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/Sep/2008

WSOP 2008 Main Event Teil 1

Von: shootingstars @ 02:48 (CEST) / 7539 / Kommentar ( 121 )

Am 6. Juli startete ich, ausgeruht (siehe meine letzten Blogeimträge...) und motiviert, meine in diesem Jahr bisher bescheidene Turnierbilanz aufzupolieren, in Day 1D des WSOP Main Events. Ich war grundsätzlich sehr zuversichtlich, denn ich wusste aus mehrfacher Erfahrung, dass die Gegnerschaft, die man bei Turnieren normalerweise antrifft, einiges schwächer ist, als die meisten Gegner, die ich von den Online- und Live-Cashgames her gewohnt bin. Wenn nur noch das Kartenglück, das mich in letzter Zeit insbesondere bei Turnieren eher im Stich gelasssen hat, mal mitspielen würde...

An meinem Tisch erkannte nur ich zwei solide, decent Pros, einer davon aus Italien, der Andere aus Skandinavien, die ich schon früher an EPT-Events angetroffen hatte, daneben setzte sich mein Starttisch aus einigen Amateuren, Shottakern und Internetqualifiers zusammen, keine unübliche Konstellation für einen WSOP Main Event. Mein Ziel für Day 1 war, wie üblich, das absolute Maximum herauszuholen und mir einen möglichst grossen Stack aufzubauen, um mir eine gute Ausgangslage für den weiteren Turnierverlauf zu schaffen.

Da die meisten Spieler, auch das ist nicht unüblich in den ersten Levels von grösseren Events, zu Beginn sehr vorsichtig agierten, konnte ich meinen Anfangsstack von 20k ziemlich bald auf ca. 32k vergrössern, fiel dann jedoch, nachdem ein Multi-Street Bluff daneben gegangen war (Gegner riverte ein Set... Diese Hand sollte sich später jedoch noch positiv auswirken) auf etwa 15k zurück. Nachdem ich etwas später mit AK gegen KQ auf einem K-high Board gegen den italienischen Pro wieder verdoppelt hatte, ereignete sich, noch immer in Level 2 (Blinds 100/200), bereits die Schlüsselhand meines ersten Tages:

Der skandinavische Pro openraist in MP auf 600, BU (ein tight-vorsichtiger, ungefährlicher Amateur) callt, SB callt, ich im BB calle mit .

Der Small Blind, ein Satellite Qualifier, ziemlich sicher aber nur ein Hobbyspieler, war vom Typ her allgemein ziemlich straight-foreward, aber viel zu loose. Er hatte zwar bisher seine starken Hände in selbstsicherer und aggressiver Manier relativ gut gespielt, mit seinen schwachen Händen aber mehrmals viel zu viel verloren, ausserdem schien er sich nicht von Draws trennnen zu können.

Flop:    (Pot: 2,4k)

SB checkt, ich bette 1,8k, MP (der skand. Pro, der Preflop geraist hatte, callt, BU foldet, SB callt

Ich habe hier höchstwahrscheinlich die beste Hand. SB hätte mit einer stärkeren Hand, praktisch sicher den Flop gecheck-raised oder selbst angespielt. Der Preflop Raiser, ein relativ solider standard ABC-Pro hätte mit einem Overpair, einem Set, oder einer Strasse fast sicher geraist, zumal er bereits relativ short war (ca 15k). Vermutlich hat einer von ihnen eine Sieben (möglicherweise mit Gutshot) und der Andere ein Draw. Meine einzige Sorge ist (abgesehen davon natürlich, dass einer von den beiden mich outdrawen könnte, bei so vielen möglichen Draws), dass MP eine bessere 8 haben könnte, noch unsicher darüber, ob er seinen ganzen Stack riskieren will.

Turn:     (Pot: 7,8k)

SB checkt, ich bette 6k, MP foldet nach langem Überlegen (hatte ein Flushdraw, wie er später sagte), SB callt erneut relativ schnell.

River:   (Pot: 19,8k) 

Diese Karte sehe ich natürlich gar nicht gerne, denn fast alle Draws, die SB gehabt haben könnte, haben mich nun überholt. Nicht nur der Flush und einige Straights sind angekommen, zu allem Elend haben ausserdem einige der möglichen Straightdraws, mit denen er gecallt habe könnte (109, 106, evtl sogar J10; es ist wie gesagt bei diesem Gegner keinesfalls auszuschliessen, dass er mit diesen Händen zwei Bets callen würde), ein höheres Paar getroffen. Alles was ich habe sind ja ein Paar Achter...

