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/Mär/2009

ViP Days - Ein kurzer Road Trip

Von: minraise @ 16:55 (CET) / 46 / Kommentar ( 83 )

Wie ich letzte Woche bereits angekündigt hatte, möchte ich diese Woche noch einen kurzen Road Trip über einen Besuch des ersten Tages der ViP Days im Holland Casino Venlo (Venlo International Poker Days, mit einigen kleineren und einem Mainevent) nachreichen.

Es war ein recht amüsanter Live Poker Abend, mit ein paar guten, lustigen und weniger schönen Überraschungen und vor allem Cashgame Händen, über die ich berichten kann. Hingefahren bin ich zusammen mit IP Trainer Kollege Christopher aka "Gefallener".

***

<font size="5">Das Turnier </font>

Die Story beginnt schon eine Woche vor unserer Abfahrt am 5.3. - Gefallener hat mich kurzerhand dazu überredet, das erste ViP Donkament zu spielen - 200€ + 20€, und ich stimme zu. Wer mich kennt, weiss, dass ich eigentlich kein Fan von Donkaments bin. Als Cashgame Grinder durch und durch, bin ich zu undiszipliniert, spiele zu gern zu viele Hände, und hasse es, nicht reloaden zu können (gut, Rebuy Turniere außen vor gelassen) wenn ich einen Coinflip verliere. Da aber Poker ab dem 1. März einen etwas höheren Stellenwert in meinem Leben eingenommen hat denke ich mir, wenn ich schon richtig los lege, muss ich mich auch in der Welt der Donkaments so langsam aber gemächlich einfinden und Gas geben :).  Gefallener weist mich darauf hin, dass ich mich online registrieren müsse. Gesagt, getan, kurzerhand auf der Homepage des Casino Venlos. Leider bin ich - wie mich meine Freundin als Mediengestalterin oft liebevoll nennt - ein DAU (Dümmster annzunehmender User), und als solcher begehe ich auch gleich den Fehler, anzunehmen, dass ich mich mit einem Click auf Register bereits angemeldet habe. Also steht meinem ersten, grösseren Coinflippen für 200€ nichts mehr im Wege. Um den 3. März rum poppt dann ein Skype Fenster von Gefallener hoch:

  • [Gefallener]: moin, haste dich für Donnerstag angemeldet?
  • [Flix]: klar
  • [Gefallener]: haste auch schon das Geld überwiesen?
  • [Flix]: wat?

Ok, der DAU hat mal wieder seinem Klischee entsprochen und das kleingedruckte nicht gelesen. 

Buyin muss vorab überwiesen werden. Ich clicke mich also in einer Millisekunde in meinen Account und versuche, die Überweisung vorzunehmen, doch leider stelle ich fest: Kein Platz mehr frei, meine Reservierung wurde wieder freigegeben. Naja, Dummheit muss bestraft werden, und so darf ich mich nach 1 Stunde Anfahrt noch mal 2 Stunden mit meinem Ipod, dem hiesigen Burger Kind und der Rail zufrieden geben, bevor endlich der erste Cashgame Tisch losgeht. Ich lasse mich also eintragen und schaue Gefallener zu, wie er mit gegen erst seinen halben Stack, und schlussendlich den Rest in die Mitte schiebt und verliert - an Details kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber er nimmt es gelassen und mit mir zusammen dann am ersten 200NL Tisch platz.

Im Nachhinein bin ich hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen: "Mein erstes Live Donkament Debüt" oder "Gut, dass ich doch keinen Coinflip für 200€ eingegangen bin". Naja, das nächste mal tische ich dann hoffentlich auch mal mit Turnierhänden auf, und die könnt Ihr dann auseinander nehmen :).

