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Low pairs Preflop - 25-01-2016, 17:45
(#1)
Benutzerbild von kostja007
Since: Mar 2008
Posts: 570
Ich würde gerne mal wissen wollen wie man Lowpärchen (22-77) gegen einen Raise spielen sollte? Habe das Gefühl, dass ich damit eher Verlust mache bzw. sie sind schwierig nach einem Flop zu spielen.

Ein paar Beispielhände mit Erklärung wäre super!
 
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25-01-2016, 23:31
(#2)
Benutzerbild von Rechnerstrom
Since: Jan 2008
Posts: 211
Welche Situation meinst du? Preflop ist es ziemlich einfach. Da spielst du sie, wenn du gute Odds bekommst (mehrere Spieler im Pot) oder du in den Blinds bist. In den Blinds hast du entweder gute Odds (big Blind) oder oft Situationen, wo der gegnerische Raise nicht so stark ist (small Blind gegen Steal). Natürlich gibt es Unterschiede. 77 ist wesentlich stärker als 22.

Nach dem Flop kommt es drauf an, wie das Board aussieht, wie oft der Gegner es wohl getroffen hat und wie viele Spieler überhaupt im Pot sind. Da kann man nicht alle Situationen über einen Kamm scheren. Man muss seine Chancen abschätzen und angepasst reagieren.
 
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26-01-2016, 18:05
(#3)
Benutzerbild von kostja007
Since: Mar 2008
Posts: 570
Hier zum Beispiel am Flop gegen einen Maniac (43/34/16/2.3) (2k Hände)

Beide Hände gegen den gleichen Gegner

PokerStars Limit Hold'em, $0.50 BB (6 Spieler) - PokerStars Converter Tool from http://de.flopturnriver.com/

Preflop: Hero ist CO mit 7, 7
1 fold, MP calls, Hero raises, 3 folds, MP calls

Flop: (5.4 SB) 4, 10, A (2 Spieler)
MP checks, Hero bets, MP raises, Hero folds

Gesamt Pot: $1.85 (3.7 BB) | Rake: $0.08

PokerStars Limit Hold'em, $0.50 BB (4 Spieler) - PokerStars Converter Tool from http://de.flopturnriver.com/

Preflop: Hero ist SB mit 5, 5
1 fold, Button raises, Hero 3-bets, 1 fold, Button calls

Flop: (7 SB) K, A, 4 (2 Spieler)
Hero bets, Button calls

Turn: (4.5 BB) 2 (2 Spieler)
Hero checks, Button bets, Hero folds

Gesamt Pot: $2.25 (4.5 BB) | Rake: $0.10
 
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27-01-2016, 11:48
(#4)
Benutzerbild von Rechnerstrom
Since: Jan 2008
Posts: 211
Komisch an der ersten Hand ist, dass der Gegner preflop nur limpt. Das ist aussergewöhnlich für einen Spieler mit diesen Stats und dem Image. Sein VPIP/PFR Verhältnis ist eigentlich ganz vernünftig, so dass er eher zu den Super-LAGs zählt als zu den Maniacs. Normalerweise würde ich sagen, dass der Gegner ein Ass preflop immer raisen würde. Er kann daher das Ass am Flop nicht gut repräsentieren. Über sein postflop Spiel sagen die Stats nichts aus.

Echte Maniacs hätten kein Problem, auch eine T am Flop zu checkraisen. Die machen mit allem Feuer, was ihnen unter die Finger kommt. Ein LAG würde eine T vielleicht nicht checkraisen, da er weiss, dass du häufig ein Ass hast und er bessere Hände nie aus dem Pot bekommt. Ein Checkraise mit einer T hat keine Foldequity gegen bessere Hände und keinen Value, weil sie häufiger hinten liegt als vorne. Checkraist er keine T würde das die Range des LAGs stark polarisieren zwischen Bluff und besserer Hand, wobei er bei dem preflop Limp nicht viele gute Hände repräsentieren kann. Für mich erst mal ein Calldown, es sei denn, es kommt noch eine Karte zwischen K und J, die den ganzen Gutshot Bluffs hilft. Ich erfahre dann auch, was er so limpt.

