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minraise blog

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/Jun/2010

Tellbox?

Von: minraise @ 16:12 (CEST) / 4210 / Kommentar ( 4 )

Ich könnte eigentlich schon fast eine komplette Serie aus den Poker Themen machen, über die ich regelmäßig mit meinem Homegame Buddy beim Mittagessen spreche. Diese Woche haben wir uns erstmal über ein paar Live Hände ausgetauscht und gegenseitig zu Meinungen befragt, bevor wir dann auf die Thematik der Tells kamen.

Livepoker ist viel weniger technisch als Online Poker, das ist klar. Man spielt eben erstmal nur einen Tisch, und hat somit von vorneherein viel mehr Zeit, sich Gedanken darum zu machen, wie man die Hand spielt. Leider hat man aber meist keine Zeit oder eher keine Möglichkeiten, seinen Körper daran zu hindern, den eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Online vs. Live

Wenn man zuhause vor seiner eigenen Kiste sitzt, kann man Freudentänze aufführen, wenn man an zwei Tischen gleichzeitig gedealt bekommt und eine 3-Bet kassiert, oder man kann auf den Tisch hauen und seine Maus durchs Fenster werfen, wenn der Gutshot mal wieder durchs gegnerische Hintertürchen reingeflogen kommt. Vielleicht läuft der ein oder andere ja auch rot an vor dem Rechner, wenn er blufft, ohne dass er es jemals sehen würde. Man hat beim Grinden ja keinen Spiegel vor sich stehen, und Zuschauer gibt es auch eher keine - ausser vielleicht einem zu neugierigen Nachbarn.

Poker is a game of incomplete information

Weil wir ohne einen Superuser Account die Holecards unserer Gegner nicht sehen können, arbeiten wir gemeine online Grinder ja immer schön mit Hand Ranges. Viele Spieler spielen Hand x in einer Situation eben genauso wie Hand y, aber niemals wie Hand z. Wenn man hier theoretisch, kombinatorisch und dynamisch fit ist, kann man hier online schnell einen strategischen Vorteil herausarbeiten. Man findet immer bessere Spots zum Bluffen, weil die gegnerische Range in Situation A zu schwach ist, und man lernt, bessere Valuebets oder Folds zu machen in Situation B oder C. Das ist aber alles eher theoretischer Natur, und hat letzten Endes wenig mit echten Tells oder Reads zu tun, die man im Live Poker entwickeln kann. 

Online Tells

Mit vielen Informationen über den Gegner, mit dem wir es zu tun haben, wäre es theoretische möglich, zusätzliche Informationen über seine Hand in einer ganz bestimmten Situation zu absorbieren und somit seine Range sogar noch weiter einzuschränken. Das wiederum könnte helfen, der richtigen Entscheidung noch näher zu kommen, als man es mit der unreduzierten Range hätte können. Uns stehen aber online relativ wenig zusätzliche Informationen zur Verfügung. Ein paar typische online "Tells", aus denen man, auch ohne dem Gegner live gegenüber zu sitzen, ein paar Informationen ableiten kann sind:

  • Screenname
  • Betsizing
  • Timing
  • Auto-Rebuy on/off

Live Tells


Mein Buddy sprach beim Kaffee dann darüber, wie er sich mittlerweile angewöhnt hat, seine Gegner in einem Live Cashgame kontinuierlich anzuschauen, und möglichst nicht den Fokus zu verlieren auf deren Verhaltensweisen und Tendenzen. Das ist in seiner Erfahrung für ihn bares Geld wert, und zwar in zweierlei Hinsicht:
  1. Man verpasst keine möglichen Tells
  2. Man übt subtilen Druck auf den Gegner aus, indem man ihm vermittelt, dass keine seiner Aktionen unbeobachtet bleiben. Das kann viele dazu drängen, schlechtere Entscheidungen unter Druck zu treffen.
Ein Nebeneffekt ist, dass man um einiges selbstbewusster und entschlossener wirkt. So können unter Umständen auch Bluffs in Spots funktionieren, die mit einem schlechteren Image daneben gehen würden.

Die Tells, die man letztlich beobachtet, können extrem vielzählig sein. Es kann zweifellos die Art sein, wie jemand seinen Oreo Cookie isst:


Zwei der interessantesten Live Tells, die ich bisher zu meinem Vorteil verwenden konnte, oder auch an mir selbst beobachtet habe, um letztlich mein Spiel durch diese Erkenntnis zu verbessern, sind:
  • Das Verhalten, bevor man dran ist: Viele Spieler geben enorme Tells ab, wenn man sie beobachtet, nachdem sie ihre Hand gesehen haben und nun die Action am Tisch abwarten. Gestern war ich wieder mal mit Daniel in Aachen am Pokerautomaten, um eine Runde NL100 zu spielen. Links neben mir sass einer der tighteren, aber zumindest gefährlicheren Spieler am Tisch. Wenn er Action macht an einem Tisch voller loose/passiver Gegner, dann hat er so gut wie immer eine Hand. Man kann das zu seinem Vorteil nutzen, wenn man aktiv beobachtet, wie er sich vor der Action verhält. Jedesmal, wenn er eine Hand hatte - sowohl preflop als auch postflop - drehte er sich zu den Leuten zu seiner Rechten, um zu sehen, was diese taten. Hatte er kein Interesse am Pot, bleibt er locker auf seinem Stuhl sitzen und starrte aufs Spielfeld. So konnte ich jedesmal bereits vorher mit einer marginalen Hand aussteigen, und habe bestimmt einen halben Stack gespart an Investitionen in einen Pot, in dem dieser Spieler immer die bessere Hand hielt.
  • Die Art, seine Chips zu setzen: Als mein Buddy mir von der Sache mit dem Imageboost durchs Anschauen seiner Gegner erzählte, fiel mir spontan eine ältere Live Hand ein, die ich mal im Bellagio am 2/5 NL Tisch versemmelt hatte. Nun wurde mir auch ein weiterer, möglicher Grund klar, weshalb der Bluff misslungen sein könnte (wer die Hand nachlesen möchte, es ist die letzte Hand aus diesem Blogeintrag). Als ich am Turn einen $100 Turm von Chips plus einen halben $60 Turm in die Mitte schob, fiel mir der $60 Turm um, und ich baute ihn recht hektisch wieder auf, damit der Dealer besser zählen konnte. Allgemein neige ich dazu, unterschiedliche Vorgehensweisen beim Chipstacken zu verwenden - bei Bluff und Valuebets: Wenn ich eine starke Hand habe, sortiere ich oft die Chips vor mir hin, bis ich den richtigen Betrag gefunden habe. Wenn ich bluffe, suche ich eher schnell und unkoordiniert ein paar Chips zusammen. Es liegt einfach oft auch in den Nuancen, ob man Schwäche signalisiert oder Stärke.
In Zukunft werde ich mir angewöhnen, einen ganz klar definierten Betting Pattern zu benutzen, den auch mein Buddy verwendet: Man denkt sich im Kopf einen genauen Betrag aus, den man setzen möchte - ob Bluff oder Valuebet. Dann sortiert man schön säuberlich den Betrag zurecht, nimmt den Stapel in die Hand und lässt ihn dann in die Mitte des Filzes fallen. Wer weiss, welche Leute in meinem Homegame allein schon von meinem Betting Pattern Tell profitiert haben.

In diesem Sinne,
Euere Flix-Tellbox

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