 

<font size="5">Cashgame </font>

Fullring, 9 Spieler, 2€ - 2€ Blinds. Wir kaufen uns beide tief für 200 Big Blinds ein, was für meine Hände nicht relevant ist, da meine Gegner in der Regel alle unter 50BB spielen, Gefallener hat sich aber eine extrem harte Aktion geleistet, wie ich finde. Wer unser Training von letztem Freitag verfolgt hat (200NL), weiss, wie unterschiedlich unsere Spielstile sind - Gefallener spielt Cashgame, gerade 6-Max, extrem loose-aggressiv und versucht, bei jeder Gelegenheit einen schwachen Spot, sei der potentielle Vorteil noch so klein, ausznutzen, während ich eher versuche, aus der Aggressivität der Gegner Profit zu schlagen und eher die passivere, varianzärmere Variante wähle. Eine kurze und knappe Zusammenfassung der Vor- und Nachteile: Gefallener gibt Action und bekommt natürlich auch Action, hat aber unter einer enormen Varianz in allen seinen marginalen Händen und Entscheidungen zu "leiden". Der passivere Ansatz hat den Nachteil, dass er selten Action bekommt, wenn er einmal aggressiver spielt, könnte aber auf der anderen Seite sein Image für erfolgreichere Bluffversuche nutzen, und zieht vor allem viel Value aus der Bluff-Freudigkeit und Aggressivität der anderen. Das ganze kann ich glaube ich an den folgenden Händen ein bisschen exemplarisch dokumentieren:

Hand 1: Getting paid with Middle Set

Situation: UTG, ein relativ freundlicher, aber sehr zurückhaltender und tighter Spieler, eröffnet auf 12€. Ein weiterer, junger, tighter Spieler callt im CO  und ich halte am Button.

Gedanken: Da ich sowohl absolute Position habe und meine Jacks nicht für Stacks spielen möchte gegen den UTG Raiser - ich gehe davon aus, dass ein Preflop All-In im besten Fall auf einen Coinflip gegen oder einen Alptraum gegen bis hinauslaufen würde - calle ich nur und spiele einen Flop. Mein Overpair wird in vielen Fällen den Pot in meiner Position klarmachen können, oder aber besser noch: Ich floppe multiway ein Set und kriege (hoffentlich) Payoff. Denkste.

Der Flop:

UTG setzt nochmal €12 an, der CO bezahlt, und aufgrund des wohl vorherreschenden Interesses und des drawlastigen Boards raise ich auf €80. UTG schaut nochmal in seine Karten und muckt recht schnell, der CO denkt noch ein bisschen nach, wippt mit dem Kopf, und legt dann offen sein weg. Schade.

Hinterher: Die Situation und der Flop ist zwar ein Traum, aber ich weiss im Nachhinein nicht, ob ein einfacher Flopcall nicht besser gewesen wäre. Andererseits möchte ich Hände wie oder zahen lassen, die der UTG Raiser oder sogar der Caller haben könnten, und jeglichen Draw zahlen lassen. Was würde ich machen, wenn der Turn eine , ein Spade oder eine gewesen wäre, nachdem ich mein Set am Flop langsam gespielt und die Freecard verteilt habe. Auszahlen, und darauf hoffen, dass sich das Board paired :). Also lieber das Geld als Favorit rein. Bis zu diesem Zeitpunk war sicherlich noch nicht viel über mein Image zu sagen, aber ich denke, ein aggressiverer Spieler, der entsprechend vorher schon bewiesen hat, dass er loose und aggressiv sein kann, würde in diesem Spot vielleicht den ein oder anderen Euro mehr machen können. 

Hand 2: Gefallener pulls the Trigger

Diese Hand erzähle ich Euch mal aus meiner unbeteiligten Sicht, ich denke, das macht sie ein wenig interessanter.


Situation: Man muss zu dieser Hand folgendes bemerken: Der UTG Raiser kam erst kurz zuvor an den Tisch, hat sich sofort mit dem Maximum (200BB) eingekauft und noch keine Hand gespielt. Ihm schien das Geld aber auch recht locker zu sitzen, und er ist soeben erst aus dem Turnier geflogen. Christopher hingegen hat schon wieder sehr viel Action gegeben, preflop viele Reraises gemacht, einen Bluff mit eingestreut usw., daher ist sein Image zum Zeitpunkt der Hand relativ loose/aggressiv. Ausserdem witzig bisher: Wenn Gefallener eine Hand spielt, ruft er seinem Gegner jedesmal zu "Arme hoch!", und das heisst am Tisch so viel wie "Wieviel Chips hast du noch dahinter?". Die meisten haben also nicht verstanden, was Christopher von ihnen wollte und schauen ihn immer nur verdutzt an. Als es dann Klick macht, heben die meisten Ihre Arme tatsächlich hoch, und man kann unter kurzer Blendung durch etwaige Schweissflecken in den Achseln einen Blick auf den effektiven Stack erhaschen.

