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/Sep/2008

Tells: Reading Joe Hachem

Von: team-de @ 20:42 (CEST) / 7576 / Kommentar ( 146 )

Tells sind ... *Trommelwirbel* ... online weit weniger wichtig als live. Wer hätte das gedacht? Trotzdem gibt es einige wenige Möglichkeiten, sich auch online Tells zunutze zu machen. Über diese werde ich zunächst schreiben. Im zweiten Teil dieses Eintrags, geht es dann um ein paar Situationen, in denen ich versucht habe, meinen Gegnern Tells abzuringen.

Tells online
Es gibt eigentlich nur zwei Arten von Tells: Sie haben entweder mit der Reaktionsgeschwindigkeit zu tun oder mit dem Chat. Die Höhe einer Wette sagt auch etwas über das Blatt des Gegners aus, ist aber für mich kein Tell. Das Problem mit der Reaktionsgeschwindigkeit ist, dass viele Spieler mehrere Tische spielen. Wenn ein Gegner eine längere Zeit überlegt, hat dies oftmals gar nichts mit der Hand zu tun, die man gegen ihn spielt, sondern mit einem anderen Tisch, der ihn ablenkt. Aufschlussreich ist aber manchmal eine extrem schnelle Reaktion, insbesondere wenn der Gegner einen recht großen Betrag mitgeht (relativ zum Limit und zum Pot). Dies bedeutet meiner Erfahrung nach häufig, dass er einen Draw hat und einfach hofft, seine Outs zu treffen, statt nachzudenken, ob ein Semibluff oder ein Fold nicht vielleicht besser wären. Gerade auf den niedrigen Limits kann es aber auch etwas anderes bedeuten: Manche Spieler können sich von guten Händen nicht trennen. Auch dann nicht, wenn sie das Gefühl haben, geschlagen zu sein. Stattdessen gehen sie immer blitzschnell mit, weil sie sich denken: "Ich glaube, ich bin geschlagen, aber ich kann so eine gute Hand nicht passen". So etwas passiert meistens, wenn es schwere Action gab, zum Beispiel Bet, Raise und Reraise am Flop.
Glaubt man, der Gegner hält einen Draw, ist es wichtig, am River nochmal zu setzen, falls die Karte harmlos aussieht und man gar nichts hat (zum Beispiel, wenn man selbst einen Draw hatte und der nicht gekommen ist). Hat man hingegen sowas wie Top Pair, bringt es nichts mehr, nochmal zu setzen, wenn alle Karten draußen sind: Der Gegner wird sicherlich nicht mitgehen, wenn sein Draw nicht gekommen ist. Da sollte man lieber checken und callen, falls der Gegner selbst einen Bluff versucht. Glaubt man hingegen, dass der Mitspieler eine starke Hand hält und auf jeden Fall den Showdown sehen will, sollte man viel setzen, falls man eine sehr starke Hand hat (nicht mit einer kleinen Wette versuchen, seine Hand zu "verkaufen"!) . In der Regel wird man dann ausgezahlt. Hat man allerdings nur etwas mittelmäßiges (wie Top Pair) oder einen Draw, der nicht gekommen ist, sollte man checken. Es ist sinnlos, dann nochmal zu wetten, wenn der Gegner wahrscheinlich sowieso die bessere Hand hat und mitgeht.
Der Chat ist so eine Sache. Meistens steht da wenig Sinnvolles drin, weshalb ich ihn oft nicht mehr lese. Wenn ein Spieler einen großen Pot verloren hat oder schon seit einer Weile bei ihm alles schiefgeht, schreiben manche Gegner wüste Beschimpfungen in den Chat. Das ist ziemlich unhöflich, kann einem aber auch eine wichtige Information zukommen lassen: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler auf Tilt ist, ist deutlich erhöht.

