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/Okt/2008

Helden sterben einsam

Von: shootingstars @ 12:36 (CET) / 7635 / Kommentar ( 69 )

Hallo alle zusammen,

so motiviert und fired up war ich selten. Seit langem wieder mal Poker auf höchstem Niveau.
Bestens motiviert und vorbereitet freue ich mich auf meinen Tag 1B bei der EPT Budapest.
Am Vorabend war ich schwimmen, habe mich massieren lassen und habe den ein oder anderen Yoga-Flow in meinem wunderschönen Hotelzimmer mit Blick auf die Donau und den beleuchteten Palast durchgemacht. Dann noch ein gutes Club Sandwich gegessen und auf ins Bett. Recht früh, damit ich am nächsten Morgen topfit für die 9 Stunden Turnierpoker bin.
Mein Tisch sah recht gut aus. Kein bekanntes Gesicht. Gute Position auf den augenscheinlich aktivsten Spieler. Ipod dabei, Sonnenbrille auch (zur Not), und ein Übermaß an guter Laune. Ich spiele immer doppelt so gut, wenn ich Spaß habe. Und Spaß habe ich. In den ersten zwei Stunden bringe ich den gesamten Tisch mindestens viermal zum Lachen und noch ein paar Mal zum Schmunzeln. Geht doch.
Ich spiele sehr tight. Will erstmal den Tisch auskundschaften und schauen, wo es Spots gibt. Wer sind die tighten Blinds, wer sind die aktiven Spieler, wer sind die starken Spieler, von denen ich mich fernhalten möchte, wer sind die schwachen, von denen es Chips zu gewinnen gibt?
Die ersten zwei Hände, die ich spiele, muss ich aufgeben. Dann erhöhe ich vom Cut-off und werde von einem aggressiven Norweger auf dem Button gereraised, von 125 auf 525. Ich mache 1600, er legt seinen Müll weg. Wundervoll. Wieder auf starting stack niveau.
Dann kommt folgende Hand. Ein limper UTG für 50, ein weiterer Caller, ich complete in der SB mit , die BB checkt. Der Flop kommt , ich checkcalle den UTG Spieler und den LP limper für 150. Im Pot sind nun 650. Der Turn bringt die und somit meinen Flush. Ich checke, der UTG Spieler setzt 250 an, der Spieler in LP foldet und ich checkraise auf 700. UTG bezahlt. Der River bringt eine Blank und ich valuebette 1625 in den 2050 Pot. Der UTG Spieler überlegt sehr lange und erhöht dann plötzlich auf 3625. Ich folde meinen Baby-Flush bildoben. Er zeigt nicht, aber ich bin mir sicher, dass er  einen super Flop erwischt hat und den Nut Flush geturnt hat.
Danach bin ich auf 6000 Chips runter, arbeite mich aber mit kleinen Pots in den nächsten 90 Minuten wieder auf 9000 hoch. Währenddessen dominiert ein mir unbekannter Deutscher den Tisch. Er ist in einigen wenigen großen Händen ruckzuck auf über 20.000 Chips hoch, hat ein paar Mal auf dem River für mehr als Pot gepusht, wurde aber da nie gecallt. Außerdem hat er ein paar Mal die Nuts gemacht und auf dem River noch mal mittelgroß gevaluebettet. Er verliert so gut wie keine Hand. Aber ich habe schon ein paar Sachen über ihn herausgefunden: er erhöht mit schwachen, spekulativen Händen preflop auf 2-2,5 mal BB, mit starken Händen (AK, etc) auf 3-3,5mal BB.
Der aggressive Norweger links von mir nimmt sich selbst aus dem Rennen, als er vom button openraised, den Flop gegen die BB contibettet und einen Push von der BB (mit 3500) insta-fist-pump-snap-called und umdreht. Hat offensichtlich seine Hand als in Erinnerung gehabt. Danach ist er short, peinlich berührt und ruhig.
Nach der ersten Pause und ein bisschen small talk mit der luckbox komme ich wieder an den Tisch zurück und gewinne ein paar mittlere Pots. Ich bin jetzt wieder bei 10.000 chips.
Frida (die gutaussehende EPT-Masseurin) mogelt mich auch in ihrer Warteliste nach vorne und meine Lieblingssequenz auf dem iPod fängt an. Läuft.
Blinds 75-150, alle folden zu dem Deutschen im Highjack, der erhöht auf 400 (kleines Raise!), bis zu mir in der BB wird gefoldet, ich finde . Call.
Der Flop kommt ganz ok, mit . Check-Check. Turn . Ich spiele sofort 500, er erhöht auf 1600. Mmh. Zu schnell. Irgendwie kommt mir das komisch vor. Ich hatte schon ein- zweimal den Flop angespielt und dann aufgegeben, vielleicht sieht er die schnelle 500er Bet als schwach an und will stehlen? Ich bezahle. Der River bringt den und somit den Backdoorflush. Ich checke, der Deutsche geht sofort all-in. Jetzt komme ich ins Grübeln. Irgendetwas stinkt hier. Er hat entweder den Flush (und eine seltsame Line gewählt, besonders auf dem Turn) oder Luft. Außerdem stellt er mich all-in mit 6800, obwohl im Pot nur 3500 oder so sind. Komisch. Ich studiere ihn. Irgendwie sieht er weak aus.
An dieser Stelle schlage ich ja wirklich nur einen Bluff. Aber er kann keinen König oder eine Zehn haben, die würde er dahinterchecken. Entweder hat er den Flush gemacht, oder Luft.

