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/Apr/2008

Plan

Von: team-de @ 20:47 (CEST) / 57 / Kommentar ( 92 )

 Es ist besser, den falschen Plan zu haben, als gar keinen. Das hat mein Schachtrainer gesagt, zwar nicht über Poker, sondern über ... Schach. Gilt aber trotzdem für beide Spiele.

Beispiel (Gedanken des Protagonisten sind kursiv dargestellt):
Hero sitzt im BB mit 3.000 Chips, hält , 50/100-Blinds. Unbekannter Gegner erhöht auf 300 im CO (Stack ebenfalls 3.000). A6, keine großartige Hand, aber auch nicht schlecht. Kostet ja auch nur 200 Chips. Also Call.

Flop: , 650-Pot.
Ein guter Flop. Top Pair. Allerdings könnte ich hinten liegen, insbesondere gegen ein mit höherem Kicker. Also wette ich, um zu sehen, wo ich stehe. Hero wettet 300. CO erhöht auf 900. Hmmm, mein Gegner scheint wirklich etwas zu haben. Möglicherweise aber auch einen Gutshot, ein Second Pair oder er blufft einfach. Ich habe noch ganz gute Chancen, vorn zu liegen. Call.

Turn: , 2.450-Pot.
Hero checkt, Villain wettet 1.000. Der war keine gute Karte. Sie hilft mir nicht, dem Gegner aber möglicherweise schon. Aber ich habe immernoch Top Pair und bekomme gute Odds. Call.

River: , 4.450 Pot.
Hero checkt, Villain geht für 800 Chips all-in. Mist. Keine getroffen. Mein Gegner hat in der Hand nur Stärke gezeigt und scheint sich seiner Sache sehr sicher. Mein Kicker ist schwach. Fold.

Die Gedanken des traurigen Helden dieser Hand sehen vielleicht zunächst einleuchtend aus. Trotzdem hätte er kaum schlechter spielen können. In jeder Situation hat er die falsche Entscheidung getroffen: Preflop hätte er folden, den Flop nicht wetten, gegen den Raise folden, am Turn folden und am River callen sollen. Das Problem ist, dass der Spieler nie daran gedacht hat, was im weiteren Verlauf der Hand passieren könnte. Nur einmal entwirft er so etwas wie einen Plan (Am Flop: Ein guter Flop. Top Pair. Allerdings könnte ich hinten liegen, insbesondere gegen ein mit höherem Kicker. Also wette ich, um zu sehen, wo ich stehe). Dieser wird allerdings nicht umgesetzt.
Möglich wären am Flop zum Beispiel diese Pläne gewesen:
a) Meine Hand ist nicht schlecht, allerdings kann es gut sein, dass ich hinten liege und nur drei Outs habe. Also wette ich einmal und bin mit der Hand ansonsten durch.
b) Ich habe nur einen Gegner und immerhin Top Pair. Das Blatt ist mir stark genug, ich versuche, um alle meine Chips zu spielen.
c) Es ist unklar, ob ich vorn liege, aber falls ja, hat mein Gegner wenig Outs. Ich checke und schaue, was passiert. Eine kleine Wette kann ich callen oder selbst ca. 400 wetten, falls CO ebenfalls checkt. Weitere Chips möchte ich danach aber nicht investieren.

Am besten wäre wohl ein Fold preflop gewesen. Von den Plänen am Flop gefällt mir c) am besten, dicht gefolgt von a). b) scheint mir ein klarer Fehler zu sein. Bemerkenswert ist aber, dass alle Pläne besser sind als die Spielweise unseres Protagonisten.

Die Entwicklung eines Plans steht auch in der Hand aus meinem letzten Beitrag im Vordergrund.

Zur Erinnerung:
Gespielt wurde $1/$3-No-Limit-Hold'em im Palms, Las Vegas. Ich selbst war nicht am Geschehen beteiligt; Die Hand wird aus der Sicht eines guten und aggressiven Regulars geschildert. Wir sind seit ca. 30 Minuten am Tisch.

