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Drillinge mit Pocket Pair vs Straße

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Drillinge mit Pocket Pair vs Straße - 30-04-2017, 12:19
(#1)
Benutzerbild von Aratier
Since: Mar 2017
Posts: 30
Leider kann ich das nicht als Hand Replay einstellen, da diesmal nicht auf Pokerstars gespielt. Ich lasse es absichtlich unkommentiert und wollte fragen, ob das "Pech" war oder aber ich das hätte "riechen" sollen, sprich schlecht gespielt.
Meine Gedanken dazu kann ich später aufschreiben und ich würde mich über Anregungen mein Spiel zu verbessern sehr freuen.

Cash-Game: 1-2 Cent, 9 Spieler Max
Spieler 1( 2,44 Chips )
Hero ( 1,92 Chips )
Spieler 3( 2,23 Chips )
Spieler 4( 3,60 Chips )
Spieler 7( 2,59 Chips )
Spieler 8( 2 Chips )
Spieler 9( 1,43 Chips )
Spieler 5 und 6 setzen aus

Spieler 3: setzt Small Blind: $0,01
Spieler 4 setzt Big Blind: $0,02
*** HOLE CARDS ***
Hero bekommt: [ ]
Spieler 7: passt
Spieler 8: passt
Spieler 9: geht mit $0,02
Spieler 1: passt
Hero: setzt $0,06
Spieler 3: geht mit $0,05
Spieler 4: passt
Spieler 9: geht mit $0,04

*** FLOP *** [ ]
Spieler 3: checkt
Spieler 9: checkt
Hero: setzt $0,10
Spieler 3: passt
Spieler 9: geht mit $0,10
*** TURN *** [ ] []
Spieler 9: checkt
Hero: setzt $0,20
Spieler 9: setzt $0,40
Hero: setzt $0,40
Spieler 9: setzt $0,87
Hero: geht mit $0,67
*** RIVER *** [ ][]
*** SHOWDOWN ***
Hero: zeigt [ ] (Drillinge, achten)
Spieler 9 zeigt [ ] Straight, fuenf bis neun)
Spieler 9 gewinnt $2,76 aus dem Pot
 
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30-04-2017, 17:39
(#2)
Benutzerbild von Alanthera
Since: May 2010
Posts: 4.298
Preflop:
Ok, Isoraise kann man größer machen, muss man aber nicht. Ich nehme meist die gleiche Größe.
Von Mitlimpen halte ich hier nichts.

Flop:
Oftmals sind die 8er hier noch gut, und oft kann man den Pott auch mit ner CBet (für Protection) mitnehmen.

Turn:
Ein Traum, ich sehe mich hier immer vorne und bin froh, wenn ich die Kohle in die Mitte kriegen kann.

Lediglich hinsichtlich dieser click-back-raises am Turn würde ich ein Nachdenken empfehlen, aber ansonsten alles soweit ok.
 
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30-04-2017, 19:46
(#3)
Benutzerbild von JoeCrocodill
Since: Oct 2014
Posts: 357
Hallo,
Flop: Fischiger Spieler callt mit GutShot,
Bis zum Turn IMO alles normal gespielt.

Am Turn sieht das x/r nach draw (??) oder made hand (straight) aus.
Mit einem Set 5 oder 7 hätte er das vermutlich bereits am Flop getan, um sich vor den möglichen Draws zu schützen.
Also vs. solchen Gegnern (preflop limp!) ist eine Straight durchaus in seiner range. Das gegenseitige kleine Raisen würde ich unterlassen. Ich hätte den x/r einmal gecallt. Die kleinen Raises sind für mich in NL2 fast immer eine starke Hand.
Am River gewinnt jetzt oft das angekommene draw...
 
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02-05-2017, 16:52
(#4)
Benutzerbild von Möchtenix
Since: Jan 2011
Posts: 138
Bis zum Turn hätte ich das wohl genauso gespielt.

Am River wäre ich bei dem Board aber nicht mehr all-In gegangen. Ich hätte entweder c/c oder r/c gespielt, je nach Gegner.

