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/Aug/2009

Survival of the Fittest -1-

Von: minraise @ 16:11 (CEST) / 5670 / Kommentar ( 4 )

<font size="5">Über Evolutionstheorien, das Poker-Ego und die Bottom Line</font>

<font size="5"><font size="3">Die folgenden zwei Blogeinträge sind einige Gedanken, die ich mir in den letzten Wochen mal über den aktuellen Status der Online Poker (6 Max) Games gemacht habe und zusammentrage wollte. Eventuelle, ironische Untertöne sind beabsichtigt :) </font></font><font size="5"><font size="3">
</font></font>

<font size="5"><font size="3">- Teil 1 -</font> </font>

Vor gut zwei Wochen beginne ich meinen Tag wie so häufig damit, die Pokerstars Lobby aufzumachen und mir meine Tische für die anstehende 1/2 NL 6-Max Session heraus zu suchen. Schnell sind ein paar Tische mit schwächeren Gegnern gefunden, und ich poste meinen Big Blind. Just in diesem Augenblick realisiere ich, dass an zwei dieser Tische direkt zu meiner linken ein ziemlich aggressiver Regular sitzt. Bis hierher ist noch alles gut. Ich habe Position auf ein paar schwächere Spieler, und ich fange an, meine Hände wie gewohnt mit Nachdruck, Aggressivität und mit den schwachen Spielern als Target herunter zu spielen. Bis zu dieser Hand:

[replayer hand=133593]

 

Frage: Was passiert hier?

Antwort: Evolution (bzw. Selektion). Der kleine Hai kann sich schnell an die schwache Spielweise des Fisches anpassen. Der Fisch (in dieser Hand liebevoll als FISH bezeichnet) limpt zu viel, möchte sich zu viele Flops anschauen, und geht mit marginalen Händen zu gern zum Showdown. Was tut der kleine Hai? Er nutzt seine Position auf den kleinen Fisch, isoliert ihn mit guten Blättern und setzt für Value. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt, denn das Blut des Fisches strömt ja durchs Meer hinaus, und schwupp hat er andere Haie (in dieser Hand mit REG = Regular bezeichnet) angelockt. Die anderen Haie sind entweder gleichermaßen an die Spielweise des kleinen Fisches angepasst, oder aber noch besser: Sie können nicht nur den kleinen Fisch mit einem Bissen verschlingen, sondern sie haben sich auch schon für den Ernstfall vorbereitet, dass ihnen jemand zuvorkommt und keine Beute übrig bleibt. Sie können ganz einfach einen anderen, nicht so gut angepassten Hai fressen. Oder aber sie verwunden den anderen Hai so, dass er es nicht einmal mehr schafft, den kleinen Fisch zu fangen. Und wenn der zufällig vorher schon einen kleinen Fisch verspeist hat, so haben sie gleich doppelt vorgesorgt. Diese Hand stellt das Prinzip des Survival of the Fittest ganz anschaulich dar: Das am besten angepasste Individuum setzt sich auf lange Sicht durch und überlebt. Aber was hat diese Evolutionstheorie nun zu tun mit dem Poker-Ego und der Bottom Line? Um auf des Pudel's Kern zu kommen, muss ich ein wenig weiter ausholen.

Nun verhält es sich mit dem Status der Online Cashgames in der heutigen Zeit so: Viele Spieler, selbst die normalerweise schwächeren, offensichtlichen Gambler, wissen inzwischen die wichtigsten Grundsätze des strategischen Pokerns. Einfache Leitfäden wie:

  • "Initiative und Position sind wichtig"
  • "Contiuation-Bets macht jeder" (daher einfach mal check/raisen)
  • "Wenn er dreimal setzt, hat er entweder die Nuts oder blufft"
  • "Wenn drei dicke Bets in die Mitte gehen, der Flush und die Straight ankommen, ist mein Top Pair Medium Kicker womöglich nicht gut.".
  • u.v.m.

Das haben die regulären Spieler eines Limits, die auf monetären Profit und nicht auf Entertainment aus sind, schon lange verinnerlich. Wo liegt also heutzutage noch Value? Womit kann ich meinen Profit machen? Offensichtlich nicht, indem ich gegen einen kompetenten, mitdenkenden Gegner (und davon besiedeln inzwischen ja nicht gerade wenige die Tische aller Limits) dreimal mein Top Pair für Value bette - Der wird das nicht zahlen. Oder der wird mich irgendwo raisen. Oder der wird meine Aggressivität für seinen eigenen Value ausnutzen, mich heruntercallen, und ich zahl ihn für die bessere Hand aus.

Frage: Was mache ich?

Antwort: Na klar, ich muss mehr bluffen! Also schauen wir nach guten Bluffmöglichkeiten. Klappt schonmal nicht so gut, wenn der Gegner andauernd Position auf einen hat, der kontrolliert einfach den Pot - der Lausbub. Ich drücke in einer solchen Situation also wie ein durchgedrehter Schimpanse auf die Bet oder Raise Knöpfe und schreie dabei:

  • "Ich repräsentiere jetzt das Set [die Straight, den Flush, das Full House, den Royal Flush etc. pp.]!".

Natürlich geht der Bluff schief, der Call meines Gegners kommt schneller als Lucky Luke's Schatten seine Wumme ziehen kann und ich grummel vor mich hin "Wie kann er das denn callen???". Später, in der Nachschau der Session, bemerke ich dann zumeist erst, was ich denn für ein Hornochse bin und wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, in einem solchen Spot zu bluffen. Warum also mache ich mir überhaupt die Mühe, und versuche den Bluff?

[replayer hand=133596]

Keine Position, eine komische Line, die entweder die Nuts oder gar nichts repräsentiert, und dazu fällt am River natürlich eine Karte, die sich losgelöst vom Kontext gut zum Bluffen eignet, zufälligerweise aber dann doch noch meinen Gegner genau trifft. Die Antwort, warum wir dennoch manchmal nicht loslassen können und einfach weiterballern, sei es um einfach nur diesen einen tollen, einzigartigen, niemals zuvor dagewesenen Pot zu gewinnen, oder um dem Typen mit der Position einfach mal zeigen zu können, was für trickreiche Spieler wir doch sind, liegt tief in der eigenen Psyche vergraben. Und hier kommt das Ego ins Spiel. Darüber, und was das mit der sogenannten Bottom Line zu tun hat, schreibe ich dann in Teil 2 noch ein wenig weiter.

Kurz zum Abschluss, wie immer in eigener Trainersache :):

Dienstag gibt es wieder eine Live Trainings-Session, bei der ich an den 6 Max Tischen auf Stars spiele, und Donnerstag eine Hand Review Session zum Thema "Das Spielen von Overpairs im 6-Max". Freue mich auf Euren Besuch! Vor allem möchte ich die Neulinge im 6 Max oder Überwechsler von anderen Varianten (Fullring NL/Fixed Limit) ermutigen, mal reinzuschauen - Lasst Euch vom Stammpublikum oder vor allem von dem vielen Poker-Fachchinesisch, das oft durch den Chat gewirbelt wird, nicht abschrecken!

Für diejenigen unter Euch, die meinen Werdegang an den 6-Max Tischen auf Pokerstars im Detail interessiert, habe ich seit ein paar Tagen noch einen zusätzlichen, persönlicheren User-Blog eingerichtet. Die Minraise Supernova Challenge. Schaut doch mal rein, flamt mich oder diskutiert mit mir dort über Hände :).

Ein gutes Blatt und ein schönes Wochenende,

Euer Flix

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