javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

minraise blog

minraise blog
Send PM
/Okt/2009

Rerererererereraise (2)

Von: minraise @ 12:13 (CEST) / 4665 / Kommentar ( 6 )

Letzte Woche ging es in diesem Blog um das Reraisen vor dem Flop in No Limit Cashgames für Value. Das ganze könnt ihr hier nachlesen. Wie versprochen gibt es diese Woche schon vor dem Training heute abend den entsprechenden Eintrag. Den Blog habe ich vor allem unter dem Gesichtspunkt "NL 6-Max Training" geschrieben, denn oft haben wir zu einer recht theoretisch gewichteten Session wenig, was wir schriftlich festhalten können. Zur Session heute abend könnt Ihr Euch übrigens hier anmelden:

Somit habe ich dieses Blogkonzept erstellt, damit ihr die Möglichkeit habt, auch noch einmal das ein oder andere nachzulesen, was wir im Training ausgearbeitet haben. Diese Woche geht es um Das Reraisen als Bluff oder Semibluff.

Und damit auch direkt die erste Frage:

Frage No 1: Wie kann man denn vor dem Flop als Semibluff reraisen?

Auch vor dem Flop gibt es "Made Hands" (Gepaarte Hände) und "Drawing Hands" (Ungepaarte Hände). Jede Hand hat selbst gegen Pocket Aces Preflop Equity (~10-22%), gegen Hände wie haben die meisten Hände sogar 30%-50% Equity. Jede Hand hat zwar einen absoluten Preflop Wert, aber keinen relativen Wert ohne einen Flop. Es gibt nun Hände, die floppen häufiger eine Textur, auf der es sich lohnt, aggressiv zu spielen und mit Hilfe einer Kombination von reiner Pot Equity (unser prozentualer Anteil am Pot, wenn wir alle 5 Karten sehen) und der sog. Folding Equity (die Male, in der ein Gegner eine bessere Hand aufgibt, weil wir setzen oder raisen) einen profitablen Spielzug zu landen.

Beispiel: 

[replayer hand=136264]

Bis zu dieser Hand haben wir am Tisch recht tight agiert. Unser Gegner ist ein aggressiver, aber solider Spieler und eröffnet aus dem Cutoff. Da er nur noch den Button hinter sich hat, wird er (oder sollte zumindest) eine weite Palette an Händen eröffnen - Von Suited Connectors über schwache Asse bis hin zu Broadwayhänden wie , usw. Davon muss er (oder sollte zumindest mal wieder) eine Menge Hände wegwerfen, wenn er mit einem Reraise konfrontiert wird - vor allem weil er gegen uns ohne Position spielt. Wir haben absolute Position und damit die Möglichkeit, den Pot zu kontrollieren, zu eskalieren und/oder Druck auszuüben. Sowohl unser als auch der gegnerische Stack ist tief genug für Postflop Spielraum. Wenn man sich dazu nochmal die Checkliste aus dem Blogeintrag der letzten Woche aufruft und die Punkte abklappert:

  • Die eigene Position
  • Die gegnerische Position
  • Die effektive Stackgröße und auch alle beteiligten Stackgrößen
  • Die Spielweise und das Image der beteiligten gegnerischen Personen
  • Die eigene Spielweise und das eigene Image am Tisch

...kann man diese Situation hier als einen ganz guten Spot zum (Semi)Bluff Reraisen ausmachen. Jetzt sollte man sich aber noch ein paar Gedanken um die Hand machen, die man für ein solches Play nutzen möchte. Manche Hände floppen öfter eine spielbarer Boardtextur als andere. Und dazu gehören z.B. Suited Connectors wie . Die Hand eignet sich deshalb gut für einen Bluff, da wir unseren Bluff auch oft genug nach dem Flop fortführen können, wenn unser Gegner unseren Preflop Bluff bezahlt und die Boardtextur günstig ist. Denn dann war unser Preflop Bluff quasi nur ein Semibluff, da die Hand öfter gar nicht mehr wie geplant vor dem Flop endet. Jeder Flush- und Straightdraw, den wir floppen, können wir aggressiv weiterspielen, wobei wir den Druck auf den Gegner erhöhen, Pot Equity zurückbehalten (also Outs, auf die wir zurückfallen können, falls wir gecallt werden), und unsere Fold Equity erhöhen.

Frage No. 2: Warum sollte man überhaupt als Bluff reraisen und nicht lieber callen?

