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/Aug/2008

Glücksfaktor

Von: team-de @ 17:26 (CEST) / 1 / Kommentar ( 215 )

In den Kommentraren zu meinem letzten Beitrag "Psychologie gegen Mathematik" wurde heiß diskutiert, welche Fähigkeiten beim Pokern wie wichtig sind. Neben "Psychologie" und "Mathematik" wurden noch "Bauchgefühl" und "Glück" genannt. Ich bin, wie im letzten Eintrag geschrieben, der Ansicht, dass Bauchgefühl eine spontane Überlegung ist, die man entweder unter Mathematik oder unter Psychologie einordnen kann. Je nachdem, worum es geht. Zur Wichtigkeit des Glücks möchte ich gleich noch etwas schreiben. In den Kommentaren wurde ebenfalls gewünscht, dass ich etwas über Tells schreibe. Darin wird es in meinem nächsten Blogeintrag gehen.

Glück
Der Glücksfaktor wurde in den Kommentaren sehr unterschiedlich hoch bewertet. Aus gutem Grund: Je nachdem, was und vor allem wie lange man spielt, schwankt er stark. Allerdings ist er meistens höher als viele intuitiv erwarten. In den gleich folgenden Szenarien gebe ich erst an, was und wie viel gespielt wurde, und danach, wie hoch der Glücksfaktor in der jeweiligen Situation ist. Dieser soll eine grobe Orientierung geben, nicht wissenschaftlich oder sonstwie genau berechnet sein. Gespielt wird immer No-Limit Hold'em von einem Profi, es sei denn, ich schreibe explizit etwas anderes.

a) Ein Sunday Million. Der Profi hat vielleicht eine doppelt so hohe Chance, das Turnier zu gewinnen. Bei 8.000 Teilnehmern etwa 4.000:1. Wahrscheinlich kommt er nicht einmal ins Geld. Glücksfaktor: über 99 %.
b) Ein Jahr lang jede Woche ein Sunday Million (oder alternativ 50 Jahre lang das WSOP Main Event mit heutiger Teilnehmerzahl). Es ist fast sicher, dass der Profi zumindest ein paar Preise gewinnt, es kann aber gut sein, dass er trotzdem am Ende des Jahres klar im Minus ist. Die Wahrscheinlichkeit, ein Turnier zu gewinnen, liegt bei etwa 100:1. Glücksfaktor: 90 %.
c) Eine dreistündige Session Livepoker. In drei Stunden werden etwa 100 Hände gespielt, oft weniger. Da überwiegt ganz klar das Glück. Glücksfaktor: 90 %.
d) Eine dreistündige Session Onlinepoker an vier Tischen gleichzeitig. Hier können leicht 1.000 Hände und mehr gespielt werden. Das verringert den immer noch sehr hohen Glücksfaktor. Glücksfaktor: 80 %.
e) Ein Jahr lang Onlinepoker, 80 Stunden im Monat an vier Tischen gleichzeitig auf einem Limit, das solide geschlagen wird. Hier kommen um die 400.000 Hände zusammen. Das mindert den Glücksfaktor enorm. Glücksfaktor: 10 %.
f) Zehn Jahre lang Onlinepoker, 80 Stunden im Monat an vier Tischen gleichzeitig auf einem Limit, das solide geschlagen wird. In einer so langen Zeit kann man viele Millionen Hände spielen. Das mindert den Glücksfaktor enorm. Glücksfaktor: 3 %.
g) Ein Leben lang als Weltklassespieler im High-Stakes-Game des Bellagio, Las Vegas. Gespielt wird 1.000/2.000- bis 4.000/8.000-Limit (verschiedene Varianten). Meistens gegen andere Weltklassespieler, gelegentlich aber auch gegen schwächere Gegner. Das überraschende Ergebnis: Geht man von einem Vorteil vom 0,6 BB/100 Hände aus, der gegen hochkarätige Gegner bei Limit-Poker schon durchaus beachtlich ist, ist der Glücksfaktor enorm. Ein Spieler, der 30 Jahre lang 30 Stunden die Woche spielt, hätte ungefähr einen Erwartungswert von 32 Millionen Dollar. Hat der Spieler großes Pech*, gewinnt er "nur" etwa zwölf Millionen, hat er großes Glück*, gewinnt er etwas mehr als 50 Millionen. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Glücksfaktor: 35 %!

*"großes" Glück bzw. "großes" Pech ist jeweils ein weiter Begriff. In diesem Fall bedeutet es, dass es jeweils mit einer Wahrscheinlichkeit von 2 % so oder noch extremer eintritt. Die Wahrscheinlichkeit, zwölf Millionen oder weniger zu gewinnen, beträgt also etwa 2 %. Für die Statistikexperten: Ich habe ein 95%-Konfidenzintervall berechnet, mit 20 BB/100er-Standardabweichung, 2.000/4.000 als Limit und grob gerundet.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag einige Gedanken und Diskussionen anzuregen und rege Zustimmung und Widerspruch zu ernten bzw. zu provozieren.

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