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/Jan/2009

Vom Turnierspieler zum Cashgamer - Live-Cashgame

Von: team-de @ 04:16 (CET) / 340 / Kommentar ( 110 )

Hallo Intellis,

heute möchte ich das Thema Cashgame vertiefen. Der Unterschied zu den anderen Cashgame-Artikeln ist, dass ich aus der Sicht eines Turnierspielers schreiben werde. Normalerweise ist es ja so, dass man mit Cashgames anfängt und sich von der Bankroll auch mal hin und wieder ein Turnier genehmigt. Jedoch kommt es heutzutage immer häufiger vor, dass es umgekehrt ist, da nun mal Turnierpoker Medienpräsenz bedeutet und einem bei einem hervorragenden Ergebnis in einem Turnier viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als wenn man über Jahre hinweg ein konstanter Gewinner im Cashgame ist.

Also wenn ihr Turnierspieler da draußen euch jetzt angesprochen fühlt und ihr euch schon länger überlegt habt, mit Cashgames anzufangen, dann sind meine Blogs vielleicht das Richtige für euch.

Aber auch alle, die sich schon länger überlegt haben dem Casino in ihrer Nähe einen Besuch abzustatten und dort Cashgames zu grinden, sollten sich hier angesprochen fühlen.

Zu Beginn möchte ich erst mal ein paar generelle Tipps geben und auf Fehler hinweisen, die mir immer wieder aufgefallen sind und die vor allem von jungen Leuten gemacht werden.

Das Wichtigste ist, dass ihr nicht über euren Limits spielt, im Klartext: Wenn ihr im Internet NL 100 spielt und dort gewinnt und in eurem Casino nun nur Limits von €5/€10 angeboten werden, dann spielt sie nicht, auch wenn ihr wisst, dass ihr die teilweise schwachen Gegner schlagen könntet. Denn wenn ihr plötzlich mit dem zehnfachen an Geld an den Tisch geht und dazu noch live, wo euch das Geld viel "echter" vorkommt, werdet ihr nicht euer A-Game spielen können, da ihr einfach zu sehr ans Geld denkt und nervös werdet. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber im Normalfall ist dies einfach so. Wenn ihr also nicht in Geld schwimmt, solltet ihr solche Situationen tunlichst vermeiden.

Etwas, was auch häufig falsch gemacht wird, ist der Fakt, dass sich gerade viele junge Leute mit zu wenig Geld an den Tisch setzen, d. h. bei Blinds von €2/€4 setzen sie sich nur mit €100 an den Tisch, das sind gerade einmal 25 BBs. Das ist defintiv zu wenig. Ich würde niemals mit weniger als 50 BBs an einen Tisch gehen, ihr müsst nämlich bedenken, dass eure Gegner nicht alle doof sind, und wenn ihr mit 25 BBs an den Tisch geht und nur Premiumhände spielt, werdet ihr zwar hin und wieder mal verdoppeln können, aber im Normalfall werdet ihr wesentlich weniger ausbezahlt, als wenn ihr eure Handrange erweitert. Außerdem habt ihr ein großes Problem, falls ihr eine längere Zeit carddead seid und müsst zu Verzweiflungsmoves greifen.

Wobei wir beim nächsten Thema sind: Überspielt eure Hände nicht! Ein gutes Beispiel dafür ist , die wohl am häufigsten überspielte Hand im Cashgame. An dieser Hand sieht man auch häufig, dass es sich eigentlich um Turnierspieler handelt, wenn sie damit riesige Raises machen und nach dem Flop, ob getroffen oder nicht, alles riskieren (wegen des kleinen Stacks).

Aber nicht nur wird überspielt. Auch die großen Pocket-Paare wie , etc. werden häufig total überspielt. Klar, es sind die besten Starthände in NL Hold'em, aber das bedeutet nicht, dass sie unschlagbar sind. Beachtet immer die Action eurer Gegner und die Textur des Boards. Denn wenn ihr hoch raist und zwei Caller bekommt und der Flop zeigt, ist eure Hand häufig schon wesentlich weniger wert, da es ziemlich wahrscheinlich ist, dass einer der Gegner den Flop gut getroffen oder noch gute Chancen hat, eure Asse zu schlagen. Deswegen lautet mein Tipp: Spielt nur große Pots mit Händen, die postflop sehr gut sind, und nicht preflop. Versucht, den Pot klein zu halten, versucht euch nicht zu schnell zu committen und vor allem lernt es, große Paare auch mal nach zu viel Widerstand wegzuwerfen.

