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/Mär/2008

The Luck of the Irish

Von: team-de @ 19:39 (CET) / 231 / Kommentar ( 133 )

Über das Pokern in Dublin                                                                                                                                   

Nachdem ich ja knapp eineinhalb Jahre in Dublin gelebt habe, dachte ich, es wäre vielleicht ganz interessant, euch passend zu den Irish Poker Open ein paar Insider-Eindrücke über das Pokern in Dublin zu liefern. Man weiß ja nie, wann der nächste Besuch auf der grünen Insel ansteht, nicht wahr?

"In Dublin´s fair city, where the girls look like prostitutes..., I first set my eyes on the interior of poker institutes." (Anm.: Text des Songs "Molly Malone" leicht vom Autor dieses Blogs verändert).

Seit Juni 2007 spielte ich online bei PokerStars und fühlte mich gegen September dazu berufen, auch einmal live zu spielen. Ich wusste wenig bis gar nichts über Pokern in Casinos, das Hantieren mit Chips und echte Pokerfaces.

Also, wie sollte ich anfangen?                                                                                                                            

Ich dachte, ich müsste mich jemandem anschließen, der weiß, wie es geht, und dieser Person nur lang genug über die Schulter schauen, dann würde das schon klappen. Nun, leider kannte ich keine Pokerspieler und konnte ja auch schlecht ins nächstbeste Casino laufen und irgendwelchen Männern auf die Pelle rücken. Also wartete ich ab und hoffte. Da eines Tages ein netter Italiener gesehen hatte, dass ich auch bei Facebook Poker spiele, schrieb er mich an mit den Worten: "You´re far too good-looking to play poker!". Normalerweise hätte ich auf so eine plumpe Anmache gar nicht reagiert, aber ich sah, dass er in Dublin lebte. Hmmm ....
Also nahm ich Kontakt auf und fragte, ob er denn auch live spielen würde. Ja! Und ob er hier in Dublin gute Läden kenne? Ja! Und ob er mich denn mal mitnehmen würde, ganz unverfänglich, versteht sich? Ja!

Juhuu! Es hatte geklappt. Und es dauerte nicht lang und Simone (ja, ein Männername) und ich trafen uns für einen Pokerabend im Cool Hand Luke´s.

 

Simone spielte ein €50+€5-Double-Chance-NLHE-Turnier und ich schaute zu.

Das Cool Hand Luke´s ist ein schönes neues Casino am Merrion Square in Dublin´s City Center (bis vor kurzem war nicht einmal die Website fertig). Ich hatte mich natürlich chic angezogen, da das für mich einfach dazugehört, wenn man in ein Casino geht. Aber es war schnell klar, dass es in Irland, wie auch in den USA, beim Pokern in Casinos nicht üblich ist, auf sein Äußeres zu achten. (Es ist ja aber auch in gewisser Weise ein Vorteil für einen Pokerspieler, wenn er wirklich sehen kann, wie ein Mensch sich kleidet, wenn er die Wahl hat). Und so sah ich viele Spieler an diesem Abend in ihren üblichen (leider hier so häufigen) Jogginganzügen am Tisch sitzen. Ich selbst wurde in meinem schwarzen, tief ausgeschnittenen Kleidchen schnell für eine Kellnerin gehalten und musste mich etwas näher in Simones Nähe aufhalten, um nicht belagert zu werden.

Im Laufe des Spieles zeigte er mir fast immer seine Holecards und erklärte mir Feinheiten über Tischetikette und Regeldetails. Ich blätterte in den ausgelegten Pokermagazinen und genoss die kostenlosen Getränke (keine alkoholischen allerdings).                 

Nachdem ich vier Stunden hinter meinem neuen Pokerkumpel gesessen hatte, juckte es mich in den Fingern und ich wollte auch mal spielen. Mittlerweile waren genug Spieler rausgeflogen, dass es zur Debatte stand, ein kleines SNG zu starten. Die meisten Spieler beschäftigten sich allerdings schon mit Cashgames (übrigens fast ausschließlich Pot-Limit in Irland) und es kam nur zu einem Dreier-SNG mit zwei Dealern, die Feierabend hatten. Aber somit spielte ich mein erstes €10-Live-SNG. Ich hatte es recht schnell im Griff und wurde sogar Zweite. ... Gab natürlich kein Geld, aber der Grundstein für mein Livepokerspiel war gelegt.