In der zweiten Hand ist die Boardstruktur viel schlechter. A und K sind zwei Karten, die sehr gut in der Range des Gegners liegen, der preflop einen Stealraise gemacht hat. Damit wird der Gegner schon am Flop Favorit, selbst wenn er 60% preflop stealt. Kannst aber nicht ändern und ausser Position hast du an der Stelle auch wenig Möglichkeiten, wenn du nicht gleich dicke Reads verteilen willst. Also Contibet und gegnerische Aktion abwarten. Gegen manche besteht die Möglichkeit, dass du am Flop gleich gewinnst, weil das Board auch sehr gut auf deine Range passt. Das klappt dann nicht und am Turn verbesserst du dich zum Gutshot. Das heisst, du hast oft 6 Outs (die 2 Outs zum Set zählen auch). Da sehe ich keine Möglichkeit, aus dem Pot zu kommen. Ich denke, ein Check ist durchaus eine gute Möglichkeit, weiter zu spielen. Eine weitere Contibet würde dir häufig einen Raise bringen, den du nicht gebrauchen kannst. Du hast viele Möglichkeiten, den Check zu balancieren. Ein Plan für deine Range könnte so aussehen, dass du Monster und hohe Asse und Mosnterdraws und ein paar Flush Draws (AJ+) checkraist, andere Asse und die meisten restlichen Flush Draws contibettest und diese Hand, andere Pockets, einen K, Gutshots und weitere Flush Draws check/call spielst. Du hast auf dem doppelt suited Boards ja viele Flush Draws, die du irgendwie weiter spielen willst. Es schadet nicht, in jeder Linie ein paar Flush Draws zu haben, damit man am River in jeder Linie einen Flush haben kann.

Der Nachteil eines solchen Plans ist, dass man keine bet/3-bet Linie am Turn hat, die gegen Maniacs von Vorteil wäre. Man kann sich überlegen, die Monster (2-Pair+) bet/3-bet zu spielen. Eine Checkraise Linie sollte man trotzdem haben.

Am River wäre dann unverbessert ein Call zu überlegen, wenn keine Q-T kommen. Deine schlechtesten Hände am River sind dann 33 und QJ/QTs. Das heisst, du kannst schon noch schlechtere Hände folden. Bei Odds von 7,5:1 solltest du nur noch 12% deiner Hände mit Showdownvalue folden, damit du nicht zu empfindlich gegen Bluffes wirst. Der Gegner wird häufig bluffen. Man muss sich keine Sorgen machen, dass du am River nur Valuebets kassieren wirst. Ich glaube, es reicht, wenn man die QJ/QT Hände foldet, da man damit schon auf einen gewissen Foldanteil kommt, dieser Anteil mögliche Bluffhände des Gegners blockt und der Gegner eher zu viel als zu wenig blufft. Die 5er sind für mich am Showdown.

Wäre kein Gutshot am Turn entstanden, wäre ich trotzdem ziemlich showdowngebunden mit dem Pocket. Der Gegner hat zahlreiche Flush Draws und Gutshots in seiner Range. Ich glaube, das reicht, um weiter spielen zu können.

Geändert von Rechnerstrom (27-01-2016 um 12:09 Uhr).
 