UTG eröffnet auf den Standard 12€ Raise, Gefallener reraist auf €40 mit (Auflösung unten). Effektive Stacksize liegt wohlgemerkt nun bei €400. Der UTG Spieler überlegt kurz, und verdoppelt dann ganz flott auf €80. Gefallener überlegt seinerseits ein bisschen und nach einem erneuten "Arme hoch!" zahlt er dann aber nach. Im Pot liegen nun schon 160€.

Gedanken: Ich denke, UTG repräsentiert in diesem Spot entweder Könige oder Asse, oder versucht es zumindest. Wenn er ein schwacher Spieler ist und tatsächlich eine so starke Hand hält, hat er zu klein geraist, weil jeder Spieler hier gute Pot und Implied Odds bekommt bei den Stackgrößen. Wenn er gut ist, kann er diesen Spot natürlich für einen Bluff ausnutzen. Christopher setze ich hier auf ein mittleres Paar oder eine Hand wie bzw. oder sogar noch einen etwas kleineren Suited Connector, mit dem er nun versucht, den Gegner bei den günstigen Odds auszufloppen.

Der Flop:

Der UTG Spieler setzt ohne viel zu überlegen €120 an. Gefallener überlegt. Und überlegt. Und überlegt.

Der Dealer und die anderen lassen hier und da schonmal ein kurzes "Clock" oder "Time" fallen, aber irgendwie scheint die Situation amüsant. Gefallener schaut sich den UTG Typen ungefähr 5 Minuten lang an, mit starrem Blick, also ein klassischer Staredown. Der gibt zunächst nichts Preis. Und dann sehe selbst ich etwas, das mir schon einmal an einem Cashgame Tisch in Vegas aufgefallen ist, und zwar mehrfach: Der Typ lehnt sich nach 5 Minuten Wartezeit zurück, und verschränkt die Arme, während er wohlgefällig grinst. Für mich ein Zeichen von Schwäche, und ich denke, dass er hier in der Tat nur eine starke Hand vorgaukeln will. Christopher scheint das auch bemerkt zu haben, und nimmt dann all seine Chips in die Hand und pusht All-In.

UTG hat seine Karten quasi schon in den Muck geworfen, als Christopher in seine Chips greift. Ich frage Christopher: "Wer hat denn hier nun wen geblufft?" aber bekomme erstmal keine Antwort. Auch der Gegner will keinen Kommentar abgeben und lacht nur ein wenig schüchtern.

Ein paar unspektakuläre Orbits später packen wir unsere Sachen und lassen den Tag mit ein wenig Plus ausklingen. Christopher hat sogar sein Turnier Buyin wieder drin, und auf dem Heimweg erzählt er mir noch kurz, dass er sich sicher war, die beste Hand zu halten, nachdem er beim Gegner den o.g. Tell erhaschen konnte. Seine Hand: , und ich muss sagen, Respekt und Gratulation zu diesem guten Spiel nach der Action. Ich hätte preflop ganz einfach nur auf Setvalue gecallt, aber Christopher musste natürlich wieder mal seine Eier in die Hand nehmen :)

Nächste Woche beginne ich neben "Über die hohe Kunst, ..." eine weitere Serie, aber auch hier möchte ich noch nichts über den Inhalt und die genaue Planung verraten. Es sei nur so viel gesagt: Die Leute unter Euch, die sich gern 6-Max Trainings anschauen oder generell Interesse an dem Input, den eine 6-Max Hand-Diskussion zwischen zwei Leuten geben kann, haben, werden auf Ihre Kosten kommen.

Bis nächste Woche hier oder beim Training,

Euer Flix

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