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/Mai/2008

LAPT Rio - ein Herbstmärchen

Von: team-de @ 18:11 (CEST) / 6780 / Kommentar ( 139 )

"LAPT Rio: Alex" stand da plötzlich Mitte April auf dem redaktionsinternen Dienstplan. Diskussion mit dem Chef wahrscheinlich nicht möglich, also gut: Rio de Janeiro, ich komme - zum ersten Mal. Spontan schießen mir gleich mehrere Gedanken auf einmal durch den fast haarlosen Schädel. Erstens ist der Abflugtag (1. Mai)  mein Geburtstag. 14 Stunden in diversen Flugzeugen - so wollte ich schon immer mal feiern. Vor meinem inneren Auge tauchen zwei sehr eindrückliche Szenarien auf. Erstens: Copacabana, 30 Grad im Schatten, Caipirinhas ohne Ende, Fußball spielende Beachboys mit Sixpacks, voluminöse weibliche Hinterbacken, durch nichts als einen String geteilt, in denen sich die Sonne spiegelt (ist das schon Macho-Wahn?). Aber auch: Schmierige Banditen, die dir bei einem harmlosen Strandspaziergang die linke Hand abhacken, weil sie an deine $250-Uhr gelangen wollen, für die ihnen dann irgendein Hinterhof-Hehler einen Zwanziger gibt. Sie lassen dich dann da liegen, vom ausströmenden Blut färbt sich der Sand ...

Schluss jetzt mit dem Quatsch.

Pünktlich um 2:30 Uhr nachts rasselt am 1. Mai der Wecker. Er hätte es auch bleiben lassen können, ich hatte eh die Nacht mehr oder weniger senkrecht im Bett stehend verbracht. Taxi zum Flughafen, rein in die erste Sardinenbüchse und ab nach Lissabon (sind ja doch schon mal dreieinhalb Stunden ...). Aus unerfindlichen Gründen lässt uns der Busfahrer, der uns zum internationalen Terminal bringen sollte, erst mal eine geschlagene Stunde in seinem lausigen Gefährt warten. So wie er grinst, bereitet ihm die Aktion ein perverses Vergnügen. Ich verteidige meinen knapp bemessenen Stehplatz und muss plötzlich an Josef Fritzl denken ...

Dann also rein in die nächste Büchse. In lediglich zehn Stunden gelangt man von Lissabon nach Rio. Eingepfercht wie ein Schlachtrind, dankenswerterweise an einem Fensterplatz mit Blick auf die linke Tragfläche platziert, wechsle ich meine Sitzposition in den folgenden 600 Minuten rund 870 mal und lasse mir - um möglichst schnell apathisch zu werden - vom Steward (jawohl, ein Mann. Und noch dazu einer, der wie ein Filmstar aussieht. Sind die eigentlich alle gay?) ein Dosenbier nach dem anderen bringen. Schließlich habe ich Geburtstag.

Wider Erwarten überlebe ich den Flug. Schnell noch einen Stapel Einreisedokumente ausgefüllt. Gleich wird das unvergleichliche Rio de Janeiro im gleißenden Sonnenlicht vor mir liegen, tropische Vögel mich mit ihren exotischen Melodien becircen, das Empfangskomitee wartet mit Cachaca und Limonen, Sambatänzerinnen ...

Klarer Fall von "denkste": Rio blinzelt trüb durch eine graue Wolkensuppe, das nach nur 40 Minuten am Rollband eintreffende Gepäck ist wegen eines heftigen Schauers pitschnass, die Geldwechsler am Airport erweisen sich als skrupellose Mafiosi. Doch mein Glück naht in Gestalt von Dave Hardy aus Essex/England. Dieser baumlange Mensch sticht plötzlich auf mich zu, spricht mich auf mein PokerStars-Shirt an - und alles wird gut. Wir beschließen ein Taxi zu teilen. Als der Taxifahrer zunächst mal eine Summe von uns fordert, für die man auch in Deutschland einen gebrauchten Mittelklassewagen erstehen könnte, greift Dave ein. In offenbar makellosem Portugiesisch erklärt er dem Driver knapp, was Sache ist. Der Mann steht nun mit heruntergeklappter Kinnlade da, akzeptiert ohne das leiseste Murren Daves Preisvorschlag und ab geht die wilde Fahrt.

Während Dave mir von seinen Jobs auf diversen Ölbohrplattformen und von seinen beiden gewonnenen LAPT-Tickets (Brasilien UND Costa Rica) erzählt, hinterlässt Rio bei mir seine ersten Eindrücke als eine dubios stinkende, hoffnungslos überfüllte und nach keinerlei städtebaulichen Richtlinien hingeklotzte Megametropole (Achtung, Rio-Fans: Das war nur der ERSTE Eindruck). Leichtes Aufatmen, als wir nach rasender Taxifahrt mit 120 Sachen - in Rio gilt innerstädtisch auf den wichtigsten Hauptverkehrsstraßen Tempo 90 - mehr oder weniger vertrautes Terrain erreichen: So ein Interconti hat schon was: Gute alte amerikanische 60er-Jahre-Betonkasten-Qualität, weltweit mit hohem Wiedererkunngswert. Leicht angestaubt, aber megasolide. Das Hotel Intercontinental Rio de Janeiro verfügt noch dazu über ein unglaublich riesiges Areal mit unzähligen Pools, Tenniscourts und einem Golfplatz, eingebettet in eine wirklich beeindruckende Landschaft.