Sechs Spieler. UTG erhöht auf $6 (Minraise). Wir erhöhen auf $21 mit . Alle anderen Spieler folden und UTG callt.

Der Gegner hat noch eine Stack von $130. Wir haben $400. UTG macht einen loosen und passiven Eindruck. Der Minraise ist der erste, den wir an diesem Tisch beobachtet haben.

Flop: , Pot: $45.
UTG wettet $30. Wir callen.

Turn: , Pot: $105
UTG geht mit $95 all-in. Hero ...

Die Meinungen über die richtige Entscheidung am Turn sind geteilt. Ungefähr die Hälfte der Antwortenden bevorzugt einen Call, die andere Hälfte einen Fold. Es scheint sich also wirklich um eine schwierige und umstrittene Situation zu handeln.

Statt direkt über den Turn zu schreiben, möchte ich hauptsächlich den Beginn der Hand analysieren.

Preflop hat man mehrere Möglichkeiten, die auch wirklich in Frage kommen. Hier die Optionen mit groben Plänen, die sich anbieten: 1. Fold: Damit ist die Hand beendet und ein Plan ist natürlich nicht mehr notwendig.
2. Call: Wir investieren nur wenig Geld und können flexibel reagieren. Treffen wir einen sehr guten Flop (zwei Paare oder besser), versuchen wir zu verdoppeln. Mit Top Pair können wir vorsichtig weiterspielen und notfalls folden, ohne viel dabei zu verlieren.
3. Raise: Dies isoliert oft den Minraiser und baut einen großen Pot auf. Wenn wir den Flop ordentlich treffen (Top Pair) spielen wir, falls möglich, um alle unsere Chips.

Nicht sinnvoll ist es, erst den Pot groß aufzubauen und dann sehr vorsichtig weiterzuspielen, weil man dabei ein  zu hohes Risiko eingeht, die bessere Hand zu folden (wenn man nur wenig Chips vor dem Flop einsetzt, ist es viel weniger schlimm, sein Blatt wegzuwerfen, obwohl man vorn liegt). Schlecht ist es ebenfalls, einfach zu callen/raisen, ohne sich Gedanken zu machen, wie es weitergehen könnte. Durch die Erhöhung vor dem Flop legt man also schon den Grundstein für ein späteres All-in, falls das Board gut ist. Durch den Call am Flop wird der Pot noch weiter aufgebaut und ist ein logischer Schritt zum All-in. Also würde ich am Turn mitgehen. Ein Push direkt am Flop kommt auch in Frage und hätte mir noch etwas besser gefallen. Beides nimmt sich aber meiner Meinung nach nicht viel.

Mindestens zwei Posts bringen meinen Gedankengang auf den Punkt und haben mir deshalb besonders gut gefallen:
"chaissa" schreibt: "Hallo, ich denke mal, da gibt es nicht viel zu überlegen. Wenn wir preflop erhöhen und dann Top Pair und guten Kicker trefen, müssen wir auch den Turn callen. Der Call auf dem Flop war ein Anfüttern, um den Rest-Stack des Gegners einzusammeln."
"Adichu" äußert sich ähnlich: "Konsequent wäre hier sicherlich ein Call. Mit AQ preflop reraisen und man trifft am Flop, ist doch sicherlich EXAKT das, was man will. [...]"

Die Hand ging übrigens so aus: Hero foldet. Der Gegner zeigt freiwillig seine Karten () für Top Pair mit besserem Kicker. Das Ergebnis sollte die Analyse nicht beeinflussen. Man muss immer von den Informaionen ausgehen, die man zum Zeitpunkt der Entscheidung zur Verfügung hatte.

Fazit: Es ist immer wichtig, einen Plan zu haben. Dieser hilft, auch schwere Entscheidungen vorherzusehen und Fehler zu vermeiden.

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