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/Mär/2009

Über die hohe Kunst, einen starken Draw zu spielen (1)

Von: minraise @ 11:03 (CET) / 7530 / Kommentar ( 106 )

Eigentlich wollte ich mit diesem Post eine andere Serie starten, über die ich Euch dann aber am Ende des zweiten Teils kurz berichten werde. Da mir aber derzeit leider aktuell noch der dafür notwendige Input fehlt, will ich für den Start in den Frühling erstmal über eine andere Thematik bloggen. Beim Durchstöbern der Minraise-Blog Archive konnte ich mir nämlich eine spontane Inspiration für meinen nächsten Post verschaffen, als ich nochmal über den Titel einer meiner letzten Einträge (Über die hohe Kunst, einen Drilling zu spielen) gestolpert bin. Und so werde ich nun von Zeit zu Zeit immer mal wieder einen Eintrag mit Auszügen aus meinen Cashgame Sessions (immer noch im Rahmen von Operation Phoenix!) über "Die hohe Kunst, ..." bloggen.

***

Meine Cashgame Operation läuft also nach wie vor noch weiter, und aktuell bin ich auf den $200NL Tischen auf Pokerstars zu finden. Mit dem ein oder anderen von Euch habe ich sogar im Verlauf des Bankroll Aufbaus die ein oder andere Hand gespielt :). Ich trample leider ein bisschen auf der Stelle - den Aufstieg auf $400NL werde ich erst vollziehen, wenn ich mindestens 50 Stacks beisammen habe. Die Aggressivität und damit verbunden die Varianz nimmt drastisch zu, und da gerade der Sprung von $200NL auf $400NL von den meisten Spielern als ein sehr schwerer beschrieben wird, möchte ich ausreichend vorbereitet sein, damit die Operation kein jähes Ende nimmt :) . Sidenote: Die Verdopplung eines einfachen Buyins und ein Stackverlust hat oftmals eine grössere psychologische Auswirkung als man denkt. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich das erste mal von $100NL auf $200NL aufgestiegen bin. Der Verlust von 10 Stacks auf $100NL war zwar schmerzhaft, aber ein rein betraglich gesehen überschaubarer. Als ich dann meine ersten 10 Stacks auf $200NL verloren hatte und damit $1000 weniger in der Bankroll verzeichnete, fühlte sich das schon erheblich unangenehmer an. Ich predige nach wie vor, an alle die hoch hinaus wollen: Betreibt gutes Bankrollmanagement. Naja, aber verlieren wir uns nicht darin, sondern auf zum Thema:

Ich glaube jeder kennt den klassischen NL Hold Em Spruch "Man muss gute Draws immer aggressiv spielen!".

Habe ich selbst schon oft genug im 6-Max Training propagiert, und ich denke, dass die Aussage generell auch zutrifft. Der durchschnittliche Pokerspieler, der sich ein bisschen mit Mathematik, Odds und Wahrscheinlichkeiten, auseinandergesetzt hat, weiss in der Regel, dass er mit einem Open Ended Straight Flush Draw wie auf einem Flop so gut wie gegen jede Hand 42%-50% Equity hat, und somit bei jedem bereits vorhandenem Dead Money und vielleicht noch einem Fünkchen Foldequity ein All-In rechtfertigen kann. Ich kenne das beispielsweise von den meisten Pokerspielern in meinem Bekanntenkreis, wenn eine Hand diskutiert wird: "Ich hab Open Ender und Flushdraw, ich bin All-In.".

Ist ja auch theoretisch nicht verkehrt. Vielleicht gibt es aber auch ein paar Spots, an denen es ratsamer wäre, eine andere, zunächst passivere Spielweise, vorzuziehen. Wenn man einen guten Draw hält und der Gegner setzt, wir raisen uns zusammen mit dem Gegner, bis beide Stacks in der Mitte sind, wird es nicht selten sein, dass wir gegen eine starke Made Hand laufen (Set, Two Pair, selbst ein gutes Top Pair) und wir im allerbesten Fall (!) einen Coinflip haben. Aufgrund von Pot Odds können wir oft rechtfertigen, dass wir uns "committed" haben, aber in den meisten Fällen haben wir dieses Szenario ja quasi selbst erwirkt, indem wir von vorneherein aggressiv geraist/gebettet haben. Diese "selbsterschaffenen" Pot Odds sind also nicht wirklich immer das, für welches wir sie halten. Ich habe mir zwei sehr interessante Hände aus meiner letzten Operation Phoenix Session herausgesucht, die diese Thematik ganz gut beleuchten und deshalb vielleicht noch ein wenig Nachbereitungs- und Diskussionsbedarf haben, also wollte ich diese hier mit Euch teilen. In Teil (1) gibt es damit heute also die erste schöne Hand:

