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/Sep/2009

Rerererererereraise (1)

Von: minraise @ 13:12 (CEST) / 115 / Kommentar ( 0 )

Ihr kennt die folgenden Situationen alle, auch die Turnierspieler unter Euch:

  • "Jetzt klau ich mir mal schnell die Blinds mit meinem Gemüse hier...oha...ein Reraise. Puuh...der hat mich beim Klauen erwischt, und jetzt will er nur zurück klauen. asdfgh%$*@&/. Na warte..."
  • "Jetzt versucht der Kollege Schnürschuh aus dem Button schon wieder meinen Blind zu klauen. Das gibt erstmal einen saftigen Reraise...wie? All-In? asdfgh%$*@&/."
  • "Aaaah, endlich mal was spielbares...ein Paar Damen. Klarer Raise aus UTG...mmh jetzt reraist mich doch der Button glatt. asdfgh%$*@&/. Was will er denn da haben? Könige oder Asse? Ach bitte, ich hab Damen! Rein die Marie!"
  • "So, mein Freund des Blind-Klauens, ich hab Zehner. Das gibt einen saftigen Reraise...wie, All-In? asdfgh%$*@&/, Zehner sind jetzt natürlich nicht so Bombe, er braucht ja nur Buben zu haben und ich bin Toast. Naja, einmal leg ichs noch weg..."

Entweder ist schwupps der Stack in der Mitte ehe man sich versieht, oder aber die beste Hand gefoldet. Passiert mir tagtäglich, passiert sicher jedem von uns so oder in einer ähnlichen Form. Was mache ich gegen Reraises? Welche starken Hände kann ich für Stacks spielen? Wann will mich jemand nur beklauen und ich kann ihn erfolgreich daran hindern mit einem Reraise? Wann wollen mich die Reraiser beklauen, und ich sollte mein Geld verteidigen? Diese und andere Fragen diskutieren wir heute (Donnerstag) abend um 20:00 im wöchentlichen 6-Max NL Training. Über den Link könnt Ihr Euch direkt anmelden, um mit zu diskutieren. Ich hoffe, Ihr erscheint zahlreich (oder seid zahlreich erschienen).

 

Aber auch in der Nachschau wollte ich etwas posten, das hängen bleiben kann, also etwas schriftliches zur Session als "vorbereitete Nachbereitung" quasi :). Nachdem ich nun die letzten zwei Wochen in meinem Blog damit zugebracht habe, mich wie ein wanna-be Poker Philosoph aufzuführen, bekommt Ihr diese und nächste Woche damit zur Abwechslung mal wieder ein wenig echten, strategischen Poker Content in zwei Teilen.

Value oder Bluff?

Man kann Reraises kategorisch unterteilen in solche, die für Value gemacht werden, und in jene, die nur als Bluff (oder Semi-Bluff) gedacht sind. Für Value reraist man, um sein Geld als möglicher Favorit unterzubringen. Als Bluff, um vermeintliche gegnerische Bluffs abzuwehren, oder aber um Action und ein Image zu erzeugen. Es gibt aber einige Punkte, die bei allen Reraises gleichermaßen beachtet werden sollten, um sie entweder selbst erfolgversprechend ausführen zu können, oder um erfolgreich gegen sie zu kämpfen. Das sind:

  • Die eigene Position
  • Die gegnerische Position
  • Die effektive Stackgröße und auch alle beteiligten Stackgrößen
  • Die Spielweise und das Image der beteiligten gegnerischen Personen
  • Die eigene Spielweise und das eigene Image am Tisch

Ich würde sogar fast sagen, mit Hilfe dieser 5 elementaren Punkte kann man jedes Szenario zumindest ansatzweise so aufdröseln, dass man zu einer akzeptablen Lösung kommen kann - ob sich Reraisen selbst oder ob sich der Call gegen einen Reraise lohnt. Diese Woche fange ich mit dem Value Teil an.

Reraises für Value (1) - Eine Gratwanderung

Als Beispiel für die Verwendung dieser Punkte beim Treffen einer Entscheidung will ich nur ein paar recht typische NLHE Situationen (nicht nur 6-Max relevant) aus meiner Datenbank kramen:

[replayer hand=135836]

Eigentlich ein klarer Fall, würde man meinen - Klar, der andere kann auch einfach Asse halten, und man könnte es ein Setup oder Bad Luck nennen. Aber wenn man genauer hinschaut, kann man auch drauf kommen. Zunächst einmal die Punkteliste abarbeiten:

  • Wir eröffnen UTG, d.h. unsere Hand ist relativ gesehen eher stark
  • Der Spieler reraist am Button gegen 3 Gegner gegen eine UTG Eröffnung, also sollte auch er eher stark sein. Er muss ja erwarten, dass ein UTG Raiser auch öfter eine starke Hand hält als ein Button Raiser z.B. Zudem spielt er ja noch gegen 2 weitere Gegner
  • Die effektive Stackgröße ist 100 Big Blinds, aber der zweite Caller ist shortstacked und wird sich bei viel Dead Money auch schnell committed fühlen.
  • Der Reraiser selbst ist sehr tight und raist laut Statistik nur 10% seiner Hände, und reraist 4% der Zeit. Der zweite Caller ist eine ziemliche Callingstation und auch noch shortstacked. Das müsste alles dafür sprechen, dass der Reraiser eigentlich nur stärker sein kann, weil er weiss, dass ihm sonst die Station in die Quere kommt
  • Wir spielen ein normales TAG Game und waren nicht sonderlich auffällig

