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/Mai/2008

LAPT Rio, Teil zwei: Hallo ... Taxi!

Von: team-de @ 16:04 (CEST) / 27 / Kommentar ( 107 )

Willkommen zurück in Rio, das ist die Fortsetzung von Teil eins.

Ich bestelle mir also so ein Schnaps-Limonen-Gemisch, da sehe ich ein paar Meter entfernt eine Person, die mir entfernt bekannt vorkommt. Bud Spencer? Helmut Kohl? Nein, der würde nicht so extravagante Hütchen tragen. Klick. Es ist natürlich der nette Greg Raymer, der da eben ins Hotel eincheckt. Ein richtig schöner Anblick (rechts steht Gavin Griffin) ...

 

Ich mache mich auf zur tradtionellen PokerStars-Welcomeparty. Wie üblich fehlt es an nichts. Erlesene Alkoholika werden gereicht. Angesichts der Ereignisse am Vortag konzentriere ich mich auf den brasilianischen Softdrink Nummer eins, Guaraná, hier zuckerfrei in Dosen kredenzt. Mmmmhhhh ... Wer das in Europa einführt, wird wahrscheinlich Zilliardär. Dazu gibt's leckerstes Essen in Hülle und Fülle. Auf ausdrücklichen Wunsch von Jan 50Outs ("das könnte ich dreimal am Tag essen") konfrontiere ich meinen Gaumen erstmals mit Churrasco und Rodizio, das ist gegrilltes Rindfleisch mit Würzkräutern und diversen Beilagen. Es schmeckt tatsächlich super. Was der Chef sagt ...

 

Die Poker-VIPs geben sich bei dieser Party die Klinke in die Hand: Raymer und Chris Moneymaker werden ungefähr 100-mal zu "gemeinsamen Fotos" gebeten, Gavin Griffin schaut sich noch ein bisschen schüchtern in den ausladenden Räumlichkeiten um, Isabelle Mercier plaudert mit alten Bekannten, die vielen Qualifikanten wieseln stolz wie Harry in ihren neuen PokerStars-Shirts durch den weitläufigen Raum. Auf der Bühne brasilianische Folklore satt. Trommelcombos meet Samba (Foto oben ...) und Salsa. Das Publikum tanzt zaghaft mit. Ich filme das Ganze und stelle fest, dass es für 'nen guten Streifen schon ganz schön dunkel ist. Nach der Veranstaltung gehe ich aufs Zimmer und versuche es noch mal mit dem Internet. Siehe da: 65 kb/sec. - eine deutliche Verbesserung. Ich melde mich für ein schnelles Sit'n'Go an und siehe da: Es funktioniert. In der 21. Hand wird ein Traum wahr. Ich halte im Big Blind. Raise aus mittlerer Position auf drei BB, Call, Call. Bei solchen Odds calle ich natürlich auch. Flop: . Immerhin ein Open-Ender mit Backdoor-Flushdraw. Turn: . Jetzt wird's interessant. Die Draws sind zu verlockend. Ich calle zwei weitere Erhöhungen. River: . Ich brauche ein paar Sekunden, um es zu realisieren. Mein allererster Royal Flush in einem Onlineturnier überhaupt. Fassungslos vor Glück registriere ich, dass meine beiden Kontrahenten das Spiel mit Raise und Reraise eröffnen. Das leichteste All-in der Welt. Call, Call. Der eine Mitspieler hielt ernstlich , der andere hatte die beiden restlichen Damen.

Ich sitze nun also am Final Table und habe den klaren Chiplead. Nur drei Hände später wundere ich mich, warum der Spieler UTG so lange braucht. Dann die Gewissheit: "Verbindungsaufbau läuft". Die verdammte Leitung im Interconti ist mal wieder zusammengebrochen und macht auch keinerlei Anstalten, sich wiederherstellen zu lassen. Fluchend lasse ich mich aufs Bett fallen. Ich träume in dieser Nacht von Implied Potodds, von einem Royal Flush und wie ich einen brasilianischen Telekommunikationsmanager mit derben Worten auf sein komplettes Versagen hinweise und ihn mit bloßer Hand eine Internet-Connection knüpfen lasse ...

Tags darauf beginnt das historische erste LAPT-Turnier, das bislang größte einschlägige Ereignis auf brasilianischem Boden. Ich will euch nicht langweilen, alle Details zu Tag eins gibt's hier, alles zu Tag zwei hier und eine Zusammenfassung nach dem Finaltag hier.

Während des Turniers verbesserte sich das Wetter eklatant: Sonne, 26 Grad, überfüllte Strände, überall bestens gelaunte Brasilianer. Nur wir Pokerfreaks verbringen die herrlichen Tage in fensterlosen Räumen, lauschen statt dem Rauschen des Atlantiks dem Klicken der Chips und beschäftigen uns mit "sicken" Händen.

Klar, dass man auf diese Weise wenig von der dampfenden Riesenmetropole mitbekommt. Mein einziger kleiner Ausflug hatte mich in die "Fashion Mall"geführt, ein relativ nahe gelegenes Einkaufscenter. Es folgte die schnelle Erkenntnis, dass man hier nur reingehen sollte, wenn man vorher bei der LAPT kräftig gecasht hat. Nichts als Hofapotheken. Die Preise können durchaus mit Tokio, Kopenhagen und Hamburg mithalten. Globalisierung macht's möglich.

