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minraise blog

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/Jun/2010

Spidey Senses

Von: minraise @ 12:53 (CEST) / 23 / Kommentar ( 4 )

Wie vielleicht dem ein oder anderen durch den Bluffcatcher Podcast bekannt, findet Dienstags immer unser wöchentliches Homegame statt. Manchmal treffe ich mich dann Mittwochs mit ein oder zwei Pokerbuddies aus diesem Game zum Mittagessen. Die Gesprächsthemen sind, wie sollte es auch bei Pokerspelern anders sein, fast ausschliesslich die Action bzw. die Hände des vorherigen Abends.

So kam es auch dazu, dass ich mich mit einem der beiden gestern über eine gezielte Hand unterhielt, an der sowohl ich wie auch er beteiligt waren. Die Hand ist bei weitem nichts besonderes, deshalb hatte ich sie auch bereits nach der Runde längst gedanklich verworfen. Das eigentlich interessante an dieser Hand ist auch nicht, dass ich preflop geraist und am Flop check/fold gespielt habe, sondern vielmehr, dass mir während der Hand ein Bauchgefühl zu einem eventuellen Move geraten hatte - dieses drängelnde Bauchgefühl habe ich dann aber schnell mit meinem logischen Verstand zu besänftigen versucht und somit wurden auch keine weiteren Gedanken an die Hand verschwendet...

Runner-Runner Nuts vs. Second Nut High

...bis ich gestern mit meinem Kumpel beim Essen wieder über die Hand sprach und vom ihm erfuhr, was er hatte und warum er sie so spielte. Aber kommen wir jetzt lieber mal schnell ans Eingemachte, danach kann ich ja weiter schwafeln:

  • Straddled Pot, die effektiven Stacks liegen bei über 200 Big Blinds. Ich eröffne mit auf 10BB, hinter mir callen 3 Leute inklusive einem der aggressivsten Spieler der Runde, und mein Buddy callt aus dem Small Blind. 5-handed sehen wir uns den Flop von an. Mein Buddy checkt zu mir, und ich liebäugle kurz mit einer Continuation Bet, denn ich habe immerhin eine Overcard, einen Backdoor Straight und einen Backdoor Flushdraw. Also quasi die ultimativen Ubernuts. Allerdings kann ich nicht viel Action vertragen, die Stacks sind tief, und damit auch die Kreativität meiner Kontrahenten. Gegen 3 Leute OOP zu feuern würde bedeuten, dass ich im Grunde auch ganz oft auf Turn oder River die dicke Eier-Keule auspacken muss. Hatte ich zu diesem Zeitpunkt des Abends noch nicht den Drang zu, also schnell in Gedanken das Häkchen bei "Check/Fold" angeclickt. Hinter mir bettet, wie zu erwarten war, unsere Loose Cannon fast Pot mit 40BB, und die beiden Spieler hinter ihm folden. Jetzt check/raist mein Buddy aus dem SB auf 100BB, und die Action ist nochmal an mir. Gedanklich mit der Hand schon längst fertig, erfahre ich irgendwie einen innerlichen Stich in der Magengegend und höre eine Stimme in mir sagen: "All-In! All-In!"



Ich wollte natürlich nicht wirklich All-In pushen, allein mein Bauchgefühl riet mir dazu - meine Spider Senses schlugen Alarm, und ich wusste nicht mal wieso. Ich hatte ja gerade mal die möglichen Runner Runner Nuts, das war zumindest, was mein Gehirn mir meldete. "Sir, wir haben NICHTS". Spidey Senses: "OMG, wir haben die Nuts, du Vogel!"

Bewusst wurde mir letztendlich erst, warum ich hier kurz inne gehalten hatte, als mein Buddy mir beim Essen verriet, was er in der Hand hatte und wie sein Plan aussah:

Seine Erklärung:
 
  • Nachdem ich als Preflop Raiser den Flop gecheckt und so mit der weißen Fahne gewedelt hatte, war es nur selbstverständlich, dass der aggressivste Spieler unserer Runde versucht, den Pot klar zu machen. Das kann er mit jedem Paar, mag es noch so klein sein, und natürlich auch mit jedem Draw. Da die andern beiden auch schon raus sind, und er mich als Aggressor nicht mehr fürchten muss, wittert also mein Buddy seine Chance, diesen Pot zu stehlen. Ein Check/Raise out of Position in ein Feld von mehreren Gegnern sieht sowieso schon mal sehr stark aus, und bisher hat nur der aggressivste, looseste Spieler Interesse am Pot gezeigt - denkbar günstige Voraussetzungen für einen Bluff. Die Stacks sind zudem angenehm deep und geben damit viel Spielraum für kreativen Bluffs, das heisst er braucht nicht einmal zu füchten, dass er den Pot aufgeben muss am Turn oder River. Er hielt übrigens , also das second Nut High, wie er es formulierte.

Meine Spidey Senses lagen also richtig, und mein Play wäre von Erfolg gekrönt worden, hätte ich nur meine Eier beisammen gehabt und meinem Bauchgefühl getraut. Loose Cannon foldet, und mein Kumpel schnappt sich das leckere Pöttchen. So etwas passiert mir nicht wirklich häufig, aber es passiert immer wieder. Das sind im Grunde vielleicht Momente, in denen man öfter auf sein Bauchgefühl als auf seinen logischen Verstand hören könnte. Tut man es und liegt falsch, wird man das Bauchgefühl natürlich verfluchen. Aber von Zeit zu Zeit ergeben sich an einem Pokertisch ganz individuelle Dynamiken, die man vielleicht auch nur mit einem gesunden Bauchgefühl warhnehmen kann.

Vielleicht kennt ihr das auch: Manchmal fühlt man einfach, wenn ein Spieler am Tisch einen Move auspacken möchte. Vielleicht hat er zu viele Pötte in Folge verloren, oder sehr tight gespielt und möchte nun sein Image ausnutzen. Die rationalen Gründe dafür sind meist unerheblich, es liegt dann einfach nur etwas in der Luft - die gewählte Line, die gewählten Betsizes, die Art, mit der Chips in den Pot geworfen werden, oder der Gesichtsausdruck dabei. Poker ist eben nicht nur Strategie, Logik und Mathe sondern auch Psychologie, das lässt sich einfach nicht leugnen.


In diesem Sinne,
Euer Flix

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