Mein Gegner, mit ca. 14k übrig, checkt jedoch erneut relativ schnell. Ich atme auf, denn ich bin mir absolut sicher, dass er mit einem Flush oder einer Straight direkt all-in gegangen wäre und nicht versuchen würde, mich zu trappen. Meine einzige kleine Sorge ist jetzt nur noch, dass er mit einem Straightdraw die 10 getroffen haben könnte (ich bin mir nicht sicher, ob er damit den River check-callen, oder selbst betten würde), aber da dieses Scenario viel weniger wahrscheinlich ist, als dass er einfach ein Paar Siebenen (oder sogar nur ein Paar Vieren, möglicherweise mit Gutshot am Flop) hat und ich mir ziemlich sicher bin, dass er mich damit callen wird, valuebette ich nach ca. 10 bis 15 Sekunden Überlegen 20k (und setzte ihn damit all-in).

Nach kurzem Überlegen callt mein Gegner mit einer leicht resignierten Miene und mein Paar Achter gewinnt.

Es ist wahr, dass die meisten Spieler hier niemals betten würden, sondern froh wären, ihre Hand zeigen zu können und einfach hoffen würden, den Showdown zu gewinnen, aber in diesem konkreten Fall lag gegen diesen Gegner offensichtlich noch mehr drin und diese Valuebet war in Wirklichkeit weit weniger schwierig, als sie aussieht.

Mit dieser Hand hatte ich meinen Chipcount auf knapp 60k geschraubt und mir den mit Abstand grössten Stack an meinem Tisch aufgebaut. Diese Hand sollte jedoch noch viel weitreichendere Konsequenzen haben. Die anderen Spieler an meinem Tisch zeigten sich von dieser Hand dermassen beeindruckt (und machten keinen Hehl daraus), dass ich von nun an praktisch freie Hand hatte, Pot um Pot ohne Widerstand zu klauen. Ich habe dieses Phänomen schon öfters erlebt, besonders bei Turnieren als Big Stack, aber noch nie zuvor in so extremer Form. Da ich das Glück hatte, dass die Tischbesetzung relativ konstant blieb und nur ab und zu vereinzelt einige wenige Shortstacks neu dazu kamen, konnte ich phasenweise beinahe jede Hand spielen. Einige Spieler fingen zwar mit der Zeit an, mehr zu stöhnen und länger zu hadern, bevor sie ihre Hände foldeten, doch es zwar ziemlich offensichtlich, dass niemand am Tisch gewillt war, mir viel entgegenzusetzn, sodass ich immer billig davon kam, wenn ich in einzelnen Fällen auf eine Monsterhand stiess.

Am Ende des ersten Tages hatte ich mir schliesslich über 110k erspielt; leider hatte ich kurz vor Schluss noch einen 3-way Preflop All-in (mit AK gegen einen ca. 30k-Stack mit AQ und einen ca. 20k-Stack mit 1010, Q-high Flop) verloren; nichtsdestotrotz hatte ich mein Zwischenziel erreicht.

Ich muss sagen, dass ich an diesem Tag wirklich Spass beim Spielen hatte und gebe zu, dass es mir eine gewisse Freude bereitet hatte, die anderen Spieler, die von Anfang an bei mir am Tisch waren, insbesondere einen Banker aus Florida und einen Anwalt aus Californien, der direkt zu meiner Linken sass und kaum wusste, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass man vom Flop bis zum River einen Flushdraw trifft, geschweige denn, was eine Handrange ist, so beeindruckt zu haben. Die Atmosphäre war so freundschaftlich, dass ich unter anderem Rob(dem Anwalt zu meiner Linken), der fasziniert alles in sich aufnahm, was ich ihm erzählte und von immer noch mehr Händen hören wollte, die ich schon in Cashgames gespielt hatte, im Verlaufe der letzten Levels bis zum Ende des Tages mehrere Pokerkonzepte beigebracht hatte (von denen er sich einige notiert hatte).

Diese Form von sozialer Komponente ist etwas, das ich in der Pokerscene, in der sich ansonsten hinter einer vordergründig scheinbar freundschaftlichen Atmosphäre leider in Wahrheit nur allzu oft Heuchelei verbirgt, oftmals vermisse.

 
 

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