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/Okt/2008

Metagame

Von: team-de @ 22:17 (CEST) / 18 / Kommentar ( 60 )

Zunächst möchte ich zwei Hände unkommentiert vorstellen. Was diese mit dem Thema zu tun haben, erkläre ich später.

Hand 1: 10/20 Limit Hold'em. Live-Cashgame, die Gegner sind tight und nicht sehr aggressiv.
Hero hält in mittlerer Position. Ein Gegner in früher Position callt. Hero erhöht und zwei Gegner in später Position und der Spieler, der bereits gecallt hatte, gehen mit.
Flop: , neun SB im Pot. Der erste Spieler checkt, Hero wettet, ein Gegner geht mit und die anderen passen.
Turn: , 5,5 BB Im Pot. Hero wettet, der Gegner erhöht und Hero passt.

Hand 2: 5/10 No-Limit online.
Hero ist auf dem Button und alle passen zu ihm. Er erhöht mit und einem 100-BB-Stack auf drei BB. Der Big Blind hat einen 60-BB-Stack und callt.
Flop: , sechs BB im Pot. Der Big Blind checkt, Hero setzt vier BB, der Gegner erhöht auf 16 BB und Hero passt.

Die erste Hand stammt übrigens aus dem Buch "Middle Limit Hold'em" von Bob Ciaffone und Jim Brier (1. Auflage, Seite 181). Hand zwei stammt aus meinen letzten beiden Blogeinträgen (Teil 1, Teil 2), allerdings in leicht abgewandelter Form. Im Original wurde nicht am Flop gepasst.
Beide Hände sind gut gespielt, falls man entsprechende Informationen über die Spielweise der Gegner hat. Glaubt man jeweils, dass der Gegner den Raise nur mit Two Pair oder Set macht und fast nie mit einem Paar, einem Draw oder als Bluff, ist es vollkommen vertretbar zu passen. Allerdings nur dann. Hat man keine oder wenig Informationen, ist es in beiden Fällen keine gute Idee zu folden. Und genau das führt uns zum Metagame. Das beschäftigt sich nämlich mit der Frage, wie die Spielweise einer bestimmten Hand sich auf die Profitabilität anderer Hände auswirkt und umgekehrt. Erhöht man beispielsweise bei No-Limit mit vor dem Flop immer auf 3,5 BB und mit anderen Händen auf drei BB, ist das eine sehr schlechte Strategie, obwohl alle Einzelbestandteile für sich betrachtet in Ordnung sind. Weiß allerdings ein Gegner, dass man mit keiner Hand außer auf 3,5 BB erhöht, weiß dieser bei einem entsprechenden Raise genau, welche Karten man hält.
So wie die beiden oben beschriebenen Hände gespielt sind, gibt es ebenfalls ein Problem: Die Bluffs der Gegner sind extrem profitabel. Falls die Gegner dies merken sollten und ihr Spiel entsprechend anpassen (oder einfach gern bluffen), kann das für uns, bzw. "Hero" sehr teuer werden. Sehen kann man dies, wenn man sich nicht nur die Hand anschaut, die man tatsächlich hält, sondern auch die, die man aus der Sicht des Gegners halten könnte. Nehmen wir an, dass wir in Hand 1 nur und bis zu der Wette am Turn so spielen wie beschrieben. In Hand 2 können wir möglicherweise nach dem Continuation-Bet am Flop fast alles haben, beispielsweise , ein Pocketpair, und so weiter. Würden wir in der ersten Hand nur mit weiterspielen und in Hand 2 mit zwei Paaren oder besser und einigen Draws, folden wir gegen den jeweiligen Raise fast immer. In der ersten Hand läßt sich sogar mit überschaubarem Aufwand berechnen, wie groß der Erwartungswert eines Bluffs ist, wenn Hero nur oder halten kann und gegen einen Raise foldet: Hero passt mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 % (es gibt drei AA- und zwölf AK-Kombinationen). Der Gegner riskiert zwei BB, um 6,5 BB zu gewinnen. Damit ist der Erwartungswert 0,8 x 6,5 - 0,2 x 2 = 4,8 BB. Der Gegner gewinnt also mit einem totalen Bluff im Durchschnitt 4,8 Big Bets - unglaublich viel für Limit Hold'em! Wenn er weiß, dass Hero so tight spielt, könnte er schon vor dem Flop und auf dem Flop mit sehr schwachen Händen mitgehen, nur um am Turn einen extrem profitablen Bluff zu machen. Spielt man seine Hände also so, wie in den beiden Beispielen am Anfang dieses Beitrags, kann zunächst alles O.K. sein. Sobald die Gegner allerdings herausfinden, wie man spielt, wird man am Tisch untergehen. Das ist auch der Grund, warum LAGs ( = loose-aggressive Spieler) gegen TAGs (tight-aggressive Spieler) sehr gut abschneiten, falls die TAGs ihre Spielweisen nicht anpassen. Das Buch von Ciaffone und Brier finde ich übrigens nicht empfehlenswert, weil es sehr gefährlich sein kann, die extrem tighte Spielweise, die darin empfohlen wird, zu benutzen.

<hr />

Ich bin übrigens gerade zum Kurzurlaub in Dänemark. Nach meinem Aufenthalt in Las Vegas habe ich ja geschrieben, es sei gewöhnungsbedürftig, dass es in Hamburg nachts dunkel wird. Aber hier wird es richtig dunkel. Keine Straßenlaternen (ist eine winzige Ferienhaussiedlung hier) und Mond oder Sterne leuchten wegen dichter Bewölkung auch nicht. Leider trifft es der Ausdruck dunkel werden auch nicht so ganz. Tagsüber ist es nämlich nicht gerade hell. Und hier im Haus gibt es nur ganz üble Funzeln. Deshalb habe ich sogar schon einen Lampenschirm (der sehr viel Licht geschluckt hat) abmontiert, um wenigstens ordentlich lesen zu können.

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