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Das Spiel von Draws

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Das Spiel von Draws - 16-09-2010, 20:26
(#1)
Benutzerbild von dNáa
Since: Mar 2009
Posts: 290
Nabend

Manche Hände können nur mit Hilfe vom Board zu Monstern werden, indem sie vllt zum Flush oder zur Straight werden.
Für solche Fälle ist das Spiel von Draws typisch: Selten flopt ein Flush oder eine Straight.
Für das Spiel von Draws sind die sog. PotOdds, Odds und damit auch die Outs essentiell.

Allerdings, ich spiele schon länger, verstehe ich einige knackige Dinge nicht, welche ich an einem einfachen Beispiel erläutern möchte. Mir gehts hier um die simple Berechnung von Potodds, Odds und Implied Odds, nicht um Discounted oder Extra Outs, das würde den Rahmen sprengen.

Oft sehe ich an PS-Tischen, aber auch bei Profis im TV, dass sie einen gefloppten FD nach einer Standard CBet passiv weiterspielen, also callen und den Turn sehen.
Um die Sache mal mit Zahlen zu füllen:

Im Pot befinden sich 0,9$ und wir halten einen FD. Wir sind HU und der Gegner vor uns macht eine Cbet von 0,6$.

Rechnung: 0,9+0,6 = 1,5$ im Pot.
PotOdds: 1,5 : 0,6 = 2,5 : 1
Odds FD: (47-9)/9 = 38/9 = 4,22 : 1
Wir bekommen unseren Flush am TURN (!!!) in etwa jedem 5. Fall. Unsere PotOdds sind mit 2,5:1 aber eindeutig niedriger als unsere Odds, demnach ist es doch ein klarer Fold.

Bedenken wir aber weiter: Wir können sowohl am Turn, als auch am River unsere letzte der 9 verbliebenen Karten kriegen. Die Odds dafür sind ~ 1,68 : 1.
Was bringt uns das aber?
Dafür sind die sog. Implied Odds notwendig: Wenn wir wissen, dass unser Gegner am Turn wieder eine Bet von ~2/3 Potsize macht, können wir unsere Potodds am Flop bereits bis zum River berechnen.
Das wäre: 1,5+0,6 = 2,1 (PotSize am Turn)
2/3 Bet am Turn: 1,4+2,1 = 3,5
PotOdds am Turn: 3,5 : 1,4 = 2,5 : 1
Gesamt PotOdds bis zum River: 3,5+1,4 : 0,6+1,4 = 4,9 : 2 = 2,45 : 1

Wenn wir das wissen sind unsere Odds mit 1,68:1 deutlich besser als 2,45:1, demnach können wir, wenn wir unseren Gegner kennen, also callen.


Meine Fragen dazu: 1) Wäre dieses Coldcalling nicht ein stumpfes Hinterherrennen, hinter die 9 Outs?
2) Betrachtet man die Potodds am Flop/Turn gesondert, wäre dies ja ein klarer Fold. (Flop: 4,22:1 vs 2,5:1.... Turn: 4,11:1 vs 2,5:1) Warum callt man trotzdem? Oder anders: Warum callen soviele Spieler die Bets bis zum River runter? Machen sie dafür immer so eine Rechnung unter Einbezug der Implied Odds? Oder machen sie Fehler?
3) Inwieweit spielt die Tatsache eine Rolle, dass unser Gegner den Flop ebenfalls nur zu 33% trifft und oft cbettet? Wir müssen so oder so ja das Geld investieren, demnach müssen wir logischerweise auch immer rechnen.

Geändert von dNáa (16-09-2010 um 20:28 Uhr).
 
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17-09-2010, 06:49
(#2)
Benutzerbild von B!gSl!ck3r
Since: Aug 2007
Posts: 13.075
(Moderator)
Du hast evtl. etwas grundsätzliches falsch verstanden. Implied Odds sind das, was wir erwarten vom Gegner zusätzlich zu gewinnen, sofern wir unsere Hand treffen.

Dein Potodds Beispiel ist korrekt bis auf den letzten Schritt. Du kannst das, was du auf beiden Straßen bezahlen musst nicht zusammenrechnen. Was du machen könntest wäre zu sagen:
Wenn ich den River sehen will, muss ich insgesamt 2$ bezahlen um 2,90$ aus dem Pot gewinnen zu können.

Zu den Fragen:
1) Ja
2) Weil sie mit implied Odds kalkulieren. Evtl. machen sie dabei einen Fehler.
3) Das spielt schon eine Rolle, weil der Umstand ob der Gegner etwas getroffen hat oder nicht, sein Verhalten am Turn und River beeinflussen wird.


Team IntelliPoker - Alexander - Moderator


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