<font size="5">Hand 1 - He called me with Jack high! </font> 

In dieser Hand spiele ich gegen einen regulären, sehr loose/aggressiven Spieler auf 200NL, GosuMcBash, und gegen einen weitestgehend unebkannten Caller aus den Blinds. Dieser hatte bisher nur so um die 100 Hände gespielt, und war recht tight und zurückhaltend.

[replayer hand=108955]

Ich eröffne die Hand an diesem Tisch hier, um ein bisschen meine Range aus den frühen Positionen zu vermischen, da jeder reguläre Spieler von mir hier normalerweise nur eine relativ starke Hand vermuten würde. GosuMcBash callt im Button, und spielt hier sicherlich viele Hände, wie ich von ihm weiss. Er mischt ebenfalls seine Handranges gut, und kann hier alle möglichen Paare, Suited Connectors, sogar oder wenn nicht sogar ein Monster wie oder halten. Da er aber oft und gern in solchen Spots bezahlt, weil er absolute Position auf mich hat, ist seine Handstärke im Schnitt auch eher schwächer.

Ich floppe eine sehr schöne Hand - Gutshot-Straight-Flushdraw. Gosu könte ein Set 4er oder 2er haben, aber das ist eher selten der Fall. Ein König liegt auch in seiner Range, aber ich denke dass ich ihn erstens mit aggressivem Betten (Flop und Turn) von der Hand bekomme oder zweitens eben auf meine Equity zurückfallen kann, indem ich Flush oder Straight treffe und damit evtl. einen dicken Pot ziehe. Leider war mir der zweite Spieler aber nicht mehr auf dem Schirm. Ich orientierte mich also nur an Gosu, und als der Spieler aus den Blinds meinen Continuation Bet mit einem Check/Raise beantwortete, schoss es in meinen Kopf "Ja klar, ich habe genug Equity und vielleicht legt er auch eine Hand wie oder weg. Ich bin All-In." Ich raise also zurück, und schwups sind wir All-In. Zu meiner Verwunderung gewinnt der Junge den Pot mit Jack high. ebenfalls Flushdraw. Wow. Was haltet Ihr von seinem Spiel? Ich persönlich hätte zwar eventuell erwartet, ab und an gegen Ace High mit oder dergleichen zu verlieren, aber nicht gegen den Jack High Flushdraw. In der Nachschau betrachtet: Vielleicht hätte ich hier auch nur in Position bezahlen können, um eventuell am Turn Auszahlung von einer starken Hand wie einem Set oder zu bekommen, wenn ich treffe...oder meine Foldequity maxmieren, indem ich den Turn dann setze bzw. seinen Bet raise. Leider wäre die 4 am Turn dafür eine ungeeignete Karte gewesen, denn die erhöht ja die Wahrscheinlichkeit, dass sein Paar Könige oder eben sein Set die Nuts sind. Auf der anderen Seite riskiere ich auch mein Payoff, wenn der Flush ankommt, und mein Gegner nur einen König hält. Knifflig, und ich bin nach wie vor unsicher, ob ich hier hätte anders verfahren können. Wie es also aussieht, habe ich mit lediglich 27% Equity meinen Stack riskiert, weil ich wie immer dachte:

  • 1. Ich sehe keine andere Möglichkeit, die Hand profitabel zu spielen. 
  • 2. Ich habe gute Equity (gegen einen König zb. fast 47%)
  • 3. Ich bekomme vielleicht bessere Flushdraws zum folden.

Vielleicht wäre aber auch ein direkter Push (All-In) am Flop über seinen Check/Raise die Lösung mit maximalem Druck auf bessere Flushdraws gewesen.Was denkt Ihr?

So, ich gehe mal wieder an die Tische. Vielleicht sieht man sich dort, oder zum zweiten Teil, in dem ich über einen weiteren starken Draw und mögliche Alternativen schreiben will. Bis dahin, viel Glück mit all Euren Open Ended Straight Flush Draws :)

Euer

Flix

<font size="5">
</font>

<font size="5"> </font>

<font size="5"></font>

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