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minraise blog

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/Feb/2010

Wo steckt die Maus?

Von: minraise @ 10:48 (CET) / 3 / Kommentar ( 11 )

Letzte Woche Dienstag, 1:00 Uhr nachts. Bis zu diesem Zeitpunkt war es eine ausgelassene Stimmung am Tisch, tiefe Stacks, und "krasse Action" (neulich beim Coachen auf $100NL PokerStars fiel mir ein Spieler mit diesem kreativen Screennamen auf - thumbs up!). 4 der 9 Spieler kündigen ihren letzten Orbit für die Nacht an, und das Spiel droht, auseinander zu brechen. Da klopft es ander Tür, und herein kommt der letzte Nachzügler, der auch gleichzeitig Besitzer des Pokertisches und der Chips auf bzw. mit denen wir spielen. Seinen Einstand hält er mit einem Spruch, den ich seitdem nicht mehr vergessen konnte und nun vollständig in mein Poker Jargon absorbiert habe. 

Im letzten größeren Pot, den wir noch zu 10 Mann am Tisch spielen, und in dem 6 Spieler beteiligt sind, setzt er am Flop nach Checks zum ihm die exorbitante Summe von €1 mit der Ansage:

"Wo steckt die Maus?"

Die Blicke sind auf ihn und seine unglaublich kreative Bet gerichtet. Stille, ratlose Gesichter. Wo steckt die Maus? Was soll das denn heissen? Ein paar Spieler callen für eine Tüte Gemischtes beim Kiosk um die Ecke (oder wie ich neulich auch noch in einer anderen Partie aufgeschnappt habe - für ein "Eiffeler Landbrot"), und schon folgt die Aufklärung: "Ah, da steckt die Maus also schonmal nicht!", und seine Turnbet fällt wieder ganz normal in Höhe des Pottes aus. Alle anderen folden brav, und er sackt den Pot ein.

Die klassische "Wo steckt die Maus" Bet ist also einfach nur eine kleine Blockbet, um herauszufinden, wer wie hohes Interesse am Pot hat. Besonders wirkungsvoll ist aber der Spruch dazu. Denn schlussendlich hat jeder Spieler, der die "Wo steckt die Maus"-Bet nur callt, schon verloren und die Stärke seiner Hand bereits preisgegeben. Jetzt kann man sich natürlich wieder anpassen, und als Täuschungsmanöver mit einem Monster die Maus-Bet nur callen, aber der Pot wird ja dadurch auch nicht merklich grösser - eine Win/Win Situation für den Spieler, der den Mäusespeck in die Falle legt. Über die Effektivität und Profitabilität dieser Maus-Bet-Strategie lässt sich sicherlich streiten. Aber sie hat in jedem Fall für einen sehr amüsanten Abend gesorgt, und für die Erweiterung meines Poker Table Talk Repertoires.

Genug der Flachsen, jetzt geht es ans Eingemachte. Ich war die letzten drei Wochen mal wieder ein wenig in hiesigen und umliegenden Pokerpartien live am Filz, und konnte zwei sehr interessante Hände spielen, die ich gerne mit Euch teilen würde. Das ganze gibt es dann als Hold 'Em oder Fold 'Em, und Ihr könnt Eure Meinung gern in die Kommentare posten. Heute gibt es die erste Hand, und ich habe sie sogar für Euch in den Replayer konvertiert, aus kosmetischen Gründen versteht sich.

Situation 1 - So viel Geld schon drin, aber vielleicht steckt hier die Maus!

1/1 NL Hold'Em. EIne kurze Beschreibung der Tischdynamik und der Reads, die ich bis dato auf meine Kontrahenten sammeln konnte:

Im Small Blind sitzt ein Spieler, der sich gern viele Flops anschaut. Mit ihm spiele ich gern einen Pot, weil er auch postflop recht loose spielt und mich schon einmal zuvor mit Ass hoch am River auf einem Board gecallt hat, als ich hielt.

Der Big Blind ist preflop auch ein wenig looser, allerdings fährt er nach dem Flop für gewöhnlich immer einen Gang zurück. In einer Heads Up Situation zuvor hat er zwar gegen meinen Pokerbuddy Thomas mit einem 9-high Flushdraw auf Thomas' Continuation Bet geraist, aber alles in allem spielt er eher die Variante Fit or Fold. Das konnte man vor allem auch in der Hand attestieren, als er eigenhändig ein Paar Könige vor dem Flop für 100 Big Blinds erhöhte, über einen Reraise mit €36 drüber bügelte, und dann doch noch gegen das All-In seines Kontrahenten offen foldete.

Die Limperin aus früher Position fährt exakt die gleiche Strategie, nur noch ein bisschen stringenter als der Big Blind. Das erste mal, als sie einen Donkbet an diesem Abend von vorn in das ganze Feld machte, eskalierte der Pot gegen ihre gefloppte Strasse mit auf gegen . Am falschen Ende war Thomas, der wirklich auch schon über einen Flop Fold nachgedacht hatte. Das sollte in etwa zeigen, wie wenig mit dieser Spielerin zu spaßen ist, wenn sie setzt.

Auf zur Hand:
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***
Auch wenn die tighte Limperin hier ab und an ein paar starke Hände callt, ist ein klares Raise, damit ich mir Position verschaffen und mit den Blinds einen größeren Pot mit Initiative spielen kann. Als der Dealer den Flop aufdeckt, drehen meine Augen schon die  $$$ Rollen. Bei näherer Betrachtung der Floptextur bemerke ich aber, dass die Handranges der einzelnen beteiligten diesen Flop recht gut getroffen haben dürften. Nun donkt die Limperin frei nach dem Motto "Wo steckt die Maus?" für den halben Pot von vorne.

Ihr muss man sicherlich ein wenig Kredit geben für diese Bet in 3 Gegner. Ich setze sie auf eine Hand wie , , oder auch mal ein Set, was konsistent mit ihrer Preflop Spielweise (Limp aus früher Position, call Raise) ist. Ich glaube nicht, dass sie 1-Gapper Hände wie oder von vorn limpen würde. Da noch zwei Spieler hinter mir agieren können, ist das für mich ein klarer Call - auch wenn ich im Grunde zufrieden sein könnte, für Ihre 100 Big Blinds das ganze Ding in die Mitte zu bekommen mit Flushdraw und zwei Overcards, letztlich zahlt diese Spielweise nur den oftmals stärkeren Teil ihrer Range aus, was mein Kumpel Thomas schon am eigenen Leibe erfahren durfte. Durch einen Call halte ich ggfs. auch noch schlechtere Draws der Blinds (vor allem schwächere Flushdraws) in der Hand, was zu stärkerer Turn oder River Auszahlung führen kann.

Der Check/Raise macht mir im ersten Moment ein wenig Angst, ich erinnere mich kurz an den Raise gegen Thomas, den er auch mit einem Flushdraw gemacht hat. Jetzt foldet die Limperin, also ist diese Gefahr schonmal gebannt. Aber was mache ich jetzt? Reinstellen? Callen? Folden?

Nächste Woche gibt es die Auflösung, und eine weitere Hand nach dem Motto "Wo steckt die Maus?".
Bis dahin,
Euer Flix





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