Auch das Zimmer im elften Stock kann sich sehen lassen. Besonders beeindruckend der Wasserdruck, der einem da aus der Dusche entgegendonnert. Die Niagara-Fälle müssen ein dagegen lahmes Rinnsal sein. Frisch gepflegt kann die Abendgestaltung beginnen. Ich treffe mich mit Dave und zwei erwartungsgemäß völlig durchgeknallten Iren an der Bar. Die Caipirinhas fließen in Strömen. Man hat ja nicht gar so oft Geburtstag ...

Wie gut, dass ich Kopfschmerztabletten mitgenommen habe, denn am nächsten Tag erwache ich in einer Art Paralleluniversum: Das Meer wogt tief unter mir, über mir droht ein steingrauer Himmel, Regentropfen klatschen auf den Balkon, wüste grün bemooste Berge thronen hinter seltsam hohen Gebäuden und im Fernsehen sprechen sie portugiesisch. Also, Hamburg kann das nicht sein, auch wenn das Wetter auf den ersten Blick frappierend ähnlich ist. Der Caipi-Nebel lichtet sich langsam. Frühstückszeit. Allmählich erschließt sich mir die freundliche Seite Brasiliens. Das Büfett bordet regelrecht über. Vollveganer Daniel Negreanu würde glänzende Augen bekommen. Ortsübliche Früchte und Cerealien in allen Varianten. Erstmals in meinem irdischen Dasein darf ich eine frische Passionsfrucht (Maracuja) zu mir nehmen, dazu gibt's Papayas, Melonen, Ananas etc. satt.

Derart vitamingepimpt unternehme ich einen ersten Ausflug zu den Poker-Facilities im Hotel. Jeder einzelne Raum in diesem Haus, inklusive der Aufzüge, wird von mindestens einem drohend blickenden schwarzen Sheriff in voller Montur bewacht. Mein PokerStars-Jäckchen wirkt aber Wunder. Man hält mich wohl für wichtig, ohne Probleme kann ich mein Sightseeing fortsetzen. Es finden sich ideale Voraussetzungen für ein großes Pokerturnier. Alles ist sehr sinnvoll gegliedert, gerade werden die Tische geliefert und aufgestellt, eine Heerschar von Mitarbeitern kümmert sich um das "Layout" der Räume. Noch ein kleiner Spaziergang zu einem der verwaisten Pools - und schon wird's schon wieder dunkel. Es ist halt schon Herbst in Brasilien.

Jetzt wäre ein kleines Onlinepokerturnier nett. An der Rezeption werde ich gefragt, ob ich lieber "normales" oder "Highspeed"-Internet hätte. Logisch, dass ich die zweite Variante wähle. Ich lasse mir das Kabel aufs Zimmer bringen, plugge in und reibe erwartungsfroh die Hände. Doch schnell wird klar, was hierzulande "Highspeed" bedeutet. Schon das Log-in dauert quälend lange. Als dann endlich der Turniertisch meiner Wahl aufgeht, ist er erst mal "blank", das heißt, ich sehe einen leeren Tisch. Die Internetverbindung ist sensationelle 7,5 kb/sec. "schnell". Als endlich die Avatare auf dem Screen auftauchen, fängt mein Laptop auch schon das Bimmeln an. "Die Zeitbank wurde aktiviert" steht da. Uns so geht's weiter: Ich folde unfreiwillig Damen, obwohl ich wie ein Wilder auf die "Raise"-Taste einschlage. Die elend lagsame Connection führt schließlich dazu, dass ich langsam aber sicher ausgeblindet werde. Das Buy-in ist futsch.

Fluchend klappe ich das Notebook zu, rausche mit dem - im Gegensatz zur Internetverbindung - turboschnellen Lift in die Lobby und tue das, was ich unter diesen Umständen am Besten kann: Caipirinhas trinken. Diesmal sehr moderat, immerhin beginnt am nächsten Tag das Turnier, das an den ersten beiden Tagen auf bedenkliche zehn Levels à eine Stunde angesetzt ist. 

Das war's schon für die ersten beiden Tage meines Rio-Abenteuers. Zwei weitere Teile sind in der Pipeline, unter anderem geht es dabei um - jawohl - Poker, um zehn BB-Raises mit 27 offsuit, um die Frage, wie man möglichst schnell 200 brasilianische Reais verdonkt, um wüste Schreie im Luxushotel, schlimme Suck-outs und einen überraschenden Brand mit echtem Feuer.

Teil zwei demnächst an dieser Stelle!

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