungünstige äußere Start-Bedingungen: Die ersten Punkte sind klar. B-Game beginnt sicherlich bei den meisten schon automatisch, wenn ihr Kopf schmerzt oder sie beim Buttons clicken fast einschlafen. Vor ein paar Tagen funktionierte in unserer neuen Wohnung die Heizung noch nicht richtig, und es wurde ja draußen bitterkalt. Bibbernd vor dem Rechner sitzen hat mich direkt in meinen B-Game Zustand gefröstelt.
  • Für Livepoker gelten im Prinzip die gleichen Richtlinien. Ein weiterer Punkt, der in Livegames zum Tragen kommen kann (so kenne ich das von mir): Man sollte nicht an Tischen spielen, an denen Menschen sitzen, mit denen man sich nicht gern umgibt, oder in deren Anwesenheit man sich unwohl oder in irgendeiner Weise emotional beeinflusst fühlt (Stichwort: persönliche Fehde oder Abneigung gegen eine gewisse Person am Tisch). Sofern man diese emotionalen Störfaktoren nicht bewusst abstellen kann, könnte es unter Umständen sein, dass man seine Session im B- oder gar C-Game beginnt.

(Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt)

Eine Session gar nicht erst beginnen, oder zu einem anderen Zeitpunkt beginnen, kann also bereits sinnvolles "Quitten" sein. Nächste Woche gehe ich dann auf Faktoren ein, die sich erst während einer Session ergeben und einen Abrutsch vom A- ins B- oder C-Game hervorrufen. Bis dahin einen erfolgreichen Start in Eure nächste Session,

Euer Flix

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