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minraise blog

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/Jan/2009

Shot Taking, jetzt aber richtig! - Part II

Von: minraise @ 20:00 (CET) / 1 / Kommentar ( 68 )

Da bin ich wieder mit dem versprochenen zweiten Teil. Mit dem Zeigefinger auf der Maus und dem Jucken im rechten Zeh, das nach Action und der hart erarbeiteten NL200 Erfahrung schreit, geht es also weiter...

***

Ein kurzer Rückblick, oder auch "Was bisher geschah:"

Operation Phoenix, Start Oktober 2008

November 2008: Erste Shotversuche auf NL100 - Alle Shot Stacks weg, neue Arbeit auf NL50

Dezember 2008: Endlich der erste Halt auf NL100, die Roll übersteigt die 40 Stack Marke.

Januar 2009: 48 Stacks liegen auf meinem Pokerstars Konto, und somit 4 Stacks (200$ jeweils) für einen gewagten NL200 Shot. Auf geht's!

***

Ich habe meine Hände sowohl im ersten Teil als auch in den nun folgenden Teilen chronologisch aufgeführt, damit man das Shot Taking Gefühl vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen kann. Und ja, es wird noch mindestens einen Teil 3 geben, denn in 500 Händen ist viel passiert, über das es nachzudenken, zu diskutieren und von dem es zu lernen gibt. Ich möchte dabei aus didaktischen Gründen, nicht nur für Euch sondern auch für mich als quasi alter, aber "neu" anlernender NL200 Spieler keine Entscheidungen zu kurz kommen lassen.

Ok, wir haben also schon einen guten (also in meinem Gewissen guten ) Fold gemacht und zwei Pötte gewonnen. Zeit, endlich einen dicken Pot abzuräumen. Die Chance dazu bietet direkt diese nachfolgende Hand gegen einen sehr sehr fischigen Spieler:

[replayer hand=104881]

appie123 ist ein extrem looser, aber durchaus aggressiver Gegner. Er Spielt nach meinen Tracking Programmen mit ziemlicher Verlässlichkeit so ca. 48% seiner Hände und ist damit in der Kategorie Fisch zu hause. Wie man sieht kann er auch in dieser Situation nicht widerstehen, und bezahlt einen Raise out-of-Position (so etwas sollten gerade die 6-Max Anfänger unter euch definitiv unterlassen. Auf den Mikrolimits lohnen sich an dieser Stelle lediglich kleine Paare für einen Call. Je höher man in den Limits steigt, desto wertloser werden auch diese, da nicht mehr jeder Gegner ausreichend bezahlt, wenn man sein Set trifft. Zu deutsch: Die Implied Odds sinken. Dazu vielleicht aber an einer anderen Stelle mehr). Dass ich die Nuts treffe, ist natürlich überaus erfreulich. Aber ich erinnere mich an eine Anfrage von einem Intelli User, der regelmäßig an den Trainingssessions teilnimmt: Wie extrahiere ich aus den Nuts am meisten Value? Und genau da liegt glaube ich der Punkt in der Hand. Der Gegner macht einen Donkbet in uns hinein und die Frage ist nun, können und sollten wir hier slowplayen? Nein, definitiv nicht. Ein Slowplay an dieser Stelle hätte die folgenden Nachteile:

  1. Wir bauen keinen großen Pot auf und bereiten unsere Hand nicht auf ein mögliches Spiel um Stacks vor.
  2. Wir vermindern unsere Auszahlung, da Over- oder Scarecards am Turn auftauchen könnten, oder aber der Gegner selbst einen Draw hält, mit dem er am Flop sehr viel mehr zahlen würde.
  3. Wir genehmigen starken Händen wie einem Set oder Two Pair die Möglichkeit, ihr Fullhouse zu machen

Also ganz klar ein Raise am Flop, um genau diesen Punkten entgegenzuwirken. Der Raise am Flop bewirkt zudem, dass wir am Turn eine 2/3 Pot Bet abfeuern können, um dann auf den $165 grossen Pot All-In gehen zu können. Die Planung in dieser Hand macht aus, dass wir vollständig ausbezahlt werden. Natürlich spräche für ein Slowplay, dass der Gegner überaus aggressiv ist und uns bluffen könnte, wodurch wir zusätzliche Value bekämen. Aber das ist ein Trugschluss, denn auf einem Board haben so viele Hände sehr hart bis hinunter zu "zumindest etwas" getroffen (wenn auch nur einen Gutshot oder Bottom Pair). Die Möglichkeit, dass hier so unzählig viele Handkombinationen auszahlen, wie z.B. Set/Pair+Draw Kombinationen [ , , , , , etc.], und nicht zu vergessen die second und third Nuts ( und ), sollte einen Raise am Flop plausibel und selbstverständlich machen. Der Turn ist bei weitem nicht die schönst Karte im Deck, aber auch hier ist es wichtig in sogenannten "Hand Kategorien" (Ranges) zu denken, und nicht die Monster unter dem Bett zu sehen. Der Spieler spielt vor dem Flop 48% seiner Hände, und selbst wenn der Gegner eine hält, so geben ihm nur zwei Beikarten ein Full House. Jeder andere wird uns zudem sicherlich ausbezahlen, und wir müssen unsere Hand vor deren Full House Outs schützen. 9er und 8er haben nun ebenfalls die bessere Hand gemacht, aber es hilft nichts, einen schwachen Gegner auf überwiegend starke Hände zu setzen. Er ist und bleibt (sofern er nichts ändert an seiner Spielweise) ein looser Gegner, der uns weiterhin auszahlen wird, sofern er drawt oder eine Hand mit Showdown Value hält. Bet und dann All-In am River maximiert unseren Erwartungswert. Wie wir sehen, drawte der Gegner ebenfalls, aber er zog auf 4 Outs von Turn auf River. Die Auszahlung haben wir aufgrund der Vorbereitung des Pots und der Bets in Bezug auf seine mögliche auszahlende Handrange erhalten.

