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minraise blog

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/Nov/2009

Wenn man keine Ahnung hat: ...

Von: minraise @ 12:09 (CET) / 6 / Kommentar ( 17 )

"...Einfach mal Fresse halten!" - Das Zitat von Dieter Nuhr sollte am Pokertisch vielleicht eher so lauten: "Wenn man in einer Hand ist: Einfach mal Fresse halten!". Aber beide Aussagen treffen den Punkt. Poker ist ein Spiel unvollständiger Informationen. Man sieht die Karten des Gegners nicht, muss diese aber einschätzen können, um einen guten Spielzug zu landen, Der Pool an Informationen für den Gegner wird somit unweigerlich grösser, sobald man etwas sagt, vollkommen egal was das ist. Wenn ich bluffe und dabei sage "Bitte call mich!", habe ich meinem Gegner eine zusätzliche, verschlüsselte Information gegeben. Die Verschlüsselung kann völlig unterschiedlich aussehen:

  • Ich sage die Wahrheit, aber möchte, dass mein Gegner denkt, ich würde lügen. Aussage: Bitte call!
  • Ich lüge, aber möchte, dass mein Gegner denkt, ich würde die Wahrheit sagen. Aussage: Bitte fold!
  • Ich sage die Wahrheit, aber möchte, dass mein Gegner denkt, ich würde ihn denken lassen wollen, dass ich lüge. Aussage: Bitte call!
  • Ich lüge...usw. usf.

Ob diese verschlüsselte Information ihm nun bei seiner Entscheidungsfindung hilft, ist erstmal nicht sehr relevant. Der Gegner hat aber nun Zugang zu einer zusätzlichen Information, und kann diese für sich nutzen. Sofern er sie richtig für sich dekodiert und dann die korrekte Aktion durchführt (Fold oder Call), habe ich ihm den entscheidenden Anstoß gegeben. Es gibt womöglich auch noch viel schlimmere Dinge, die man am Pokertisch während einer Hand sagen kann, die einem Gegner einen Tipp in die richtige Richtung geben. Es ist eine Frage des Denkens auf der richtigen Ebene, wie man an dem Beispiel oben sehen kann. Sobald unser Gegner auf dem richtigen "Level" steht und eine Aussage genau wie eine Aktion Bet, Raise, Call usw. im korrekten Kontext auch korrekt interpretieren kann, hat er einen Vorteil.

Tabletalk kann also zu einer wertvollen Informationsquelle am Pokertisch werden, wenn man ihn richtig nutzt. Tommy Angelo schreibt in seinem Buch "Elements of Poker" über die sogenannte "Sixth Street", die Straße nach dem River, auf der alle Spieler, ob sie an einer Hand beteiligt waren oder nicht, anfangen zu reden. Die Menschen lieben es einfach zu reden. Über die gerade gespielte Hand, über generelle Pokerstrategien, wie ein Spieler eine Hand hätte besser spielen sollen uvm. Wer sich in dieser Phase ruhig verhält, keine zusätzlichen Informationen herausgibt, sich aber die Aussagen der Mitspieler anhört, der kann unter Umständen einige wichtige Schlüsse für sich und sein Spiel am Tisch ziehen. Vielleicht erzählt auf der 6th Street einer der Spieler gerade haarklein im Detail, wie er sein nächstes Overpair spielen wird, weil er soeben mitangesehen hat, wie seinem gegenüber die Asse geknackt wurden und er sich lauthals darüberr brüskiert, wie man denn Asse dermaßen "overplayen" kann. Ein geschickter Bluff das nächste Mal, wenn dieser "Tabletalker" Asse hält, und die Sache ist geritzt. Die Frage ist nun: Gibt es aber vielleicht dennoch ein paar wenige Ausnahmesituationen, in denen das Herausgeben gezielter, zusätzlicher Informationen sinnvoll sein kann?

