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Razz-Diskussionen IV: Limpen und callen auf 3rd Street

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Razz-Diskussionen IV: Limpen und callen auf 3rd Street - 09-08-2008, 17:35
(#1)
Benutzerbild von Midas14
Since: Aug 2007
Posts: 180
Die Frage ist schnell formuliert, könnte aber ein tiefergehendes Problem beschreiben:

Unter welchen Umständen ist es sinnvoll, auf der dritten STraße das Bring-In nur mitzugehen, statt zu erhöhen? Und daran anschließend: Ist das Coldcallen einer gegnerischen Erhöhung so risikoreich wie in den Flop-Spielen?

Einige Überlegungen hierzu:

Vorteile des Limpens:
- wir sehen die nächste Straße preiswert (sinnvoll mit schwächeren Händen
- wir können auf eine gegnerische Erhöhung reraisen (sinnvoll mit starken Händen

Nachteile des Limpens:
- das Bring-in könnte eine Freecard erhalten
- wir bringen mit starken Händen weniger Geld in den Pot

Darüber hinaus ist eine Strategie, die mit starken Händen erhöht, mit schwächeren Händen dagegen mitgeht leicht zu durchschauen, so dass wir irgend eine Art von Balance finden müssen.

Schließlich gibt es, so wie ich das sehe, im Razz weniger Hände mit starken implied odds nach Art von suited connectors, die sich auf er vierten Straße ungewöhnlich stark verbesser könnten.

Insgesamt scheinen mir die Nachteile des Limpens die Vorteile deutlich zu überwiegen; ich habe jedoch gelesen, dass dadurch einige Bluffoptionen zu schnell ausgeschlossen werden.

Meinungen? Ändert sich hieran etwas, wenn vor uns schon mehrere Spieler gelimpt haben?

Vor allem im Limit Hold'em gilt die natürlich nicht unumstößliche Faustregel, dass wir auf eine gegnerische Erhöhung entweder unsererseits erhöhen oder die Hand weglegen sollten. Meines Wissens leitet diese Regel sich aus dem Prinzip ab, dass wir eine stärkere Hand bneötigen, um nach einer Eröffnung in der Hand zu bleiben, als um die Hand unsererseits zu eröffnen. Im Razz überzeugt mich dieser Gedanke weniger, weil die (legitimen) Starthände ohnehin so nahe beieinander liegen, dass die Situation auf der vierten Straße grundlegend neu bewertet werden muss. Liege ich falsch?
 
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09-08-2008, 23:39
(#2)
Benutzerbild von Hupyflup
Since: Oct 2007
Posts: 368
Gibst dir einige Antworten ja bereits selbst:

klar kann man limpen. Natürlich sollte man das nicht ausschließlich mit mittelmäßigen Händen tun, weil man sonst zu leicht lesbar ist.

Genauso wie ein Coldcall.

Gerade im Razz.

Ein Limp in EP wird dadurch nicht leicht lesbar, daß wir das hin und wieder auch mit starken Händen machen.
Kriegen unsere Gegner mit, daß wir gelegentlich sehr starke Hände slow spielen, werden sie mit einem raise unseres Limps ausreichend vorsichtig sein.

Nicht sehr empfehlenswert ist meines Erachtens ein Limpen in später Position, wenn nur noch höhere Doorcards hinter uns liegen. Grundsätlich kann man das zwar auch, aber warum sollte man? Am liebsten ist es uns ja grundsätzlich, den Pot an Ort und Stelle abzugreifen.

Und ein Cold Call kein meines Erachtens sogar ein recht starker Move sein.
Denn er gibt deutlich zu verstehen, daß man eine durchaus konkurrenzfähige Hand hält, nur vielleicht keinen Favoriten.
Das heißt: sollten wir wirklich die schlechteste Hand halten, haben wir einen Bluff oder Semibluff unseres Gegners sehr wahrschleinlich gestoppt.
Ziehen wir gut auf der 4th und unser Gegner schlecht, können wir setzen und unser Gegner gibt uns Credit für ne gute Hand.

Nochmal zum Limpen:
über die Freecard des Bring Ins würd ich mir nicht sehr viele Sorgen machen, der hat ja nicht regelmäßig 2 wheelcards dahinte.
Außerdem bin ich nicht unbedingt der Meinung, daß wir auf der 3rd um jeden Preis einen großen Pot aufbauen wollen.
Hauptziel eines Completes oder eines Raises auf der 3rd ist in meinen Augen, schwächere Hände zum folden zu bringen, sprich: den Pot sofort zu kassieren. Natürlich haben wir mit der augenblicklich besten Hand auch keine Angst vor einem großen Pot, aber wir haben (noch) keine Hand mit Showdownvalue, also wollen wir auch nicht unbedingt einen Pot aufbauen.

Folglich halte ich die von dir dargestellten Nachteile des Limpens für gar nicht so gravierend.

Kurzes Zwischenergebnis: wir können also mehr oder weniger regelmäßig mit mittelstarken Händen limpen, wenn wir dafür zum Ausgleich gelegentlich auch mit starken Händen nur limpen und hin und wieder mittelstarke Hände auch completen.

Im übrigen hat das Limpen noch einen entscheidenden Vorteil: nehmen wir an, du hast ne smooth 8 mit der 8 als Doorcard, aber nach dir kommt noch ein Gegner, von dem du weißt, daß er ein chronischer Bluffer ist, der ein Complete von dir ohnehin raisen würde. Gegen diesen Typen spielst du ohnehin bis zur 4th. Da aber auch chronische Bluffer gelegentlich ne Hand haben, willst du die 4th möglichst für eine Small Bet sehen.
Folglich limpst du rein, weil Mr Bluff ohnehin raised. So siehst du dann 4th für 1 statt 2 Small Bets.
 



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