Manche raisen auf so einem board grundsätzlich auf einen check hin, obwohl sie nur Air (bestenfals A-high) haben, jedenfalls auf dem Limit.

Weggeworfen hätte ich das Set nicht, aber da auf dem Limit mit fast jedem Dreck gecallt wird (preflop), kann natürlich auch der unmöglichste Draw ankommen (sehe ich in jeder Session andauernd, selbst wenn ich am Tisch nur wenige Hände gespielt habe, allerdings 6-max).

Wie man die Stärke des Gegners in solchen Fällen besser lesen kann, habe ich auch noch nicht wirklich rausgefunden.

So eine River-Action habe ich auch schon mit Top-Pair, Overpair oder sogar Air erlebt.
 
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03-05-2017, 17:58
(#5)
Benutzerbild von Aratier
Since: Mar 2017
Posts: 30
Hallo,

vielen Dank für die guten Meinungen.

Vielleicht kurz als Ergänzung, mir ist leider nicht aufgefallen, dass das nicht klar wird.
Der Gegner ist auf dem Turn All-In gegangen, was ich bezahlt habe.

Vor dem Flop sind 0,2$ im Pot, ich spiele mit 0,1$ an und erhalte ein Fold und ein Call.
Das heisst insgesamt 0,4$ im Pot
Auf dem Turn:
Check von Spieler 9,
Ich setze 0,20$ (1/2 Pot Size),
er raist um 0,4$ auf 0,6$ total, womit dann 1,2$ im Pot ist, und ich müsste 0,4$ nachbezahlen.

An dem Punkt habe ich mir überlegt zu callen oder ein kleines Raise zu machen in der Hoffnung er geht All-In.
Genau das ist passiert mit meinem Re-Reraise:
Der Spieler 9 ist all-in gegangen und ich habe das gecallt.

Zu meinen Überlegungen:
Pre-Flop Standard Iso-Raise auf 3BB und ich bin in Position.

8er sind halt so ein Ding: Gibt sicherlich einige Overpairs die callen, und dann kann man sich nie sicher sein. Bei lauter kleineren Karten auf dem Board ist eine große Gefahr einer Straße, ggfs auch ein Flush gegen einen.
Daher will ich einerseits gegen wenige spielen, aber je nach Flop würde ich sowieso aussteigen und daher das Iso-Raise auch nicht zu hoch machen, da eh viele Limper im Micro dabei sind.
Kann man argumentieren, in dem Moment habe ich mich so entschieden.

Flop ist semi-gut da eine Overcard und ein möglicher Karo Flush Draw, allerdings halte ich selbst ein Karo als Blocker.
Ich war mir unsicher was Spieler 9 genau hat, da er aber limpt und dann nur checkt, nehme ich eher an:
Flush Draw mit suited connectors, oder max 1 Lücke oder mindestens 1 Bild.

Möglicherweise hat er die Queen getroffen und spielt sie langsam, dann wäre ich schon hinten.
Um ein wenig Info zu bekommen und eigentlich auch kleine Draws rauszubekommen habe ich mal Standardmäßig mit 1/2 Pot Size eine C-Bet gebracht, die auch "brav" gecallt wurde.

Darin habe ich eher meine Bestätigung eines Flush Draws bzw. 1 Overcard oder 1 getroffenes Paar (möglicherweise Slow-played Top Paar) gesehen.
Am Turn dann mein Traum: Das Set.
Gegner checkt wieder, ich habe vermutet die Karte hat ihm nicht soviel gebracht, da sie gegen einen Flush Draw spricht.
Daher wieder angespielt in der Hoffnung er callt wieder, um den Pot aufzubauen.
Ich wollte hier auch nicht zu sehr von der Linie abweichen, um eben keine "Gedanken" aufkommen zu lassen.
Zu dem Zeitpunkt habe ich mich sehr sicher gefühlt.

Gefühlt lag ich nur aktuell gegen QQ hinten, sowie das immer noch mögliche Flush.
An 6-9 zur Straße habe ich bei DER Bet-line gar nicht gedacht, selbst wenn es in Karo suited gewesen wäre: Auf Grund meiner Spielweise wäre ein höheres Flush durchaus auch noch drin.

