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/Mai/2008

LAPT Rio, Tag drei: Der Rebuy-Donk

Von: team-de @ 16:17 (CEST) / 1 / Kommentar ( 119 )

 Hier ist Teil drei des Rio-Blogs. Die Teile eins und zwei solltet ihr eventuell schon gelesen haben.

Auf vielfachen Wunsch noch ein paar bizarre, äh, pittoreske Pics aus der brasilianischen Metropole ...

... Also nippe ich an meinem bayerischen Weizen, Mindeshaltbarkeitsdatum: 15.6.08, aber o.k. Ich checke meinen Table. Ausschließlich Südamerikaner. Brasilien, Costa Rica, Argentinien, alles vertreten. Viele Gesichter, die ich auch schon an den LAPT-Tischen gesehen hatte. Ich sitze dem Dealer gegenüber. Er hatte auch bei der LAPT Rio ausgeteilt und sieht aus, als hätte er 14 Tage nicht geschlafen. Rechts neben mir - wie erwähnt - Eduardo, der den Final Table im Interconti als letzter Brasilianer im Feld erreicht hatte. Gut ausgeschlafen und reich. Das kann ja heiter werden.

Das Spiel beginnt mit einem obligatorischen Rebuy. 6.000 Chips für 100 brasilianische Reais. Blinds: 50/50, dann 50/100. Levels dauern 15 Minuten. Ich folde zunächst viel. Dann versuche ich mein Glück mit . Raise auf 250 vom Cut-off. Fold. Small Blind foldet. Big Blind callt.

Flop . Raise in Potsize. Reraise-All-in. Ich überlege kurz. Call. Er zeigt lächelnd , es kommt nichts mehr und er schlichtet all meine schönen Chips auf den Stapel. Doppelter Rebuy, por favor, und noch so ein turbogekühltes Winterweizen.

Hübsch geordnet liegen die 6.000 vor mir, sechs schwarze Tausenderchips. Drei Hände lang.

Dann erspechte ich . Ich sitze in mittlerer Position. Im Big Blind sitzt dieser Herr:

Sein Onlinenick ist Lico01, angeblich heißt er in Wirklichkeit Salim Dahrug. Feist sitzt er in seinen Stuhl eingeklemmt. Seine Uhr ist so groß wie eine Thunfischdose, er trägt ein Cap, Goldkettchen, ein ausgesucht geschmackloses T-Shirt und sorgfältig verdreckte Jeans. Nach jedem gewonnenen Pot springt er auf, jubelt lauthals auf Brasilianisch los und zeigt seinem Gegner eine lange Nase. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mindestens fünf Rebuys getätigt, fünf weitere sollten noch folgen. Einmal war er wieder all-in gegangen, alle folden, inklusive mir (). Dann dreht der Widerling doch auch noch sein um. Rache.

Mit meinen beiden Jungs glaube ich, diese Rachehand vor mir liegen zu haben. Ich habe meine frischen sechs Tausender, er hat im Moment 2,4 k, also mal Raise auf 1.200. Natürlich callt er. Flop: . Um ihn zu locken, checke ich nur. Natürlich geht er all-in. Er dreht um. Hab ich dich. Turn: . Und natürlich flattert auf dem River ein herein. Innerlich bin ich vor dem Ausflippen, aber ich drohe ihm nur mit dem Finger, wie einem Fünfjährigen. Natürlich lacht er mich aus.

Nur zwei Hände später verdreifache ich mit gegen und . Dann geht es langsam und erfreulich aufwärts. Vor dem letzten Spiel vor Ende der Rebuy-Frist habe ich 14k und sitze mit einem fetten im Big Blind. Ich spiele slow und habe am Ende plötzlich 28k. Die hübsche Blondine (?) aus Rio schräg gegenüber hatte gemeint, mit callen zu müssen. Immer noch besser als so mancher Spieler am Tisch, der für eine Bombenhand hält und fleißig schwarze Chips in die Mitte bugsiert.

Die erste Stunde ist vorbei und ich bin auf einmal Chipleader in einem wirklich fiesen Feld. Sogar der Herr Henriques - immer noch rechts von mir - ist beeindruckt und reduziert seine kleinen Sarkasmen.