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Lowpärchen (22-77 [88]) nicht überschätzen - 27-01-2016, 16:22
(#5)
Benutzerbild von FREETHOR
Since: Nov 2007
Posts: 136
Hallo kostja

Rechnerstorm analysiert die Hände ja recht gut. Und es ist ja auch so, dass jede Situation im Poker anders ist.
Ich bin jedoch der Meinung, dass man Lowpärchen (22-77 [88]) meistens überspielt. Du schreibst ja auch, dass du das Gefühl hast damit eher Verlust zu machen. Ich persönlich mache ein sattes Plus mit 22 – 88.
Zur ersten Hand; ob man 77 hier raisen soll ist Ansichtssache. Ich hätte sie nicht geraist, weil ich möglichst viele Spieler im Pot haben will, wenn ich ein Set treffe. Ich gehe mit Rechnerstrom einig, dass MP hier ein A preflop geraist hätte. Eine T könnte er raisen, aber er könnte auch ein A (fälschlicherweise) repräsentieren wollen. Ich checke diesen Flop und würde auf dem River alles < 7 folden. Der Flop kostet mich ja auch nicht viel.

Zur zweiten Hand; ein Raise preflop mache ich nicht! Wie gespielt ist die Bet am Flop in Ordnung, aber den Check am Turn verstehe ich gar nicht. Contibet am Flop und check am Turn signalisiert schwäche, die der Gegner hier einfach ausnutzt. Du hättest am Turn mindestens noch einmal betten sollen. Einen reraise hätte ich dann natürlich gefoldet. Am River dann jede Karte < 7 mind. gecallt.
Ich empfehle dir Lowpärchen (22-77 [88]) nicht zu kompliziert zu spielen, d.h. ohne Set eher folden speziell wenn der Gegner fast alles callt.

Cu FREETHOR


You must be willing to die, if you want to win a tournament!
.................................................. ................................................ Daniel Negreanu
 
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28-01-2016, 03:03
(#6)
Benutzerbild von Rechnerstrom
Since: Jan 2008
Posts: 211
Isoliert betrachtet geht vielleicht sogar ein Check am Flop in der ersten Hand, aber das Board spricht nicht dafür. Das Board trifft Heros Range viel besser als die Range des Gegners. Hero sollte daher eine Contibet setzen. Das schützt zum einen die Hand, weil der Gegner oft wenigstens 6 Outs haben wird, das aber nicht weiss und er nicht mit allen davon weiterspielen wird. Zum anderen hat man Value, weil der Gegner nicht so oft eine bessere Hand haben sollte und er noch mit etlichen schlechteren Händen bezahlen kann (insbesondere die Gutshots).

In der zweiten Hand glaube ich nicht, dass man mit einer Bet am Turn besser fährt. Man hat keinen Vorteil und man wird stärkere Hände sehr wahrscheinlich nicht zum folden bekommen (der Gegner müsste ein Paar folden). Man wird sehr häufig einen Raise kassieren den man nicht will. Nach einem Raise bekommt man 7,5:1 Pot Odds und hat fast 6 Outs gegen bessere Hände (die 5 zum Set ist sauber und der Gutshot muss nur wenig diskontiert werden) und kann gegen zahlreiche Draws noch vorne liegen. Das ergibt einen Call schon wegen der Odds und Outs. Implied Odds hat man auch. Mehr oder weniger muss man auch in dieser Situation oft zum Showdown, weil der Gegner so aggressiv ist und oft mit einer schlechteren Hand raist. Wenn man so oder so zum Showdown muss, andererseits aber im Nachteil ist, dann ist die billigere Linie besser.

Das mit der Schwäche signalisieren verliert an Bedeutung, wenn der Gegner schlechtere Hände bettet. Genau das soll er und das wird er dank seiner Aggressivität auch tun. Das heisst, es liegt Value in dem Check, weil er den Gegner zur Bet mit schwächeren Händen provoziert.

Als Rückversicherung können wir einige starke Hände als Checkraise am Turn spielen, so dass der Check gar nicht so schwach ist und der Gegner sich auf unsere Range bezogen täuscht, wenn er grosse Schwäche vermutet. In dieser Hand hat er zwar recht, aber das können wir nicht verhindern und eine Bet wäre auch nicht billiger. Wenn wir aber die starke Hand zum Checkraise haben, dann können wir die vermeintliche Schwäche für den Gegner auf Dauer teuer machen.