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minraise blog

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/Sep/2009

Survival of the Fittest -2-

Von: minraise @ 15:11 (CEST) / 182 / Kommentar ( 4 )

So, nachdem ich letzte Woche schön aus dem WCOOP Event #1 rausgeflogen bin, konnte ich mir wieder die Zeit nehmen für das Fortführen meiner Gedanken aus Teil 1. Wo waren wir das letzte mal stehen geblieben? Achja, hier:

[replayer hand=133593] 

Muss ich hier zurückspielen? Soll ich einfach kampflos aufgeben? Warum fange ich überhaupt an, darüber nachzudenken, ob und warum ich zurückspielen "sollte"? Nur, weil ich mir gesagt habe "Ich muss mehr bluffen."? Nee. Da ist noch was anderes im Spiel. Und zwar das Ego. Ich weiss, dass zu meiner linken ein regulärer, kompetenter, sehr aggressiver Spieler sitzt. Ich kann Datenbanken durchschauen, und werde feststellen, dass der Typ ein ganz solider Gewinner in den Games, die wir spielen, ist. Der lebt womöglich sogar davon. Erstmal nehme ich ihn für den Beginn der Session aber gar nicht so sehr wahr, weil ich mich ja auf die schwachen Punkte des Tisches konzentriere - der Grund meiner Anwesenheit am Tisch ist der Spieler zu meiner Rechten.

Eine alte Pokerweisheit besagt schon, das Geld fließt immer von rechts nach links. Gut für mich. Denkste! Wenn ich mal einen Schritt weiterdenke, mag zwar das Geld von rechts zu mir fließen, aber wenn ich nicht aufpasse und mich wieder wie ein tollwütiger Schimpanse aufführe, dann fließt mein hart ergrindetes Geld direkt und ohne über Los zu gehen an meinen linken Nachbarn weiter. Der fängt nämlich permanent das Reraisen an. Der sagt: "Junge, du hast zwar Position auf den Fisch, aber ich habe Position auf dich. Sein Geld ist zwar deins, aber deins ist auch meins, wenn du Fehler machst!".

Aber wieso sollte ich das zulassen? Na, weil mein Ego mir sagt: "Der kann DICH doch nicht ausspielen, nur weil er Position hat!". Und da liegt der Schimpanse begraben. Wie ich das so komplett aus meinem Spiel heraushalten kann, die Nuß habe ich auch noch nicht geknackt. Vielleicht schafft man das aber auch nie. Oder man muss es gar nicht schaffen? Poker kann für jeden Menschen etwas unterschiedliches darstellen - Entertainment, Nervenkitzel, Gambling, Spielen in Gesellschaft, Geld machen, Competition. Der letzte Punkt treibt ja gerade viele Online High Stakes Pros an:

  • "Für mich ist Online Poker wie ein Video Game, in dem ich Punkte habe, die mir anzeigen, wie gut ich bin. Mein Ziel ist es, den Highscore zu knacken und besser als alle anderen zu sein! Mir geht es nicht um's Geld, und es ist auch kein Geld für mich am Tisch, sondern nur Punkte eines Spiels eben. Wenn ich keine Punkte mehr habe, dann ist das game over."

(So, oder so ähnlich, hat es Captain Zeebo - mehrfacher Millionär durch Online Poker - in einem Interview formuliert, Zitat kann wörtlich nicht ganz korrekt sein). Das hiesse ja aber auch, dass Ego für diese Jungs und ihr (gutes) Spiel schon eine enorm große Rolle spielt.

Ich denke, man sollte sich einfach jeden Tag aufs Neue bewusst darüber werden, warum man sich an die Tische setzt und auch dementsprechend handeln. Meine persönliche Motivation ist entsprechend meines evolutionär-natürlichen Ego-Triebs zwar auch, besser zu werden, aufzusteigen, und mich mit anderen zu messen - Aber das tritt in den Hintergrund, wenn man mal alles herunterbricht. Dann kommt nämlich tatsächlich dabei heraus, dass ich am Ende des Monats oder Jahres auch etwas unterm Strich stehen haben will. Und das ist die Bottom Line.

