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minraise blog

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/Mai/2010

Wer zuletzt reppt, reppt am besten

Von: minraise @ 18:10 (CEST) / 12 / Kommentar ( 4 )

Keine Sorge (oder Sorry?), es geht diese Woche nicht ums Rappen. Davon habe ich keine Ahnung und das ist auch nicht mein Musikgeschmack. Der gemeine Pokerspieler reppt aber von Zeit zu Zeit ganz gerne - das (Un-)Wort ist durch typische Pokerforenlingo entstanden und leitet sich von dem Wort "repräsentieren" ab. Wenn ein Board möglichst viele Kombinationsmöglichkeiten von starken Händen zulässt (Straight, Flush, Full House usw.), dann greift der gute Spieler gerne mal tiefer in den Chipstapel, um den Pot allein durch die pure Magie seiner Eier zu gewinnen. Eben genau dann, wenn er maximal viele Hände "reppen" kann.

Auch in meinem Homegame wird kräftig "gereppt". Einmal alle Jubeljahre sieht man bei uns ein Riverplay, zu dem sich ein außenstehender Betrachter sicherlich denken würde "Wow, hier müssen ja Ultra-Nuts gegen Hyper-Nuts spielen.". Wenn man sich dann aber die entsprechenden Hände anschaut, sieht es eher nach Not gegen Elend aus. So war es auch letzten Dienstag, und ich wurde Zeuge einer solch besonders kreativen Hand. Die beiden Kontrahenten in der besagten Hand werden inzwischen von uns schon liebevoll "Dr. Susicious" und "Dr. Suspicious 2" betitelt, weil ihnen ganz oft der Sinn nach Bluffs, Rebluffs und Herocalls steht. Im folgenden benenne ich sie aber einfach nur mit Spieler A und Spieler B. Auf zur Hand:

  • Spieler A raist preflop, und Spieler B callt. Nachdem der durchgecheckt wurde, setzt Spieler A auf die am Turn und wird von Spieler B gecallt. Am River macht A wieder einen Satz, wird von Spieler B geraist, geht in den Tank, und reraist nochmal oben drüber für nicht viel mehr als das doppelte des ursprünglichen Raises. Spieler B flucht und schimpft: "Ich weiss, dass du nix hast, aber ich hab keine Eier mehr, drüber zu gehen." Beide haben noch etwas an Stack behind. B foldet allerdings letztendlich mit den Worten: "Was willste denn da reppen?". Spieler A dreht triumphierend herum und sackt das Pöttchen ein.

"Was willste denn da reppen?
"

Dieser Satz hat Anklang bei den meisten Pokerspielern gefunden, und ich höre ihn oft, nein, ich benutze ihn häufig selber. Wann immer ein gegebenes Board mal wieder nur eine Hand voll nuttiger Hände zulässt, und die Chips in die Mitte gehen, stellt der Spieler, der vor die Entscheidung gestellt wird, diese Frage. Wahrscheinlich sogar zurecht. Ich versuche mich mal an den Gedankengängen der beiden Spieler in der Hand, die ich oben beschrieben habe:

Spieler B:
  • Flop: "Er hat den Flop gecheckt, also wird er wohl keinen Flushdraw, keine und kein Overpair halten."
  • Turn: "Am Turn versucht er einfach nur den Pot mitzunehmen, weil ich zweimal zu ihm gecheckt habe."
  • River: "Der River ist eine Scarecard, die er nur nutzen will, um mich von meiner Hand zu bewegen."

Spieler A:
  • Flop: "Ich hab nix, Check."
  • Turn: "Hab immer noch nix, aber könnte ja mal bluffen."
  • River: "Hab immer noch nix, aber jetzt bluff ich erst recht. UND GEGEN EINEN KOMISCHEN CHECK/RAISE SOWIESO!"

Und so kommt auch Spieler A zu der Frage: "Was willste denn da reppen?". Sobald man sich diese Frage stellen kann, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Reraise oder ein Versuch, den gegnerischen Bluff auffliegen zu lassen, Sinn macht. Letzteres ist aber auch nur möglich, wenn man eben irgendeine Form von Showdown Value besitzt - ein Pair, Ace high, oder zumindest King high. Im obigen Beispiel gibt Jack high nicht gerade den besten Kandidaten für den Gewinn am Showdown ab, aber wenn dann noch genügend Chips im Stack sind, kann man es immer noch mit dem letzten Wort versuchen - All In. 

The Final Word

Das letzte Wort ist in diesem Zusammenhang deshalb so wichtig, weil man die Betting Runde ja bereits durch einen Raise (bzw. Reraise) erneut eröffnet hat. Jedesmal, wenn man das als Bluff tut und der Gegner hat sowohl genug Chips als auch Mumm in den Knochen, muss man fürchten, dass er sich gegen den Bluff mit einem weiteren Bluff, einem "Rebluff", wehren könnte. Falls die letzte, mögliche Betgröße im Bluff Krieg das All In des Kontrahenten bedeutet, so hat der All-In pushende Spieler das letzte Wort. Das letzte Wort erzeugt ganz einfach die größtmögliche Foldequity in einer Hand. Es gibt auch  einen absoluten Überflieger aus dieser Sparte, und das ist der Großmeister Phil Ivey persönlich:

Nummer 1:
    Nummer 2:


  In beiden Händen sieht man besonders gut, wie das letzte Wort einen Spieler mit der ultimativen Bluffmacht versehen kann. Mit callt man nunmal preflop ungern ein All-In, und mit high gewinnt man unter diesen Umständen auf einem Board auch keinen Blumentopf. Die Karten selbst spielen in diesen Situationen selten eine Rolle. Manchmal ist die Kombinatorik das tragende Argument für einen Bluff oder Rebluff. Ivey demonstriert es ja auf dem Board. Zwei Jacks sind im Deck, und jeder Jack, der nicht gerade ein Ace als Kicker mit sich rum trägt, muss fürchten, dominiert zu sein. Weiterhin ist es dann natürlich noch eine typische "Chicken Out" Frage: Wer wird zuerst nachgeben? Im Zweifelsfall muss das letzte Wort herhalten. Öfter noch als die Kombinatorik aber liefert das Gefühl für die aktuelle Tischdynamik, oder die empathische Fähigkeit, einen durchdringenden Blick in den Kopf des Gegners werfen zu können, die schlagkräftigsten Argumente. Manchmal weiss man einfach rein intuitiv, dass der Gegner in einer gegebenen Situation lediglich ganz bestimmte Hände repräsentieren möchte. Wenn dann die Rahmenbedingungen wie z.B. sein Gemütszustand, sein Verhalten oder die Boardtextur eine andere Sprache sprechen, sollte man mit seinem Read gehen. 


In diesem Sinne - lasst Euch nicht zu oft bluffen!
Euer Flix

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