Profitables Poker ist in der Regel aggressives Poker. Die wenigsten Pötte wird man durch pures checken und callen gewinnen, es sei denn alle Gegner am Tisch sind äußerst aggressiv und passen sich nicht an. Die wichtigsten Gründe für das Einstreuen von Bluff Reraises auch schon vor dem Flop sind:

  • Fold Equity - Viele aggressive Spieler eröffnen (besonders am 6-Max Tisch) sehr loose oder ohne eine gute Position und haben zu oft eine Hand, die nicht stark genug ist, um einem Reraise stand zu halten oder ohne Position und Initiative gespielt zu werden.Wir kassieren so viele kleinere Pötte, die in der Summe einen netten extra Profit zu unserer Winrate addieren.
  • Image - Je aggressiver das eigene Image, umso zahlungswilliger werden üblicherweise manche Gegner. Andere wiederrum ziehen sich komplett zurück und werden damit berechenbarer. 
  • Deception - Wenn wir immer nur mit , , und vor dem Flop reraisen, werden wir berechenbar für aufmerksame Gegner. Auszahlung für diese Hände wird dann oftmals ausbleiben, und umgekehrt steigen die Implied Odds für unsere Gegner mit schwachen Händen. Diese wissen dann nämlich, dass wir eine starke Hand halten und wie der Flop aussehen muss, damit sie uns mit Gemüse stacken können. Reraisen wir aber auch einmal mit unberechenbaren Händen, so stehen die Gegner immer im Dunkeln über unsere wahre Handstärke - Floppen wir dann z.B. auch mal mit ein gelegentliches Monster, kann das auch in einen unverhofften Stackgewinn resultieren.

Das ganze hört sich sehr einfach und straightforward an, ist aber insgesamt ein extrem weitreichender Komplex. Ich möchte mit diesem Blog jetzt nicht das wilde Reraisen vor dem Flop propagieren, sondern eher nur ein paar wichtige Punkte festhalten, die einem weiterhelfen können, das eigene Pokerspiel zu entwickeln. Wichtig ist beim Reraisen als Bluff genau wie beim Reraisen für Value, dass man penibel auf die Umstände und richtigen Vorraussetzungen achtet, die sich bieten. Einfach im Kopf die Checkliste abarbeiten: Stimmen die Positionen und Stacksizes? Sind die gegnerischen Handranges weit und loose? Hat meine Hand versteckten Wert (Suited Conncectors)? Foldet mein Gegner oft oder callt er auch gegen Reraises? Gerade bei dieser letzten Frage kann es unter Umständen passieren, dass wir in schwere Situationen geraten, weil wir gegen Spieler reraisen, die den Fold Button nicht finden können oder aber viel schlimmer noch - allergisch und überaggressiv reagieren. Dann sind alle theoretischen Überlegungen im Long Run für die Katz' und im Endeffekt ist ein passives, angepassteres Spiel ohne jegliche Moves dieser Art besser.

Frage No 3: Welche Hände eignen sich für einen Reraise als Bluff?

Im Prinzip ist diese Frage pauschal kaum zu beantworten. Welcher Handtyp letztendlich sinnvoll und geeignet für einen Bluff Reraise vor dem Flop ist, hängt extrem vom Gegner ab. Generell gilt aber: Hände mit verstecktem Wert und gutem Flopping Potential (Suited Connectors). Schaut man sich seinen Gegner genauer an, so kann das variieren:

  • Ein Gegner, der allergisch und aggressiv auf Reraises reagiert, kommt oftmals nochmal zurück vor dem Flop, und zwingt uns, Bluffs aufzugeben - Folgerung: Mehr Hände für Value reraisen, weniger als Bluff.
  • Ein Gegner, der jeden Reraise callt und sich zu gern den Flop anschaut - Folgerung: Auch hier viel mehr exklusiv für Value reraisen. Value hat in diesem Fall aber auch eine Hand wie oder , weil wir unseren oft callenden Gegner damit sogar noch dominieren können (er foldet ja nach der Beschreibung auch sicher Hände wie oder nicht).
  • Ein Gegner, der oft foldet und nur Premium Hände weiterspielt - Folgerung: Mehr als Bluff reraisen (wobei die Handstärke als solche nicht wichtig ist, weil wir eh immer gegen Premium Hände spielen werden, wenn wir Action von diesem Gegner bekommen), weniger für Value und vor allem für tighteren Value ( hat weniger Preflop Value gegen einen tighten Gegner als . hat sogar kaum noch Preflop Value usw.).

So, das war erstmal das Grundgerüst für das Training heute abend. Ich hoffe, die Thematik bzw. meine Aufbereitung findet überhaupt Anklang bei Euch - wenn ihr Fagen, Anregungen oder Kritikpunkte habt, so postet die doch bitte in den Kommentaren oder schreibt mir einfach eine PM. Nächste Woche werde ich noch kurz alle Aspekte der beiden Trainingssessions in einem letzten Eintrag festhalten, und die Reihe damit abschliessen....aaah....

...jetzt hannisch verjessen wat isch sajen wollt...aaah..et liescht mir op de zong... aaah...Isch freu misch op dat Training mit Eusch Pappnaas' hügg ovend. Bis dahin, maach et joot....

...maach et besser!

Bis dahin oder bis nächste Woche,

Euer

Flix

In order to comment, you must login or register
Quiz
Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
Schon Mitglied? Melde dich hier an
javascriptNotEnabled
Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
Gewinne! Etabliere dich als Gewinner