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/Jun/2008

PLO - Madness Teil 1

Von: shootingstars @ 05:14 (CEST) / 7526 / Kommentar ( 102 )

Ich habe von ein paar Leuten hier, denen ich meinen ersten Blogeintrag gezeigt habe (noch vor dessen Veröffentlichung; habe leider Internetprobleme hier und kann von meinem Laptop aus nichts uploaden) positives Feedback bekommen und vernommen, dass sie meine Handanalyse interessant fanden und gerne mehr davon lesen würden.

The public gets what the public wants:

Game: Rio, 9-handed PLO mit 25$/50$ Blinds und 100$ BU-Straddle

Action: Ein mir unbekannter, solide, aber nicht allzu gefährlich wirkender Spieler callt den in dieser Partie obligatorischen 100$ BU-Straddle in früher Position. Ich, im CO sitzend, finde und raise das Maximum auf 500. Eine solide Live-Spielerin, die ich bereits ein paar Tage vorher kennengelernt hatte und sich selbst mir gegenüber als “nut-player” bezeichnet hatte, callt im BU, EP-Limper callt ebenfalls.

Flop:

EP checkt, ich bette 800, BU callt nach kurzem Überlegen. Die Situation gefällt mir schon an diesem Punkt überhaupt nicht, denn der Call fiel Ihr etwas gar zu leicht. Sie könnte, animiert durch die Tatsache, dass ich bereits einige Pots ohne Showdown gewonnen habe und begünstigt dadurch, dass die Stacks, wie es für Live-Games typisch ist, sehr deep waren, versuchen zu floaten, aber ehrlich gesagt gebe ich Ihr kaum Credit dafür. Ich befürchte, Sie hat 99xx und slowplayed Ihr Top-Full, oder Sie hat eine 8, die offensichtlich wahrscheinlich besser wäre als Meine.

Turn:

Jetzt hätte ich 8xxx überholt, aber gegen 99xx und 89xx bin ich immer noch drawing (almost) dead. Ich mache nochmals eine kleine Bet von 1500$ um möglichst billig herauszufinden, woran ich bin. Im Allgemeinen ist “betting/raising for information” ein zweifelhaftes Konzept, aber in dieser spezifischen Situation hielt ich eine zweite kleine Bet für die beste Option. Ein wichtiger Faktor hier ist, dass ich mir mehr Information von ihrer physischen Reaktion erhoffe; bisher habe ich von Ihr noch nie ernsthafte Fake-Tells oder Versuche, ihre Bedenkzeit effektiv zu Randomisieren, gesehen.

Sie callt wieder nach kurzem “Überlegen”, das wie schon am Flop eher nach “kurzer Pause, um sich nicht zu verraten” als nach wirklichem Nachdenken aussieht. Jetzt bin ich mir praktisch sicher, dass sie 99xx hält. Mit 98xx hätte Sie am Flop länger überlegt (sie hätte sich überlegt, ob raisen bei diesen Stack-Sizes besser ist als callen und etwas länger gebraucht, um sich (korrekt) für einen Call zu entscheiden) und hätte wahrscheinlich etwas weniger selbstsicher gewirkt. Mit 8xxx hätte Sie zwar vermutlich am Flop genauso gespielt (und sich genauso verhalten, denn ein Call ist hier aus Ihrer Perspektive naheliegend, d.h. ihr kognitiver Entscheidungsfindungsprozess wäre schnell gegangen), aber am Turn länger überlegt.

Solche Interpretationen des gegnerischen Verhaltens sind keine exakte Wissenschaft und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen lassen sich schwer beweisen und darauf gestützte Moves können auch nach hinten losgehen. Ich weiß aber, dass ich mit meinem Gefühl in solchen Situationen im Live-Poker bisher in den allermeisten Fällen richtig lag, daher tendiere ich dazu, meinem Instinkt zu trauen, obwohl mein grundsätzlicher Ansatz im Poker auf Spieltheorie basiert. Gegen einen anderen (tougheren) Gegner unter anderen Umständen würde ich in dieser Hand vielleicht einiges ganz anders machen.

