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/Apr/2008

Auf und Ab am Final Table

Von: team-de @ 23:33 (CEST) / 7 / Kommentar ( 110 )

Die letzten Wochen liefen nicht rund für mich. Ich habe ja gelegentlich davon berichtet, dass es in Sachen Turniererfolge nichts zu berichten gab. Meistens kam ich gar nicht in die Preisränge (AA gegen 99 verloren kurz vorm Geld etc.) oder die Preise waren sehr klein. Den Final Table konnte ich nur einmal erreichen und da war dann dank eines verlorenen Coinflips auch ganz schnell auf dem achten Platz Schluss. Gestern ging es wieder so ähnlich los: Zwei Turniere gestartet für jeweils $150. Im ersten habe ich mich zeitsparend nach wenigen Minuten mit Overpair gegen Overpair verabschiedet. Im anderen Turnier, gut 300 Teilnehmer, 3.000 Startchips, passierte aus meiner Sicht lange Zeit wenig. Als der Durchschnitt schon bei 10.000 lag, krebste ich immernoch mit meinen 3k herum. Mein erstes Double-up schaffte ich dann durch Blindsteals, danach zwei weitere durch Suck-outs meinerseits (endlich mal!). Das brachte mich auf 25.000, was dann auch der Durchschnitt an der Bubble war. Von da an war ich eingekeilt von den beiden Chipleadern des Turniers. Einer von beiden war sehr loose und aggressiv, der andere eher vorsichtig. Zum Glück saß der Erstere rechts von mir, ich hatte also Position. Zwischenzeitlich ging der Chipleader dazu über, fast jede Hand zu erhöhen. Resteals beantwortete er gern mit einem All-in. Ich hatte in dieser Situation nur eine Hoffnung: gute Karten zu bekommen. Ich wusste allerdings auch, dass sich diese wahrscheinlich sehr bezahlt machen würden, falls ich sie denn bekomme. Wer die Überschrift gelesen hat, ahnt es schon - ich bekam einige Hände, die vom Chipleader kräftig ausgezahlt wurden. Zwei Double-ups und ein paar mittlere Pots brachten mich auf 150.000 Chips. Von da an war ich einer der drei Turnierchipleader, die kurioserweise alle direkt nebeneinander saßen, obwohl noch fast 20 Spieler übrig waren (Average Stack knapp 60.000). Ohne weitere besondere Vorfälle konnte ich mich auf gut 200k Chips vorarbeiten und erreichte den Final Table. An dieser Stelle war ich Chipleader und der Durchschnitt lag bei 100.000.

Den Anfang des Final Tables empfinde ich immer als eine kritische Situation. Die Blinds sind in der Regel schon recht hoch, der Tisch ist voll und die meisten Gegner spielen solide. Direkt davor, solange es noch zwei Tische gibt, wird ja shorthanded gespielt. Dort ergeben sich viel mehr Möglichkeiten für Steals und Resteals. Sobald aber wieder neun Spieler am Tisch sitzen, braucht man ein paar gute Hände, um seinen Stack weiter auszubauen.
Aus meiner Sicht passierte dann längere Zeit kaum etwas, bis wir nur noch sechs Spieler waren. Ich machte ein paar Steals und zahlte ein paar Blinds, was meinen Stack immer in der Nähe von 200k hielt. Inzwischen war ich zwar immer noch Chipleader, aber der Durchschnitt lag bei über 150.000 und das Feld war sehr dicht beisammen. Dann ergab sich eine für mich sehr problematische Situation: Der aggressive Spieler rechts von mir, der lange Zeit Bigstack war, verlor einen großen Pot und hatte nur noch 80k Chips bei Blinds von 5k/10k. Von da an ging er fast immer preflop all-in, wenn alle zu ihm foldeten. Für mich war das eine Katastrophe, weil ich natürlich keine Blinds mehr stehlen konnte. Ich hoffte, entweder möglichst schnell selbst gute Karten zu bekommen oder zumindest den Maniac auf eine andere Art busten zu sehen. Mein Plan war, mit jeder halbwegs passablen Hand ein All-in zu callen.
Kurz darauf ereignete sich Folgendes: Alle foldeten zu dem Aggressivling. Der pushte mal wieder vom Button. Ich war im Small Blind mit . Dies ist normalerweise natürlich keine Hand, mit der man ein All-in callen möchte. Aber diese Situation war auch nicht normal. Also pushte ich ebenfalls und der Big Blind foldete. Villain zeigte . Ich war also Favorit, wenn auch nur knapp (54 %). Der Gegner traf am Flop einen und ich verlor die Hand.
 