Wenn ihr wirklich mal einen großen Pot spielen wollt, solltet ihr euch verdammt sicher sein, dass ihr vorn seid und es nicht nur hoffen. Deswegen eignet sich das Spielen von kleinen und mittleren Paaren sowie jeglichen Suited Connectors im Cashgame viel mehr als große Paare. Floppt ihr ein Set oder trefft ihr eine Straight, bekommt ihr häufig eine wesentlich bessere Auszahlung, als wenn ihr nur spielt.

Nun aber genug der Vorworte, ich möchte euch dieses Mal ein paar Hände zeigen sowie analysieren, die mir tatsächlich widerfahren sind.

Ich spiele regelmäßig (zweimal die Woche) in der Spielbank Trier €2/€4-Cashgames. Das Niveau ist, um es höflich auszudrücken, eher bescheiden. Jedoch tummeln sich dort viele nette Leute und ich habe eigentlich immer meinen Spaß an den Tischen.

Ich setze mich im Normalfall mit €300 also 75 BBs an den Tisch. Dieser Betrag reicht in Trier aus, da sich kaum jemand mit mehr einkauft und stattdessen immer wieder nachgeladen wird.

Hand #1: Wie man die Asse gegen jemanden spielt, der seine Hände überspielt

Ich sitze in früher Position und raise mit auf €16. Ich bekomme drei Caller. Im Pot liegen nun €66.

Der Flop kommt:

Generell ein guter Flop für mich, aber gegen drei Gegner muss man natürlich immer vorsichtig sein. Ich setze also €40 und bekomme von einem jungen Kerl, der seine Hände gern überspielt, sowie vom Big Blind, der extrem loose ist, einen Call. Im Pot liegen nun €186. Ich habe noch €198 hinter mir stehen.

Der Turn ist .

Eine schöne Karte für mich, da der mögliche Flushdraw nicht kommt. Ich bin mir also sicher, dass ich noch vorn bin und überlege deshalb, was meine Gegner haben könnten.

Gegner 1: Er überspielt oft seine Hände und lässt sich auch nicht verdrängen, wenn er erst mal solide trifft. Ein leichtes Opfer, von dem ich seinen ganzen restlichen Stack gewinnen kann (ca. €150).

Gegner 2: Der Big Blind, ein sehr looser Spieler. Vor ihm habe ich mehr Angst, da ich ihm durchaus zutraue, dass er mit einer Hand wie meinen Bet gecallt hat. Jedoch bin ich gegen ihn in den meisten Fällen auch noch vorn und er erscheint allgemein nicht sonderlich interessiert am Pot.

Nach der Gegneranalyse bleibt also nur eine richtige Lösung: all-in

Dies mache ich auch und Gegner 1 überlegt eine Zeitlang, hadert mit sich selbst und schiebt schließlich seinen restlichen Stack in die Mitte. Gegner 2 überlegt auch einen Moment, sagt, dass ich bestimmt habe und schmeißt seine Hand weg. Er hatte anscheinend , wobei ? ein schwacher Kicker war.

Es kommt zum Showdown, Gegner 1 zeigt mir und er hat nur noch fünf Outs, eigentlich sogar nur vier, da Gegner 2 ja auch einen König hat. Der River bringt eine Blank und der Pot geht an mich.

Fazit: Dies ist keine besonders schwer zu spielende Hand gewesen. Warum nehme ich sie also als Beispiel? Ganz einfach, sie zeigt wie wichtig es ist, eure Gegner zu analysieren und auch vorher zu beobachten. Des Weiteren zeigt sie, welche Rolle die Textur des Boards spielt und wie wichtig es ist, die Stacksizes der jeweiligen Spieler zu kennen.

Hand #2: Wie man mit Suited Connectors große Pots gewinnen kann

Wir sind in der Endphase des Cashgames (es wird immer bis 1:30 Uhr nachts gespielt) und dies bedeutet häufig, dass mehr Geld in der Mitte liegt und allgemein looser gespielt wird.