Tableswitch. Der Fiesling verschwindet an einen anderen Tisch. Eduardo bleibt neben mir sitzen. Pech für ihn. In der dritten Hand nach Ende der Rebuy-Phase finde ich und wage wegen meines guten Tableimages ein Minraise UTG. Außer Eduardo (Big Blind) callt niemand. Flop: . Ich raise um Potsize. Eduardo geht all-in. Uff. Zwar kann ich ihn locker covern, aber der Typ hat bei der LAPT gerade eben eine ganze PokerStars-Armee rausgedonnert. Egal, Top Pair. Call. Er lächelt und dreht um. Open Ender. Das Board komplettiert sich mit zwei Dreien. Ich habe Eduardo eliminiert, er steht auf und gibt mir die Hand. 34k.

Ich spiele weiter tight und habe beim nächsten Tischwechsel immer noch 29k, bin knapp vorn. Mir gegenüber sitzt jetzt der wüste Kollege Jonas. Der Poker spielende Journalist aus Kopenhagen hat es fertiggebracht, seiner Zeitung "Ekstrabladet" anlässlich der EPT eine 24-seitige Sonderbeilage ins Knie zu schrauben, die er dann völlig allein geschrieben hat. Er hat in Rio LAPT gespielt, aber nicht recht erfolgreich. Er hat aber noch längst nicht genug.

Er raist häuftig over-the-top, wenn er Suited Connectors hält, habe ich beobachtet. Diesmal raist er sogar UTG auf drei BB. Und ich halte . Was hat der Kerl? Bestimmt wieder mal höchstens . Reraise. Ich setze ihn all-in. Als er meine Zehnen sieht, lacht er auf und knallt zwei Damen auf dem Tisch. Das Board hätte sich die Dealerin komplett sparen können.

Machen wir's kurz: Von diesem Grind habe ich mich nicht mehr erholt. Dann fand ich und warf bei Blinds von 800/1.600 am Button meine letzten 8.000 Chips in die Mitte. Raise or Fold, wenn du shortstacked bist, sagt die schlaue Katja immer …

Sofortiges Reraise direkt hinter mir, Small Blind geht all-in und zeigt . Schluck.

Flop: . Jaaaa. Turn: . River: . Gute Nacht, allerseits. Als Elfter raus, bezahlt wurden sechs Plätze. Suboptimal.

Ich schicke den Hausboy wieder weg, der mir ein weiteres Weizenbier bringen will, um in den Genuss des maßlosen Trinkgelds zu kommen. Warte noch ein paar Minuten, bis Howard und Jonas ebenfalls rausgeflogen sind. Wir rufen ein Taxi. Auf der erstaunlich ereignislosen Rückfahrt nachts um drei Uhr (der Fahrer wollte uns nicht ein einziges Plüschbärchen oder eine Mausefalle noch dergleichen verkaufen) diskutieren wir wechselseitig sicke Hände und landen wohlbehalten wieder im Interconti.

Dort treffe ich überraschenderweise PokerStars-Pro André Akkari, der gerade mit der rechten Hand ein $27-Onlineturnier auf seinem Laptop zockt. Er ist Sechster in einem ehemaligen Feld von ca. 2.500. 40 sind noch übrig. Er ist fett itm. Mit der linken Hand spielt er ein Livegame. Chinese Poker. Zum ersten Mal in seinem Leben, versichert er mir treuherzig. So sieht’s auch aus. André hätte wohl in dieser Nacht Haus und Hof verzockt, wenn die Chinese-Punkte besser dotiert gewesen wären. Online verblüfft er mich. Foldet in der einen Hand gegen ein Minraise, erhöht dann kräftig mit , um die Hand nach einem Reraise wieder aufzugeben …

Als ich ins Bett gehe, hat André bereits $4.000 sicher. Die Verluste vom Chinese Poker muss er allerdings davon abziehen.

Im Taxi zum internationalen Flughafen von Rio (Foto unten) versucht mir der Fahrer ein 3-CD-Set mit Songs von Astrud Gilberto anzudrehen. Ich verharre schweigend.

Der Rückflug verläuft  wie der Hinflug, nur in umgekehrter Reihenfolge.

Zurück auf dem Hamburger Flughafen finde ich dieses interessante Fotomotiv.

In der Zeitung stand über diesen Vorfall kein Wort. Wird wohl ein Strohfeuer gewesen sein. Oder brandheiße Karten …

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