Ich mache, nach langem Überlegen, den Hero-Call.
Er zeigt mir , für die gefloppte Straße und den geriverten Flush. Ich war nach dem Flop schon drawing dead. Und der Hero-Call war überhaupt keiner.
Helden sterben eben einsam.

Ziemlich frustriert verlasse ich den Turnierbereich und kurz darauf auch die ungarische Hauptstadt. Ich bin äußerst unzufrieden mit mir. Die Hand habe ich kurz mit Sebastian Ruthenberg besprochen und er hätte (natürlich) nach dem Turn Raise gefoldet. Klar. Macht ja auch Sinn. Ich hingegen habe mein gesamtes Turnier verspielt. Klar, manchmal muss man eben auf seine Reads hören und einen schwierigen Call machen. Manchmal liegt man dann eben auch daneben.
Aber hier kommt noch ein ganz anderes, viel wichtigeres Prinzip ins Spiel. Wenn ich die Hand gewinne, dann habe ich knapp 20.000 Chips und den Chiplead am Tisch, sowie ein sensationell gutes Image. Aber wenn ich die Hand folde, auf dem Turn oder wenigstens auf dem River, dann habe ich 7900 bzw. respektive 6800 Chips. Damit kann ich an dem Tisch, bei 75-150 Blinds noch lange weiterspielen und mich locker hocharbeiten. Der Tag hatte gerade erst angefangen, der Tisch war gut, ich war hochkonzentriert und hochmotiviert.
Jetzt sitze ich frustriert in einem Internetcafe und schreibe Weisheiten auf.
Ich glaube, dass es nicht diese kleinen, hochvolatilen Edges sind, die man ausnutzen muss, um bei einer EPT weit zu kommen. Zumindest nicht an einem einfachen Tisch. Hier geht es darum, den ersten Tag möglichst gut zu überleben, aber auf jeden Fall zu überleben. Die Möglichkeiten kommen schon, wenn man auf sie wartet. Ich war zu ungeduldig.

Chip Reese, einer der besten Spieler, die das Spiel je gesehen hat, erzählt (ich glaube in „Super System“) von einer ähnlichen Geschichte, wo er als junger, aufstrebender Spieler in Las Vegas in einem 7Card Stud Spiel seine gesamte Bankroll auf eine 53:47 Chance setzt. Natürlich hat er hier ein Edge. Aber er hätte warten sollen, bis er ein größeres Edge hat. Natürlich verliert er das Spiel und muss wieder ganz von vorne anfangen.
Chip hat diesen Fehler nicht wieder gemacht.
Ich hoffe, ich mache es auch nicht.

Lieben Gruß

Ein frustrierter Möchte-Gern-Held.
 

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