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/Apr/2009

Über die hohe Kunst, ein Overpair zu spielen

Von: minraise @ 09:38 (CEST) / 12 / Kommentar ( 103 )

Das lange Osterwochenende hatte nach der ganzen Völlerei mit Grillgut, Schokolade und Kuchen mal wieder den Drang in mir geweckt, mich sportlich zu betätigen - Tja, und was macht ein Pokerspieler, um sich aktiv sportlich zu betätigen? Na klar, er spaziert zum nächsten Livegame. So habe ich gestern kurzfristig noch die Möglichkeit gehabt, bei 1-1 Blinds und keinem Maximum Buyin ein paar Karten zu kloppen. Und während ich da so sitze und spiele, kommt mir in oder besser gesagt nach einer bestimmten Hand der Gedanke, dass ich das Konzept "Spielen eines Overpairs" dringend gedanklich mal in meinem Blog behandeln sollte. Denn die Hand hat mich mal wieder über die möglichen Problematiken mit dieser Handkategorie nachdenken lassen. So gibt es also diese Woche ein bisschen Live Cashgame Erlebnis gekoppelt mit der Analyse dieser ganz bestimmten Hand, und ich schiebe die nächste Folge 6 Max Talk noch ein bisschen auf. 

***

Das Spiel war zunächst 6-handed, was mir sehr gefiel. Der größte Stack hatte etwas über 150 Big Blinds, und so war auch ich für 150 BB drin. Die ersten paar Hände verliefen unspektakulär und ohne allzu große Pötte. Eigentlich kann ich meinen Abend an diesem Tisch auf eine einzige Key Hand herunterbrechen. Ihr kennt den Spot, den ich meine, alle sicher nur allzu gut: Man sieht sich einer Eröffnung von 3-4 Big Blinds gegenüber, und hält ein Medium bis Premium Pair bis . Klar, wir reraisen im Namen der hoch heiligen "Value", denn das ist, was das Buch uns sagt - Pot bauen, Hand schützen, Initiative übernehmen.

Und dann kommt der Flop .

Sollte man sich ja zunächst einmal vorn sehen. Aber dann fragt man sich: Was habe ich davon, vorn zu sein, wenn ich in genau diesem Falle nur den Pot am Flop bereits mitnehmen kann, weil alle Hände, die mich NICHT ausbezahlen, Overcards, oder etwas kleinere Paare sind (das sind im Übrigen eine , , und + - aber genau diese Hände wissen ja auch um ihre Verwundbarkeit und werden sicher nicht mehr als eine Bet zahlen, wenn sie sich nicht verbessern). Wenn ich genauer hinschaue, bekomme ich doch eigentlich nur Actrion von Händen, die entweder viel Equity gegen mich haben ( , , oder auch nur ), oder mich sogar beat haben (Sets, Größeres Overpair, Two Pair) - Und genau das ist Action, die ich nicht möchte. Wenn ich in einem solchen Spot große Overpairs wie : oder halte, macht das auch nicht mehr viel an Unterschied zu einer Hand wie her, da ich nur noch gegen eine handvoll kleinerer Overpairs vorn liege, die mir wenigstens gewollte Action geben könnten; wobei diese Hände ( , ) mir aber üblicherweise auch schon preflop Action geben. Also kann eigentlich das beste Ergebnis für meine Overpair Hand sein, dass ich den Pot entweder preflop, oder bereits am Flop mitnehme. So, und genau hier kommt mein Gedankenknicks, an dem ich mich nicht vorbeiwinden kann. Wenn ich das weiss, raise ich mein Paar vor dem Flop gar nicht mehr generell für Value, denn die "Value", die ich in einem solchen Reraise sehe, ist nur noch potentieller Natur für einige ganz bestimmte Szenarios (Ich hoffe, es wird deutlich was ich meine - Ein Beispiel: Wir halten und reraisen einen Open Raise, der Spieler zahlt mit nach für ein "vermeintliches" Slowplay, gibt aber seinen Stack auf dem Board sowieso her). Und wie oft genau kommt es vor, dass sich solche Szenarios ergeben im Verhältnis zum Fall, dass wir die potentielle Value in tatsächliche reverse Implied Odds verwandelt haben und nun unseren Stack gegen ein Set weg geben? Gut, genug theoretisches Geplänkel, gehen wir in die beiden Hände, um die es sich dreht.

<font size="4">Zehner ohne Position</font>

<font size="4">
</font>

Das Spiel ist aktuell nur 5-handed, ein Spieler ist kurz eine Rauchen. Es herrscht viel Palaver, lockere Stimmung, kein Drang zu Action, niemand ist im Brand oder ähnliches. Im Button eröffnet ein guter Pokerbuddy von mir auf 3 BB. Ich halte im Small Blind. Mein Freund ist in diesem Spiel relativ kontrolliert und spielt solides Poker, in Runden mit kleineren Blinds ist er extrem loose und aggressiv, und viele dieser Moves, die nicht immer richtig und gut sind, übernimmt er von Zeit zu Zeit. Er ist sehr gern der Aggressor und ungern der Caller, also definitiv fähig, diverse Bluffs, auch für seinen gesamten Stack, durchzuziehen. Er hat mich in dieser Session auch schon 2-3 mal preflop mit einem Reraise konfrontiert, was für diese preflop eher unaggressive Runde total unüblich ist und auch eher argwöhnische Blicke erntet - andere Spieler als wir beiden würden ein solches Play eher selten ohne eine starke Hand machen. Soviel zur bisherigen Action, um sich ein kleines Bild machen zu können. Los geht's:

[replayer hand=117813]