Etwas genervt von der Erkenntnis, dass ich diese Hand anscheinend nicht gewinnen kann, bereite ich mich darauf vor, am River zu check-folden (wenn nicht die vierte 8 kommt). Doch während ich mir meine Gegnerin so anschaue, möglicherweise unbewusst erinnert an die Bezeichnung “nut-player”, die sie sich selbst ein paar Tage zuvor gegeben hatte (siehe oben), kommt mir eine Idee:

Was, wenn ich meine Hand nicht als (leider ja wertloses) Full-House, sondern als “Quad-Blocker” spiele?

(Für PLO-Laien: Blocker sind Karten in der eigenen (vielleicht schwachen) Hand, die verhindern, bzw. die Wahrscheinlichkeit verringern, dass einer oder mehrere von den anderen Spielern eine bestimmte Hand (meistens die nuts) haben und eröffnen dadurch manchmal Bluffgelegenheiten (werden aber oft auch völlig overused).  Ein extremes Beispiel: Wenn Ihr nach ein paar Limpern im Big Blind QQQQ habt und am flop : Jx  :10x   rainbow kommt, können eure Gegner nicht viel machen, wenn Ihr einfach immer das Maximum bettet/raist (solange sich das Board nicht ändert und die Stacks nicht zu short sind) ).

Das müsste eigentlich funktionieren. Meine einzige Sorge ist, dass Sie 998x haben könnte -dann wird Sie mir meine Quads wohl nicht abkaufen…- aber das ist rein kombinatorisch sehr unwahrscheinlich.

Ich checke kurz die Stacks -glücklicherweise hat sie noch fast 20k übrig- und überlege, mit welcher Betting-Sequenz ich die Case-Quads am Besten repräsentiere. Check-Raise scheint nicht optimal, da der Betrag, den ich dann raisen kann, weniger gross wird als wenn ich Bet-Raise-Reraise spiele, erst recht, falls Sie auf die Idee kommt, nur eine kleine Valuebet zu machen.

Das hätte dann zur Folge, dass mein Raise für Sie (sowohl spieltheoretisch, als auch psychologisch) leicher zu callen wäre, selbst wenn Sie vermutet, dass Ihr Top-Full verliert.

Ich muss etwas aufpassen mit den Beträgen, damit noch genug Munition für einen Reraise vorhanden ist, ohne dass Sie sich als Pot-committed betrachtet, aber da Sie noch fast 20k vor sich hat (ich covere knapp) und wahrscheinlich nicht das Maximum raisen wird, um mich nicht zu verlieren, müsste (Small) Bet-Raise-Reraise eigentlich hinhauen.

Der River, den ich noch gar nicht angeschaut hatte, war übrigens eine Blank: 3d (oder so ähnlich)

Ich bette also nochmals 3000, meine Gegnerin raist (wieder nach kurzem “Überlegen”) auf  7200, ich annonciere (ebenfalls nach kurzem “Überlegen”) All-In.

Jetzt denkt Sie zum ersten Mal ernsthaft kurz nach, sieht mich (überraschend schnell) an und sagt, zwar verständlicherweise etwas enttäuscht, aber dennoch charmant: “Your Quad-Eights are good… ;-) ” ,zeigt gleichzeitig Ihre zwei Neunen und wirft Sie dann weg.

Ich sammle alle Chips und Bills ein, werfe ebenfalls meine Karten weg und sage zu mir: “Verdammt, bin ich gut!”

Ich muss allerdings zugeben, dass ich insofern etwas Glück hatte, dass die Stack-Sizes genau gepasst haben und ich am Flop und am Turn jeweils nur kleine Bets angespielt hatte (bei meinen Flop- und Turnbets hatte ich ja noch nicht geplant, meine Hand am River in einen Bluff zu verwandeln). J

Ich könnte noch einiges zu dieser Hand sagen und komme evtl. in einem späteren Blogeintrag nochmals darauf zurück, denn während ich mir den Text gerade nochmals durchlese, fällt mir auf, dass ich einige Aspekte kaum angesprochen habe, bzw. ein paar Punkte für einige von Euch evtl. erklärungsbedürftig sind. Falls Ihr daran interessiert seid, lasst es mich wissen!

Whatever, nach solchen Händen fühlt man sich unschlagbar - das kennt Ihr doch alle- , doch leider war dies erst PLO - Madness Teil 1...

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