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/Mai/2008

Hut ab, Herr Bruch ...

Von: team-de @ 07:03 (CEST) / 10527 / Kommentar ( 296 )

Das Thema Glücksspielstaatsvertrag und Poker holt mich leider auch in Las Vegas ein. Am Dienstag veröffentlichte die Onlineausgabe der "Welt" ein Interview mit dem Innenminister von Rheinland-Pfalz, Karl Peter Bruch (SPD). Ein bahnbrechendes Interview, das mich dazu bewog, einen offenen Brief an Herrn Bruch zu schreiben. Bevor ihr diesen Brief lest, solltet ihr unbedingt das Interview gelesen haben, und keine Angst, es ist ein kurzes, knackiges Interview. Hier der Link: Warum Pokerspielen verboten werden muss

 

Sehr geehrter Herr Karl Peter Bruch!

Um es einmal vorwegzunehmen, ich habe ein gespaltenes Verhältnis zur Politik in Deutschland. Einerseits bin ich der Meinung, dass viele Dinge in unserem Land in den letzten zwei Jahrzehnten ziemlich aus dem Ruder gelaufen sind. Andererseits fällt mir auch kein Patentrezept ein, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

Mit großem Interesse habe ich jetzt aber Ihr Interview vom Dienstag in der Online-Ausgabe der Welt gelesen und war wirklich äußerst positiv überrascht. Endlich mal ein Politiker der nicht um den heißen Brei herumredet und klar Stellung bezieht. Ich zitiere aus dem Interview:

„Als ehemaligem Polizisten kann mir keiner erzählen, dass Pokern ein Geschicklichkeitsspiel ist – das ist ein absolutes Glücksspiel.“

So sieht’s aus! Aber das ist ja noch längst nicht alles, zusätzlich haben Sie Ihren eindeutigen Standpunkt zum Thema Poker mit fundiertem Fachwissen untermauert. Wer sollte es besser wissen, als jemand, der vor rund 20 Jahren zuletzt gespielt hat? Ich zitiere:

„Ja, ich habe schon mal gepokert. Ich hab auch schon mal Roulette gespielt. Ich war mal als junger Kriminalbeamter in dienstlicher Mission in der Spielbank in Bad Neuenahr eingesetzt.“

Nicht schlecht, der Mann muss ja wissen wovon er spricht. Roulette und Poker haben schließlich viele Gemeinsamkeiten. Der einzige Unterschied ist eigentlich, dass Poker mit Karten gespielt wird und Roulette mit einer kleinen Kugel und einem Kessel. Ok, beim Poker spielt man gegen andere Spieler und beim Roulette gegen die Bank, aber wir wollen jetzt ja nicht kleinlich werden.

Besonders beeindruckt hat mich aber die Passage mit der Suchtprävention gegenüber Jugendlichen, die ich hier jetzt aber aus Platzgründen nicht zitieren möchte. Dennoch finde ich Ihre Fürsorge gegenüber Jugendlichen beispiellos. Es reicht ja auch, dass die Jugendlichen und Heranwachsenden im Durchschnitt mit 13 Jahren zum ersten Mal mit Drogen wie Zigaretten, Alkohol und Marihuana in Verbindung kommen. Leider gibt es natürlich keine Möglichkeit, dass ständige Koma-Saufen der neuen Generation zu verhindern. Vor allem weil die Zeit fehlt, denn das würde ja zu Lasten der Suchtprävention im Glücksspielbereich gehen und man kann sich schließlich nicht um alles kümmern.

Da müssen klare Prioritäten gesetzt werden, denn Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren machen ja die Hauptzielgruppe der privaten Veranstalter von windigen Sachpreisturnieren, mit übrigens völlig überzogenen Buy-ins von bis zu €15, aus. Und als Gegenwert bekommen die Gewinner maximal einen Flachbildschirm oder eine Reise nach Las Vegas. Die Schlussfolgerung, dass durch das staatliche Glückspielmonopol Jugendschutz und Suchtprävention deutlich effektiver sichergestellt werden kann, als bei einem liberalisierten Glückspielmarkt mit privaten Anbietern ist einfach exzellent. Thumbs up dafür!

Die Argumentation der Gegner des Glücksspielmonopols dagegen, die doch tatsächlich der Meinung sind, dass sie selbst für diesen Schutz sorgen können und der Staat nur die Einnahmen von jährlich weit über zehn Mrd. EURO (Quelle: Jahrbuch Sucht 2006) sicherstellen will, ist absolut abenteuerlich, um nicht zu sagen eine bodenlose Unterstellung.

Auch die Argumentation, dass der „Pokersport“ (was für ein hässliches Wort) ein Gesellschaftsspiel sei, bei dem die Teilnehmer in gemütlicher Runde ihrem Hobby frönen können erschließt sich mir nicht. Dafür gibt es ja noch die guten alten Automatenspiele, die in jeder deutschen Kneipe stehen. Grundeinsatz 20 Cent, aber da sind dann auch schon mal €200 Gewinn drin, bar auf die Kralle. Und für die Suchtprävention in „Kalles Bierstübchen“ sorgt ja der Wirt, der Verantwortungsbewusste. Außerdem ist da ja auch jede Menge Geschick gefragt, schließlich muss ich im richtigen Moment erkennen, wann ich welche Technik beim „Hochdrücken“ (ich bevorzuge kurz-kurz-lang) anwende und ob ich bei einer Ausspielung normale Sonder- oder die Super-Mega-Kometen-Sonderspiele bekomme. Alles eine Frage von Fingerfertigkeit und Wahrscheinlichkeiten und auf jeden Fall +EV.

Abschließend möchte ich mich bei Ihnen noch ausdrücklich für Ihre deutlichen, von Fachkompetenz strotzenden Worte bedanken. Mit diesem Beitrag haben Sie endlich Licht ins Dunkel um die mittlerweile nervende Diskussion rund um das Thema „Ist Poker ein Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel?“ gebracht. Hut ab Herr Bruch, da ist doch mal eine Erhöhung der Diäten drin, oder?

Viele Grüße und viel Glück beim Regieren

robinse

 

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