Simone kam an diesem Abend (wie so oft) ins Geld mit €100 und zeigte mir noch das Casino um die Ecke, wo er meistens spielt. Der Fitzwilliams Card Club befindet sich tatsächlich nur ca. 400 m enfernt und ich warf nur einen kurzen Blick hinein. Hier wollten wir uns dann am Sonntag wiedertreffen, damit ich auch ein Turnier spielen konnte, für €30.

  Und dieses Turnier sollte ab jetzt meine Sonntagsbeschäftigung werden. Um 16.00 Uhr traf ich Simone und wir gingen zum Fitzwilliams

Ich registrierte mich und bekam meinen €10-Jeton für Roulette oder Blackjack. Das ist hier üblich, in jedem Casino bei der Registrierung €10 zum Spielen zu bekommen. Wir meldeten uns jedoch zum Turnier an. €27+€3-NLHE-Freeze-out. Ich war so furchtbar aufgeregt und es half wirklich nicht, dass mich jeder anstarrte, der auch im Saal wartete. Denn zwischen den acht Tischen im oberen Bereich des Casinos tummelten sich neben den Kellnerinnen nur zwei weitere Frauen (und die waren ca. doppelt so alt wie ich). Ich beschloss, die Fleischbeschau der Jogginganzugträger zu meinem Vorteil zu nutzen und rückte mein Dekolleté zurecht.

Das Fitzwilliams ist etwas rustikaler als das Cool Hand Luke's und erinnert einfach mehr daran, dass man sich in Dublin befindet. Jedoch bietet dieses Casino weitaus mehr Veranstaltungen, da es mit seinen ca. 15 Tischen klar im Vorteil liegt.                        

Auch hier sind die Getränke frei und man darf selbst an den Kühlschrank, während die unfreundliche Bedienung nur hin und wieder mal patzig fragt, ob man etwas trinken wolle. Also geht man lieber selbst und holt sich seine Dose Cola.

Das Turnier is "self-dealt", es gibt also keine Dealer (daher auch die geringe Fee für das Casino). An diesem Tag konnte ich zum Glück wahrheitsgemäß sagen, dass ich nicht dealen kann und so übernahm es ein erfahrener Spieler für den Tisch. Insgesamt hatten sich ca. 40 Spieler eingefunden (inkl. drei Frauen).

 Ich machte mich ganz gut und wurde 21. Für mein erstes Turnier war ich happy und freute mich, nächste Woche wiederzukommen. (In den Turnieren, die darauf folgten, wurde ich immer 12. oder Ähnliches, bis auf mein letztes Turnier im Dezember, wo ich tatsächlich im Geld landete). Einmal wurde ich sogar gestackt und spielte ein €40-Rebuy-Turnier. Hier landete ich auf dem dritten Platz von 20 Spielern und teilte mir den Gewinn von €200 mit meinem Sponsor.

Bevor ich weiter in den Casinos mein Geld verspielte, hieß es erst mal: üben! Und so traf ich mich mit Simone und einigen Bekannten von ihm zu einem Homegame, bei dem ich auch zu mischen gezwungen wurde und bald ging das mit dem Dealen auch.

Das dritte Casino, das ich kennenlernen sollte, war The Jackpot.

 

Hier gibt es Turniere ab €10! Ich hatte mich für ein €20+€3-NLHE-Freeze-out entschieden und suchte mit meinem zweiten italienischen Pokerkumpel Enrico die Location auf. Etwas mulmig war mir schon, als wir in eine kleine, abgelegene Gasse beim St.Steven´s Green Park abbogen und ich das Neon-Pokerschild sah.