Livetells
Sitzt man seinen Gegnern tatsächlich gegenüber, gibt es natürlich potentiell sehr viele Möglichkeiten, zusätzliche Informationen zu gewinnen. Schon der erste Eindruck, den eine Person macht, gibt oft Hinweise darauf, wie jemand spielt. Ein junger Mann im Muskelshirt, mit gewaltigen Oberarmen und Tätowierung, spielt vermutlich aggressiver als ein älterer, zurückhaltender Herr. Zu weit sollte man mit solchen Verallgemeinerungen allerdings nicht gehen. In diesem Eintrag möchte ich ein paar Geschichten erzählen, in denen ich mehr oder weniger erfolgreich versucht habe, Tells aufzuschnappen.

Situation 1: Die Tellbox
Ich habe ein Sachpreisturnier gespielt, bei dem Spaß und Geselligkeit im Vordergrund standen. Dabei ist mir ein Spieler aufgefallen, der ein sehr aktives Mienenspiel hatte. Er sah oft sehr erfreut, traurig oder genervt aus, sobald eine neue Karte umgedreht wurde. Erst dachte ich, er würde das nur spielen und ein glückliches Gesicht würde bedeuten, dass er vielleicht schlechte Karten hält. Dem war aber nicht so. Jede Emotion passte perfekt zu seinen Karten. Wenn er beispielsweise gespannt aussah, am River, aber einen enttäuschten Eindruck machte, hatte er fast sicher einen Draw, der nicht getroffen hatte, und man konnte bluffen. Schade, dass es nicht um Geld ging, sonst wäre das sicherlich ein profitabler Abend geworden.

Situation 2: Schwere Entscheidung gegen Joe Hachem
Das $2.000-No-Limit-Turnier bei der diesjährigen WSOP. Joe Hachem sitzt direkt rechts von mir und erhöht UTG. Ich halte und gehe mit (die genauen Stacks und Wettgrößen weiß ich nicht mehr, diese sind für das Szenario aber auch nicht so wichtig). Der Spieler links von mir callt ebenfalls und alle anderen folden.
Flop:
Hachem macht eine relativ kleine Wette, ich gehe mit und der dritte Spieler passt.
Turn:
Hachem macht eine recht große Wette. Wenn ich jetzt mitgehe, kann ich am River auch nicht mehr passen. Also All-in oder Fold. Ich habe eine recht starke Hand, aber Hachem hat UTG preflop erhöht und nach dem Flop Stärke gezeigt. Also eine schwierige Entscheidung. Während ich überlege, versuche ich Joe in ein Gespräch zu verwickeln. Er bringt auch ein paar lustige Sprüche und wirkt ganz locker. Irgendwann fragt er den Dealer, ob er zum Mülleimer gehen dürfe, um eine Bananenschale wegzuwerfen (die Banane hatte er gerade aufgegessen). Der Dealer ist einverstanden und Joe macht sich vom Acker!
Normalerweise bedeutet ein entspanntes Auftreten, dass der Gegner nicht blufft. Es ist nämlich schwer, sich so zu geben, wenn man sehr angespannt ist. Aber Joe Hachem? Könnte auch trotzdem bluffen. Ich habe dann das gemacht, was ich sowieso gemacht hätte: gefoldet. Was er hatte, weiß ich immer noch nicht. Aber ein paar Stunden später konnte ich ihn busten, als er als Shortstack mit vom Button all-in gegangen ist und ich im Small Blind hatte.

Situation 3: Schwanken bei der WSOP
Das war wahrscheinlich der profitabelste Tell, den ich bisher gesehen habe. Es ist früh im zweiten Tag eines $2.000-No-Limit-Events bei der WSOP '07. Blinds sind 500/1.000 mit $100 Ante. Alle Spieler vor mir passen und ich halte in mittlerer Position. Die Hand ist nicht großartig, aber gut genug für einen Raise. Ich erhöhe also auf 3.000. Der Gegner im Cut-off macht einen Reraise auf 8.000 Chips und alle anderen passen. Normalerweise würde ich jetzt ganz klar folden. Aber ich will es meinem Gegner nicht zu einfach machen und warte noch ein paar Sekunden. Da sehe ich, wie sein Oberkörper ganz leicht schwankt. Die Hände sind ruhig. Ich schaue mir die Sache genau an und glaube, dass er sehr nervös ist, weil er blufft. Also gehe ich all-in. Er foldet sofort offen und zeigt und sagt "What a waste of 8.000 Chips". Phew!

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