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/Aug/2007

Das Pareto-Prinzip

Von: team-de @ 17:21 (CEST) / 384 / Kommentar ( 34 )

Auf meinem täglichen Rundgang durch verschiedene Websites entdeckte ich heute einen sehr interessanten, englischsprachigen Artikel über ein Prinzip, das eigentlich für die Wirtschaft konzipiert aber dennoch auf Poker sehr gut anwendbar ist – das Pareto-Prinzip.

Dieses Prinzip wurde nach Vilfredo Frederico Pareto, einem italienischen Ingenieur, Ökonom und Soziologen, benannt. Pareto beobachtete zu seiner Zeit beispielsweise, dass in seinem Heimatland ca. 80 % des Einkommens von nur 20 % der Bevölkerung erwirtschaftet wurden. Vom Umsatz einer Firma wurden ganze 80 % von gerade einmal 20% der Angestellten erarbeitet, auch wurden 80% der Bestellungen von gerade einmal 20 % der Kunden getätigt. Diese Raten sind natürlich nur gerundete Werte und könnten theoretisch auch auf 90:10 oder 75:25 hinauslaufen, die Schlussfolgerung bleibt dennoch dieselbe. Den meisten Gewinn machen wir durch eine relativ geringe Anzahl an Dingen, die wir tun. Das gilt für die Wirtschaft genauso wie für persönliche Tätigkeiten, sogar für Poker. Warum genau, klären wir später.

Erst einmal soll klar gestellt werden, dass man sich genau auf diese Dinge, also auf die wenigen 20 %, konzentrieren sollte, da man von diesen den größten Wert (Value) zu erwarten hat. Schafft man dies, so können Abläufe produktiver vollzogen werden und man hat mehr Zeit zur Verfügung. Auch wenn es uns Deutschen immer gern nachgesagt wird, wir seien Perfektionisten, so ist diese Einstellung dennoch nicht optimal! Wir müssen nicht immer 100 % aller Aufgaben erfüllen. Warum sollte man 80 % der eigenen Zeit dafür opfern, um am Ende nur einen Wert von 20 % zu erwirtschaften? Man muss Prioritäten setzen und auf andere Dinge verzichten, um letztendlich effizient zu sein.

Eine Studie zeigte zuletzt, dass von insgesamt 250 Stunden, die im Jahr durchschnittlich für gemeinsame Meetings des Topmanagements einer Firma zur Verfügung standen, gerade einmal 37 Stunden für die eigentliche Strategiebesprechung und deren Genehmigung genutzt wurden. Also verbringt das Management einer Firma im Durchschnitt nur rund 15 % der Zeit, um wirklich produktiv zu arbeiten. Die restlichen 85 % werden mit Verwaltungs- und Personalfragen, Rechtsstreitigkeiten oder anderen Themen „verschwendet“. Würde man sich hauptsächlich auf diese 15 % konzentrieren und alle Tagesordnungspunkte zuvor miteinander abwägen und dementsprechend die zur Verfügung stehende Zeit einteilen, so würde man einiges an Effizienz gewinnen.

Auch Programmierer kennen das Problem – der größte Teil (80 %) eines Programms ist oftmals in relativ kurzer Zeit (20 %) geschrieben, die meiste Zeit wird erst anschließend mit Fehlerkorrekturen und anderen Dingen verbraucht.

Ihr seht – das Pareto-Prinzip ist in vielen Bereichen des Lebens auffindbar und so lässt es sich auch auf Poker anwenden. Die Verbindung zum Grundgedanken scheint zunächst offensichtlich: Das meiste Geld wird, in egal welcher Pokervariante, durch nur wenige, gewinnbringende Games erzielt. „Zpaceman“, ein erfolgreicher Turnierspieler, meint beispielsweise, dass er zu ca. 15 % bis 20 % bei seinen Turnieren im Geld landet, und davon wieder zu ca. 15 % bis 20 % auf den Plätzen eins bis drei, für die es in der Regel den Großteil des Preispools zu gewinnen gibt.


Ähnlich verhält es sich auch bei unseren Starthänden. Wir konzentrieren uns mehrheitlich auf die guten Blätter (um die 20%) und passen hingegen die schlechten (80 %). Von diesen 20 % produziert wiederum die Mehrheit nur einen kleinen eher unbedeutenden Gewinn, denn nur wenige Blätter lassen uns einen wirklich großen Pot gewinnen. Da Konzentration eine Fähigkeit ist, die anstrengend ist und auf Dauer nachlässt, sollte man sich auch wirklich auf diese wenigen Hände konzentrieren und vielleicht andere, weniger gewinnbringende Hände, vernachlässigen. Oftmals sehen wir uns mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert und diesen sollte man auch die nötige Aufmerksamkeit schenken, denn diese machen am Ende den Unterschied, ob man nun ein großer Winning-Player oder doch nur ein Above-Average-Player ist.

Weiterhin bestehen noch zwei weitere Verbindungen zum Pareto-Prinzip. Zum einen der Punkt, dass man immer den genau entgegengesetzten Spielstil seiner Mitspieler wählen sollte, um Gewinn zu machen. Spielt also beispielsweise die Mehrheit der Spieler (80%) am Tisch einen loosen Spielstil, so sollte man selber die tighte Variante spielen. Die zweite Verbindung führt zu Dan Harringtons erfolgreicher Pokerbuchserie „Harrington on Hold´em 1 – 3“, in der er oftmals die 80:20-Rate anspricht, beispielsweise bei der Frage wie oft man bestimmte Situationen abweichend vom Standard spielen sollte.

Das Pareto-Prinzip lässt sich, wie man sieht, beim Pokern erfolgreich einsetzen und vielleicht ist es auch mehr als nur ein interessanter Zufall. Darüber den einen oder anderen Gedanken zu verlieren kann auf jeden Fall nicht schaden! Kleine Änderungen können Großes bewirken.

peek

PS: Einige, der von mir aufgeführten Ideen, sind auch hier im englischsprachigen Originalartikel zu finden.

PPS: Beim nächsten Blog-Eintrag wird es dann wahrscheinlich um „Gewinnmaximierung vs. Protection“ gehen, man darf also gespannt sein. ;)

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