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minraise blog

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/Feb/2010

Wer andern eine Grube gräbt...

Von: minraise @ 20:01 (CET) / 4375 / Kommentar ( 7 )

...der hat ein Grubengrabgerät. Wer von Euch war auch so, als er das erste mal Pokerkarten in der Hand hielt oder sich das erste mal an einen virtuellen Pokertisch gesetzt hat? Ein Typ, der, weil er es nicht besser oder anders weiß, eine Bombe gedealt oder gefloppt bekommt, und natürlich instinktiv von vorne das ganze Feld erst einmal genüsslich ancheckt. Dann hat man natürlich auch gekonnt übersehen, dass die gefloppten Top Two Pair nicht unverwundbar sind und der Flush, die Straight oder das Boat kamen direkt auf dem Turn oder spätestens am River reingeflogen. Das Fallenstellen hat nicht funktioniert, man hat sich ein wenig über Pokertheorie und Strategien informiert, und schon war das "Trappen" (Pokernerd-Fachsprache) wieder aus dem Repertoire verbannt. Zuviele Suckouts, zu wenig Payoff, und wer sah nicht schonmal so richtig schön doof aus, wenn er am River dann nochmal sein Full House zum Gegner checkt und der ganz schnell hinterher checkt.

Slow Play = No Pay


In meinen 6-Max Trainings werde ich immer wieder gefragt, ob und wann es Sinn macht, eine starke Hand "slow" zu spielen. Meine Antwort war und ist immer die gleiche. Solang man keine Hand hat, die gegenüber allen anderen möglichen Händen meilenweiter Favorit ist oder man auch keine Möglichkeit sieht, dass der Gegner auch nur ansatzweise eine Verbindung zum Board gefunden hat (z.B. auf ), kann man unter Umständen slowplayen. Aber selbst dann wird das Fallenstellen nicht oft belohnt, denn so spielt man ja auch nicht ohne jeglichen Treffer - und wer wird nicht verdächtig, wenn der Flop gecheckt wird und am Turn dann plötzlich doch die Hölle an Action losbricht. Zu guter letzt muss man dann ja auch noch den Pot irgendwie anfüttern, weil das auf der Straße zuvor ja absichtlich verpasst wurde.

Slow Play = Fail Play

In vielen, aggressiven Games heutzutage kann es inzwischen durchaus Sinn machen, starke Hände vor (und nach) dem Flop slow zu spielen. Dazu bedarf es allerdings auch ein paar wichtiger Voraussetzungen: Reads auf und Historie mit dem Spieler, dem man eine Falle stellen möchte. Was ich damit meine ist, es hat keinen Sinn, eine Hand besonders trickreich spielen zu wollen, wenn der Gegner einen nicht kennt, oder auch sonst schon nicht bereit ist, einen großen Pot mit einem zu spielen, oder aber wenn man die Handrange dieses Gegners aufgrund seiner Betting Sequenzen nicht interpretieren kann.

Fallenstellen bedeutet also im Grunde nichts anderes, als typischen, bekannten Betting Sequenzen eines kompetenten, aggressiven Gegners auszunutzen mit einer eigenen, neuen, kreativen Betting Sequenz. So kann man aus alten Gewohnheiten ausbrechen, um neue Verdienstmöglichkeiten aufzutun, die sich durch alte Muster nicht ergeben hätten.

Ich bringe dazu mal ein kleines Beispiel aus meinem Homegame letzte Woche, das gut dokumentiert, wie ein Slowplay schiefgehen kann, wenn man beim Aufbau der Falle nicht auf die feinen Details achtet:

  • Aus UTG wird bei effektiven 100 Big Blind Stacks auf 3BB eröffnet, und ich calle in Middle Position mit . Mein Fallenplan war bereits hier, irgendeinen der sehr kompetenten, aggressiven, und blufffreudigen Spieler hinter mir zu einem Reraise zu animieren. Direkt hinter mir sitzt Arne, ein besonders hartnäckiger Vertreter dieser besagten Spezies Spieler. Und wie a la carte bestellt lässt der auch diesen Pot nicht unangetastet, so wie immer, wenn bereits viel Dead Money in der Mitte zum Abgreifen liegt. Er holt zu einem saftigen 15BB Reraise (Squeeze) aus. Der Raiser aus UTG schmeisst seine Hand weg, und ich zieh am Seil, um die Falle dicht zu machen mit einem Reraise auf 30BB. Arne guckt mich verdutzt an und fragt: "Was willst du denn da bitte haben? Das ist doch wieder irgendein Gemüse!" und pusht All-In. Freudig calle ich, und lasse mir Asse unter die Nase reiben.

Was lief hier falsch? Im Grunde eigentlich nur, dass ich eine zu schwache Hand für meine Falle ausgewählt habe, und Arne leider mit dem oberen Ende seiner in dieser Situation möglichen Handrange aufwachte. Hier hält Arne zwar oft selbst Gemüse, aber eben auch manchmal QQ, KK oder AA. Das Risiko bin ich eingegangen. Fälschlicherweise nahm ich an, dass Arne meinen kreative Linie "Call preflop, 4-Bet gegen eine 3-Bet" als schwach interpretieren und womöglich einen Gegenzug landen würde. Meine Hand, so dachte ich mir, müsse für ihn wie ein sehr kleines Paar aussehen. Zu guter letzt habe ich den Tell, den ich von ihm noch für lau bekam, nämlich seine Ansprache, auch nicht richtig verwertet bzw. interpretiert. Er hat mir damit quasi genau das vorgegaukelt, was ich ihm für seine Denkweise zugeschrieben habe. Er hat also seine Rolle, die ich ihm durch mein Spiel aufgezwungen habe, perfekt gespielt und mich eiskalt da erwischt, wo ich stand. Das nächste mal calle ich hier mit KK. Und wenn ich dann in sein AA schaue, dann ist es eben ein Cooler.



Jetzt mache ich mich direkt wieder auf zum Homegame, diesmal aber ohne kreative Ideen von wilden Fallen und Slowplays im Gepäck. In diesem Sinne,
Euer Flix



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