Ich erkläre euch erstmal mal meinen Gedankengang zu dieser Hand. Resultate gibt es aber erst zum nächsten Blog, denn ich denke, dass es sehr wichtig ist, eine solche Hand ohne Resultate zu betrachten. Ihr seht es mir hoffentlich nach, und ich verspreche ganz fest, daran zu denken, das Resultat nächste Woche nachzuliefern!!!!(Danke an dieser Stelle an die User, die mich ein paar mal darauf hinweisen mussten, dass ich Euch einige Auflösungen schuldig geblieben bin :) )

Preflop: Der Reraise ist natürlich auch wieder für "potentielles" Value - denn da wir nur 5-handed sind, und mein Freund aus dem Button eröffnet, ist seine Range extrem weit. Zudem wird er Reraises auch mit schwächeren Händen bezahlen aufgrund von Position und Stacksizes (relativ gute Tiefe der Stacks). Mein Reraise kam eher automatisch, denn das sind dann z.B. Gründe, über die ich aufgrund meines großen Online Spiel-Pensums gar nicht mehr weiter nachdenke. Hier liegt vielleicht auch schon der Hund begraben. Automatisiertes Play ist immer anfällig für Fehler in speziellen Situationen.

Flop: Tja, für mich spielt dieser Flop ein sofortiges "Kling - Broke Time" in meinem Kopf an. Ich floppe ein Overpair, das Board ist trocken, mein Gegner hat mich hier nur wenn er bis preflop slowplayt, oder eins der drei Sets getroffen hat, bzw hält. Gegen seine Range liege ich weiterhin vorne, und es gibt eine Menge One Pair Hände mit vielen Backdoor Draws ( , , Suited Aces mit der , der oder der ), also möchte ich am Flop so schnell es geht, das Geld reinbekommen, ohne schwere Entscheidungen am Turn oder reduziertes Payoff aufgrund von Scarecards zu riskieren. Ich überlege mir, dass ich ihm gegenüber eine verlockende Bet machen muss, damit er auf die Idee kommt, mich mit One Pair Händen oder auch Gutshots bzw. nur Overcards als (Semi-)Bluff zu raisen. Ich setze also mit 12 an, und werde gecallt. Mmh. Seine Range ist nun in meinen Augen defintiv eine One Pair Hand, oft ein einfacher Float (also ein Bluffcall mit zwei Karten, um mich am Turn von der Hand herunterzuholen), selten ein Slowplay mit einem Set - ein grösseres Overpair schliesse ich nun komplett aus, das würde er sicherlich schneller spielen wollen, um auch sein Payoff nicht zu riskieren, wenn er hält und der Turn bringt einen oder ein .

Turn: Die verbessert einige One Pair Hände ( ), und gibt vielen anderen Pair + Backdoor Draw Händen weitere Outs ( z.B.). Gegen ein Set bin ich weiterhin hinten, aber davon bin ich ja bereits am Flop nicht ausgegangen. Ich denke ausserdem., dass er Hände wie oder ebenfalls wie andere Overpairs am Flop raisen würde. Also überlege ich zunächst, ihm weiterhin die Möglichkeit zu geben, mich zu bluffen mit seinen Floats oder One Pair Händen. Ich überlege kurz, einen Check/Raise All-In zu spielen, da ich zu 100% sicher bin, dass er setzt nach meinem zaghaften Verhalten Kleine Flopbet, Check Turn, entscheide mich aber aufgrund der Stacktiefe dagegen, da ich hier nicht mehr von kleineren Paare gecallt würde sondern nur noch von oder Sets - ich würde mir allerdings schwere Entscheidungen auf diverse Riverkarten selbst abnehmen. Naja, ich calle nur um seine Bluffende Palette an Händen weiterhin gross zu halten. Seine Betsize sieht in meinen Augen auch danach aus, dass er seine (Semi-)Bluff Kosten gering halten möchte.

River: Der River ist im ersten Moment eine Beruhigung für mich. Die 5 sichert ab, dass ich gegen eventuelle Hände wieder vorne liege, und verringert zugleich die Wahrscheinlichkeit von Sets. Daher Entscheide ich mich nun für einen kleinen "Fake" Blockbet, der eigentlich gezielt für Value aus Händen wie , einer , , oder sogar einer (die er bei einem Float aufgegabelt haben könnte) gedacht ist, oder aber seine bluffenden Hände noch einmal provozieren soll, zu raisen als einzige Chance, diesen Pot zu gewinnen. Genau das trifft ein, und ich calle seinen Raise.

So, und diese Hand spukte mir nun nach dem gestrigen Abend noch lange im Kopf herum. Ob ich sie gewonnen oder verloren habe, weiss ich im Moment nicht mehr (nächste Woche fällt es mir aber wieder ein :) ). Aber wichtig ist nur: Ist mein Gedankengang schlüssig und nachvollziehbar? Wie schätzt Ihr die Lage ein? Stellt Euch einen relativ kompetenten Hold Em Gegner aus Eurem Freundeskreis vor, der aggressiv spielt, gern blufft, aber schon etwas von seinem Handwerk versteht. Würdet Ihr die Hand gegen Euren Gegner genauso spielen?

Ich bin gespannt auf Eure Antworten, und hoffe auf rege Beteiligung. Auch wenn es einige Stimmen in den Kommentaren gab, die dieses "Rätselspielchen" mit Händen nicht so interessant fanden, ich muss sagen, mir persönlich haben viele Eurer Kommentare etwas gebracht, denn ich sehe ein weites Spektrum an Meinungen, die mir dazu verhelfen können, an meinem Pokerspiel konstant zu arbeiten oder auf die richtige Gedankenschiene zu kommen.

Nächste Woche geht es dann weiter mit 6 Max Talk und der Auflösung!

Bis dahin,

Euer

xflixx

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