Heute will ich über eine Hand schreiben, in der genau das der Fall war. Zumindest hat das Herausgeben zusätzlicher Informationen in genau dieser Situation funktioniert. Mein Kumpel Thomas, der ein wahrer Meister des geschickt eingesetzten Tabletalks ist, hält es bei mir zwar immer wie Dieter Nuhr und mahnt mich, ich soll doch einfach mal....ne. Aber eines hab ich dann doch von ihm gelernt, und das konnte ich in dieser Hand zu meinem Vorteil anwenden. Die Aktion hat im Poker glaube ich sogar einen konkreten Namen. Es geht um das Zeigen einer Holecard, beim Bluffen oder Valuebetten. Wer den Namen kennt, kann ihn ja in den Kommentaren benennen.

Wir fuhren an einem der letzten 3 Abende unseres letzten Las Vegas Trips ins Wynn, um dort Cashgame zu spielen. Ich holte mir einen Seat in einem 1/3 No Limit Game, während ich auf der Warteliste für 2/5 stand. Mein Tisch war ein wahrer Traum: Viele Gelegenheitsspieler, die sich kontinuierlich Spirituosen an den Tisch orderten. Mir gegenüber saß eine ältere Frau, Wein trinkend, die soeben erst einen riesen Pot von $600 gewonnen hatte, indem sie sich einen Flush gerivert hatte und ausbezahlt wurde. Zwei Plätze weiter saß der einzige, etwas kompetentere Regular des Tisches. In der nächsten Hand eröffnet der Regular aus UTG auf $18, und es wird zu mir herumgefoldet. Ich finde am Button und bezahle. Die immer noch sichtlich vom Gewinn berauschte Frau bezahlt ebenfalls im Big Blind. Im Pot liegen ca. $55.

  • Der Flop ist .

Beide checken zu mir, und ich setze $35 mit meinem Neunerpäärchen. Ich denke ich halte hier oft die beste Hand, und da der Preflop Raiser checkt, muss er entweder aufgegeben haben oder ein Monster spielen. Zu meiner Verwunderung bezahlen nun beide meinen Einsatz. Im Pot liegen schon $160. Die Frau mag auf einem Draw sein, aber den Raiser kann ich beim besten Willen nicht mehr auf eine Hand setzen. ? Ein komisch gespieltes Overpair? Ein Set? Egal.

  • Der Turn ist der

Wieder checken beide zu mir. Zeit, hinterher zu checken. Wenn der Regular hält, hat er nun getroffen.

  • Der River ist die

Nun setzt die Frau von vorne satte $35 in den Pot. Der Regular schüttelt seinen Kopf, und foldet dann schweren Herzens. Ich ergreife die Initiative wieder und raise auf $120. Ich bin mir sicher, dass ich mit meiner 9 gegen eine loose/passive Spielerin hier am River zu selten gut sein werde, und ihr Einsatz schreit nur förmlich danach, geraist zu werden. Sie fängt nun das Sprechen an: "You missed your Diamond Draw, right? I have a King, and I am so sure you just missed...". Da erinnere ich mich an Thomas, der mal in einer ähnlichen Situation eine seiner Holecards einfach herumgedreht hatte, um seinen Gegner in einen Call zu quatschen. Warum sollte das nicht auch umgekehrt funktionieren? Ich frage nochmal den Dealer, ob ich denn eine meiner Karten zeigen dürfte. Er bejaht. Also drehe ich die herum, und die Frau sagt "Wow, ok so you made Two Pair? Or a Set?" und foldet offen .

Puh, das ging gut. In diesem Fall passte es aber auch einfach wie die Faust aufs Auge, weil die Frau mir ja auch zuerst verraten hat, wie sie über die Hand denkt. So konnte ich ihren Gedankengang mit meiner Aktion widerlegen und sie zu einem Fold "überreden". Ich denke, es gibt diese Situationen, in denen man zusätzliche Informationen mit einer Absicht herausgeben kann. Dann muss man die Leute aber auch genau da abholen, wo sie stehen. Prinzipiell halte ich es aber in Zukunft wie Thomas und Dieter Nuhr mir raten, und so sollte es eigentlich auch sein.

In diesem Sinne,
Euer Flix

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