Ich denke hier liegt mein "Fehler": Diese schwache Möglichkeit einer Hand habe ich schlicht nicht mehr in Erwägung gezogen. Daher habe ich sein
Re-Raise als
a) verteidigen seines Draws
b) möglicherweise Q-8 auf der Hand, d.h. Top Pair getroffen
angesehen.
c) Evtl. A/K - Q und durch die Nicht-karo Karte wollte er "mein" Flush teuer machen.
d) Hier habe ich doch kurz an die Gut-Shot Straight mit sowas wie J-T gedacht...

Da ich einerseits eine Karo selbst halte und die Karo 7 mir ein Full-House gebracht hätte,
habe ich weniger mögliche Flush-Outs gesehen.
Dazu hätte irgendeine 5,7,Q oder 8 mir mindestens ein Full-House auf dem River gegeben. Daher habe ich mich stark vorne gesehen.
Im Nachhinein hatte ich eine knapp 23% Chance zu gewinnen bei dem Board, wobei ich aber eine andere Range beim Gegner gesehen habe.
Aus diesem Grund war hier mein Ziel alle Chips in die Mitte zu bekommen und ich habe das Re-Raise nochmal erhöht.

Im Nachhinein war das wohl mein Fehler:
Ich hätte auf die "Nuts" limper Hand mit der Straße in dem Moment achten sollen und bei dem Re-Raise hellhöriger werden sollen.
Ich denke das ist eine Schwäche in dem Moment nicht nochmal das Board durchzugehen, ob es doch noch eine weitere, vorher nicht beachtete, Kombination gibt, die mich schlagen kann.

Vermutlich wäre im Nachhinein ein Call, und dann das mögliche Call oder gar Fold (wegen Flush...) auf dem River, auf seine wahrscheinliche Bet hin, die bessere Wahl gewesen.

Was meint ihr?


PS: Ich war erst ein paar Hände an diesem Tisch und kenne diesen Spieler nicht... Hatte also null Info.

Geändert von Aratier (03-05-2017 um 18:03 Uhr).
 
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04-05-2017, 01:18
(#6)
Benutzerbild von Alanthera
Since: May 2010
Posts: 4.298
Nicht so ergebnisorientiert denken...

Selbst wenn man (für NL2 absolut untypisch) alle Bluffs, Draws, überspielten Hände etc. aus Villains Range streicht, kann man hier am Turn broken.
Es gibt nicht nur QQ und 96 (64), sondern eben auch 77, 55, 75s, 87s..
 
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05-05-2017, 17:48
(#7)
Benutzerbild von Aratier
Since: Mar 2017
Posts: 30
Wie genau meinst du das? Die Anzahl der geschätzten "schlechteren" Hände vs "bessere" Hände vergleichen, um den Erwartungswert abzuschätzen und danach zu entscheiden?

Natürlich hat er in seiner Range ein paar Hände, die nach dem Flop noch super wären, mich aber zunächst nicht schlagen würden (77, 55, 75) oder Draws bieten.
Ich wollte darauf hinaus: Welche Hände gilt es insbesondere zu berücksichtigen, die durch eine 8 wesentlich stärker geworden wären. Oder anders: Warum fängt er nach Check Call auf einmal am Turn ein Check-Raise an?
 
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09-05-2017, 05:14
(#8)
Benutzerbild von Speedy39
Since: Sep 2007
Posts: 305
Kann man vs Micro unknown nicht folden imo. Allerdings geh ich gegen das Raise am turn Allin. Die Betsize sowohl am Flop als auch am Turn würde ich auch eher auf 2/3pot legen und preflop 2bb mehr zum isolieren nehmen.
Allgemein gilt das turn minraises eher sehr stark zu gewichten sind, die Gegner wollen einen nicht verlieren, aber den pot aufbauen, würden sie semibluffen oder pure bluffen geht die size immer über nen minraise hinaus. Trotzdem reicht mir das nicht aus um hier nen fullhouse draw zu folden. Glaub ab Top Two geh ich da rein alles andere geht wegen der sehr starken line und der nicht blufflastigen Raisesize weg.
Wichtig ist eine Note da zu setzen. Dieses Minraise ist sicher unbalanced. Was also bedeutet das er blufflastiger wird wenn er höher raised und das er den getroffenden Draw gleich aggressiv spielt. Außerdem hat er wohl Angst Spieler zu verlieren heißt allgemein könnte gelten: kleine bet (keine Bluffs), man sollte ihn gut beobachten und seine Betstruckturen analysieren, da man auch noch in position zu ihm sitzt und er viele hände spielt macht man so schnell Geld gegen ihn und kann seine Range so gut einschätzen das es schnell egal wird was man gegen ihn spielen kann.
 