Nun war ich zum ersten Mal seit langer Zeit im unteren Drittel des Feldes. Alle Beteiligten waren noch dicht beieinander, was sich aber schnell ändern sollte. Der Spieler in Seat 1 (mir genau gegenüber), der mir vorher nicht besonders aufgefallen war, traf mehrere gute Hände und baute einen großen Vorsprung auf. Er hatte 350.000 Chips bei einem Durchschnitt von 150.000. Mein Stack sah mit 100.000 gar nicht gut aus.
Dann wruden drei entscheidende Hände gespielt, die dem Chipleader gar nicht gut bekommen sind. Dazwischen lagen nur drei Spiele ohne Action.
 
1. 6-handed. 6k/12k Blinds, 1k Ante. Chipleader erhöhte UTG auf 31k. Ich ging mit 140k und all-in. Der Gegner callte mit . Ich gewann und übernahm den Chiplead.
2. Seat 1 war im SB. Shortstack vom Button ging mit 70k all-in. Seat 1 ging all-in. Seat 1 hielt , der Shortstack und gewann.
3. Seat 1 war MP3 und erhöhte wieder auf 31k. Ich ging vom SB mit all-in und wurde von gecallt. Wir trafen beide unseren Kicker und ich gewann.
 
Danach war ich mit 460k überwältigender Chipleader. Der Zweitplatzierte hatte nur 170k. Bis zum Heads-up spielte sich nun alles wie von selbst. Ich erreichte es als klarer Chipleader, mit gut 700.000 gegen die 200.000 Chips meines Gegners. Dieser spielte zunächst recht gut, ich konnte ihn aber durch aggressive Steals unter die 100k-Marke drücken. Der Big Blind lag weiterhin bei 12k. Es gab nur Push oder Fold. Es war klar, dass es schnell zu mindestens einem All-in-Call kommen würde.
 
1. All-in: Beim ersten All-in pushte ich mit und wurde von gecallt. Erwartungsgemäß wurde der Pot geteilt.
 
2. All-in: Die Situation hatte sich also nicht groß geändert. Ich war immernoch mit 8:1 Chipleader. Der Gegner ging mit weniger als 100k all-in. Ich callte mit , er zeigte . Mist, ich war dominated, fast mit 2:1 Underdog und verlor die Hand.
 
3. All-in: Nun war ich also "nur" noch mit 7:2 Chipleader. Dies blieb nicht lange so. Ich bekam und ging all-in. Der Gegner callte sofort und zeigte . Argh! Wieder verloren.
 
4. All-in: 5:4 war das neue Verhältnis der Stacks. Zum ersten Mal schien der Gegner nicht gut zu spielen: Seine Strategie bestand immer noch aus Push oder Fold, was anfänglich richtig war. Aber inzwischen hatte er einen Stack von gut 35 Big Blinds. Ich machte normale Raises und hoffte, früher oder später eine gute Hand zum callen seiner zahlreichen All-ins zu bekommen. Bekam ich aber nicht. Stattdessen schien der Gegner irgendwann zu merken, dass Raises auf ~3 BB in dieser Situation besser waren. Durch aggressives Spiel konnte ich meinen Chiplead (den ich kurzzeitig sogar abgeben musste) wieder auf 6:3 (= 2:1) ausbauen. Die Blinds gingen auf 8k/16k hoch und es war wieder korrekt, manche Hände direkt vor dem Flop all-in zu spielen. Dies tat ich kurz darauf mit und der Gegner fand gleich wieder eine super Hand: . Wieder verloren.
 
5. All-in: Nun war ich also mit 1:2 hinten. Ich pushte vier Hände später wieder, diesmal mit . Der Gegner callte mit (Huch!? Ein schwerer und eindeutiger Fehler seinerseits, mit dem ich nicht gerechnet hatte.) Board: ... NEIIIIIIIIIIIIIIIIIN!
 
Das Heads-up ist also grauenhaft gelaufen. Obwohl der Gegner einige Fehler gemacht hat und ich einen riesigen Chiplead hatte, machte mir massives Pech am Ende einen Strich durch die Rechnung. Dummerweise ärgere ich mich meistens erst mal nach Turnieren, es sei denn, ich habe gewonnen. Nachdem die erste Enttäuschung überwunden war, überwog dann aber doch die Freude über ein Preisgeld von $7.600.

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