Ich sitze in mittlerer Position. Drei Spieler limpen für jeweils €4 vor mir rein und ich finde und limpe mit. Cut-off und Button callen auch und nun raist ein relativ tighter Spieler, der aber auch dazu tendiert, große Paare zu überspielen, auf €32. Ein stattliches Raise, was aber normal ist, gerade bei so vielen Limpern. Nun callen die drei ursprünglichen Limper vor mir für jeweils €32. Es sind also schon jetzt €144 im Pot und ich muss €28 nachlegen, um dabei zu bleiben. Manche werden es gambeln nennen, ich finde den Call relativ simpel und zwar aus den folgenden Gründen:

1. Implied Odds: Ich kann einen riesigen Pot gewinnen, wenn ich gut treffe, und weiß, wenn ich treffe, dass es auf jeden Fall Action geben wird.

2. Mein Stack: Ich habe noch über €400 übrig, womit ich fast alle covern und ihnen ihren Stack abnehmen kann, falls ich gut treffe.

3. Die Gegner hinter mir: Ich weiß, dass beide auch callen werden, wenn ich calle, egal was sie auf der Hand haben.

Deshalb ein easy Call. Wie schon geahnt, callen die Zwei hinter mir auch und es liegen €228 im Pot.

Der Flop kommt:

Der Small Blind (Initial Raiser) geht sofort für €192 all-in. Ein Limper callt für seine restlichen €44 (ja, ja, ich weiß :D), der Rest foldet zu mir, ich calle natürlich und die zwei hinter mir schmeißen ihre Blätter auch weg.

Showdown: Der Small Blind zeigt (ja, man muss es nicht verstehen, aber man beachte meine Gegneranalyse vor dem Flop) und der Andere zeigt: .

Turn: , River: und ich gewinne einen Riesenpot.

Fazit: Diese Hand verdeutlicht nicht nur, welche Rolle die Gegneranalyse spielt, sondern auch wie wichtig es ist, dass man die Odds/Implied Odds kennt sowie wie immer die eigene Stacksize und die Stacksizes der jeweiligen Spieler am Tisch. Nach dem Flop ist die Hand sicherlich ein Selbstläufer und die Frage vom Small Blind, warum ich denn als tighter Spieler €32 mit zahle, ist auch schnell beantwortet.

Hand #3: Wie spielt man die Nutstraight auf einem supergefährlichen Board gegen neun Gegner?

Wir sind wieder nah am Ende des Tages angelangt und ich sitze im Small Blind mit .

Der Spieler UTG macht ein blindes Raise auf €8 (nein, kein Straddle, das gibt es in Trier nicht) und alle (!) callen bis zu mir. Ich calle natürlich auch, ebenso der Big Blind. Im Pot liegen €80. Ich habe gute €600 vor mir liegen.

Der Flop kommt:

Ich floppe also die Nutstraight mit Open-Ended Straight-Flush-Draw. Ich spiele, im Nachhinein betrachtet, zu klein an mit €24, eine loose/passive Spielerin callt und ein etwas tilter Spieler, der zuvor viel Pech hatte, stellt seine €149 in die Mitte. Nun wird bis zum Spieler am Button gefoldet und dieser überlegt ein wenig und callt die €149.

Nun zur Gegneranalyse:

Spielerin 1: Vor ihr habe ich gar keine Angst, sie hat womöglich nur ein Paar und will den Turn günstig sehen. Ein Flushdraw wäre auch möglich.

Spieler 2: Da er tilt ist und nicht stark aussieht, gebe ich ihm hier , wobei ich auch noch vorn wäre und er sogar nur sieben Outs hätte, da ich ihm ja noch zwei nehme.

Spieler 3: Dieser macht mir die meisten Sorgen. Wir reden oft miteinander und wir mögen uns auch, jedoch ist er loose und deshalb schwer auf eine Hand einzuschätzen. Von Set, Two Pair bis Flush wäre alles bei ihm möglich. Außerdem hat er noch über €200 dahinter stehen.

Soll ich nun callen und hoffen, dass ich noch vorn bin, oder soll ich folden? Diese Entscheidung dürft nun ihr machen. Die Auflösung folgt dann nächste Woche.

Ich bin auf euer Feedback gespannt.

LG Patric

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