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09-05-2017, 19:13
(#9)
Benutzerbild von Aratier
Since: Mar 2017
Posts: 30
Lieber Speedy,

vielen dank für die Tipps. Das ist sicherlich hilfreich, um weiter zu kommen.

Mit der Betsize tue ich mir zugegebenen noch etwas schwer. Bei 1/2 Pot Size Bet, muss der nächste 1/3 des Pots nachbezahlen, bei 2/3 sogar 40%. Ohne Implied Odds gerechnet, würde sich ein Call langfristig (bei einem Draw) nur rentieren, wenn man gut 15 [18] outs hat. Da denke ich mir dann immer, dass ich selbst das nur zahlen würde, wenn ich eine starke Hand habe, und so die Leute verliere...
 
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10-05-2017, 01:13
(#10)
Benutzerbild von Speedy39
Since: Sep 2007
Posts: 305
Zitat:
Zitat von Aratier Beitrag anzeigen
Lieber Speedy,

... Da denke ich mir dann immer, dass ich selbst das nur zahlen würde, wenn ich eine starke Hand habe, und so die Leute verliere...
Das ist der falsche Gedanke, Aratier. Wenn du beim Fußball immer nur auf den Torwart schießen würdest, weil du in der Lage wärst diese Bälle zu halten, kannst du sicher sein das jemand anders Torschützenkönig wird.
Du Kannst ja nur Geld gewinnen wenn deine Gegner Fehler machen und diese solltest du mit deiner Spielweise erzwingen und maximal ausnutzen. Gibst du also dem Gegenspieler die richtigen Odds für den call, macht er auf Dauer gegen dich Gewinn, wenn er bezahlt.
Was man halt auch sehr oft bei Einsteigern sieht ist, das sie sich zum Beispiel ärgern wenn sie Preflop mit AA gegen KK verlieren und so etwas nennt man im Poker halt ein Cooler. Effektiv jede Hand die wir genauso gespielt hätte wie es unser Gegner getan hat ist eine verlorende Hand, da wir auf Dauer beide den Rake bezahlen und nie gewinnen können. Somit ist eine gute ausbalancierte Betsize der erste wichtige Schritt zum Erfolg.
Mach deine Betsize von der Boardstrucktur und von deiner Häufigkeit der Hits dieser Strucktur abhängig. Es reicht erstmal locker aus wenn du nur 2 Betgrößen hast. bei Trockenden Boards (33%-57% potsize) und bei drawlastigen Boards (66%-82%). Wenn du z.B. ein Flop hast den du selten triffst und der Gegner auch selten was hat, dazu noch der Flop komplett frei von draws ist setzt du einfach 33% Pot. Dadurch werden deine Bluffs deutlich lukrativer und dadurch das wir selten was haben müssen wir uns auch weniger sorgen machen ob wir auf Dauer dadurch zu wenig Geld aus unseren Treffern ziehen. Also umso häufiger man Bluffen muss desto kleiner sollte die Betgröße sein. Wenn du das berücksichtigst wird deine Betgröße obwohl sie nur 2 Zustände hat schon sehr flexibel und deutlich besser ausbalanciert als die deiner Gegenspieler ohne Rückschluss auf deine tatsächliche Handstärke zu nehmen.
Also um das Beispiel von oben nochmal abzufangen, wir schießen zwar immer noch auf den Torwart, aber unsere Schußkraft ist angestiegen. Zu mindestens haben wir so schon mal eine bessere Chance das ihm der Ball verspringt.

Geändert von Speedy39 (10-05-2017 um 01:21 Uhr).