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minraise blog

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/Jan/2010

The Joy of Folding II

Von: minraise @ 20:11 (CET) / 9 / Kommentar ( 19 )

Spaß am Folden finden - wie geht das? Die Frage habe ich letzte Woche in The Joy of Folding I bereits zu beantworten versucht. Heute suche ich weiter nach dieser Spaßkomponente am Pokertisch. Vor dem Flop fällt das Folden an sich meist gar nicht so schwer, weil in der Regel noch relativ wenig Chips im Pot liegen. Auch wenn man sich hier und da von hohen Paaren wie Jacks und Queens trennt, der Schmerz ist geringfügig - vor allem wenn der Gegner einem freundlicherweise die gefürchteten Raketen umdreht, bevor er sie in den Muck schiebt. Man sieht den Flop nicht, gibt keinen großen Pot auf, und kann sich schnell der nächsten Hand widmen. Auch wenn man schon einen Flop gesehen hat kann der Trennungsschmerz immer noch schnell überwunden werden, denn der Pot ist, wenn alle Bets vor dem Flop gemacht wurden, in der Regel auch noch nicht wahnsinning groß. Es kommen nur noch zwei Karten, und wenn wenig Aussicht auf Verbesserung besteht, landen die eben auch ganz flott im Muck.

Viel schlimmer wird es aber, wenn wir uns bereits in eine Hand verguckt haben. sieht auf einem Flop wunderschön aus. Nachdem der Dealer die am Turn aufdeckt, sind wir immer noch verliebt. Die River und der Satz unseres Gegners bringt uns aber dann innerlich zum grummeln, und die Trennung fällt irgendwie schwer. Dann schweift der Blick auf den riesigen Pot. Wie soll man dann bitte noch Spaß am Folden finden?


Hier lehrte ich einst Ben Affleck den Spaß am Folden (Madame Tussauds in Las Vegas,09)


The Joy of Folding on the River

Letzte Woche Sonntag saß ich mal wieder am echten grünen Filz in einem hiesigen Homegame um die Ecke. Es war ein sehr kleines 50NL Game mit relativ tighten und passiven Spielern. Das Problem an solchen Runden ist: Ein Gameplan, der hauptsächlich auf dünnem Valuebetten basiert, ist kaum durchführbar. Dazu sind die Spieler einfach zu tight und selektiv gegenüber ihrer absoluten Handstärke. Keiner gibt so leicht seinen Stack her ohne die gefühlten Nuts. Andererseits ist es aber genauso wacklig, auf einen Gameplan zu bauen, der sich hauptsächlich aufs Bluffen verlässt. Dazu sind die Blind- und Setzbeträge einfach "noch" zu gering. Schwer also, sich was profitables zusammen zu spielen. An diesem Tag sollte ich jedoch gleich zweimal vor die schwere Aufgabe gestellt werden, Spaß am Folden zu finden. In einer der ersten Hände spielte sich folgende Situation ab:

  • Under the Gun limpt eine extrem tighte, passive und damit berechenbare Spielerin - eigentlich exemplarisch für die Beschreibung, die ich eben abgegeben habe. Zu mir am Button wird gefoldet, ich raise , und nur die Limperin zahlt den Raise nach. Wir sehen den folgenden Flop: . Eigentlich vielversprechend. Leider hat die Hand per se keinen großen Wert gegen genau diesen Spielertypen. Entweder limpt/callt sie UTG nur Paare auf Setvalue, oder einige der in ihren Augen "unsicheren" Hände wie oder . Ich habe also leichtes Spiel, herauszufinden, ob ich gut bin. Ich setze also meinen Continuation Bet und werde gecallt. Klare Info: Entweder hat sie eine schlechtere oder bessere Queen, oder sie hat ein Set. Zeit, den Pot zu kontrollieren. Der Turn ist der , der meine Situation nicht einmal verbessert, und damit wird von mir nach ihrem Check auch hinterher gecheckt. Der River ist die , und sie macht von vorne einen dicken Satz. Meine Hand sieht auf diesem Board eigentlich noch wunderbar aus, und meine Standard Spielweise wäre hier auch, ganz schnell zu bezahlen und umzudrehen. Ich würde erwarten, dass ich mit dieser Linie auf lange Sicht bei der Boardtextur enorme Gewinne einfahren kann. Nicht jedoch gegen diesen Spielertypen. Der Satz am River kann kein geplatzter Draw sein, denn der einzige Draw (neben JT, aber das Callen von Gutshots fällt bei ihr absolut heraus) ist mit angekommen. Aber auch liegt nicht in Ihrer Range, mit der sie UTG limp/call spielen würde. Bleibt also nur noch und . Ich rufe am River laut Ihre Hand ( ) und verfluche den Dealer spaßeshalber für diesen ekligen Turn, mucke meine Karten offen, und bekomme freundlicherweise von ihr gezeigt. 
  • Einige Hände später sitze ich im Big Blind mit in einem gestraddelten Pot, bei dem nur ein Spieler den Straddle zahlt, und der Straddler checkt. Der Flop ist , und ich entschliesse mich bei dieser unschuldigen Boardtextur und meinem Open Ender zu einem Stealversuch. Meine Bet wird vom Straddler bezahlt, und ich werde schon ein wenig aufmerksamer, denn im Straddle sitzen zwei beliebige Karten, unter denen sich gut auch eine befinden kann. Der Turn bringt mir nun die Straße mit der . Ich setze also noch einmal für Value und werde gecallt. Der River ist die . Meine Situation hat sich wenig verändert, und ich muss gegen jede oder langsam gespielte Paare wie oder für Value setzen. Bevor man den Satz macht, fühlt man eigentlich schon, wie das passiert, was man am wenigsten wünscht: Auf gepaarten Boards mit einem Flush oder einer Straight geraist zu werden. Bevor der Raise kommt, lässt mein Gegner aber noch einen Tell heraus und murmelt: "Ich kann dich auf keine Hand setzen." - dabei macht er die ganze Zeit Anstalten, als wolle er seine Karten gegen meine Bet folden. Ich schmeisse meine Strasse angewidert und offen auf den Tisch und in Richtung Muck. Er zeigt das gefloppte Boat mit .

Nach Hause gehe ich aus der Runde natürlich keinen Cent reicher, aber immerhin mit einem ruhigen Gewissen, die richtigen Folds gemacht zu haben. Aber mal ehrlich: Weglegen macht einfach keinen Spaß. Je stärker die Hand, je größer der Pot, um so schmerzlicher wird es. Man kann zumindest Trost darin finden, wenn man von Zeit zu Zeit die nette Geste erfährt, die gewinnenden Karten des Gegners zu sehen.

In diesem Sinne: Frohes, gewissenhaftes und spaßiges Folden Euch allen.
Euer Flix

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