Und schon kann man sehen, in welche Richtung das geht: Nämlich Fold. Die andere Option ist ein Push, da jede 4-Bet uns sowieso committen würde, und wir eventuell unsere Hand noch als ein frustriertes Anti-Reraise Play oder ein schlechteres, ängstliches Paar verkaufen könnten. Der Reraiser wird uns in einer solchen Situation sicher oft KK+ zeigen, oder vielleicht ab und an auch , wogegen wir einen Coinflip hätten. Das macht die Male, in der wir KK+ gezeigt bekommen aber kaum wett. Zudem wäre es gewagt zu denken, unser Gegner würde mit oder bezahlen. Hier ist also gar kein Value mit einem Push zu holen, unser Gegner hingegen versucht einfach nur eiskalten Value zu holen.

Nehmen wir aber mal andere Ausgangspunkte an:

  • Wir eröffnen am Button, und haben damit eine weite Range
  • Der SB ist ein unauffälliger Caller, der BB reraist, womöglich ebenfalls mit einer weiten Range, um unseren Blind-Steal zu verhindern und das Dead Money vom SB einzusammeln
  • Die effektive Stackgröße liegt bei 100 Big Blinds, aber der SB hat nur 50 Big Blinds, und könnte bei viel Dead Money im Pot auch auf die Idee kommen, sich mit schlechteren Paaren oder Händen zu committen.
  • Der SB ist unbekannt, der BB hingegen ein aggressiver, kompetenter Regular, der die Dinge beim Namen nennen kann
  • Wir haben ein aggressives Image und raisen so gut wie jeden Button

Und schon kann sich der Value unserer Hand so stark verbessern, dass es wieder ein Must-Play ist, zu pushen. Dann haben wir wiederrum Value, weil:

Der Big Blind weiss, dass wir oft stehlen.

Der Big Blind weiss auch, dass wir wissen, dass er oft zurück stehlen wird. Deshalb könnte der Big Blind auf die Idee kommen, dass wir nur eine Antwort auf seinen Spielzug finden wollen, und deshalb auch mittelstarke Hände All-In pushen. Somit kann dies in einen Call von schwächeren Händen wie , , und sogar resultieren, und unser Value ist gesichert.

Zudem könnte, wie erwähnt, der SB auf die Idee kommen, mit einem kleinen Paar oder einer schwachen Hand zu callen, weil er sich committed fühlt durch seine kleine Stackgröße. 

Einen Schritt weiter kann man das ganze nehmen, wenn man selber der Initiator des Raise-Krieges ist:

[replayer hand=135837]

Mal sehen was die Checkliste hergibt (Punkt 1 und 2 müssen dabei dann einfach vertauscht werden):

  • Unser Gegner eröffnet aus dem Cutoff. Er kann hier, auch gerade weil wir nur zu viert am Tisch sind, eine weite Range eröffnen, um die Blinds zu stehlen
  • Wir sitzen im Big Blind und haben keine Position, es ist also sehr schwer, Buben ohne Initiative und Position zu spielen
  • Effektive Stackgröße: 100 Big Blinds
  • Der Cutoff ist ein kompetenter Regular, der weiss, dass wir häufig unseren Blind verteidigen können, wenn wir vermuten, dass er sie oft nur stehlen möchte.
  • Wir sind bisher recht aktiv gewesen, und haben viele Pötte geraist bzw. gereraist

In dieser Situation hat der Reraise hier Value. Der liegt erstmal darin, dass wir gern unsere Buben auch preflop zu einem All-In bringen würden gegen diesen speziellen Gegner - weil er eben eine weite Range sowohl für das Eröffnen als auch für das Verteidigen gegen Reraises haben kann. Er weiss ja, dass wir verteidigen könnten, könnte also seinerseits Unternehmungen machen, um uns aus dem Pot zu drücken. Somit können wir sogar nochmal einen oben drauf legen und All-In pushen. Im Regelfall ernten wir einen Fold. Selbst wenn wir keinen Fold bekommen, haben, liegen bereits $12 (Blinds + Reraise) + $25 (4-Bet) im Pot, sodass wir einen ganz guten Preis für ein All-In bekommen. Wichtig ist hier aber auch, dass wir mehr Hände als nur , , und haben, die wir in so einer Situation gegen diesen Gegner All-In stellen, denn dadurch wehren wir uns nicht nur gegen den Pötte-Klau, sondern generieren zukünftiges Payoff für unsere Preflop Bomben.

  • Letztendlich ist der Punkt bzw. die Handkategorie, ab der man "für Value" reraisen kann aber auf einem sehr dünnen Grat gelegen. Den findet man manchmal, in dem man sich die Dynamik und die Aspekte der gegebenen Situation noch einmal vor Augen führt (siehe Checkliste), manchmal liegt man aber total daneben und stellt dann seine Damen doch wie ich da oben rein.

Soviel zum Reraisen für Value. Nächste Woche kommen in Teil zwei dann die Reraises als Bluff dazu. Da mich verschiedene Leute zu ganz bestimmten Aspekten beim Reraisen als Bluff gefragt hatten, wir das ganze auch noch ein wenig mathematisch. Ich hoffe, ich verliere Euch dadurch nicht und der Blog bleibt leserlich und interessant.

Für Kritik, Feedback oder Fragen schickt mir einfach jederzeit eine PM!

Bis heute abend oder nächste Woche,

Euer Flix

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