 

Und zugegeben, es ist ein komischer Laden. Er ist auf zwei Gebäude aufgeteilt und nur durch schwere Stahltüren und vorbei an Türstehern kommt man hinein. In das eine Gebäude, um sich zu registrieren und in das andere, um zum Turnier zu kommen. Kaum zu fassen, dass hier EPT-Satellites gespielt werden.

Bei dem Preis war dieses Turnier natürlich auch self-dealt und die meisten Spieler hatten wohl gerade die Volljährigkeit erreicht. Mit diesen jungen Spielern (im Vergleich zu dem etwas älteren Klientel des Fitzwilliams) kam ich gar nicht klar. All-in-Rufe bei einem hohem Paar waren nicht von Seltenheit und verängstigten mich als blutigen Anfänger. Ich fing mich jedoch recht gut und blieb bis Mitternacht (dieses Turnier findet donnerstags statt und beginnt erst um 21 Uhr). Aber dann war es auch vorbei und ich war unglücklich über meine Leistung.                                           

In The Jackpot ging ich nur ein weiteres Mal, bei dem ich in der dritten Hand aus dem Turnier flog. Ich muss wenigstens bald noch mal hin, um meinen €10-Freichip im Blackjack zu spielen. Den Chip aus dem Fitzwilliams hatte ich beim Roueltte auf Schwarz gesetzt und weg war er.

Nun gut, es gibt noch zwei weitere Pokerklubs in Dublin, von denen ich viel gehört, sie aber selbst nicht genutzt habe. Der eine ist das Sporting Emporium, bei dem man für die Registrierung einmalig €20 zahlt, was tatsächlich viele Spieler abschreckt. Dieser Club befindet sich in der Nähe der berühmten Grafton Street im Stadtzentrum.

 

Das andere Casino, das scheinbar das wichtigste und einflussreichste in Dublin ist, befindet sich angeblich seit zwei Jahren im Umbau und scheint auch nicht in baldiger Zukunft fertig zu werden: Der Merrion Casino Club!

Die Tatsache, dass ich hier nicht mehr weiß, und überhaupt, dass es scheinbar keine richtigen Informationen gibt, zeigt einfach nur, dass ich hier von Dublin erzähle, der Stadt der Inkompetenz.
Aber es ist gut möglich, dass das, was einst das Merrion Square Casino war, heute das Cool Hand Luke´s ist (?!).

Das Cool Hand Luke´s lud mich und meine Freunde eines Abends zu der Eröffnung eines hauseigenen Onlinepokercafés ein. Gutshot Poker hatte hier im Kellergewölbe ca. zwölf Computer aufgestellt. Während man also Sekt schlürfte und Lachshäppchen aß, konnte man sich bei Gutshot Poker anmelden und erhielt sogar €25 auf seinen Account überwiesen. Später am Abend fand noch ein €100-Freeze-out im Casino statt, was mir aber zu teuer war und somit setzte ich mich noch etwas mit dem Computer auseinander. Ein Herr setzte sich zu mir und stellte sich vor. Er war wohl irgendwie ein hohes Tier bei Gutshot in London und wollte mich für das €100-Turnier stacken. Nach einigem Zögern willigte ich ein. Aber ich spielte ganz schlecht und war schnell raus.  

Und schon bald war auch die EPT in Dublin und ich wollte unbedingt zusehen. Die EPT fand diesmal nicht im Regency-Hotel statt, wie das Jahr zuvor. Angeblich hat es dort kein warmes Wasser gegeben und war auch so ein furchtbar schlechter Veranstaltungsort. 2007 sollte die RDS, die Royal Dublin Society,  die EPT ausrichten. Die RDS ist ein Veranstaltungskomplex im Süden der Stadt. Hier finden normalerweise Messen und große Konzerte statt. Die Halle für die EPT wirkte wie eine Viehauktionshalle, aber ich fand es lustig.

 

 

Immerhin war es das erste Mal, dass ich einem EPT-Event beiwohnen konnte. Ich denke jedoch, dass die Veranstaltung nicht wieder an diesem Ort stattfinden wird.

So, was gibt es noch zu Dublins Pokerszene zu berichten?!

