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minraise blog

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/Feb/2010

We love Coinflips

Von: minraise @ 18:21 (CET) / 24 / Kommentar ( 9 )

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Ich schaltete den Fernseher ein, und auf DSF lief doch tatsächlich Poker - das Spiel, von dessen Sucht ich mich gerade erst durch ein paar Freunde habe infizieren lassen. Das Wort "Coinflip" fiel mehrfach in der Sendung über irgendein grosses Turnier. Zum Beispiel: Spieler A schob alle seine Chips in die Mitte mit Ass König, Spieler B ging daraufhin in den Think Tank und sagte letztendlich "Call!". Mit einer aggressiven Handbewegung flippte B sein Paar Achter herum, schaute auf das Blatt seines Gegners und wirkte sichtlich erleichtert, dass er nicht gegen ein höheres Paar antreten musste. "Aaaah...a Coinflip!"

Was ich mich damals aber gefragt hatte war: Wieso war der Typ so erleichtert darüber, dass er jetzt endlich einen Coinflip über seinen Verbleib oder sein Ausscheiden machen durfte? Was hat das mit diesem Coinflip auf sich? Wieso spielt man überhaupt freiwillig ein Spiel, bei dem man in nicht selten einen Münzwurf zur Entscheidung über Sieg oder Niederlage heranziehen muss?

Die Turnierspieler müssen meist um Ihr gesamtes Turnierleben bangen, wenn die Münze geworfen wird, während die Cashgamer aber auch nach dem verlorenen, lustigen Spiel mit der Münze gemütlich nachladen und weiter"flippen" können.

Die Coinflips sind mehr oder weniger ein "notwendiges Übel" am Pokertisch. Es geht nicht ohne sie, aber mit ihnen wird das Spiel auch nicht gerade spaßiger (vor allem wenn man einfach keine guten Coinflip Skills hat /Ironie aus). Warum aber geht man sie ein, oder besser gefragt warum "sollte" man sie dennoch eingehen? Dazu ein Beispiel aus einer meiner letzten Online Poker Sessions:



Versetzt Euch mal in diese Situation: In einem $200NL 6-max Spiel mit $200 effektiven Stacks eröffnet Ihr aus UTG mit auf $7, zwei Spieler callen den Raise, und der Big Blind erhöht nun nochmal auf $38. Dabei flippt er ausversehen seine Karten um, und Ihr könnt einen schnellen Blick auf die zwei Damen erhaschen. Den Informationsvorteil könnt Ihr jetzt für Euch nutzen. Was wäre das beste Play?

  • Möglichkeit 1: Call $31. Das Problem mit einem Call liegt aber darin, dass der Spieler mit den Damen uns keinen Cent mehr zahlen wird, wenn ein Ass oder ein König floppt. Ein Ass oder ein König floppt auch nur jedes dritte mal, und durch einen Call bekämen auch die anderen Caller Odds, um einzusteigen und in der Hand mitzumischen. Unsere Position ist ganz schlecht in Anbetracht der anderen Caller, sodass die Wahrscheinlichkeit, den Pot nach dem Flop zu gewinnen, immer weiter sinkt.
  • Möglichkeit 2: Fold. Der Intellipoker Chancenrechner gibt uns gegen ein Paar Damen 46% Preflop Equity. Uns gehören damit sicher ein bisschen weniger als die Hälfte des Pottes. Wir geben also ganz sicher einen Teil des aktuellen und des weiterhin möglichen Pottes auf, indem wir folden. Folden hat immer den Erwartungswert 0. Mal schauen, ob wir das noch toppen können.
  • Möglichkeit 3: Push All-In. Wir würden $193 investieren, um die $200 unseres Gegners plus unsere toten $7, plus drei Calls von $7, also insgesamt $228 zu gewinnen. Wir wissen, dass wir in 46% der Fälle den ganzen $228-Batzen (Batzen, nicht für Hunde, nur für Katzen) gewinnen. Gewinn bei einem Push = 0.46*($228) + 0.54*(-$193) = $0.66

Nach Adam Riese ist $0.66 > $0. Das heisst jetzt natürlich nicht, dass wir sofort reich werden, indem wir diesen notwendigen, und gleichzeitig üblen Coinflip eingehen. Langfristig aber schon. In der Praxis flippt unser Gegner leider nicht immer seine Karten um, und es kann gut sein, dass wir hier in Könige oder Asse laufen - auch wenn nur 3 mögliche Asse- und/oder Königspäärchen unterwegs sein können (wir halten ja bereits ein Ass und einen König). Manchmal aber bekommen wir bei einem Push auch eine Hand wie , zum Folden - was ein großer Sieg in Anbetracht der gegnerischen Equity gegen uns wäre. Und ein anderes Mal callt uns der Gegner womöglich sogar mit . Auf lange Sicht kann sich ein kleiner Profit grossflächig auswirken. Nehmen wir diese Situationen nicht wahr, büßen wir aber wohl immer und immer wieder das tote Geld ein, dass wir im Pot liegen lassen durch einen Fold. Und das schnappt sich dann ein anderer.

Der Grund, warum wir also Coinflips im Poker eingehen (können/sollten/müssen), ist ganz einfach: Dead Money. Das Geld, was bereits von jeglicher Seite in den Pot investiert wurde. Es gibt sicherlich noch ein paar andere Gründe, wie z.B. Image-Pflege. Manchmal muss man Coinflips eingehen, damit der Gegner beim nächsten mal wieder zahlt, weil er denkt, er würde ja eh wieder mit uns um das Geld flippen - nur das wir beim nächsten mal die absoluten Nuts halten und er uns auszahlt. Nächste Woche werde ich noch mal über ein paar typische Situationen im Cashgame Bereich schreiben, die sich rund um das Thema Coinflippen drehen. Nicht immer sind die so trivial, wie sie scheinen - besonders dann nicht, wenn man beispielsweise live spielt, und nicht unbedingt die Möglichkeit hat, alle Komponenten mathematisch korrekt abzulesen (Potgröße z.B.).

Bis dahin, viel Glück beim Flippen!
Euer Flix

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