Weiter gehts mit einer kniffligen Hand:

[replayer hand=104884]

Hier ist die Stacksize des Gegners ein kleines Problem. Der Spieler Balu0412 beteiligt sich ebenfalls fast jede zweite Hand am Pot, er ist überaus aggressiv und seine Range ist hier extrem weit, wenn er einen Raise, gerade auch in Position, bezahlt. Die Hand habe ich sehr suboptimal gespielt. Das Problem ist da ungünstige Stack zu Pot Verhältnis am Turn. Ich floppe zwar Top Pair Top Kicker, aber am Turn taucht eine Karte auf, die a) vielen drawenden Händen hilft (z.B. oder etc.) b) die Wahrscheinlichkeit für Two Pair erhöht ( , usw.). Wie spiele ich nun optimal gegen den im Verhältnis zum gegnerischen Reststack zu kleinen Pot? Meine erste Idee war, einen checkraise zu machen, um die beste Entscheidung gegen Kategorie a) zu treffen und Geld von schwächeren Assen zu erhalten. Das Problem ist, wenn mein Checkraise zu klein ausfällt, können drawende Hände immer noch profitabel callen und ich kann am River nicht mehr folden bei den günstigen Odds, selbst wenn der Flush ankäme. So habe ich mich spontan für check/call entschieden, was die denkbar schlechteste Lösung war, denn damit habe ich mich am River in eine weitere unschöne Entscheidung verstrickt: Ich erhoffte, durch eine Valuebet zu erreichen, dass schwächere Asse nun niemals hinterher checken. Die Möglichkeit, dass der Gegner einen Backdoor Draw getroffen haben könnte, hatte ich zum River hin schon wieder vollkommen vernachlässigt. Auf den kleinen Raise fällt es schwer hier mit Top Two zu folden. Daher wäre eine einfache Bet Turn (2/3 Pot) die beste Lösung gewesen. Ich denke, auf einen Raise am Turn wäre ich hier oftmals All-In gegangen, da die nun entstandenen Draw Möglichkeiten und die loose/aggressive Spielweise meines Gegners einen Push begünstigen. Aber: Selbst wenn ich folden wollte, könnte ich dies nach einem Bet am Turn noch zufriedenen Gewissens tun, da der Gegner immer noch genügend Chips dahinter hat. Schlussfolgerung: Bet/3-Bet oder Bet/Fold wären hier angebracht gewesen. In der Nachschau wäre ein Check/Raise All-In am Turn sicherlich auch möglich, da ich ja davon ausgehe, dass mein Gegner durch seine aggressiven Tendenzen oft betten wird und ich weiss, hier oft die beste Hand zu halten. Die Hände, mit denen mein Gegner den Turn selbst bettet sind zahlreicher als die, mit denen er einen zweiten Bet zahlt oder raist. Was denkt Ihr?

Zum Abschluss von Teil 3 noch eine freudige Hand, die einen weiteren guten Verlauf des Shots ankündigen könnte:

[replayer hand=104885]

Ich raise eine schöne, absolut multiway-taugliche Hand in Position nach zwei Limpern, die beide über 50BB Stacks haben. Position, gute Handkategorie und passive Spielweise der Gegner, solide Vorraussetzungen für einen Raise preflop. Ein Continuation Bet ist auf diesem Flop so gut wie Pflicht, wir haben nicht nur solide Equity (Open Ender und Backdoor Flushdraw) sondern das Board lässt ausser ein paar Gutshots und eben unserem Open Ender keine anderen Draws zu. Wir halten den Draw, was umgekehrt die Wahrscheinlichkeit der Präsenz eines gegnerischen Straightdraws verkleinert, und das Board enthält eine Face Card, die wir repräsentieren können. Wir werden gecallt und bekommen zusätzliche Outs. Leider hätte an dieser Stelle wohl selten eine Double Barrel (eine zweite Bet) Erfolg, denn aufgrund der nunmehr geschrumpften gegnerischen Stacksize und des Fakts, dass er bereits einmal gezahlt hat, mindert die Chance, dass er foldet. Wir nehmen die Freecard, denn sollte der Gegner tatsächlich eine halten, könnte uns das eine gute Auszahlung am River verschaffen, wenn wir treffen. Und so kommt es auch. Der wichtige Punkt in der Hand ist der Turn: Ich würde hier so gut wie niemals einen zweiten Bet abfeuern, da der kleine Stack und die Bereitschaft, eine Bet zu zahlen, unsere Foldequity drastisch minimiert.

So, das war der zweite Teil. Ich denke, 3 saftige Hände pro Eintrag reichen für das lernende Gemüt...ich zumindest bin nun mental ein wenig vom Nachdenken und Gedanken formulieren ausgelaugt ;) Wie es mit dem Shot weiter geht, folgt also in Teil 3. Wenn Ihr bis dahin noch Geduld habt, dann postet doch Eure Ideen, Vorstellungen und Diskussionspunkte in den Kommentaren.

Bis dahin,

Euer Flix

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