Grundsätzlich gibt es einfach Anekdoten, die euch vorbereiten können, wie Dublin funktioniert, bzw. NICHT funktioniert. Zum Beispiel hatte ich  im Fitzwilliams erlebt, wie eine Schranktür während eines Turniers auf einen Spieler fiel. Die Turniermanager hier rufen: "Shuffle up and deal away!" und benutzen nur den Ausdruck "Colour-up" ohne "Raise for chips".
Die elektronischen Anzeigen über Spielerzahl, Blindlevels etc. funktionieren ungefähr in 30 % aller Fälle.            
Im Cool Hand Luke´s habe ich mal erlebt, dass die gesamte Belegschaft nicht zur Arbeit erschienen ist und der arme Herr am Empfang uns nur auf eine Tasse Tee hereinbitten konnte, während er am Arbeits-PC "Call Of Duty" zockte.
Ein alter Mann in langem Mantel und mit Einkaufswagen ist regelmäßig vorm Fitzwilliams zu finden. Als ich ihn zum ersten Mal sah und er leidenschaftlich seine Meinung zu verkünden schien, fragte ich die Iren um mich, ob sie auch nur ein Wort verstehen würden, was er sagte, oder ob mein Englisch einfach zu schlecht wäre. Aber auch sie verstanden nichts. Sie klärten mich aber auf, dass dieser Mann einmal einer der Reichsten in Dublin gewesen war und alles hier im Casino verloren hatte.

Abschließend kann ich nur sagen, wenn man es alles nicht sooooo genau nimmt und sich etwas an die irische "Komm-ich-heut-nicht-komm-ich-morgen"-Mentalität gewöhnen kann, ist Dublin definitiv eine Pokerreise wert.

Die Cashgames sind wie gesagt alle Pot-Limit, aber fangen dafür schon bei €0,50/€1 an. Und das in fast allen Casinos.

Turniere findet man jeden Tag in der Woche in allen Formen und zu allen Preisen. Es gibt Turniere ab €10 in Varianten wie Freeze-out, Doublechance, Deepstack, mit oder ohne Scalp. Also alles in allem eine reiche Auswahl.

Normalerweise registriert man sich und erhält einmalig sogar €10 für Blackjck oder Roulette geschenkt. Die Softdrinks sind kostenlos und das Essen preiswert. Das macht das Spielen hier wirklich zu einem Erlebnis, das man sich gönnen kann, auch wenn das Budget nicht so groß ist.

 Die Casinos finden sich fast alle in einem Kernbereich in Dublin und sind teilweise zu Fuß, teilweise durch kurze Taxifahrten zu erreichen.

Die Spieler, die ihr in den Casinos findt, wollen hauptsächliche eine gute Zeit haben, sind aber durch das gute Angebot sehr erfahren und absolut rücksichtslos. Also unterschätzt sie nicht. Oft geht man nach einem verlorenen Turnier einfach ins nächste Casino und spielt dort das nächste. Also macht euch auf einen gewissen Aggressivitätsfaktor gefasst.

Die Irish Poker Open finden jetzt über Ostern statt. Den Veranstaltungsort "Citywest Hotel, Conference, Leisure and Golf Resort" kenne ich nicht und kann leider nicht viel dazu sagen. Ich wäre definitiv für dieses Event nach Dublin geflogen, habe aber dieses Wochenende Geburtstag und wollte daheim bleiben.

So, ich denke, das gibt euch einen guten Eindruck über das Pokern in Dublin.

Vielleicht sieht man sich ja dort mal am Tisch, falls es mich wieder in die irische Hauptstadt verschlagen sollte.

Jetzt wünsche ich erst mal unseren deutschen Spielern bei den Irish Open viel Erfolg.
Vergesst nicht das sprichwörtliche "Glück der Iren" und die Hilfe der geldbringenden Leprechauns!         

Ich bin gespannt, was für Geschichten nach dieser Veranstaltung erzählt werden.

Alles Liebe und frohe Ostern!         

Christin

PS: Hier auf Wunsch noch ein paar weitere Irland-Fotos von mir:

   

   

 

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