Warum sollte ich mich also vor diesem Hintergrund andauernd mit stärkeren Gegnern messen wollen? Warum begebe ich mich und verharre absichtlich in einer Position (ein Platz am Tisch), die unprofitabel ist, sobald ich auch nur kleinere Fehler begehe? Es besteht absolut keine Schande darin, einen Tisch zu verlassen, nur weil man einem ebenbürtigen bzw. sogar stärkeren Villain Platz machen muss. Wenn die Positionen ungünstig sind, dann wird der Tisch ganz einfach verlassen. Es gibt nach wie vor genügend Auswahl, man muss sich die "Beute" nicht mit anderen Haien teilen, und schon gar nicht muss man sich mit anderen Haien messen. Wenn die Motivation letztendlich im Wettkampf liegt, dann sollte man danach handeln, aber sich nachher nicht beschweren über mögliche, große Varianzschübe, die einen tief nach unten ziehen können (natürlich ebenso weit nach oben). Natürlich kann man nun auch immer mit dem Argument herkommen, dass man sich durch das ständige Suchen nach soften Spielen und einfachen Gegnern nicht sonderlich als Pokerspieler entwickelt und verbessert, weil man immer nur stereotype Spielweisen an den Tag legt, mit denen man einfach gestrickte Gegner besiegen kann. Wenn man das Gefühl hat, das dem so ist, so kann man immer noch Initiative in diese Richtung ergreifen, einen Shot wagen, absichtlich Heads Up gegen einen stärkeren Spieler spielen usw usf., ABER eben mit dem Bewusstsein im Hinterkopf, dass man hier eben auch Lehrgeld bezahlen muss.

Mein Punkt ist schlussendlich eher wichtig für diejenigen, die sich eine Bankroll aufbauen möchten und den Weg nach (zumindest etwas weiter) oben (wo auch immer das für jeden persönlich liegen mag) bestreiten. Das ist auch etwas, das ich immer wieder in den Trainings propagiere - Tableselection ist, neben einem guten Run hier und da, immens wichtig für eine erfolgreiche Bankroll Entwicklung. Gerade auf den Micro und Smallstakes hat man so eine enorme Auswahl an Tischen, dass man sich vor jeder Session die Zeit nehmen sollte, um sich die besten, softesten, saftigsten und einfachsten Spiele rauszusuchen. Bevor man gar nicht erst in die Reichweite der Spiele von kompetenteren, stärkeren Gegnern kommt, sollte man definitiv das Hauptaugenmerk auf die Bottom Line und die Profitmaximierung legen, damit man irgendwann eben auch die Grundlage hat, um es mit den stärkeren Gegnern auf höheren Limits aufzunehmen.

Schön und gut, aber was heisst das jetzt für mich und meinen Gegner aus der Hand da oben? In erster Linie: Zum "besser werden" gehört eben auch zu verstehen, wie wichtig Position sein kann, und wie wenig man ausrichten kann, sobald man keine mehr hat. Weder Bluffen noch Value holen lässt sich ohne Position gut, und schon gar nicht, wenn direkt hinter einem ein Spieler sitzt, der das Spiel ebenso gut verstanden hat, wie man selbst - oder gar besser:

[replayer hand=133594]

Ok, ab nächster Woche verschone ich Euch dann fürs Erste mit meinem verwirrten Gedankengut als "verhinderter Philosoph" (Danke, 5dmark, du hast mich wachgerüttelt ) und besinne mich wieder auf strategischen Content. Danke für's Durchhalten :) 

***

Wie immer zum Abschluss ein bisschen Werbung für die Trainingsstunde morgen abend:

Es geht um das Thema Floats und das Spielen von bzw. gegen Floats. Ihr könnt mir wie immer Eure Hand Histories (englisches PS Format) zum Thema per PM einsenden oder hier in diesem Thread posten (dort findet ihr auch noch einmal eine Definition und Erklärung zum Thema). Hoffe ich sehe Euch morgen zahlreich!

Eine schöne Restwoche und viel Erfolg bei der Tableselection,

Euer

Flix

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