Nach drei vollen Tagen Poker-Berichterstattung ohne Ende juckt es einen dann selbst schon gehörig in den Fingern. Umso willkommener war mir das Gerücht, am Abend würde irgendwo ein flottes, gutes Turnier stattfinden. Buy-in: 100 Reais (also ca. €40) - alles hübsch im Rahmen. Jonas, ein pokerbesessener Kollege aus Dänemark, nimmt die Sache in die Hand. Howard aus England und ein Holländer, dessen Name hier auf besonderen Wunsch nicht genannt werden soll, sind ebenfalls Feuer und Flamme. Wir chartern ein Taxi. Jonas hat inzwischen ausfindig gemacht, das Turnier werde um 22 Uhr in einem vornehmen Bridgeklub beginnen. Unser Taxifahrer lässt sich schnell noch von einem Kollegen den Weg erklären, auf geht's. Ich darf auf dem Vordersitz Platz nehmen, die drei internationalen Kollegen quetschen sich hinten rein. Sie werden schon gewusst haben, warum: Auf der etwa neun Kilometer langen Strecke zum Bridgeklub nahe der Copacabana versucht mir unser Fahrer unter anderem zu verkaufen:

* ein 3-CD-Set mit ollen Jazz- und Swing-Kamellen aus den 50er-Jahren

* einen Bilderbogen mit den abgeschmacktesten Sehenswürdigen von Rio de Janeiro

* eine "Chica" namens Marina (nein, keine Banane). Mein Portugiesisch ist zu schlecht, möglicherweise hat es sich bei Marina sogar um die unverheiratete Tochter des Fahrers gehandelt.

* einen Paraglider-Flug. Um mir den ins Knie zu schrauben, zieht er aus dem Handschuhfach ein weiteres Bilderalbum heraus. 16 Fotos zeigen ihn bei einem Tandemflug über dem Zuckerhut. Ich würde ja auch einen Sonderpreis bekommen: zehn Minuten 200 Reais oder so.

Ich behaupte, ich hätte grauenhafte Flugangst. Er überlegt noch kurz, was er mir noch alles verchecken könnte, aber Gott sei Dank haben wir inzwischen den Klub erreicht. Dort empfängt uns ein Hausmeister, der uns ohne Umschweife mitteilt, irgendwann würde hier ein Cashgame beginnen, und uns fragt, ob wir denn überhaupt Geld hätten.

Wir sind definitiv falsch. Hektisch kramt Jonas sein Handy aus der Tasche und vertelefoniert in den folgenden Minuten mindestens $20 Roaming-Gebühren. Dem Holländer dauert das alles zu lange, er hat in der Nähe ein Etablissement entdeckt, das unsereins nicht mal im Taucheranzug  besuchen würde. Er aber hat keine Angst vor Ansteckung, Raub und Tod. Unsere niederländischen Nachbarn sind eben abgebrühter als wir. Tschüss, und weg ist er.

 

Der verbliebene Rest macht sich auf nach Ipanema, dort soll nun das tolle Turnier stattfinden. Wir fahren also wieder los, wieder um die zehn Kilometer. Unser neuer Taxifahrer will Jonas, der nun auf dem Vordersitz Platz genommen hat, nacheinander ein Ronaldinho-Trikot, eine Flasche Schnaps und eine Designer-Sonnenbrille andrehen. Jonas bleibt aber standhaft. Die Umgebung wird immer fragwürdiger. Wir rauschen durch ein düsteres Stadtviertel, das in etwa so anmutet, als führe es direkt in die Vorhölle. Stattdessen landen wir vor einer Schranke, an der ein resoluter Mann steht. Poker? Da lang. Er zeigt auf eine sehr steile Anhöhe hinter der Schranke. Wir fahren nochmal 500 Meter, dann schafft das altersschwache Taxi die Steigung nicht mehr. Wir zahlen den armen Fahrer großzügig aus und gehen auf eine kleine Bergsteigertour, ehe wir vor einem mehrstöckigen viereckigen kleinen Haus stehen. Der legendäre legale Pokerklub von Rio. Als wir drin sind, erwarten uns fast nur bekannte Gesichter: Sämtliche Dealer waren auch auf der LAPT vertreten und die Spieler auch. Auf uns wartet die Elite der brasilianischen Poker-Pros, darunter auch Eduardo Henriques, der bei der LAPT am Vortag durch seinen fünften Platz schlappe $47.000 gecasht hatte (auf unserem Foto oben konnte er noch jubeln ...). Und, OMG, der sitzt auch noch an meinem Tisch, mit Position auf mich ...

Dazu handelt es sich um ein Turnier mit unlimited Rebuys (jeweils 50 Reais) und es gibt - ich kann es kaum fassen - ein Getränk namens "Schneider Winterweiben". Es entpuppt sich als deutsches Weizenbier (mit Eiswürfeln serviert). Einen kühlen Schluck genommen und MEIN erstes Liveturnier auf brasilianischem Boden kann beginnen ...

Teil drei folgt nach den Pfingstfeiertagen. Wer bis jetzt auf 10-BB-Raises mit , wüste Suck-outs und den Brand mit echtem Feuer gewartet hat, wird im dritten Teil befriedigt ...

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